Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung im Ausbildungsberuf des Industriekaufmanns


Seminararbeit, 2017

16 Seiten, Note: 0,7


Leseprobe

Inhalt
Einleitung ... 1
1
Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung ... 2
1.1
Globalisierung ... 2
1.2
Globales Lernen als Reaktion auf Globalisierung ... 3
1.3
Bildung für nachhaltige Entwicklung ... 4
2
Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Berufsschule ... 7
2.1
Bildungsauftrag der Berufsschule ... 7
2.2
Zu den Inhalten der Ausbildungsordnung und des Rahmenlehrplans für
Industriekaufleute ... 8
3
Fazit und Ausblick ... 11
Literaturangaben ... 13

1
Einleitung
Während des Seminars
,,
Einführung in die Politikdidaktik" weckten vor allem die Themen
Globales Lernen (GL) und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) mein Interesse.
Dabei erschloss sich mir ein neues Wissensfeld, dessen Wirkung ich bei näherer
Betrachtung in Bezug auf das Lehren an berufsbildenden Schulen als wichtig erkannte.
Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung sind Konzepte im
pädagogischen Feld, die Menschen innerhalb und außerhalb der Schule dazu befähigen
sollen, im globalen Kontext verantwortungsvoll und perspektivisch zu handeln.
Als einem Studenten der Wirtschaftspädagogik stellte sich mir die Frage, inwiefern die
Konzepte GL und BNE, die mir in meinen Kernmodulen im Erstfach nicht begegnet sind,
für die berufliche Bildung eine Rolle spielen. Um dieser Frage nachzugehen, möchte ich
die Ausbildungsordnung und den Rahmenlehrplan des Industriekaufmanns bzw. der
Industriekauffrau näher betrachten, um folgende Frage zu beantworten:
Welchen Stellenwert nehmen die Zielsetzungen des Globalen Lernens und der Bildung für
nachhaltige Entwicklung im Rahmenlehrplan und in der Ausbildungsordnung für den
Ausbildungsberuf Industriekaufmann bzw. Industriekauffrau ein?
Es sollte klar sein, dass die alleinige Untersuchung des Rahmenlehrplans (RLP) und der
Ausbildungsordnung (AO) für eine generelle Aussage über den Stellenwert der Konzepte
GL und BNE in den beruflichen Schulen nicht ausreicht. Um aussagefähige Ergebnisse zu
erzielen, wäre es notwendig, unter den gegebenen Rahmenbedingungen auch die
Lehrerausbildung an Universitäten, die Qualität von Unterrichtsmaterialien und
­
formen
und die Behandlung einiger weiterer Aspekte, die in diesem Kontext eine Rolle spielen, zu
untersuchen. Dies kann hier nicht geleistet werden. Deshalb versteht sich diese Arbeit als
ein erster Beitrag zu einer Bestandsaufnahme in diesem Bereich.
Zunächst möchte ich den Begriff der Globalisierung einführen, um anschließend die
Grundzüge des Globalen Lernens zu erläutern.
Ebenso soll ein grundlegendes Verständnis der BNE vermittelt werden, um anschließend
die Konzepte im berufsbildenden Kontext zu analysieren. Die Ausbildungsordnung und
der Rahmenlehrplan für Industriekaufleute sollen auf Formulierungen hin, die globale
Themen und nachhaltige Entwicklung beinhalten, untersucht werden.
Im letzten Kapitel möchte ich mit einem Fazit schließen und die Ergebnisse der
vorliegenden Arbeit in einem der Arbeit angemessenen Rahmen persönlich beurteilen.
Ein Ausblick soll anschließend weitere Untersuchungen anregen bzw. Stärken oder
Schwächen der beruflichen Ausbildung im Hinblick auf GL und BNE aufzeigen.

2
1 Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung
Im Folgenden sollen die Konzepte Globales Lernen und Bildung für nachhaltige
Entwicklung beschrieben werden. Zunächst soll der Begriff Globalisierung erläutert
werden, um anschließend die pädagogischen Konzepte des GL und der BNE
darzustellen.
1.1 Globalisierung
Der Begriff der Globalisierung wird von verschiedenen Autoren seit vielen Jahren
diskutiert. Ohlmeier und Brunold z.B. halten fest, dass sich die fortschreitende Vernetzung
der Welt zunehmend auf alle Lebensbereiche ausweitet. Globalisierung lasse sich als ein
Prozess zunehmender Integration zwischen Gesellschaften definieren. Ereignisse auf der
Welt beeinflussen auch andere Teile des Globus (vgl. Ohlmeier & Brunold 2015, S. 124).
Overwien und Riß sind der Meinung, dass politische, kulturelle, soziale und ökologische
Themen zunehmend ihre Grenzen ausweiten. Der technologische Fortschritt im
Kommunikations- und Transportwesen sei ein Grund dafür. Vor allem die steigende
Freiheit der Wirtschaft habe in diesem Kontext eine große Bedeutung. Denn die
abnehmende Regulierung der Wirtschaft durch die Politik sei ein wichtiger Grund für die
Globalisierung und ein Argument dafür, dass die Globalisierung nicht naturgegeben,
sondern eine Folge politischer Entscheidungen ist (vgl. Riß & Overwien 2010, S. 207). Ein
Beispiel hierfür sind die Freihandelsabkommen. Setzen sich diese durch, kann man von
einer gewollten und gesteuerten Zunahme der Globalisierung sprechen.
Die Autoren beschreiben eine Welt, in der Ländergrenzen eine abnehmende Bedeutung
haben. Die Menschen auf der Welt sind vernetzter und ihre Handlungen haben nicht
ausschließlich lokale, sondern auch globale Auswirkungen. Weiterhin kann man
erkennen, dass globale Prozesse gesteuert werden können. Die Bereiche der
Kommunikation und des Transports sowie die steigende Freiheit der Wirtschaft sind
bedeutende Aspekte für die Berufsbildung.
Kessler sieht, um einen weiteren Standpunkt zu erläutern, auf der Grundlage seiner
Forschungen zu diversen Werken der Politikwissenschaften, der Soziologie und der
Ökonomie, den Kern der Globalisierung in einer
,,
Ausdehnung grenzüberschreitender
anthropogener Interaktionen" (vgl. Kessler 2009, S. 35).
Er unterteilt den Globalisierungsprozess in die drei folgenden Schritte:
Zum einen seien günstige Voraussetzungen für globale Interaktionen, wie Abbau von
Handelsbeschränkungen und Abbau von Einreise- und Aufenthaltsbeschränkungen
vorhanden. Als Beispiel hierfür kann man die Visafreiheit in der EU anführen, die es
europäischen Bürgern ermöglicht, sich innerhalb der EU-Länder zu bewegen, ohne ein

3
Visum beantragen zu müssen. Zum anderen unterscheidet er die Interaktion selbst und
deren Folgen. Die Zunahme der Handelsströme, der Dateninformationen, des
Personenverkehrs, des Tourismus etc. sieht er als Kern der Globalisierung. Die Folgen
der Globalisierung seien demnach u.a. stärkerer Wettbewerb und ökologische Probleme
(vgl. Kessler 2009, S. 35).
Die Globalisierung bringt Chancen, wie einfachere Handels- und Einreisebestimmungen,
hat aber auch negative Folgen, wie ökologische Probleme. In jedem Fall scheinen durch
die Aufweichung der nationalen Grenzen sowie aufgrund der globalen Interdependenzen
der Globalisierung komplexere Handlungskompetenzen und vernetztes Denken an
Bedeutung zu gewinnen.
Mathar sieht Jugendliche in nahezu allen Lebensbereichen von der Globalisierung
beeinflusst. (vgl. Mathar 2016, S. 412) Die weltweit hergestellten Produkte, die weltweiten
Eindrücke durch Medien und der zukünftige Arbeits-
und Lebensbereich ,,
unterliegen
globalen Wirkungszusammenhängen"
(Mathar 2016, S.412). Die Bildung stehe vor der
Aufgabe, diese Bereiche unter Beachtung des Nachhaltigkeitsaspekts zu bearbeiten.
Dementsprechend ist auch die Berufsbildung aufgefordert, die Lernenden auf globale und
nachhaltige Entwicklungen vorzubereiten und mit Bezug darauf Kompetenzen zu
generieren, um einen nachhaltigen Lebensstil und die Entwicklung einer weltweiten
Gerechtigkeit zu fördern. Gerade der zukünftige Arbeitsbereich, der sich für
Industriekaufleute im Wirtschaftsbereich befindet, ist für eine nachhaltige Entwicklung ein
entscheidender Faktor. Das sollte sich auch in den Ordnungsmitteln widerspiegeln, um
einen kritischen Blick auf das westliche Leben und Arbeiten zu entwickeln.
1.2 Globales Lernen als Reaktion auf Globalisierung
Das pädagogische Konzept Globales Lernen wurde als Reaktion auf die Globalisierung
entwickelt. Themeninhalte wie Entwicklung, Umwelt, Migration und Frieden werden im
globalen Kontext und unter Gerechtigkeitsaspekten bearbeitet. Die Lernenden eignen sich
Wissen über globale Zusammenhänge und Kompetenzen für das Leben in der
Weltgesellschaft an. Die politischen, sozialen und ökologischen Inhalte und die
Herausforderungen durch die sogenannten
,,
Entwicklungsländer
"
werden nicht abgetrennt
voneinander analysiert, sondern aus einer allumfassenden zusammenhängenden
Perspektive (vgl. Asbrand & Scheunpflug 2014, S. 401).
Nach der Auffassung von Halitzky und Mohrs hat Globales Lernen eine Veränderung der
Einstellung von Menschen und die Erziehung zu einem weltbürgerlichen Denken zum
Ziel. Sie sind überzeugt, dass Globales Lernen zu einer Verbesserung der Welt beitragen
kann. Eine angemessene Lebensbasis für alle Menschen soll durch eine gerechte

4
Denkweise geschaffen werden, die auch global, nicht nur lokal ausgerichtet ist (vgl.
Halitzky & Mohrs 2005, S. XIII-XIV).
Das weltgesellschaftliche Denken sei nur mit einer entsprechenden globalen Bildung und
Erziehung möglich (vgl. ebd., S. 20-21).
Aufgrund der zunehmenden Globalisierung und Vernetzung der Länder wird diese
Notwendigkeit einer weltgesellschaftlichen, weltbürgerlichen Denkweise von den Autoren
für wichtig empfunden. Glaubt man Halitzky und Mohrs ist dafür Bildung unumgänglich.
Demnach kann auch die berufliche Bildung für ein weltgesellschaftliches Denken
beitragen.
Ein grundlegendes Verständnis über Globales Lernen bietet folgendes längeres Zitat von
Overwien:
,,
Globales Lernen thematisiert Probleme und Perspektiven weltweiter Entwicklung
aus erziehungswissenschaftlicher und/ oder didaktischer Perspektive und betont
dabei Chancen gemeinsamen Handelns von Entwicklungs- und Industrieländern.
Zunehmend verbindet es sich mit den Ansätzen einer Bildung für nachhaltige
Entwicklung (BNE) (vgl. Michelsen/Overwien 2008). Die Wurzeln des Globalen
Lernens liegen in der entwicklungspolitischen Bildung, der Friedenspädagogik, der
Menschenrechtsbildung, der interkulturellen Pädagogik und der Umweltbildung.
Dabei wird zumeist von Schlüsselproblemen ausgegangen, weil so der Komplexität
global vernetzter Gesellschaften adäquat begegnet werden soll. Auf allen
Bildungsebenen geht es um die Vermittlung einer globalen Perspektive des
Denkens, Urteilens, Fühlens und Handelns. Im Mittelpunkt steht in der Regel
handlungsorientiertes Lernen, das ganzheitlich und partizipativ angelegt ist (vgl.
etwa Selby/ Rathenow 2003; Asbrand/
Scheunpflug 2005)." (Overwien2010, S. 30)
Im Kontext dieser Arbeit ist vor allem bedeutend, dass die globale Perspektive auf allen
Bildungsebenen, die Overwien anspricht, vermittelt werden soll
­
demnach auch in der
beruflichen Bildung und deren Ordnungsmittel verankert sein müsste. Im Zitat wird
außerdem das Konzept BNE, welches bei der Thematisierung von GL immer wieder
genannt wird, erwähnt und soll im Folgenden vorgestellt werden.
1.3 Bildung für nachhaltige Entwicklung
Bildung für nachhaltige Entwicklung soll die Fähigkeit entwickeln, Aktivitäten
ökonomischer,
sozialer
und
ökologischer
Dimension
langfristig
und
gesellschaftsumfassend beurteilen zu können (vgl. UNESCO/BMBF o.J. & BMBF o.J.).
Brunold erklärt nachhaltige Entwicklung folgendermaßen:
Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung im Ausbildungsberuf des Industriekaufmanns
Hochschule
Universität Kassel
Note
0,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V386029
ISBN (eBook)
9783668624863
ISBN (Buch)
9783668624870
Dateigröße
794 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
globales, lernen, bildung, entwicklung, ausbildungsberuf, industriekaufmanns
Arbeit zitieren
Nihat Cemali (Autor), 2017, Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung im Ausbildungsberuf des Industriekaufmanns, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386029

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