Der Konfrontation mit Varietäten sehen sich auch Schülerinnen und Schüler sowohl im privaten Alltag, als auch im Schulalltag ausgesetzt, da oft viele unterschiedliche Sprachstile im Unterricht vertreten sind. Um an diese Alltagserfahrungen anzuknüpfen und so das Sprachbewusstsein der Schülerinnen und Schüler zu fördern, bietet sich eine Behandlung des Themas ‚Deutsche Sprachvarietäten‘ im Unterricht an.
Inhaltsverzeichnis
1. Deutsch sprechen – oder babbeln, schwätzen, schnacken, labern?
2. Varietät – Versuch einer Definition
3. Dialekte
3.1 Dialekt / Mundart und Standardsprache: Definitionsprobleme
3.2 Entstehung der Dialekte
3.3 Dialektgrenzen
3.4 Zukunft der Dialekte
4. Soziolekte
4.1 Jugendsprache
4.1.1 Wer ist „Die Jugend“?
4.1.2 Merkmale der Jugendsprache
4.2 ‚Genderlekte‘
4.2.1 Was ist Gender?
4.2.2 Männersprache vs. Frauensprache
5. ‚Sprachen in der Sprache‘ als Unterrichtsgegenstand
5.1 Exemplarische Bedeutung
5.1.1 Bildungsstandards
5.1.2 Lehrplan
5.2 Gegenwartsbedeutung
5.3 Zukunftsbedeutung
5.4 Methodische Überlegungen
5.4.1 Dialekte
5.4.2 Jugendsprache
5.4.3 ‚Genderlekte‘
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein tieferes Verständnis für sprachliche Varietäten des Deutschen zu entwickeln und deren Relevanz für den Deutschunterricht aufzuzeigen, indem sie die theoretischen Grundlagen von Dialekten und Soziolekten analysiert und didaktische Umsetzungsmöglichkeiten für die Schulpraxis diskutiert.
- Definition und Abgrenzung des Begriffs Varietät
- Analyse der Varietäten Dialekt und Soziolekt
- Untersuchung von Jugendsprache als soziolinguistisches Phänomen
- Diskussion von ‚Genderlekten‘ und geschlechtsspezifischem Sprachverhalten
- Didaktische Konzepte zur Förderung des Sprachbewusstseins im Unterricht
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Männersprache vs. Frauensprache
In den 60er Jahren stellte William Labov, ein amerikanischer Linguist, der sich vor allem mit Sprachwandel und -variation auseinandersetzt, eine These auf, die als Grundlage vieler darauffolgender sprachwissenschaftlicher Arbeiten diente: Die gesprochene Sprache von weiblichen Personen sei der Standardsprache näher als die gesprochene Sprache männlicher Personen. (vgl. Mironovschi 2009: 29) Hierbei war er einer der ersten, der sich mit Gender in Bezug auf Sprache beschäftigte. (vgl. ebd.) Im Jahr 1973, veröffentlichte anschließend die Professorin für Linguistik Robin Lakoff ihren Aufsatz Language and Woman’s Place, in welchem sie das gesprochene Englisch von Frauen untersuchte und mit dem von Männern verglich. (vgl. ebd.) Sie stellte eine Hypothese auf, auf die im Folgenden noch einmal genauer eingegangen wird, und welche, genau wie Labovs These, noch heute als Ausgangsthese für viele genderlinguistische Arbeiten und Diskussionen genutzt wird: Frauen bedienen sich einer Sprache, die sie machtlos wirken lässt. (vgl. Günthner und Kotthoff 1991: 17)
Nach ihren Anfängen in Amerika, verbreitete sich die Genderlinguistik auch in Deutschland, wo es 1947 Ingrid Guentherodt was, die als erste ein Seminar zum Verhalten der Frau in der Sprache hielt. (vgl. Bochenek 2010: 7) Ende der siebziger Jahre folgten die ersten deutschsprachigen Aufsätze zu diesem Thema, wo zwei der wichtigsten Autorinnen und Mitbegründerinnen der deutschen feministischen Linguistik die Professorinnen und Feministinnen Senta Trömel-Plötz und Luise Putsch sind, die beide Aufsätze über die Unterdrückung der Frau in der deutschen Sprache schrieben. (vgl. ebd.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Deutsch sprechen – oder babbeln, schwätzen, schnacken, labern?: Einleitung in die Thematik der sprachlichen Varietäten im Alltag und in der Schule sowie deren Bedeutung für das Sprachbewusstsein.
2. Varietät – Versuch einer Definition: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Varietät in der Linguistik und dessen Eingrenzung durch verschiedene wissenschaftliche Perspektiven.
3. Dialekte: Umfassende Analyse der Entstehung, Abgrenzung, räumlichen Ausprägung und der zukünftigen Entwicklung von Dialekten.
4. Soziolekte: Untersuchung von varietätsspezifischem Sprachgebrauch innerhalb sozialer Gruppen, fokussiert auf Jugendsprache und ‚Genderlekte‘.
5. ‚Sprachen in der Sprache‘ als Unterrichtsgegenstand: Darstellung der didaktischen Relevanz von Sprachvarietäten unter Einbeziehung von Bildungsstandards, Lehrplänen und konkreten Unterrichtsplanungen.
6. Fazit: Zusammenfassende Reflexion über die Bedeutung der Thematik für den Deutschunterricht und Ausblick auf weitere Forschungspotenziale.
Schlüsselwörter
Sprachvarietät, Dialekt, Soziolekt, Standardsprache, Jugendsprache, Genderlekte, Sprachbewusstsein, Deutschunterricht, Linguistik, Sprachwandel, Didaktik, sprachliche Identität, Kommunikation, Frauensprache, Männersprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Vielfalt der deutschen Sprache und den unterschiedlichen Formen des Sprachgebrauchs, bekannt als Sprachvarietäten, und wie diese im schulischen Kontext behandelt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themenbereiche umfassen Dialekte, Soziolekte wie Jugendsprache sowie geschlechtsspezifische Sprachunterschiede, die sogenannten ‚Genderlekte‘.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, das Sprachbewusstsein von Schülerinnen und Schülern durch die Behandlung von Sprachvarietäten zu fördern und aufzuzeigen, wie diese Themen didaktisch sinnvoll in den Deutschunterricht integriert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse linguistischer Konzepte sowie der Erstellung und didaktischen Einordnung von exemplarischen Verlaufsplanungen für den Unterricht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Dialekten und Soziolekten sowie in den praktischen Teil, der konkrete Unterrichtsmodelle für Dialekte, Jugendsprache und ‚Genderlekte‘ vorstellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sprachvarietät, Dialekt, Jugendsprache, Genderlekte, Sprachbewusstsein und Deutschunterricht charakterisiert.
Welche Rolle spielen ‚Genderlekte‘ in der Argumentation der Autorin?
‚Genderlekte‘ werden als ein Soziolekt analysiert, der Unterschiede im Sprechverhalten von Männern und Frauen aufzeigt, wobei insbesondere Lakoffs Thesen zur vermeintlich „unterwürfigen“ Sprache der Frau und spätere wissenschaftliche Diskurse beleuchtet werden.
Wie unterscheidet sich die methodische Herangehensweise bei der Behandlung von Dialekten und Jugendsprache im Unterricht?
Während bei Dialekten der Fokus auf der Analyse von Verwendungsbereichen und der Übersetzung ins Dialektale liegt, steht bei der Jugendsprache die Pro- und Kontra-Argumentation und die Reflexion über Sprachwandel im Vordergrund.
Warum hält die Autorin die Thematik für den Unterricht für besonders wertvoll?
Die Autorin argumentiert, dass Sprachvarietäten eine hohe Nähe zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler aufweisen, was die Motivation steigert und das Sprachbewusstsein sowie die kommunikative Kompetenz direkt fördert.
- Arbeit zitieren
- Lisa Henigin (Autor:in), 2017, Sprachen in der Sprache. Varietäten des Deutschen und ihre mögliche Umsetzung im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380982