Banken stehen vor einem Wendepunkt. Fortschreitende Digitalisierung, wandelnde Kundenanforderungen und innovative Wettbewerber wie Fintech-Unternehmen verändern die Finanzbranche und zwingen Banken sich neu zu positionieren. Distributed Ledger Technologien (DLT), als ein Themenfokus von Fintech-Unternehmen, könnten einer der Haupttreiber für Veränderungen in der Finanzbranche im 21. Jahrhundert werden.
DLT schaffen aufgrund ihrer dezentralen, kryptografisch gesicherten Datenspeicherung Vertrauen zwischen Vertragspartnern. Die klassische Aufgabe von Banken, Vertrauen in ihrer Rolle als Kreditgeber und Depositennehmer zu etablieren, kann daher durch DLT-Plattformen substituiert werden. Das Potential von DLT Ausprägungen, wie Blockchain, Etherum, Hyperledger und Ripple, sind weit größer als die Bereitstellung einer dezentralen Kryptowährung.
Auf Basis von Defiziten im Bankensektor, werden Chance und Risiken der verschiedenen DLT Ausprägungen verglichen. Beispielsweise erhoffen sich viele Banken durch DLT ihre veraltete IT zu verbessern.
Nicht nur für die Finanzbranche, sondern auch in anderen Bereichen besitzen DLT disruptives Potential. Teilweise wird ihr disruptives Potential mit dem des Internets gleichgesetzt. Genau wie einst dem Internet werden DLT die Fähigkeit zugesprochen, die Art und Weise wie Prozesse stattfinden zu revolutionieren. Diese Sichtweise hat einige Anbieter ver-schiedener DLT-Anwendungen hervorgebracht. Im dritten Kapitel werden daher sowohl Anwendungsbereiche außerhalb der Finanzbranche sowie Anwendungsbereiche innerhalb der Finanzbranche untersucht und Akteure unterschiedlicher DLT-Anwendungen vorgestellt.
Es werden verschiedene Ausgestaltungsformen von DLT auf ihre Nützlichkeit für die Bankenbranche geprüft. Zuerst werden allgemeine Vor- und Nachteile von DLT gegenübergestellt. Im Anschluss werden private DL, öffentliche DL sowie spezielle Ausgestaltungsformen von DL, Blockchain, Etherum, Ripple, Corda und Hyperledger, im Hinblick auf bankspezifische Anforderungen untersucht. Zuletzt wird anhand einer SWOT-Analyse festgestellt, welche Chancen und Risiken Banken durch Nutzung ihrer Stärken und Überwindung ihrer Schwächen abwehren bzw. nutzen können. Abschließend wird Handlungsbedarf für Banken identifiziert und eine bestmögliche Nutzung von DLT herausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Veränderung des Wettbewerbsumfeldes klassischer Finanzintermediäre
2.2 Initiatoren im technologischen Wandel durch DLT
2.2.1 Blockchain
2.2.2 Smart Contracts
2.3 Modernisierungsbedarf von Banken
3 Distributed Ledger Technologien
3.1 Begriffsabgrenzungen
3.2 Überblick über DLT-Ausprägungen
3.3 Systematische Darstellung von Anwendungsbereichen und aktuellen Akteuren
3.3.1 Branchenüberblick
3.3.2 Finanzbranche
4 Kritische Diskussion innovativer Konzepte für Banken
4.1 Evaluation der Eignung von DLT-Ausprägungen für Banken
4.1.1 Vor-und Nachteile von DLT
4.1.2 Erfüllung bankspezifischer Anforderungen
4.2 SWOT-Analyse zur Ableitung von Handlungsempfehlungen
4.2.1 Chancen und Stärken
4.2.2 Risiken und Schwächen
4.2.3 Ableitung von Handlungsempfehlungen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit identifiziert die Chancen und Risiken, die durch Distributed Ledger Technologien (DLT) für klassische Finanzintermediäre entstehen, und analysiert, wie diese Technologien zur Modernisierung und strategischen Neupositionierung von Banken beitragen können.
- Analyse des technologischen Wandels in der Finanzbranche durch DLT und Blockchain.
- Evaluation verschiedener DLT-Ausprägungen auf ihre Eignung im Bankenkontext.
- Identifikation von Verbesserungspotentialen in betrieblichen Prozessen von Banken.
- SWOT-Analyse zur Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen für Finanzinstitute.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Blockchain
Blockchaintechnologie und die auf ihr laufende Anwendung Bitcoin haben seit ihrer Erfindung 2008 große Popularität erlangt. Die Idee einer digitalen Währung wurde bereits in früheren Werttransfersystemen mit kryptografischer Technik oder Zwei-Schlüssel-Technik eines privaten und öffentlichen Schlüssels erprobt. Dennoch hat die höhere Zentralisierung auf Blockchain das Interesse der Öffentlichkeit geweckt. Im Folgenden wird die Funktionsweise von Blockchaintechnologie erläutert, um darauf aufbauend Unterschiede zu weiteren Ausprägungen von DLT deutlich zu machen.
Blockchain ist eine Back-End Datenbasis, die dezentral Buch führt, d. h. Transaktionen dezentral auf mehreren Endgeräten aufzeichnet. Die Authentifizierung und Validierung von Transaktionen fußen auf dem Konsens der Blockchain-Gemeinschaft. Über allgemeingültige technische Aspekte hinaus, existieren diverse Auffassungen zur Abgrenzung von Blockchaintechnologie. In der vorliegenden Arbeit wird Blockchain als eine Ausprägung von DLT definiert, die für den Handel der Kryptowährung Bitcoin entwickelt wurde. Blockchaintechnologie basiert auf der Motivation, Vertrauen in eine zentrale Instanz durch kryptografische Technik zu substituieren und damit einhergehend FI überflüssig werden zu lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die wachsende Bedeutung von DLT dar und umreißt die Forschungsfrage, die sich mit der Disintermediation durch technologischen Wandel beschäftigt.
2 Grundlagen: Das Kapitel erläutert die Intermediationstheorie, die Rolle klassischer Banken und die durch DLT und P2P-Finanzierung ausgelösten Veränderungen im Wettbewerbsumfeld.
3 Distributed Ledger Technologien: Hier werden zentrale Begriffe definiert und ein systematischer Überblick über verschiedene DLT-Ausprägungen sowie deren Anwendung in verschiedenen Branchen gegeben.
4 Kritische Diskussion innovativer Konzepte für Banken: Dieses Hauptkapitel evaluiert die Eignung verschiedener DL-Modelle für Banken und analysiert mittels SWOT-Analyse die Chancen und Risiken.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit für Banken, DLT kritisch zu prüfen und strategisch in ihre Geschäftsmodelle zu integrieren.
Schlüsselwörter
Distributed Ledger Technologien, DLT, Blockchain, Finanzintermediäre, Banken, Smart Contracts, P2P-Lending, Disintermediation, Finanztechnologie, FinTech, SWOT-Analyse, Transaktionskosten, Konsensmechanismen, Digitalisierung, Kryptowährungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem disruptiven Potential von Distributed Ledger Technologien (DLT) auf klassische Bankgeschäfte und untersucht, wie Finanzintermediäre auf diese Herausforderung reagieren können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Grundlagen der Finanzintermediation, die Funktionsweise von Blockchain und Smart Contracts sowie die praktische Anwendung von DLT in der Finanzwirtschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, Chancen und Risiken für Banken durch den Einsatz von DLT zu identifizieren und konkrete Handlungsempfehlungen für deren strategische Modernisierung abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Analyse verwendet?
Die Autorin nutzt eine strukturierte Analyse des aktuellen Stands der Technik und der Literatur, ergänzt durch eine detaillierte SWOT-Analyse der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken für Banken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene DLT-Ausprägungen (wie Blockchain, Corda, Ripple) auf ihre regulatorische Kompatibilität und Eignung für Bankprozesse geprüft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Zentrale Begriffe sind DLT, Blockchain, Finanzintermediäre, Smart Contracts, Disintermediation, FinTech und strategisches Bankmanagement.
Warum sind öffentliche Blockchains für den Bankensektor kritisch?
Öffentliche Blockchains bieten aufgrund ihrer Anonymität und mangelnden Reversibilität von Transaktionen oft nicht die für Banken notwendige Konformität mit regulatorischen Anforderungen wie AML oder KYC.
Welche Bedeutung haben Smart Contracts für Finanzinstitute?
Smart Contracts ermöglichen eine weitgehende Automatisierung von Vertragsprozessen und Zahlungsausführungen, was Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen in administrativen Abläufen verspricht.
- Quote paper
- Sophie Steffen (Author), 2017, Chancen und Risiken von Distributed Ledger Technologien aus Sicht klassischer Finanzintermediäre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383002