Um zu überprüfen, ob Lehrbücher den Anforderungen und erwarteten Zielen der Lehrpläne ihrer Zeit gerecht werden, soll ein konkretes Beispiel herangezogen werden. Als Beispiel dient hier der Themenschwerpunkt „Liebe und Partnerschaft“, der als solcher seit Inkrafttreten des Fachs Praktische Philosophie im Unterrichts der Jahrgangsstufen 7 und 8 behandelt werden muss.
Zunächst wird dieser Forschungsbericht die Geschichte des Ethikunterrichts durchleuchten und die Anforderungen seiner kompetenzorientierten Lehrpläne aufzeigen, gerade in Bezug auf das Thema „Liebe und Partnerschaft“, welches in unserer Gesellschaft ohnehin als problematisches Thema von LuL, SuS und Eltern in der Schule empfunden wird. Neben diesen Anforderungen soll ein kurzer Überblick über die fächerübergreifenden Richtlinien zur Sexualerziehung in Deutschland gegeben werden, um feststellen zu können, inwieweit der Ethikunterricht einen Anteil dieses Vorhabens übernehmen kann.
Anschließend werden drei mehr oder weniger aktuelle Schulbücher (1998, 2005, 2014) herangezogen und ihr Inhalt, ihre Aufgabenstellung und ihr Bildmaterial im jeweiligen Kapitel zum oben genannten Thema miteinander verglichen. Damit will auf der einen Seite untersucht werden, ob die Inhalte der Schulbücher den Anforderungen der Lehrpläne entsprechen, ganz allgemein soll aber herausgefunden werden, wie sich der Umgang mit bzw. die Darstellung von „Liebe und Partnerschaft“ als
Themenschwerpunkt der Jahrgangsstufen 7/8 in den Schulbüchern des Fachs Praktische Philosophie/Ethik im Wandel der Zeit, genauer der letzten 20 Jahre, verändert hat.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
1.1Erarbeitung der Forschungsfrage
1.2Praktische Philosophie im Wandel
1.3Kompetenzorientierte Aufgaben des Fachs
2.Vorgehen bei der Schulbuchanalyse
2.1Absicht der Analyse
2.2Auswahl der Schulbücher
2.3Vorgehensweise bei der Analyse
3.Inhaltsanalyse
3.1Gegenüberstellung der Inhalte
3.2Zusammenfassung und Zwischenreflexion
4.Bildanalyse
5.Untersuchung der Aufgabenstellungen
6.Zusammenfassung der Ergebnisse
7.Fazit und Endreflexion
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Wandel in der Darstellung und Behandlung des Themenkomplexes „Liebe und Partnerschaft“ in Schulbüchern des Fachs Praktische Philosophie über einen Zeitraum von 20 Jahren, um festzustellen, inwieweit diese Materialien den Anforderungen kompetenzorientierter Lehrpläne und den Richtlinien zur Sexualerziehung gerecht werden.
- Historische Entwicklung des Ethikunterrichts in Deutschland
- Analyse und Vergleich von drei Schulwerken (1998, 2005, 2014)
- Untersuchung von Inhalten, Bildmaterial und Aufgabenstellungen
- Bezugnahme auf Anforderungen an die Sexualerziehung
- Reflexion über die Abbildung von Diversität und Lebenswelten
Auszug aus dem Buch
1.1 Erarbeitung der Forschungsfrage
Obgleich Deutschland gemeinhin als das „Land der Dichter und Denker“ gilt, als Geburtsstätte der berühmtesten modernen Philosophen, hat es die heutige Philosophie hierzulande nicht leicht. Wie der französische Philosoph Raphaël Enthoven richtig feststellt, ist, im Gegenteil zu seinen europäischen Nachbarsländern, gerade Deutschland die Nation, in der sich die Fächer Philosophie oder Ethik bis heute nicht als vollständig eigenständige Schulfächer etablieren konnten, sondern weitestgehend als „Ersatzfach“ für die evangelische oder katholische Religion angesehen und als solches auch behandelt werden. Dadurch vollzieht ein Großteil der deutschen Schülerinnen und Schüler seine gesamte Schulzeit, ohne auch nur einen philosophischen Text gelesen zu haben.
Eingeführt als ein solches „Ersatzfach“ in den frühen 1970ern wollte sich der Ethikunterricht in den Folgejahren als autonomes Schulfach durchsetzen, doch wurde in einer Studie aller Bundesländer zur Überprüfung dieses Wandels (2013) klar, dass seitdem kaum ein praktischer Fortschritt des Fachs, nach seiner flächendeckenden Einführung, beobachtet werden konnte. Vielerorts ist es Gang und Gäbe Lehrerinnen und Lehrer fachfremd im Ethikunterricht einzusetzen, da der noch recht junge Studiengang nur in wenigen Bundesländern überhaupt angeboten wird und die Anzahl studierter Fachlehrkräfte dadurch sehr gering ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtet den Status des Ethikunterrichts in Deutschland, die Problematik der Fachfremdheit und formuliert die Forschungsfrage zur Analyse des Schulbuchwandels.
2. Vorgehen bei der Schulbuchanalyse: Beschreibt die methodische Vorgehensweise, die Auswahl der untersuchten drei Schulbücher sowie die Einbettung in die Richtlinien der Sexualerziehung.
3. Inhaltsanalyse: Führt einen detaillierten Vergleich der ausgewählten Kapitel über Liebe, Partnerschaft und Sexualität in den verschiedenen Schulbüchern durch.
4. Bildanalyse: Untersucht die Funktion und den Wandel des eingesetzten Bildmaterials als Lern- und Informationsträger.
5. Untersuchung der Aufgabenstellungen: Analysiert die methodische Gestaltung und den Kompetenzfokus der Aufgaben in den jeweiligen Schulwerken.
6. Zusammenfassung der Ergebnisse: Fasst die Erkenntnisse über die inhaltliche Entwicklung und die Zielgruppenausrichtung der Schulbücher zusammen.
7. Fazit und Endreflexion: Zieht ein Fazit über die Effektivität der Schulbücher im Hinblick auf Lehrplanvorgaben und die Repräsentation von Minderheiten.
Schlüsselwörter
Praktische Philosophie, Ethikunterricht, Schulbuchanalyse, Liebe und Partnerschaft, Sexualerziehung, Kompetenzorientierung, Kernlehrplan, Bildanalyse, Pubertät, Schulentwicklung, Wertevermittlung, Heterogenität, Medienkompetenz, Jugendkultur, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem Umgang mit dem Schwerpunktthema „Liebe und Partnerschaft“ im Fach Praktische Philosophie an Schulen, unter Berücksichtigung von Schulbüchern aus den letzten 20 Jahren.
Welche Themenfelder stehen im Fokus der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die historische Entwicklung des Ethikunterrichts, die curricularen Anforderungen, die Sexualerziehung sowie die didaktische Aufbereitung von Inhalten wie Pubertät, sexuelle Orientierung und partnerschaftliche Werte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob und wie die Schulbücher im Zeitverlauf den Anforderungen der Lehrpläne sowie der gesellschaftlichen Diversität gerecht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wird eine systematische Schulbuchanalyse durchgeführt, bei der Inhalte, Bildmaterialien und Aufgabenstellungen dreier Schulwerke unterschiedlicher Epochen (1998, 2005, 2014) miteinander verglichen werden.
Welche Inhalte werden schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Inhaltsanalyse, eine Untersuchung der Bildfunktionen sowie eine Evaluation der Aufgabenstellungen im Kontext der Kompetenzorientierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Praktische Philosophie, Schulbuchanalyse, Kompetenzorientierung und Sexualerziehung definieren.
Wie hat sich die Bildverwendung im Zeitverlauf in den Schulbüchern verändert?
Bilder entwickelten sich von rein illustrativen Schmuckelementen hin zu eigenständigen Informationsträgern, die aktiv in den Lernprozess und die Kompetenzentwicklung eingebunden werden.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Repräsentation von Minderheiten?
Es wird kritisiert, dass Schulbücher weiterhin stark auf eine westlich-weiße, heterosexuelle Norm ausgerichtet sind und andere Kulturen oder Lebensformen oft nur am Rande oder gar als Negativbeispiele thematisiert werden.
- Citar trabajo
- Laura Wirths (Autor), 2017, Erwachsen werden. Darstellung und Umgang mit dem Thema "Liebe und Partnerschaft" im Fach Praktische Philosophie der Jahrgangsstufen 7/8, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383813