In der folgenden Modularbeit werde ich mich mit dem Verhältnis von Schriftlichkeit und Mündlichkeit in Assia Djebar’s Werk „L’amour, la fantasia“ beschäftigen. Als erstes werde ich auf die Schriftstellerin des Werkes – Assia Djebar – eingehen. Danach werde ich zu dem Modell von Koch/Österreicher überleiten und allgemeine Ansätze zum Thema Mündlichkeit und Schriftlichkeit erörtern. Im Anschluss werde ich das allgemeine Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Werk ansprechen, werde aber danach spezifisch auf einige Kapiteln näher eingehen und diese erläutern. Abschließend komme ich zum Fazit und wie meiner Meinung nach das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit in „L’amour, la fantasia“ ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Assia Djebar und ihr Werk „L’amour, la fantasia“
3 Das Modell nach Koch/ Österreicher (1985/1994)
4 Ansätze für die Erörterung zur Schriftlichkeit und Mündlichkeit
5 Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit in den Kapiteln von Assia Djebar’s Werk „L’amour, la fantasia“
5.1 Allgemeines Verhältnis im ganzen Werk
5.2 Première partie : La prise de la ville ou L’Amour s’écrit
5.2.1 Mon père écrit à ma mère
5.3 Deuxième partie : Les cris de la fantasia
5.3.1 Chapitre I
5.4 Troisième partie : Les voix ensevelies
5.4.1 Premier Mouvement, Corps enlacés
5.4.2 Deuxième Mouvement, La mise à sac
5.4.3 Troisième Mouvement, Chuchotements
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis von Schriftlichkeit und Mündlichkeit in Assia Djebars Werk „L’amour, la fantasia“ unter Anwendung des theoretischen Modells von Koch/Österreicher, um die Wechselwirkung zwischen kolonialen historischen Berichten und den oralen Überlieferungen algerischer Frauen zu dekonstruieren.
- Analyse von Mündlichkeit und Schriftlichkeit basierend auf dem Modell von Koch/Österreicher
- Untersuchung der französischen Sprache als Werkzeug zur Dekonstruktion historischer Machtdiskurse
- Kontrastierung von kolonialen Kriegskorrespondenzen mit den mündlichen Erinnerungen algerischer Frauen
- Betrachtung der polyphonen Struktur des Romans als Mosaik der Erinnerung
Auszug aus dem Buch
5.2.1 Mon père écrit à ma mère
In diesem Kapitel kann man schon am Titel sehen, dass es eher um die Schriftlichkeit geht. In Algerien ist es eher untypisch und nicht sittlich, dass ein Mann seiner Frau etwas schreibt. Doch Assia Djebar’s Vater schrieb an ihre Mutter und das machte sie unfassbar stolz.
Ihre « mère ne désignait jamais [mon] père autrement que par le pronom personnel arabe correspondant à « lui ». » (p. 46) Jeder Satz wurde « à la troisème personne » (p. 46) konjugiert. « Après quelques années de mariage, ma mère apprit progressivement le français. » (p. 46) und ihre Mutter fing an, nach und nach zu sagen: « mon mari est venu, est parti… Je demanderai à mon mari ». (p. 46) Assia Djebar erinnerte sich oft an die Tonlage der Mutter, als sie so von ihrem Vater sprach und sie achtete dabei sehr auf die « la lenteur appliquée de l’énonciation sont évidents » (p. 46), denn dadurch wurde ihr auch einiges abverlangt. Es schickte sich nämlich nicht direkt von ihrem Mann zu sprechen. Auch die Verwandtschaft nahm diese Veränderung mit Argwohn an und die Eltern von Assia Djebar « formaient un couple, réalité extraordinaire ». (p. 47) Dazu kam, dass ihr Vater an ihre Mutter schrieb. Dies war « la révolution: mon père, de sa propre écriture, et sur une carte qui allait voyager de ville en ville, qui allait passer sous tant et tant de regards masculins, […], mon père donc avait osé écrire le nomde sa femme qu’il avait désignée à la manière occidentale: « Madame untel… ». (p. 48) Diese Postkarte zog alle Blicke auf ihre Mutter und sie musste sich viele Kommentare dazu anhören. Aber Assia Djebar‘s Mutter war « satisfaite » und « flattée ». (p. 49) von ihrem Mann. « Mon père avait osé « écrire » à ma mère. L’un et l’autre, mon père par l’écrit, ma mère dans ses nouvelles conversations où elle citait désormais sans fausse honte son époux, senommaient réciproquement, autant dire s’aimaient ouvertement ». (p. 49)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert das Thema der Arbeit, die Relevanz der Untersuchung des Verhältnisses von Schriftlichkeit und Mündlichkeit in Djebars Werk und skizziert den methodischen Aufbau der Untersuchung.
2 Assia Djebar und ihr Werk „L’amour, la fantasia“: Dieses Kapitel gibt einen biografischen Überblick über die Autorin und führt in die inhaltliche sowie strukturelle Gestaltung des Romans ein, wobei die Verzahnung von Fiktion, Historie und Autobiografie betont wird.
3 Das Modell nach Koch/ Österreicher (1985/1994): Hier wird das theoretische Instrumentarium der konzeptionellen und medialen Mündlichkeit bzw. Schriftlichkeit eingeführt, welches zur Einordnung sprachlicher Äußerungen dient.
4 Ansätze für die Erörterung zur Schriftlichkeit und Mündlichkeit: In diesem Kapitel werden wissenschaftliche Ansätze diskutiert, die das Berberische als Merkmal für Mündlichkeit bei Assia Djebar verorten und die Funktion der französischen Sprache als „langue marâtre“ beleuchten.
5 Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit in den Kapiteln von Assia Djebar’s Werk „L’amour, la fantasia“: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil, in dem die theoretischen Erkenntnisse auf spezifische Textabschnitte angewendet und die verschiedenen Formen der Kommunikation im Werk analysiert werden.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass im Roman ein ständiger Wechsel zwischen der männlichen französischen Schriftlichkeit und der weiblichen algerischen mündlichen Tradition stattfindet, die in einem ausgewogenen Verhältnis zueinanderstehen.
Schlüsselwörter
Assia Djebar, L’amour, la fantasia, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Koch/Österreicher, Postkoloniale Literatur, Algerien, Sprache der Nähe, Sprache der Distanz, Polyphonie, Kulturelles Gedächtnis, Erinnerung, Dekonstruktion, Berberisch, Autobiografie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Wechselspiel zwischen schriftlich fixierten historischen Dokumenten und oralen, weiblichen Überlieferungen im Roman „L’amour, la fantasia“ von Assia Djebar.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Postkolonialismus-Literatur, die Spannung zwischen mündlicher Tradition und schriftlicher Dokumentation sowie die autobiografische Aufarbeitung von Geschichte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Assia Djebar durch das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit historische Machtdiskurse dekonstruiert und eine eigene, pluralistische Identität schafft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt als theoretische Grundlage das Modell von Koch/Österreicher zur Differenzierung von konzeptioneller und medialer Mündlichkeit bzw. Schriftlichkeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Analyse spezifischer Kapitel des Romans, um an konkreten Textstellen die Anwendung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit zu veranschaulichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Polyphonie, das kulturelle Gedächtnis, die Sprache der Nähe, Postkolonialität und der ständige Perspektivwechsel.
Warum spielt die französische Sprache für Djebar eine so ambivalente Rolle?
Sie bezeichnet das Französische als „langue marâtre“ (Stiefmutter-Sprache), nutzt es jedoch gezielt als Werkzeug, um historische Machtstrukturen zu hinterfragen und sich durch das Schreiben eine Form der Freiheit zu erarbeiten.
Wie werden die „Frauenversammlungen“ im dritten Teil des Buches sprachlich bewertet?
Die Versammlungen werden als Ausdruck konzeptioneller Mündlichkeit gewertet, bei denen Frauen durch Erzählungen und verschlüsselte Botschaften innerhalb ihrer Tradition ihre Stimmen und Erinnerungen bewahren.
- Citation du texte
- Christin Curth (Auteur), 2015, Das Verhältnis von Schriftlichkeit und Mündlichkeit in Assia Djebar’s Werk "L’amour, la fantasia", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383633