Literatur um 1500. Ein Überblick über die Hauptwerke der deutschen Literatur


Vorlesungsmitschrift, 2015

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Sitzung (am 21.04.15) Thema: Einfuhrung

2. Sitzung (am 28.04.15) Thema: Konstellationen der Weltgeschichte: Hartmann Schedels ,Weltchronik'

3. Sitzung (am 05.05.15) Thema: Der Liebesgott als Topograph: Die „Amores" des Conrad Celtis

4. Sitzung (am 12.05.15) Thema: Medienexperimente der Fruhdruckzeit: Sebastian Brants „Narrenschiff"

5. Sitzung (am 19.05.15) Thema: Intermediale Uberlieferungskonstellationen des „Narrenschiffs" und seiner Bearbeitungen

7. Sitzung (am 09.06.15) Thema: Reichspatriotismus und Antikenubersetzung: Matthias Ringmanns „Caesar"

8. Sitzung (am 16.06.15) Thema: Wurzburger Eseleien: Johann Sieders Ubersetzung von Apuleius „Goldenem Esel"

9. Sitzung (am 23.06.15) Thema: Gedruckt ze Augspurg: Prosaromandrucke in Augsburg am Ende des 15. Jahrhunderts

1. Sitzung (am 21.04.15) Thema: Einfuhrung

In der ersten Sitzung ging es um das Konzept der Literarizitat in der Vormoderne im Ver- gleich zu heute. Unsere heutigen Vorstellungen sind namlich ganz anders als noch die in der Vormoderne. Grund dafur ist, dass unsere heutigen Texte dank Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks allesamt in gedruckter Form vorliegen, was in der Vormoderne nicht der Fall gewesen ist. Wahrend es vor Gutenbergs Buchdruck einen enormen Aufwand bedeutete, ein Buch herzustellen, wurde dieses dank Gutenberg ab Ende des 15. Jahrhunderts zur Massen- ware. Der Buchdruck leitete somit ein neues Zeitalter ein und brachte eine Menge Vorteile mit sich, die im Folgenden aufgezahlt werden:

- Verfielfaltigung des Wissens,
- bessere Zuganglichkeit des Wissens fur alle Bevolkerungsschichten,
- Sicherung von Wissen, dadurch dass es keine Abschreibefehler mehr gibt,
- das Wissen ist von nun an uberall verfugbar und nicht mehr an Institutionen, Kloster oder Monchsorden gebunden,
- Verfielfaltigung der Instanzen und
- Moglichkeit des Buchdrucks als politisches Mittel (z. B. gegen religiose oder politische Insti­tutionen).

Andererseits wurde der Buchdruck auch kritisiert, namlich, dass vieles unnutzes Wissen uberliefert und der Buchdruck so als Gefahr gesehen wird.

Die Zeit um 1500 wird allgemein auch als Schwellenzeit oder Umbruchzeit bezeichnet. Denn mit dem Ende der Inkunabelzeit begann die Zeit des experimentierens. Zum einen gab es deutsche Literatur in deutscher Sprache. Zum anderen wurden Texte von deutschen Autoren auch in lateinischer Sprache verfasst, was die Reichweite der Texte enorm vergroRerte. Es bildete sich sogar eine Elite (in Nurnberg, Augsburg, etc.) von deutschen Autoren, die in la­teinischer Sprache verfassten. Folglich konnten die Texte von nun an in ganz Europa ver- standen werden. Dies fuhrte jedoch auch zu einem Spannungsverhaltnis zwischen der deutschsprachigen Literatur zur Latinitat. Die Ubergangszeit um 1500 ist zudem gekenn- zeichnet durch eine Untergangsstimmung einerseits und einem Bildungsoptimismus ande- rerseits.

Des Weiteren wurde in dieser Sitzung der kunstlerische Einfluss auf die Entwicklung der Geistesgeschichte um 1500 durch zwei Portraits von Albrecht Durer beleuchtet. Wahrend sich Durer in seinem Selbstbildnis im Jahr 1498 noch realistisch zeigt, die Sprache von einer gothischen Gebrauchsschrift gepragt ist und in Knittelversen verfasst wurde, verbindet er in seinem zweiten Bild diesen Realismus mit einem idealistischen Anspruch in lateinischer Hu- manistenschrift. Dieser idealistische Anspruch ist auch in seiner Aussage „da schuf ich mich" zu erkennen, welches zuerst als einfaches „ich malte mich" verwendet wurde. Ahnlich einer Christusdarstellung zeigt sich Durer im zweiten Bild selbst und stellt sich ahnlich wie Gott als Schopfer dar. Dieser kunstlerische Schopfungsanspruch kommt auch bei Celtis vor, sodass diese Auffassung als allgemein existent angesehen werden kann.

Durch dieses Beispiel wurde das interdisziplinare Konzept der Konstellationsforschung hin- gewiesen, die dadurch funktioniert, dass es zu einer Interaktion von Menschen kommt. Die Konstellationsforschung geht davon aus, dass verschiedene Elemente, die sich unterscheiden lassen, miteinander in Beziehung stehen und auch gleichwertig zueinander sind. Somit kon- nen sie zu Konstellationen zusammengefugt werden. Die Visualisierung dieser Konstellatio- nen ist ein Schwerpunkt der Konstellationsanalyse.

2. Sitzung (am 28.04.15)

Thema: Konstellationen der Weltgeschichte: Hartmann Schedels ,Weltchronik'

Am Anfang dieser Sitzung wurde an die Konstellationen der vorherigen Sitzung angeknupft. Um Konstellationen herzustellen, mussen verschiedene Elemente miteinander verknupft werden. Als bedeutsames wirtschaftliches Zentrum soll dafur die Stadt Nurnberg in dieser Sitzung dienen. Nurnberg gehorte namlich neben Koln und Augsburg zu den fuhrenden Wirt- schaftsmachten im gesamten Reich:

- Nurnberg war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt (durch eine HandelsstraRe),
- in Nurnberg lebten viele Kunsthandwerker sowie Metallhandwerker,
- Nurnberg war eine Nachrichtenmetropole,
- Nurnberg war zusammen mit Strassburg die bedeutenste Druckerstadt (besonders durch den Buchdrucker Anton Koberger) und
- Nurnberg war allgemein gesagt eine wichtige Handelsstadt mit kulturellem Zentrum. Entscheidend fur die Wichtigkeit der Stadt Nunrberg war zudem die Entstehung der Schedel- schen Weltchronik im Jahr 1493. Die Weltchronik ist eine Darstellung von der Erschaffung der Welt bis 1490 und ist somit gleichzeitig ein historisches Nachschlagewerk. Sie ist fur je- den gebildeten Menschen erstellt worden, nicht nur fur ein elitares Publikum, sondern fur ein universales Publikum. Die Weltchronik wurde bilingual konzipiert. Sie war zunachst ein Buch der lateinischen Gelehrsamkeit, wurde jedoch sofort von den Schedelschen Gelehrten auf deutsch ubersetzt. Insgesamt hat das Buch einen groRen Umfang mit 650 Seiten, die auch mit Bildern beschmuckt werden.

Von nun an wurde auf die Konstellationen in Nurnberg um 1500 eingegangen:

- Raumliche Konstellationen: Allein in der BurgstraRe (und Umgebung) wohnten viele be- ruhmte Personlichkeiten (Durer, Wolgemut, Frey, Scheuerl, Schreyer, Koberger, Schedel, etc.). Diese zahlen zu den einflussreichsten Personen in Nurnberg. Schedel startete die Sche- delsche Weltchronik, Georg Alt hat sie ins deutsche ubersetzt, gedruckt wurde sie von Anton Koberger, Schreyer war der Initiator des Werkes (durch einen Vertrag mit Koberger und Wolgemut 1491), Wolgemut arbeitete ebenso seit 188/89 an der Weltchronik, usw.
- Intermediale Konstellationen: Anton Kobergers Werbeanzeige fur die Weltchronik wurde in Nurnberg hergestellt (mit Bildern). Nutzen von Bildern: Sie sind Luxusgegenstande, ma- chen etwas wertvoll, sind preissteigernd, reprasentabel, anschaulich und vergegenwartigen das, was im Text geschrieben ist.

Am Ende der 2.Sitzung wurde der Aufbau der Weltchronik vom Anfang der Welt bis 1490 genauer dargestellt, die sich in sechs Weltalter gliedert:

1. Von der Erschaffung der Welt bis zur Sintflut
2. Bis zur Geburt Abrahams
3. Bis zum Reich Konig Davids
4. Bis zum babylon. Exil
5. Bis zur Geburt Christi
6. Geburt Christi bis zur Gegenwart

3. Sitzung (am 05.05.15) Thema: Der Liebesgott als Topograph: Die „Amores" des Conrad Celtis

Conrad Celtis (1459-1508) war ein deutscher Humanist und Dichter. In dem Holzschnit von Hans Burgmair, dem sogenannten „Sterbebild" des Conrad Celtis sind seine wichtigsten Le- bensdaten verewigt. Da er dieses Bild selbst in Auftrag gebgeben hat, schlagt er in die gleich Schiene wie Albrecht Durer (mit seinem Portrait im Jahre 1500) ein. Denn ahnlich wie Alb­recht Durer mochte er sich durch dieses Bild selbst inszenieren. Sein Motiv ist womoglich das Individuum hervorzuheben und es kunstlerisch darzustellen. Im unteren Teil werden - wie bereits erwahnt - die die Daten zu Celtis Leben genannt. Geboren als Sohn eines Winzers, ging Celtis wohl in Wurzburg zur Schule und studierte dann an der Universitat Koln, wo er 1479 das Bakkalaureat in den Artes liberales erwarb und sich im Anschluss theologischen Studien widmete, ohne hier einen Abschluss zu erreichen. Das wohl wichtigste Datum seiner Karriere ist der 18.04.1487: An diesem Tag wurde er zum ersten deutschen poeta laureatus durch Kaiser Friedrich III. in Nurnberg gekront. Dies war eine Auszeichnung fur seine Dichter- leistungen und ein Privileg uberall Vorlesungen uber Poetik halten zu konnen. Nach dieser Kronung war Celtis der wohl wichtigste Dichter des deutschsprachigen Raumes. Auf einer Italienreise (Bildungsreise) lernt er die humanistische Lehre kennen und trifft dort auf die wichtigsten Humanisten dieser Zeit. Die italienischen Humanisten gaben ihm wichtige Impul­se fur sein weiteres Schaffen, was auch fur das deutsche Reich sehr bedeutend war (denn ohne Celtis und seiner Bildungsreise ware der deutsche Humanismus ganz anders verlaufen). 1497 wird er Professor fur Poetik an der Universitat Wien und 1501 wird er zum Vorstand des Wiener Collegium berufen. Der Weg fuhrte Celtis also „vom Weinbauernsohn bis zum Stephansdom". Sein literarischer Nachruhm ist Celtis durch seine veroffentlichten Werke garantiert. Ein weiteres Indiz fur die Selbstinszenierung Celtis sind Spruchbander in dem oben genannten Holzschnitt, das ebenso seinen literarischen Nachruhm reprasentiert. Die wichtigsten Werke von Celtis waren die „Germania Illustrata", das ein groRes Bild von Deutschland um 1500 darstellt und seine „Amores", lateinische Liebesgedichte (unterteilt in vier Buchern in Distichen).

Celtis war also ein Humanist, der sich selbst darstellen und in den vordergrund drangen woll- te. U. a. durch den Satz: „Mit mir beginnt deutsche Lyrik" vertritt er einen Alleinvertretungs- anspruch. In der Tat war Celtis auch der Beste. Er vertrat nicht nur den Anspruch, sondern war es auch, jedoch in lateinischer Sprache. Der selbstbewusste, machtbewusste Mann widmete sein Hauptwerk „Amores" Kaiser Maximilian. Diese waren hochartifizielle Liebes- dichtungen, in denen es meist um eine ungluckliche Werbung eines elegischen Ichs geht. Mit „Amores" knupft Celtis an Ovid, seinem groRen Vorbild an. Die vier Bucher der „Amores" waren vier Bucher Liebeselegien nach den vier Himmelsrichtungen Deutschlands.

4. Sitzung (am 12.05.15) Thema: Medienexperimente der Fruhdruckzeit: Sebastian Brants „Narrenschiff"

In der Schwellenzeit um 1500 verfasst Sebastian Brant das „Narrenschiff" und erreicht damit einen herausragenden Erfolg. Im Jahr 1457 wird er in StraRburg als Sohn eines Gastwirts geboren. Ab 1575/76 absolviert er ein Studium der Artes liberales und Jura in Basel. Zu- nachst ist Brant als Jurist und Wissenschaftler tatig, ebenso publiziert er aber auch in Basel, dem Zentrum des Buchdrucks. Hier ist er im Humanistenkreis um Johann Heynlin tatig und pflegt eine enge Zusammenarbeit mit den Druckern Basels. Der Literat und Herausgeber Sebastian Brant, der zweisprachig verfasste, lateinisch und deutsch, verfasste zahlreiche la- teinische Dichtungen (u. a. „Carmina in laudem Mariae" oder „Varia carmina").

Seinen groRten Erfolg erreichte er allerdings mit seinem Werk „Narrenschiff". Dieses war eines der groRten Bucherfolge der fruhen Neuzeit und wurde aus Erfolgssicht sogar mit Goe­thes Werther verglichen: „Niemals bis zu Goethes Werther hin ist einem literarischen Werk deutscher Sprache ein so durchschlagender Erfolg und eine so nachhaltige Wirkung beschie- den gewesen wie dem 1994 zu Basel erschienenen ,Narrenschiff Sebastian BrantsDas im Jahr 1494 erschienende Werk, war ein Bestseller auf dem noch jungen Buchmarkt der Fruh- drucke. Das Narrenschiff gehort zur volkstumlichen Literaturform der Narrengeschichten, einer satirischen Literatur, die die Belehrung uber die menschlichen Schwachen und die Kri- tik des Zeitgeistes zum Inhalt hat. Ziel Brants war es, die menschlichen Verfehlungen aufzu- fassen und Heilmittel fur die Dummheiten der Menschen zur Verfugung zu stellen. Der Autor greift das Fehlverhalten auf humoristische Art auf und schreibt lateinische Satire. Der Zeit- punkt der Erscheinung war eine Zeit der Unordnung und Verwirrung. Die scheinbar so fest- gefugte Ordnung der mittelalterlichen Welt war ins Wanken geraten. Das Werk zeichnet sich zum einen durch die vorwiegend einfache vorzufindende Sprache sowie durch die zahlrei- chen Holzschnitte aus und sprach somit sowohl die Illiterati, als auch die Leute mit mehr oder weniger grundlicher lateinischer Bildung an. In den 112 Kapiteln, die dem Buch zugrun- de liegen, wird jedoch hauptsachlich das lasterhafte Verhalten der „Narren" und seine nega- tiven Konsequenzen dargestellt. An die Fahigkeit des Menschen glaubend, sein unmorali- sches Tun aus eigener Kraft zu beenden, hielt Sebastian Brant seinen Mitmenschen mit dem „Narrenschiff" einen Spiegel vor. Das „Narrenschiff" steht somit in der Tradition der Lehr- dichtung.

5. Sitzung (am 19.05.15)

Thema: Intermediale Uberlieferungskonstellationen des „Narrenschiffs" und seiner Bearbei- tungen Zum Erfolg des Narrenschiffs und seiner Folgepublikationen trugen nicht zuletzt die anspre- chenden und lebendigen Illustrationen bei. Dieses Werk ist somit ein intermediales Werk, bestehend aus Text und Bild. Ohne Bilder wurden dem Text wichtige Inhaltsmerkmale feh- len, womit sich die Frage nach der Edition des Werkes stellt.

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Details

Titel
Literatur um 1500. Ein Überblick über die Hauptwerke der deutschen Literatur
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Vorlesung
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
12
Katalognummer
V384270
ISBN (eBook)
9783668593114
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
literatur, überblick, hauptwerke
Arbeit zitieren
Dominik Kremer (Autor), 2015, Literatur um 1500. Ein Überblick über die Hauptwerke der deutschen Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384270

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