Denkmäler und Debatten um Denkmäler sind beides Aspekte von Geschichtskultur. Im Kern bleibt die Debatte um das geplante Denkmal als geschichtskulturelle Debatte, in der sich verschiedene Arten des geschichtskulturellen Umgangs mit dem Ereignis der Wiedervereinigung zeigen. Exemplarisch wird dieser Prozess am Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin veranschaulicht. Dabei richtet sich der geschichtsdidaktische Blick auf die kollektiven Emotionen in der Debatte. Analysiert werden sollen hier mehrere Debattenausschnitte mithilfe von geschichtsdidaktischen Konzepten. Dabei gehe ich besonders der Emotionsfrage nach. Das Fazit meiner Arbeit beinhaltet zum einen die Beantwortung der obigen Fragestellung und stellt zum anderen geschichtsdidaktische Herausforderungen heraus.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffe und Konzepte der Geschichtsdidaktik
2.1. Geschichtskultur
2.2. Abgrenzung der Begriffe: Geschichtskultur und Erinnerungskultur
2.3. Emotionen
3. Debattenanalyse
3.1. Erster Themenblock: Geschichtskultur
3.2. Zweiter Themenblock: Emotionen
3.3. Eine geschichtsdidaktische Untersuchung
4. Fazit
5. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1. Quellen
5.2. Sekundärliteratur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin als geschichtskulturelle Debatte. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der geschichtsdidaktischen Untersuchung kollektiver Emotionen in diesem Diskurs und der Frage, wie diese zur Identitätsbildung und Sinnbildung beitragen.
- Geschichtskulturelle Analyse von Denkmalsdebatten
- Die Rolle von Emotionen in der Geschichtsdidaktik
- Konzeptuelle Abgrenzung von Geschichtskultur und Erinnerungskultur
- Analyse des "zweiten Hearings" der Deutschen Gesellschaft e.V.
- Verhältnis von historischen Sinnbildungsprozessen und Denkmälern
Auszug aus dem Buch
3.1. Erster Themenblock: Geschichtskultur
Im Eröffnungsvortrag von Dr. Dorothee Wilms (S. 83-88) lassen sich besonders viele geschichtskulturelle Aspekte finden. Zwar wird der Begriff Geschichtskultur nicht explizit genannt, aber es gibt wie bereits in Kapitel 2.1. festgestellt, eine Parallelität zwischen beiden Begriffen. Aufgrund dessen erscheint es sinnvoll anhand des Vortrags herauszustellen, warum es sich um eine geschichtskulturelle Debatte handelt.
Zu Beginn ihres Vortrags fragt sich Frau Wilms, ob der Fall der Mauer bei den jungen Menschen noch bildhaft in Erinnerung ist. Daran schließt sich die Frage, ob ein Denkmal zu Freiheit und Einheit helfen kann, um den Prozess der Vereinigung im kollektiven Gedächtnis der kommenden Generation lebendig zu machen. Um die Fragen beantworten zu können, fängt die ehemalige CDU-Politikerin mit dem Thema der Vergangenheitsbewältigung im Umgang mit Denkmälern ihren Vortrag an:
„Wir Deutschen tun uns mit der Errichtung und Akzeptanz von Denkmälern in jüngerer Zeit nicht ganz leicht. Erinnert sei beispielhaft an die heftigen Auseinandersetzungen um ein würdiges Holocaust-Mahnmal in Berlin, an den aktuellen Streit um ein angestrebtes Europäisches Zentrum für Vertreibung oder an die Kontroversen bei der Errichtung eines Bundeswehr-Ehrenmals für Soldaten, die im Dienst ihr Leben lassen mussten. Und die Idee eines Freiheits- und Einheitsdenkmals stößt auch keineswegs nur auf begeisterte Zustimmung im Lande“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Forschungsthemas Freiheits- und Einheitsdenkmal Berlin und Formulierung der Arbeitshypothese zur geschichtskulturellen und emotionalen Bedeutung des Projekts.
2. Begriffe und Konzepte der Geschichtsdidaktik: Theoretische Grundlegung durch Analyse der Begriffe Geschichtskultur, Erinnerungskultur und der Kategorie Emotionen.
3. Debattenanalyse: Untersuchung des zweiten Hearings der Deutschen Gesellschaft e.V. anhand geschichtsdidaktischer Konzepte unter Berücksichtigung geschichtskultureller und emotionaler Aspekte.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, insbesondere der Bedeutung von Emotionalität als geschichtsdidaktische Kategorie im Kontext der Denkmalsdebatte.
5. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Geschichtskultur, Erinnerungskultur, Freiheits- und Einheitsdenkmal, Berlin, Geschichtsdidaktik, Emotionen, Collective Feelings, historische Sinnbildung, Wiedervereinigung, Denkmaldebatte, geschichtliches Lernen, kollektives Gedächtnis, Diskursanalyse, Identitätsstärkung, deutsche Teilung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die gesellschaftliche und geschichtskulturelle Debatte um das geplante Berliner Freiheits- und Einheitsdenkmal unter Einbeziehung geschichtsdidaktischer Perspektiven.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Konzept der Geschichtskultur, die Rolle von Emotionen in der Erinnerungspolitik sowie die Funktion von Denkmälern als Orte historischen Lernens.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie sich geschichtskulturelle Debatten um Denkmäler gestalten und welche Rolle kollektive Emotionen dabei spielen, um eine Verbindung zur deutschen Wiedervereinigung herzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Analyse nutzt das heuristische Konzept der Geschichtskultur von Bernd Schönemann, das Dimensionenkonzept von Jörn Rüsen sowie die Ebenen der historischen Sinnbildung zur Untersuchung von Debattenausschnitten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Geschichtskultur, der emotionalen Diskurse innerhalb des "zweiten Hearings" und eine abschließende geschichtsdidaktische Untersuchung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Geschichtskultur, Erinnerungskultur, kollektive Emotionen und historische Sinnbildung.
Welche besondere Bedeutung kommt dem "zweiten Hearing" zu?
Es dient als zentrale zeitgeschichtliche Quelle, an der die verschiedenen Argumentationsmuster und emotionalen Reaktionen der Beteiligten exemplarisch analysiert werden können.
Wie bewertet die Autorin den Umgang mit positiven historischen Ereignissen?
Die Autorin argumentiert, dass neben der kritischen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit auch positive Ereignisse wie die friedliche Revolution von 1989 stärker als Identifikationsangebote für die junge Generation genutzt werden sollten.
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- Laura Sophie Kersch (Author), 2017, Das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin als geschichtskulturelle Debatte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380950