In Zeiten verstärkter Zuwanderung steht Deutschland und die Europäische Union vor neuen Herausforderungen. Immer wieder wird betont, die Integration der Zuwanderer sei für ein erfolgreiches Zusammenleben eine wichtige Grundvoraussetzung. Die Verantwortung sich zu integrieren, wird meist den Zuwanderern zugeschrieben. Integration jedoch ist, wie die SPD-Abgeordnete Eva Lux formuliert, ein wechselseitiger Prozess innerhalb unserer Gesellschaft, zwischen der Zuwanderer- und auch der Mehrheitsbevölkerung. Verschiedene Bedingungen beeinflussen den erfolgreichen Prozess der Integration, darunter auch die Einstellung der Aufnahmegesellschaft den Zuwanderern gegenüber. Verschiedene Studien haben nachgewiesen, dass die Akkulturationsorientierungen der Zuwanderer, wie beispielsweise der Wunsch nach Kulturerhalt beeinflusst werden kann, je nachdem wie sehr sich die Migranten in der Aufnahmekultur akzeptiert oder diskriminiert fühlen. So haben beispielsweise bestehende Vorurteile der Aufnahmegesellschaft gegenüber den Zuwanderern einen starken Einfluss auf deren Akkulturationseinstellungen. Selbst Akkulturationseinstellungen der Mehrheitsbevölkerung wirken sich, zumindest teilweise, auf die Akkulturationseinstellungen der Zuwanderer aus.
Im Sinne der Gestaltung eines integrationsförderlichen gesellschaftlichen Klimas dürfte es daher von großem gesellschaftspolitischem Interesse sein, wie zur Förderung von toleranten Einstellungen der Aufnahmegesellschaft gegenüber der Zuwanderbevölkerung beigetragen werden kann. Die wichtige Rolle der Bildung im Zusammenhang mit der Reduktion von Fremdenfeindlichkeit wurde in der Forschung schon mehrfach nachgewiesen. Für die Entwicklung von Akkulturationseinstellungen gibt es derzeit noch keine Untersuchungen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Konzeptualisierung der Akkulturationseinstellungen
2.2 Bildung und Akkulturation
3 Daten, Variablen und Methode
3.1 ALLBUS 2014
3.2 Abhängige und unabhängige Variablen
4 Empirische Ergebnisse
4.1 Deskriptive Analysen
4.2 Uni- und multivariate logistische Regression
5 Zusammenfassung und Fazit
6 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau und den Akkulturationseinstellungen der Mehrheitsbevölkerung in Deutschland. Dabei wird analysiert, inwieweit Bildung als Faktor für tolerantere Einstellungen gegenüber Zuwanderern fungiert und welche Rolle dabei psychologische Mediatorvariablen wie Vorurteile oder Patriotismus spielen.
- Interactive Acculturation Model (IAM) nach Bourhis
- Einfluss von Bildung auf gesellschaftliche Akkulturationseinstellungen
- Empirische Analyse auf Basis des ALLBUS 2014
- Rolle von Vorurteilen, Multikulturalismus und Patriotismus als Mediatoren
Auszug aus dem Buch
2.1 Konzeptualisierung der Akkulturationseinstellungen
Ausgehend von Berry (1974) entwickelten Bourhis et al. (1997) das Interactive Acculturation Model (IAM). Berrys Modell basiert auf zwei Dimensionen, zum einen der des Kulturerhalts, zum anderen der des Intergruppenkontaktes, woraus sich vier Akkulturationsstrategien ergeben: Integration, Assimilation, Separation und Marginalisierung (Bourhis et al. 1997: 376). Da anzunehmen ist, dass die Akkulturationseinstellungen der Zuwanderer von den Akkulturationseinstellungen der Aufnahmegesellschaft beeinflusst sind, sahen Bourhis et al. die Notwendigkeit, Berrys Modell auf das Zusammenspiel der Akkulturationseinstellungen zwischen Aufnahme- und Zuwandererbevölkerung zu erweitern und in ein dynamischeres Modell zu überführen (Boruhis et al. 1997: 379).
Das Interactiv Acculturation Model (IAM) berücksichtigt so zusätzlich die Akkulturationsorientierungen der Aufnahmegesellschaft, welche ebenfalls den gleichen Fragen wie die Zuwanderer ausgesetzt sind: ‚Ist es akzeptabel, dass Migranten ihre Kultur erhalten oder die Aufnahmekultur annehmen?‘. Demnach unterscheiden Borhis et al. (1997: 379ff.) zwei Dimensionen, nach welchen sie die Akkulturationseinstellungen definieren: Kulturerhalt der Zuwandererkultur und Kulturübernahme der Kultur der Aufnahmegesellschaft. Daraus ergeben sich die Akkulturationsorientierungen Integration, Assimilation, Segregation (statt Separation wie bei Berry) und Exklusion, beziehungsweise Individualismus (statt Marginalisierung). Wenn sowohl Kulturerhalt, als auch Kulturübernahme erwünscht sind, so liegt die AE Integration vor.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Integration als wechselseitigen Prozess ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich des Einflusses von Bildung auf Akkulturationseinstellungen.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert das Interactive Acculturation Model (IAM) und diskutiert theoretische Argumente aus der Forschung zu Fremdenfeindlichkeit, um den Zusammenhang zwischen Bildung und Akkulturation herzuleiten.
3 Daten, Variablen und Methode: Hier werden der Datensatz ALLBUS 2014 als Grundlage sowie die Operationalisierung der abhängigen Variable (Akkulturationseinstellung) und der unabhängigen sowie Mediatorvariablen beschrieben.
4 Empirische Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die deskriptiven Analysen sowie die Ergebnisse der multinomialen logistischen Regressionsmodelle zur Hypothesenprüfung.
5 Zusammenfassung und Fazit: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Diskussion der Ergebnisse, einer Bewertung der Methodik sowie einem Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
6 Literaturverzeichnis: Auflistung aller verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Akkulturationseinstellungen, Bildung, Aufnahmegesellschaft, Interactive Acculturation Model, IAM, Vorurteile, Multikulturalismus, Patriotismus, Integration, Assimilation, Segregation, ALLBUS 2014, Migrationssoziologie, soziale Erwünschtheit, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Untersuchung von Akkulturationseinstellungen der deutschen Aufnahmegesellschaft gegenüber Zuwanderern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Einfluss von Bildung auf diese Einstellungen sowie die vermittelnde Rolle von Vorurteilen, Patriotismus und der Einstellung zu Multikulturalismus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: "Inwiefern beeinflusst Bildung die Akkulturationseinstellungen der Aufnahmegesellschaft?"
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden multinomiale logistische Regressionsanalysen auf Basis des Datensatzes ALLBUS 2014 durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung mittels des IAM von Bourhis, die Vorstellung der Variablen und Daten sowie die Präsentation der empirischen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Akkulturationseinstellungen, Bildung, Integration, Assimilation, Segregation, Vorurteile, Patriotismus und das Interactive Acculturation Model.
Warum konnte kein direkter Effekt von Bildung nachgewiesen werden?
In den multivariaten Modellen, welche Kontrollvariablen wie Alter und soziale Herkunft einbeziehen, erwies sich der Zusammenhang zwischen Bildungsjahren und Akkulturationseinstellungen als insignifikant.
Welche Rolle spielen Vorurteile in der Analyse?
Vorurteile fungieren als Mediatorvariable und haben einen signifikanten Effekt auf die Wahrscheinlichkeit, bestimmte Akkulturationseinstellungen zu vertreten.
Warum wird die Qualität der Daten kritisch diskutiert?
Der Autor weist auf eine mögliche soziale Erwünschtheit der Antworten und die eingeschränkte Messung der Akkulturationseinstellungen mittels nur einer einzigen Frage hin.
- Citation du texte
- Neema Li (Auteur), 2017, Migrationssoziologie. Inwiefern beeinflusst Bildung die Akkulturationseinstellungen der Aufnahmegesellschaft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380770