Märchen als Hörspiel. "Die Bremer Stadtmusikanten" der Brüder Grimm zur Förderung der Kommunikationskompetenz im Sprachunterricht


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2017

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Märchen und seine Charakteristiken

3. Der Kompetenzbereich Hörverstehen

4. Das Hörspiel als geeignete Kompetenzförderung im DaF-Unterricht

5. Das Märchen und die zu fördernden Kompetenzen im Fremdsprachenunterricht Deutsch

6. „Die Bremer Stadtmusikanten“ im DaF-Unterricht

7. Hörkompetenz und Sprechfertigkeit
7.1. Hörverstehen
7.2. Sprechfertigkeit

8. Schluss

9. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Franz E. Weinert versteht unter Kompetenzen „die bei Individuen verfügbaren oder von ihnen erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können.“ (Weinert 2001, S.27) In der Fremdsprachendidaktik findet Anfang der 70er Jahre eine kommunikative Wende statt. Hierbei wird die kommunikative Kompetenz als übergeordnetes Ziel des Fremdsprachenunterrichts erklärt, welche die Lernenden zu situationsangemessener und sachgerechter Kommunikation in der Fremdsprache befähigt. Infolge der Förderung der Kommunikationsfähigkeit erhält – dem kommunikativen Ansatz des Fremdsprachenunterrichts entsprechend – nicht nur die mündliche Sprach-, sondern auch die Hörkompetenz eine wachsende Bedeutung. Diese funktionalen kommunikativen Kompetenzen sind für den Einzelnen besonders wichtig, um im Hinblick auf eine zunehmende Globalisierung kommunikative Intentionen vermitteln und die der Interaktionspartner verstehen zu können. Da die Entwicklung einerseits der mündlichen Ausdrucksfähigkeit einen Zugewinn an fließender gesprochener Interaktion mit anderen, sowie das Üben der Aussprache beinhaltet und andererseits der Hörkompetenz die akustische Wahrnehmung und Verarbeitung und das interpretierende Zuhören sowie die komplexe situationsbezogene Verarbeitung des Gehörten (vgl. Geißner 1984, S.106) zuwege bringt, kann die kommunikative Kompetenz durch die Entwicklung beider Fertigkeiten gefördert zu werden.

Angesichts dessen, dass die Frage noch ansteht, auf welche Weise Sprechen und Hören simultan geübt und entwickelt werden können, beschafft uns gerade die Literaturdidaktik eine mögliche Antwort, die in einem angemessenen Umgang mit literarischen Texten liegt. In Anbetracht dessen, dass sich die unterschiedlichen Positionen und Konzepte der Literaturdidaktik zu den Vermittlungsformen des Unterrichts sowohl auf die Textauswahl als auch auf die Gestaltung des Lehr-Lern-Prozesses beziehen (vgl. Irmgard 2006: 96), kommt der Textauswahl der epischen Gattung im Allgemeinen und der volkstümlichen Form ‚Märchen‘ im Besonderen eine erhebliche Bedeutung zu. An dieser Stelle handelt es sich um das Märchen als Hörspiel.

Im Rahmen dieses Beitrags will ich folgenden Fragen nachgehen: Inwiefern eignet sich das Märchen als Hörspiel besonders gut für die Förderung der kommunikativen Kompetenz? Wie kann man mit der volkstümlichen Gattung für einen kommunikationsorientierten Fremdsprachenerwerb umgehen? Anhand von „Die Bremer Stadtmusikanten“ von den Brüdern Grimm möchte ich aufzeigen, inwiefern das Märchen als Hörspiel den Bedürfnissen des Fremdsprachenunterrichts Deutsch in einem Land wie Kamerun gerecht werden kann sowie wie damit umgegangen werden kann.

2. Das Märchen und seine Charakteristiken

Der Begriff „Märchen“ stammt vom mittelhochdeutschen Wort maere ab und bedeutet ursprünglich Nachricht, Kunde, Bericht oder Gerücht (vgl. Strehlow 1985, S.9). Märchen sind Prosatexte, die von wundersamen Begebenheiten erzählen. Obwohl sie im Allgemeinen zu den ältesten Überlieferungen der Menschheit gezählt werden, erlangten sie im europäischen Raum erst zu Anfang des 19. Jahrhundert, nachdem die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm in den Jahren 1812-15 ihre weltweit bekannte Märchensammlung der „Kinder- und Hausmärchen“ veröffentlicht hatten, größere Popularität. Wie sich der Mensch in der Gesellschaft verhält und welche Handlungen zu seinem Alltag gehören, sowie welche Ereignisse ihm zustoßen, ist der Inhalt des Märchens:

Kampf, Stellen und Lösen von Aufgaben, Intrige und Hilfe, Schädigung und Heilung, Mord, Gefangensetzung, Vergewaltigung und Erlösung, Befreiung, Rettung, schließlich Werbung und Vermählung sowie Berührung mit einer den profanen Alltag überschreitenden Welt, mit zauberischen, ‚jenseitigen‘ Märchen. (Lüthi 1976 a, S.29)

Eine besondere Fähigkeit des Märchens besteht darin, trotz seiner Kürze, in seiner Weise die Welt zu umfassen: tote und lebendige Natur, Mensch und Menschenwerk, aber auch jenseitige Mächte (vgl. Lüthi 1962, S.8). Die Handlung wird von einem Helden getragen, der zur Identifikation anregt, denn er repräsentiert gewissermaßen Aspekte unserer Seele, durch die wir Teile unseres Lebens kennen lernen können. Zudem sind die Figuren nicht individuell gezeichnet, d.h. es handelt sich nicht um Einzelschicksale (vgl. Lüthi 1962, S. 9). Typisch für diese Figuren ist obendrein die Tatsache, dass sie entweder keine Eigennamen (‚der König‘, ‚die Prinzessin‘, ‚die Stiefmutter‘, ‚Aschenputtel‘) oder aber einen sehr gebräuchlichen Personennamen tragen wie z.B. Hans (vgl. Lüthi 1976 a, S.30-31). Auf das Wesentliche beschränkt weist die Handlungslinie des Märchens markante Punkte, Gelenkstellen auf: „Aufgaben, Verbote und Bedingungen, genaues Gelingen der Dinge, wenn möglich gerade noch im letzten Augenblick; als Schlusspunkt der prägnante Lohn oder die prägnante Strafe. […] Der Märchenheld wird gelenkt durch Aufgaben, Ratschläge, Gaben, Hilfen aller Art“ (Lüthi 1976 b, S.33).

All diese pauschal zu verzeichnenden Merkmale des Märchens spielen aus meiner Sicht für den Fremdsprachenunterricht eine tragende Rolle. Da der vorliegende Beitrag primär den Fokus auf das Märchen in Form von Hörspielen richtet, soll es im Folgenden darum gehen, Hörverstehensprozesse und ihre Rolle im Unterricht Deutsch als Fremdsprache zu erläutern und zu reflektieren.

3. Der Kompetenzbereich Hörverstehen

Ich möchte in diesem Teil ausschließlich auf das Hörverstehen fokussieren und andere Kompetenzbereiche ausblenden. Obwohl das Märchen sowohl gehört als auch gelesen wird, erachte ich das Hörverstehen als wichtigste Kompetenz bei fremdsprachlichem Lernen, da auch die Alltagskommunikation größtenteils auf Hören basiert. Es ist ebenfalls unabdingbar für die Entwicklung anderer Kompetenzen, insbesondere des Sprechens, weil die Kommunikation bereits in den Hörtexten stattfindet. Diese „Objekt-Kommunikation“, wie sie Honnef-Becker nennt, zeigt, wie die Kommunikationspartner dialogisch oder monologisch kommunizieren, face-to-face oder raumzeitlich getrennt, in privatem oder öffentlichem Kontext. Die Objekt-Kommunikation kann die Sprechfertigkeit der Lernenden insofern entwickeln, als diese Kommunikation auf eine Metaebene verlagert ist. Diese Metaebene betrifft die Meta-Kommunikation, d.h. die Kommunikation über die Hörtexte im Unterricht (vgl. Honnef-Becker 1996: 47). Wie das Leseverstehen ist das Hörverstehen ein komplizierter mentaler Prozess. Den Sprachsignalen wird durch die Verknüpfung mit Sprachwissen sowie Weltwissen Sinn zugeordnet. Dass der Lernende beim Hören eine aktive Rolle einnimmt, wird u.a. bereits dadurch verdeutlicht, dass sich jeder Verstehensprozess im Rückgriff auf individuelles Vorwissen vollzieht und damit als Interpretationsarbeit verstanden werden kann. Aufgrund dessen wird Hörverstehen nicht absolut als „rezeptive“ Fähigkeit betrachtet, es ist vielmehr als ein aktiver Prozess aufzufassen, in dem der Hörer nicht nur passiv rezipiert, sondern aktiv konstruiert (vgl. Hörmann 1976: 465). Diese aktive Konstruktion vollzieht sich, indem der Hörer einerseits Informationen vom Text bekommt („bottom-up“) und andererseits sein Wissen an den Text heranträgt („top-down“) (vgl. Honnef-Becker 1996, S.47).

4. Das Hörspiel als geeignete Kompetenzförderung im DaF-Unterricht

Hörspiele sind akustische und dramatisierte (in Form eines Dramas literarisch verarbeitete) Inszenierungen von Geschichten mit verteilten Sprecherrollen und Geräuschen. Sie eignen sich besonders gut für den Deutschunterricht, wenn man eine kommunikative Kompetenz bei den Lernenden entwickeln will. Ihre Eignung für den Unterricht sowie deren Multidimensionalität wird wie folgt zusammengefasst:

Hörspiele werden darüber hinaus fast immer als Rundfunksendungen produziert. Dies bietet die Möglichkeit, den LernerInnen, die im Zielsprachenland ihre Deutschkenntnisse vertiefen, eine wirkungsvolle Anleitung für das selbständige Arbeiten mit Hörspielen zu vermitteln. Die landeskundlichen Bezüge stellen einen weiteren Anreiz dar, sich mit dem Zielsprachenland auseinanderzusetzen. Die Handlung in Hörspielen verläuft meist linear, und es gibt in der Regel viele Spannungsmomente, die die Neugierde und die Motivation fördern. Ein weiterer Aspekt sind die außersprachlichen Komponenten wie Musik, Geräusche etc. Sie werden oft in Hörspielen sehr wirkungsvoll eingesetzt, was dazu beiträgt, dass das abstrakte Hören durch paralinguistische Merkmale erleichtert und unterstützt wird. (Dalhaus 1996: 217).

Die Hörspiele ragen somit dadurch hervor, dass sie den Lernenden mehrere Möglichkeiten und Anreize anbieten, ihre Fertigkeiten zu erweitern. Außer der Tatsache, dass das Hörspiel motivationsfördernd wirkt, da es viele Spannungsmomente in Szene setzt, dient es auch dazu, wichtige Informationen über Land und Leute zur Verfügung zu stellen (vgl. Einhoff 1993: 250). Vor dem Hintergrund, dass das Hörspiel eine erhebliche Bedeutung für den Deutschunterricht spielt, wende ich mich nun dem Thema „Märchen im Fremdsprachenunterricht“ zu.

5. Das Märchen und die zu fördernden Kompetenzen im Fremdsprachenunterricht Deutsch

Das Märchen als zu lesendes, zu hörendes sowie zu erzählendes Objekt, erlaubt es, im DaF-Unterricht, sowohl das Leseverstehen, das Hörverstehen als auch das Schreiben, das Sprechen sowie die soziale Kompetenz zu fördern.

Das Märchen als Hörspiel kann in gewisser Hinsicht die Leseflüssigkeit (fluency) des Lernenden fördern und dies, weil ein Hörtext entweder laut gelesen oder zugehört werden kann (vgl. Müller 2012: 62). Nicht nur die Leseflüssigkeit des Lernenden, sondern auch dessen Lesegeschwindigkeit wird verbessert, weil mit dem Märchen Lautleseverfahren praktiziert werden können. Unterschieden wird zwischen wiederholtem Lautlesen und begleitendem Lautlesen. Beide Verfahren fördern also die genaue Dekodierfähigkeit von Wörtern, die Automatisierung der Dekodierprozesse, eine angemessen schnelle Lesegeschwindigkeit und die Fähigkeit zur sinngemäßen Betonung des gelesenen Satzes, also zu einem ausdrucksstarken Vorlesen (vgl. Rosenbrock / Nix 2008: 38). Diese durch das Lautlesen geförderten Komponenten geben den Lernenden die Möglichkeit, neue Wörter in den eigenen Sprachgebrauch aufzunehmen. Darüber hinaus befähigt es sie zu einer guten Aussprache.

Wird nicht vom Lernenden selbst laut gelesen, so kann dies stattdessen durch ein spezifisches Hörmedium erfolgen, was nicht von geringem Wert ist.

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Märchen als Hörspiel. "Die Bremer Stadtmusikanten" der Brüder Grimm zur Förderung der Kommunikationskompetenz im Sprachunterricht
Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V381017
ISBN (eBook)
9783668578425
ISBN (Buch)
9783668578432
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
märchen, hörspiel, bremer, stadtmusikanten, brüder, grimm, förderung, kommunikationskompetenz, sprachunterricht
Arbeit zitieren
Yannick Gnipep-oo (Autor), 2017, Märchen als Hörspiel. "Die Bremer Stadtmusikanten" der Brüder Grimm zur Förderung der Kommunikationskompetenz im Sprachunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381017

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