Die verkörperte Kognitionshypothese. Ist die Sprachbildung mit dem sensorischen und mit dem motorischen System des menschlichen Körpers verbunden?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Abhängigkeit der Sprachbildung vom sensorischen und motorischen System
2.1 Betrachtung der TMS-Studie von Neininger und Pulvermüller und Betrachtung weiterer Studien Pulvermüllers
2.2 Betrachtung der Forschung von Boulenger in Bezug auf die Sprachverarbeitung der Parkinsonerkrankten
2.3 Vergleich Boulenger und Caramazza

3. Betrachtung der unverkörperten Kognitionshypothese

4. Schlussfazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Sprache ist für jeden von uns ein alltägliches Gut. Sie ist für jedermann unentbehrlich.

So ist es nicht verwunderlich, dass es sich Sprachforscher zur Aufgabe gemacht haben, die Entstehung der Sprache genauer zu untersuchen. Über die Jahre sind verschiedene Theorien entstanden wie Sprache entsteht. Zum einen setzten Forscher auf eine Sprachbildung, die mit dem sensorischen und motorischen System des Körpers verbunden ist.

Ein anderer Teil der Forscher unterstützt die Theorie, dass die Sprachbildung unabhängig von der Bewegung des Körpers passiert.[1]

Wenn Studien zur verkörperten Kognitionshypothese durchgeführt werden, dann kann die Durchführung und die Betrachtung der Ergebnisse in vier Unterkategorien eingeteilt werden. Bei den vier Unterkategorien handelt es sich um die direkte Demonstration, die demonstrierten Verhaltensweisen, die Demonstrationen von sensorischen und motorischen Aktionen und die Betrachtung von beeinträchtigten lexikalischen Endscheidungsleistungen.[2] Die meisten verwertbaren Studienergebnisse konnten erzielt werden, indem automatisierte motorische Prozesse untersucht wurden. Es wurden auch Studien an nicht menschlichen Primaten durchgeführt. Als Beweis zur Bestätigung dieser Theorie können die Studien von Boulenger,Gallese and Lakoff, Martin, Pulvermüller, Rizzolatti and Craighero angeführt werden.[3]

In all diesen Studien wurde herausgearbeitet, dass das motorische System aktiviert wird, wenn die Probanden stimulierende Objekte betrachten, wenn linguistische Stimuli stattfindet und bei der Beobachtung anderer Individuen.[4] Durch diese Erkenntnis könnte man behaupten, dass die unverkörperte Kognitionshypothese wiederlegt wäre.

In dieser Arbeit soll die verkörperte Kognitionshypothese durch Betrachtung weiterer Studien belegt werden.

So wird im zweiten Teil dieser Arbeit die Betrachtung der TMS-Studie von Neiniger und Pulvermüller stattfinden. Aber auch weitere Studien Pulvermüllers werden beleuchtet.

Des Weiteren wird die Betrachtung der Studie von Boulenger (2008), in der die Untersuchung der Sprachbildung Parkinsonerkrankter im Fokus stand, in dieser Arbeit eine Rolle spielen. Darauf folgend wird ein weiterer Forschungsausblick zur verkörperten Kognitionshypothese geliefert. Die gesammelten Forschungsergebnisse sollen meine Hypothese stützen, dass die Sprachbildung durch verkörperte Kognition geschieht.

Doch auch die unverkörperte Kognitionshypothese soll in dieser Arbeit nicht unbehelligt bleiben. So finden sich im 3. Teil dieser Arbeit auch Ausführungen zu dieser.

Im Schlussteil dieser Arbeit sollen die Ergebnisse der Studien zusammengefasst werden, um somit die Existenz der verkörperten Kognitionshypothese weiter zu stärken.

2. Abhängigkeit der Sprachbildung vom sensorischen und motorischen System

2.1 Betrachtung der TMS-Studie von Neininger und Pulvermüller und Betrachtung weiterer Studien Pulvermüllers

Schon Jahrhunderte lang beschäftigen sich Forscher mit der Funktionsweise unseres Gehirns. Doch erst durch die neuesten Technologien wurde es möglich, Forschungsergebnisse zu produzieren. Viele Jahre existierte die Annahme, dass nur der linke inferiore frontale und der obere temporale Kortex für die Sprachbildung zuständig seien. Doch dass dem nicht so ist, bewies Pulvermüller bereits 1996.[5]

Pulvermüller und Neininger stellen schon am Anfang ihrer Arbeit von 2002 fest, dass nicht nur die linke Hemisphäre eine zentrale Rolle bei der Produktion von Wörtern spielt, sondern dass auch die linken frontalen und temporalen Gebiete des Gehirns an der Bildung von Nomen und Verben beteiligt sind. Nach Pulvermüller und Neininger ist durch die Untersuchung von Probanden, bei denen Läsionen im Gehirn zu verzeichnen waren, deutlich geworden, dass nicht nur die linke Hemisphäre zuständig ist für die Bildung und Verarbeitung von Wörtern, sondern dass die rechte Hemisphäre auch in der Lage ist Wortstimuli zu erfassen.[6]

Des Weiteren wird durch Neininger und Pulvermüller vermutet, dass die handlungs- und visuell relevanten Bereiche in beiden Hemisphären komplementär gesehen werden können zu den Sprachgebieten, welche an den kategoriespezifischen Prozessen beteiligt sind.[7] [8] In dieser Studie wurden zwei Hypothesen aufgestellt, doch nur die erste ist für diese Arbeit relevant. Die erste Hypothese Neiningers und Pulvermüllers lautet wie folgt: "Right- hemispheric lesions in the motor cortex and adjacent fronto-parietal sites will primarily impair the processing of action-related words most severely."8 Die dazu ausgeführten Experimente würden nicht nur die Zusammenarbeit von beiden Hemisphären bezeugen.

Sie würde auch zeigen, dass die Sprachbildung eindeutig mit dem menschlichen Bewegungsapparat gekoppelt ist. Dieses würde bedeuten, dass durch diese Studie die unverkörperte Kognitionshypothese falsifiziert werden könnte.

Die Studienteilnehmer dieses Experiments mussten Rechtshänder sein und deutsche Muttersprachler. Es wurden Probanden mit unterschiedlichen Schädigungen in der rechten Gehirnhemisphäre in zwei Gruppen untersucht. Als Kontrollgruppen dienten gesunde Menschen.[9] [10] Die Probanden sollten Nomen und Verben in ihre Wortkategorien einordnen. Neininger und Pulvermüller benennen die Durchführung ihres Experiments wie folgt: "attention-demanding speeded lexical decision task".10 In der Auswertung des Experiments wurde deutlich, dass Menschen die an einer Läsion des rechten Frontallappens litten, ein großes Problem mit der Einordnung von Aktionsverben hatten.[11] Diese Patienten waren auch körperlich beeinträchtigt, so dass geschlussfolgert werden könnte: Menschen die ein eingeschränktes motorisches System besitzen, haben auch in der Verarbeitung und Bildung von Aktionsverben Schwierigkeiten. Durch dieses Experiment Neiningers und Pulvermüllers wurde deutlich gezeigt, dass das motorische System mit der Verarbeitung von Wörtern zusammenhängt. Dieses war zwar nicht ihr Anliegen in dieser Studie, dennoch ist dieses Ergebnis sehr nützlich um die verkörperte Kognitionshypothese zu belegen und die nicht verkörperte Kognitionshypothese zu entkräften.

Auch in späteren Ausführungen Pulvermüllers wurde die Verbindung zwischen dem motorischen System und der Sprache untersucht. Gerade in der Arbeit mit dem TMS- Verfahren (Transcranial magnetic stimulation) konnten signifikante Ergebnisse zur Beziehung zwischen der Bildung von Aktionswörter und der Bewegung selbst erarbeitet werden. Pulvermüllers Forschungen zeigten, dass die Bildung von Aktionswörtern im nahezu gleichen Bereich des Gehirns stattfindet wie der Befehl zur Bewegung.[12] Wenn den Probanden Aktionsverben gezeigt wurden, wurden die gleichen Gehirnareale aktiviert wie bei der ausgeführten Bewegung. Laut Pulvermüller ist so eine direkte Verbindung zwischen der Bewegung und der Bildung von Aktionswörtern gegeben.[13] Des Weiteren unterstützt dieses Forschungsergebnis Pulvermüllers, wie auch schon sein Ergebnis der Studie von 2002, die verkörperte Kognitionshypothese, denn es wird deutlich, dass die Bewegung in direkter Verbindung zur Verarbeitung im Gehirn steht.

Weitere sehr interessante Ergebnisse brachte eine TMS-Studie zu Tage, welche auch 2005 von Friedemann Pulvermüll, Olaf Hauk, Vadim V. Nikulin und Risto J. Ilmoniemi durchgeführt wurde. Den Probanden wurden 250 Buchstabenfolgen präsentiert, die aus 50 armbezogenen und 50 beinbezogenen Wörtern, 50 Distraktorenwörtern und 100 Pseudowörtern bestanden.[14] In der Auswertung wurde eine verschiedene Wirkung des TMS- Verfahrens auf die Arm-und Beinareale in der linken Hemisphäre registriert.[15] Die Hirnareale wurden bei beinbezogenen Wörtern schneller aktiviert, als bei abgezogenen. Nach Pulvermüller sei dies durch die Vielfalt der Armbewegungen zu begründen.

Die Bewegung die das Bein macht ist annähernd immer die Gleiche, wodurch das Konzept dieser Bewegung schneller in dem bestimmten Hirnareal aktiviert werden kann.[16] Des Weiteren wurde in dieser Studie zusätzlich bewiesen, dass nicht nur ausschließlich die linke Hirnhemisphäre für die Sprachbildung verantwortlich ist.[17] Durch das TMS-Verfahren konnten bei der Stimuli der armebezogenen und beinbezogenen Wörter, Neuronenensembles über die Kernareale hinaus beobachtet werden.

Außerdem wurde vermutet, dass der Arm -oder Beinmotorcortex und Premotorcortex Arm- und Beinwörter präsentiert und produziert.18 Pulvermüller interpretiert dieses Ergebnis als "specific functional links from supplementary language cortex in motor or premotor cortex to core language areas in the processing of words related to actions." 19 Für ihn ist hiermit die Verbindung zwischen der Wortbildung und der Aktion bewiesen, was für die verkörperte Kognitionshypothese spricht.[18] [19]

2.2 Betrachtung der Forschung von Boulenger in Bezug auf die Sprachverarbeitung der Parkinsonerkrankten

[...]


[1] Caramazza, Alfonso; Mahon, Bradford Z. : A critical look at the embodied cognition hypothesis and a new

proposal for grounding conceptual content Journal of Physiology , Paris ,(2008), S. 59.

[2]

Caramazza, Alfonso; Mahon, Bradford Z. : A critical look at the embodied cognition hypothesis and a new proposal for grounding conceptual content Journal of Physiology , Paris ,(2008), S. 60-61.

[3]

Caramazza, Alfonso; Mahon, Bradford Z. : A critical look at the embodied cognition hypothesis and a new proposal for grounding conceptual content Journal of Physiology , Paris ,(2008), S.60.

[4] Caramazza, Alfonso; Mahon, Bradford Z. : A critical look at the embodied cognition hypothesis and a new proposal for grounding conceptual content Journal of Physiology , Paris ,(2008), S. 60-61.

[5] Pulvermüller, Friedemann: Functional links between motor and language systems, European Journal of Neuroscience, Vol. 21, pp., 2005, S.793.

[6] Neininger, Bettina, Pulvermüller, Friedemann: Word-category specific deficits after lesions in the right hemisphere,Neuropsychologia 41 (2003), S.53-54.

[7] Neininger, Bettina, Pulvermüller, Friedemann: Word-category specific deficits after lesions in the right hemisphere,Neuropsychologia 41 (2003),S.54.

[8] Neininger, Bettina, Pulvermüller, Friedemann: Word-category specific deficits after lesions in the right hemisphere,Neuropsychologia 41 (2003),S.54.

[9] Neininger, Bettina, Pulvermüller, Friedemann: Word-category specific deficits after lesions in the right hemisphere,Neuropsychologia 41 (2003), S.55-57.

[10] Neininger, Bettina, Pulvermüller, Friedemann: Word-category specific deficits after lesions in the right hemisphere,Neuropsychologia 41 (2003), S.68.

[11] Neininger, Bettina, Pulvermüller, Friedemann: Word-category specific deficits after lesions in the right hemisphere,Neuropsychologia 41 (2003), S.68.

[12]

Pulvermüller,Friedemann: Brain mechanisms linking language and action, www.nature.com/reviews/neuro,

J uly 2005, S. 578-580.

[13] Pulvermüller,Friedemann: Brain mechanisms linking language and action, www.nature.com/reviews/neuro,

July 2005, S.580.

[14] Pulvermüller, Friedemann: Functional links between motor and language systems, European Journal of Neuroscience, Vol. 21, pp., 2005, S.794.

[15] Pulvermüller, Friedemann: Functional links between motor and language systems, European Journal of Neuroscience, Vol. 21, pp., 2005, S.795.

[16] Pulvermüner, Friedemann: Functional links between motor and language systems, European Journal of Neuroscience, Vol. 21, pp., 2005, S.796.

[17] Pulvermüner, Friedemann: Functional links between motor and language systems, European Journal of Neuroscience, Vol. 21, pp., 2005, S.796.

[18] Pulvermüller, Friedemann: Functional links between motor and language systems, European Journal of Neuroscience, Vol. 21, pp., 2005, S.796.

[19] Pulvermüller, Friedemann: Functional links between motor and language systems, European Journal of Neuroscience, Vol. 21, pp., 2005, S.797.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die verkörperte Kognitionshypothese. Ist die Sprachbildung mit dem sensorischen und mit dem motorischen System des menschlichen Körpers verbunden?
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V383796
ISBN (eBook)
9783668591189
ISBN (Buch)
9783668591196
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kognitionshypothese, sprachbildung, system, körpers
Arbeit zitieren
Franziska Haase (Autor), 2016, Die verkörperte Kognitionshypothese. Ist die Sprachbildung mit dem sensorischen und mit dem motorischen System des menschlichen Körpers verbunden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383796

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