In dieser Arbeit wird die Frage behandelt, wie sich die traditionelle Darstellung des Passivs zu dessen kognitionslinguistischer Sicht entwickelt hat. Bei der Untersuchung wird sich vor allem darauf konzentriert, wie stark kognitive Linguistik in den traditionellen Ansätzen schon eingeflossen ist und inwiefern sich das auf die Erklärungsansätze in den Lehrwerken für Deutsch als Fremdsprache ausgewirkt hat.
Zu Beginn der Arbeit werden Aktiv und Passiv aus der Perspektive der traditionellen Grammatiktheorie vorgestellt. Anschließend wird die Passivkonstruktion aus der kognitionslinguistischen Sicht betrachtet. Dabei wird auf die Bedeutung von kognitiver Linguistik im Grammatikunterricht eingegangen. Des Weiteren werden die Vermittlungsmethoden zum Thema „Passiv“ in einigen Lehrwerken für Deutsch als Fremdsprache kontrastiv aufgezeigt. Abschließend folgt die Zusammenfassung der vorliegenden Arbeit mit einem knappen Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Passiv in der Grammatiktheorie
3. Passivkonstruktion aus der kognitionslinguistischen Sicht
3.1. Konzepte der kognitiven Linguistik in Bezug auf Grammatik
3.2. Passiv aus kognitionslinguistischer Sicht
3.2.1. Aktionskette: das Billard-Modell
3.2.2. Profil/Basis
3.2.3. Trajector/landmark
4. Relevanz für DaF: Passiv in Lehrwerken
4.1. Die grundlegenden Passivarten in DaF-Lehrwerken
4.2. Vermittlungsmethode: traditionell vs. kognitiv
4.3. Analyse des Lehrwerks „Erkundungen C1“
4.4. Didaktisierungsvorschläge zur Passivvermittlung
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der kognitiven Linguistik auf die traditionelle Grammatiktheorie und analysiert, inwiefern dieser Einfluss die Vermittlung und Erklärungsansätze des Passivs in Lehrwerken für Deutsch als Fremdsprache verändert hat oder verändern könnte.
- Gegenüberstellung von traditionellen und kognitionslinguistischen Grammatikansätzen
- Analyse der Passivkonstruktion durch Parameter wie Aktionskette, Profil/Basis und Trajector/Landmark
- Untersuchung der Passivvermittlung in modernen DaF-Lehrwerken
- Kritische Reflexion der Anwendung von Transformationsübungen vs. kognitiven Lernmethoden
- Entwicklung von Didaktisierungsvorschlägen für eine effektivere Passivvermittlung
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Aktionskette: das Billard-Modell
Mental werden von uns verschiedene Bilder einer Szene gespeichert, die als Archetypen bezeichnet werden. Aufgrund unserer Erfahrungen werden die Szenen mit deren Hilfe sprachlich realisierbar. „Ausschlaggebend für die Passivkonstruktion sind transitivische Szenen, die sich nach Langacker (2008a) nach dem konzeptuellen Archetyp der Aktionskette beziehungsweise des Billard-Modells beschreiben lassen“ (Suñer Muñoz 2013: S. 9). Warum das Modell so heißt, erklärt sich aus dem damit ähnlichen Vorgang: „Ein Partizipant überträgt die Energie auf einen anderen Partizipanten, der eine Zustandsveränderung durchläuft“ (ebd.). So ist hier die Rede von einer Aktionskette, die ein Agens initiiert, in dem es den Impuls auf den anderen „Teilnehmer“ der Handlung überträgt. Auf der anderen Seite steht dann das Patiens, das diesen Impuls quasi entgegennimmt und somit die Aktionskette auch beendet. Folgender Beispielsatz könnte dem besseren Verständnis dieses Prozesses dienen: „Der Stürmer schießt den Ball ins Tor“. „In der geschilderten Szene überträgt der Stürmer (Agens) die Energie auf den Ball (Patiens), wodurch sich die Lage des Balls (Patiens) verändert“ (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung des Passivs innerhalb der Genera verbi ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der kognitionslinguistischen Einflüsse auf die traditionelle DaF-Grammatikvermittlung.
2. Passiv in der Grammatiktheorie: Dieses Kapitel erläutert die traditionellen syntaktischen Transformationsansätze und die Auffassung des Passivs als Diathese im Vergleich zum Aktiv.
3. Passivkonstruktion aus der kognitionslinguistischen Sicht: Hier werden zentrale kognitive Konzepte wie die Aktionskette, das Profil-Basis-Verhältnis sowie Trajector und Landmark detailliert eingeführt.
4. Relevanz für DaF: Passiv in Lehrwerken: Das Kapitel analysiert die aktuelle Praxis in Lehrwerken, identifiziert ein Übergewicht traditioneller Methoden und unterbreitet didaktische Verbesserungsvorschläge auf kognitiver Basis.
5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Ergebnisse der Arbeit und unterstreicht die Notwendigkeit, kognitive Ansätze stärker in den Fremdsprachenunterricht zu integrieren.
Schlüsselwörter
Passiv, Kognitive Linguistik, DaF, Grammatikvermittlung, Aktionskette, Billard-Modell, Trajector, Landmark, Deagentivisierung, Sprachdidaktik, Transformationsübungen, Mentale Modelle, Konzeptualisierung, Fremdsprachenunterricht, Genera verbi
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Vermittlung des Passivs im Fach Deutsch als Fremdsprache (DaF) und untersucht, wie kognitionslinguistische Ansätze das traditionelle Verständnis und die Lehrmethoden bereichern können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die traditionelle grammatische Beschreibung des Passivs, kognitive Modelle der Sprachverarbeitung sowie die praktische Analyse von Lehrwerken unter dem Aspekt der Vermittlungsmethodik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, wie stark kognitive Linguistik in traditionellen Lehrwerken bereits präsent ist und inwiefern sie zu einer effektiveren Passivvermittlung beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse linguistischer Theorien sowie einer kontrastiven Analyse von Vermittlungsmethoden in gängigen DaF-Lehrwerken, insbesondere am Beispiel von „Erkundungen C1“.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Passivs, die Erklärung kognitiver Parameter und eine praktische Evaluation, wie Passivkonstruktionen durch Visualisierungen und kognitive Modelle verständlicher gemacht werden können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Passiv, Kognitive Linguistik, Deagentivisierung, Grammatikvermittlung, Aktionskette sowie Trajector und Landmark.
Wie unterscheidet sich die kognitive Sicht auf das Passiv von der traditionellen?
Während die traditionelle Grammatik das Passiv als rein syntaktische Transformation aus dem Aktiv betrachtet, betont die kognitive Linguistik die Bedeutung der Perspektivierung, der energetischen Aktionskette und die Rolle der mentalen Konzeptualisierung.
Was bemängelt die Autorin an der aktuellen Passivvermittlung in Lehrwerken?
Die Autorin kritisiert, dass Lehrwerke überwiegend auf „oberflächliche“ Transformationsübungen setzen, die den eigentlichen kommunikativen Zweck der Deagentivisierung (das Ausblenden des Täters) vernachlässigen.
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- Dariya Smirnova (Autor), 2017, Der Einfluss der kognitiven Linguistik in den traditionellen Ansätzen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384264