Gesundheitsfördernde Settingansätze in benachteiligten städtischen Quartieren

Wie können diese Settingansätze finanziert werden und welche ökonomischen Auswirkungen ergeben sich daraus?


Studienarbeit, 2016

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsklärung und Vorstellung des Settingansatzes
2.1 GesundheitsförderndeQuartiere
2.2 Ökonomische Aspekte der Gesundheitsförderung
2.3 Ökonomische Auswirkungen der gesundheitsfördernden Settingansätze

3. Formen der Finanzierungsmöglichkeiten
3.1 Bund-Länder Programm „Soziale Stadt“
3.2 Verfügungsfonds
3.3 GesetzlicheKrankenkassen
3.4 Stiftungen
3.5 Fundraising
3.6 Bußgeld

4. Fazit

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Konzept des Settingansatzes ist besonders im Zuge der Ottawa-Charta von 1986 für die Gesundheitsförderung immer bedeutsamer geworden. Denn mit diesem theoretischen Konzept würden gesundheitsfördernden Maßnahmen in ausgewählten Settings besser und effektiver implementiert werden können. Zudem soll der gesundheitsfördernde Settingansatz, aufgrund der bestehenden engen Verzahnung zwischen Gesundheit und Wirtschaft, positive ökonomische Folgen haben. So liegt es auch nahe diesen Ansatz in benachteiligten städtischen Quartieren anzuwenden, da dort Maßnahmen zur Gesundheitsförderung eher selten vorhanden sind und die wirtschaftliche Situation meist verbesserungswürdig ist.

Ziel dieser Arbeit ist es daher einen Überblick über gesundheitsfördernde Settingansätze in benachteiligten städtischen Quartieren zu geben und eine Antwort auf die Frage zu finden, wie solche Settingansätze finanziert werden und welche ökonomischen Auswirkungen sich daraus ergeben können. Dazu werden wir zunächst die Begrifflichkeit des Settings erläutern. Anknüpfend daran zeigen wir auf, welche Überlegungen und Ideen dem Konzept des Settingansatzes zugrunde liegen und warum dieser Ansatz gerade in benachteiligten städtischen Quartieren bedeutsam ist. Im nachfolgenden Abschnitt wird darauf eingegangen, wie Gesundheitsförderung im Setting benachteiligter städtischer Quartiere konkret aussieht, d.h. welche Maßnahmen entwickelt wurden, um die Gesundheit der dort lebenden Bevölkerung zu stärken. Daran schließt sich eine Darstellung der ökonomischen Aspekte von Gesundheitsförderung an, welche die allgemeinen Gesundheitsausgaben, die Ausgaben für Prävention/Gesundheitsschutz, die Ausgaben für Gesundheitsförderung und die jeweils dazugehörigen Kostenträger näher illustriert. Damit einhergehend erfolgt eine Betrachtung der positiven ökonomischen Auswirkungen, die von gesundheitsfördernden Settingansätze ausgehen können. Im darauffolgenden Kapitel möchten wir näher erläutern, wie diese gesundheitsfördernden Maßnahmen finanziert werden bzw. welche Möglichkeiten es zur Finanzierung gibt. Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst, und zwar unter Berücksichtigung des Kosten-Nutzen-Aspekts. Hierbei wird also abgewogen, inwieweit sich dieses Konzept wirtschaftlich lohnt, d.h. ob und inwieweit der Nutzen dieses gesundheitsfördernden Settingansatzes größer ist als die Kosten.

2. Begriffsklärung und Vorstellung des Settingansatzes

Um das Konzept des Settingansatzes besser nachvollziehen zu können, werden im folgenden die Begrifflichkeiten des „Settings“ und des „benachteiligten städtischen Quartiers“ näher beleuchtet und die Frage beantwortet, warum Gesundheitsförderung und somit dieses Konzept gerade dort bedeutsam ist.

Das Setting wird definiert als „ein durch formale Organisation, regionale Situation und/oder gemeinsame Werte bzw. Präferenzen definierter und den beteiligten Personen subjektiv bewusster sowie dauerhafter Sozialzusammenhang“ (Deutscher Bundestag 2005, 103). Das also ein solcher spezifischer Sozialraum als Ausgangspunkt für gesundheitsfördernde Strategien dient, ergibt sich aus der Tatsache, dass vom Setting wichtige Impulse auf die Wahrnehmung von Gesundheit, Gesundheitsbelastungen und/oder -ressourcen ausgehen (vgl. ebd. 2005,103). An dieser Stelle lässt sich also festhalten, dass es sich bei den benachteiligten städtischen Quartieren um ein sogenanntes Setting handelt. Diesem Raum sind allerdings noch weitere Charakteristiken zu eigen, welche ihn von anderen Sozialräumen abgrenzen. So sind benachteiligte städtische Quartiere dadurch gekennzeichnet, dass in ihnen ein vergleichsweise hoher Anteil sozial benachteiligter Personen lebt. Bezieht man sich auf die Indikatoren sozialer Benachteiligung (Bildung, Beruf, Einkommen) kann man sagen, dass dort hohe Arbeitslosigkeit, ein geringes Bildungsniveau und dementsprechende Einkommensarmut die vorherrschenden Merkmale sind (vgl. Keller in: Bundeszentrale für politische Bildung, 2015). Oftmals gehen mit dieser Agglomeration an sozial benachteiligten Haushalten weitere Benachteiligungen einher, die die Lebensqualität beeinträchtigen. Dazu gehören u.a. Verkehrs- und Lärmbelastungen, vernachlässigte Bausubstanzen sowie geringere Instandhaltungen der Gebäude und Wohnungen (vgl. ebd., 2015). Aber auch unzureichende Infrastrukturen sind in diesem Setting besonders häufig. So fehlt es an ausreichenden Angeboten für Waren des täglichen Bedarfs, vor allem aber an gesundheitsfördernden Angeboten. Gründe für diese Situation sind neben mangelnder Kaufkraft auch die geringe öffentliche Verhandlungsmacht dieser Personengruppe (vgl. ebd., 2015). Diese Merkmale benachteiligter städtischer Quartiere lässt nun also schon erahnen warum gesundheitsfördernde Maßnahmen dort von hoher Bedeutsamkeit sind. Sie versuchen diesen Problemen entgegenzuwirken. Die Notwendigkeit des gesundheitsfördernden Settingansatzes wird zudem noch einmal deutlich, wenn man sich das „Gesundheitsdeterminanten-Modell nach Dahlgren und Whitehead anschaut.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus diesem Modell wird ersichtlich, dass die Gesundheit eines Menschen, neben seinem Alter, Geschlecht und Erbanlagen, im Wesentlichen von vier Faktoren beeinflusst wird (vgl. Dahlgren und Whitehead):

1. Die Verhaltens- und Lebensweisen des Einzelnen
2. Die Unterstützung und Beeinflussung durch das soziale Umfeld des Einzelnen, das der Gesundheit förderlich oder hinderlich sein kann
3. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen
4. Die ökonomischen, kulturellen und physischen Umweltbedingungen, wie z.B. der Lebensstandard oder der Arbeitsmarkt

Gemäß dieses Modells sind diese Faktoren also die Voraussetzungen für Gesundheit. Nun sind diese Voraussetzungen, wie bereits beschrieben, in benachteiligten städtischen Quartieren häufig nur unzureichend erfüllt, da dort eben der Lebensstandard relativ gering ist. Deshalb ist der Gesundheitszustand der Bevölkerung dort auch dementsprechend schlechter. Da aber jede Verbesserung des Gesundheitszustandes zwangsläufig an diese vier Grundvoraussetzungen gebunden ist, müssen gesundheitsfördernde Maßnahmen durchgeführt werden, um die Voraussetzungen zu erfüllen und gesundheitliche Chancenungleichheiten auszugleichen.

Nachdem die wesentlichen Begrifflichkeiten geklärt wurden, wird im folgenden darauf eingegangen, welche Ideen und Ziele hinter dem Konzept des Settingansatzes stecken.

Erstmalig wurde das Konzept des Settingansatzes in der Ottawa-Charta konkret erwähnt, welche 1986 auf der ersten Internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht wurde. Mit diesem Dokument sollten bestimmte gesundheitsfördernde Settings definiert werden, die die Implementierung von Gesundheitsförderungsansätzen unterstützen sollten (vgl. Altgeld, 2004). In der Ottawa­Charta wurde Gesundheitsförderung definiert als „Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zu Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen“ (WHO, 1986). Das bedeutet Individuen und Gruppen soll es ermöglicht werden, die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und ihre Lebensumstände verändern zu können. Der Settingansatz versteht sich dabei als emanzipatorisch und politisch, wobei diese beiden Merkmale in dem Schlüsselbegriff der Ottawa-Charta - dem „Empowerment“ - zum Ausdruck kommen. Denn Ziel dieses Ansatzes ist es gesundheits­förderliche Rahmenbedingungen (Lebenswelten) zu schaffen, um mehr Chancengleichheit zu erlangen (Kolip, 2003). Nach Kickbusch ist der Settingansatz dabei von zwei Leitgedanken geprägt: Zum einen wird Gesundheitsförderung als Aufgabe aller

Politikbereiche angesehen, zum anderen geht es um die Stärkung der Kompetenzen, sodass Individuen und Gruppen ihre eigenen Bedürfnissen erkennen, ihre Stärken wahrnehmen und Einfluss auf ihre Lebensumwelt ausüben können (Kickbusch, 2003). Zusammenfassend gesagt, ist der Settingansatz also eine Kernstrategie zur Umsetzung der Gesundheitsförderung. Seiner Grundidee zufolge, soll Gesundheit nicht das Ziel sein, sondern im Alltag hergestellt und aufrechterhalten werden, sodass Gesundheitsförderung eben auch im Lebensalltag der Bewohner im Setting ansetzen muss (vgl. Altgeld, 2004). Dadurch dass man sich dabei auf abgegrenzte Sozialräume konzentriert, ist es möglich die Zielgruppen und Akteure genauer zu bestimmen und so geeignete Zugangswege zu finden, um die vorhandenen Ressourcen nutzen zu können (ebd., 2004). Erkennbar ist also, dass bei diesem Konzept nicht das einzelne Individuum und sein Verhalten vordergründig ist, sondern das soziale System.

2.1 Gesundheitsfördernde Quartiere

ln diesem Abschnitt möchten wir uns kurz der Frage widmen, wie Gesundheitsförderung in benachteiligten städtischen Quartieren konkret aussieht. Gemäß des zuvor beschriebenen Konzeptes, hat der Settingansatz zum Ziel, gesunde Lebenswelten zu schaffen, die die genannten Voraussetzungen für Gesundheit (s. Modell nach Dahlgren & Whitehead) zu erfüllen vermögen. Mithilfe der Gesundheitsförderung bzw. gesundheitsfördernden Maßnahmen soll dieses Ziel nun erreicht werden.

Das heißt in benachteiligten städtischen Quartieren, in denen sich besonders Belastungen - wie hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Wohnbedingungen, hohes Verkehrsaufkommen und nur wenige Grün- und Spielflächen sowie geringe soziale Unterstützung - bündeln, soll durch verschiedene Maßnahmen die Schaffung gesunder Lebenswelten ermöglicht werden, um die allgemeine Gesundheit der dort lebenden Bewohner nachhaltig zu verbessern und zu stärken. Eine Maßnahme, die zur Zielerreichung beitragen soll, ist beispielsweise die Entwicklung von Programmen, welche die Lebensbedingungen der Bewohner verbessern, soziale Netzwerke stärken und die Raumplanung sowie Stadtentwicklung im Sinne eines gesundheitsfördernden Lebensumfeldes beeinflussen soll. Dazu gehört zum Beispiel auch die Errichtung von Grün- und Spielflächen und die Vermittlung von gesundheitsrelevantem Wissen durch Projekte in KITAs (vgl. Kooperationsverbund „Gesundheitliche Chancen­gleichheit, 2014). Entsprechend der Idee des Settingansatzes sollen die Maßnahmen dabei nicht für die Zielgruppe entwickelt werden, sondern die Bewohner werden ganzheitlich an der Maßnahmenentwicklung und -Umsetzung beteiligt, sodass diese mit ihnen gemeinsam gestaltet wird (vgl. ebd., 2014).

Gesundheitsförderung findet aber auch in weiteren Settings innerhalb des benachteiligten städtischen Quartiers statt. So soll zudem Gesundheitsförderung beispielsweise in den Settings „Kindertagesstätte“ und „Schule“ zur Schaffung gesunder Lebenswelten beitragen, welche im Folgenden kurz vorgestelltwerden.

Zur Gesundheitsförderung in Kindertagesstätten werden vorwiegend Programme entwickelt und eingesetzt, die „Einzelaspekte der Prävention und Gesundheitserziehung“ beinhalten (Altgeld, 2004). Dazu gehören vor allem Programme zur Bewegungs- und Sprachförderung, Ernährungs- und Verkehrserziehung sowie Suchtprävention (vgl. ebd., 2004). Die Ge­sundheitsförderung in KITAs soll dabei Kinder, Eltern und alle Beteiligten der KITA gleichermaßen mit einbeziehen und in benachteiligten städtischen Quartieren zur gesund­heitlichen Chancengleichheit beitragen, und zwar indem Kindern ein Bewusstsein für Gesundheit und gesundheitsförderliches Verhalten näher gebracht werden (vgl. ebd. 2004, 9). Im Setting Schule liegt der Fokus von gesundheitsfördernden Maßnahmen nicht auf der Vermittlung von gesundheitsrelevantem Wissen. Vielmehr soll die Schule insgesamt ein gesunheitsförderndes System sein, das die auf den Arbeits- und Lernplatz Schule bezogene Gesundheit aller an der Schule Beteiligten fördert und stärkt (vgl. ebd. 2004, 13f.). Das übergeordnete Ziel der dortigen Gesundheitsförderung ist also, dass die gesund­heitsfördernde Schule allen einen chancengleichen Zugang zu allen Bildungsmöglichkeiten bietet, die emotionale und soziale Entwicklung des Einzelnen gefördert und diskriminierungsfreie Selbstverwirklichung ermöglicht wird (vgl. ebd. 2004, 14f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Gesundheitsfördernde Settingansätze in benachteiligten städtischen Quartieren
Untertitel
Wie können diese Settingansätze finanziert werden und welche ökonomischen Auswirkungen ergeben sich daraus?
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta  (Institut für Gerontologie)
Veranstaltung
Ökonomik gesundheitlicher und pflegerischer Versorgung
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V385944
ISBN (eBook)
9783668604018
ISBN (Buch)
9783668604025
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
VWL, Public Health, Gesundheit, Gesundheitsökonomik, Ökonomie, Setting, Settingansätze, Stadt, städtische Quartiere, Quartiere, Quartiersarbeit, Gesundheitsförderung, benachteiligt, Finanzierung, Auswirkungen, ökonomisch
Arbeit zitieren
Lina Stromberg (Autor), 2016, Gesundheitsfördernde Settingansätze in benachteiligten städtischen Quartieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385944

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