Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publicación mundial de textos académicos
Go to shop › Didáctica de la asignatura Alemán - Literatura, Obras

Polyphones Erzählen in Theodor Fontanes Roman "Irrungen, Wirrungen"

Título: Polyphones Erzählen in Theodor Fontanes Roman "Irrungen, Wirrungen"

Redacción Científica , 2018 , 20 Páginas

Autor:in: Hans-Georg Wendland (Autor)

Didáctica de la asignatura Alemán - Literatura, Obras
Extracto de texto & Detalles   Leer eBook
Resumen Extracto de texto Detalles

„Meine ganze Aufmerksamkeit ist darauf gerichtet, die Menschen so sprechen zu lassen, wie sie wirklich sprechen.“

Diese Äußerung Theodor Fontanes verdeutlicht in schlichter Einfachheit, welchen Stellenwert der Autor der Sprechweise seiner Romanfiguren beigemessen hat. Mehr noch als durch die Beschreibung äußerer Attribute, individueller Eigenarten und Handlungsweisen aus der Perspektive des Erzählers werden die Figuren seiner Romane – und dies trifft in besonderem Maße für Irrungen, Wirrungen zu – durch ihre Art und Weise zu sprechen charakterisiert. Fontane lässt die Menschen in diesem Roman nicht nur von oder über etwas sprechen. Es geht ihm vor allem darum, wie die Figuren im Gespräch miteinander kommunizieren und wie erfolgreich bzw. problematisch die Verständigung zwischen ihnen ist. Um diesen Zusammenhang zwischen Redeweise und Verständigung seiner Figuren näher zu untersuchen, soll eine weitere Äußerung Fontanes als Richtschnur und Wegweiser dienen, die einem Brief an Emil Dominik vom 14. Juli 1887 entnommen ist, wo er schreibt, bei Irrungen, Wirrungen solle der Leser unbedingt auf „die tausend Finessen ... achten, die ich dieser von mir besonders geliebten Arbeit mit auf den Lebensweg gegeben habe.“ Welcher Art diese Finessen sind, welche Botschaften sich in der Vielzahl von Andeutungen, Anspielungen, Formeln und Floskeln, Redensarten, Bezeichnungen, Namen und intertextuellen Bezügen verbergen und welchen Stellenwert sie im Gesamtgefüge des Romans einnehmen, bildet ebenfalls einen wichtigen Gegenstand dieser Untersuchung. In den Gesprächen der Figuren offenbaren sich nicht etwa unumstößliche, allgemeingültige Wahrheiten. Sie enthalten vielmehr ein Konfliktpotenzial von miteinander konkurrierenden Sichtweisen, Widersprüchlichkeiten, Mehrdeutigkeiten und Doppelbödigkeiten, die zu Missverständnissen oder Enttäuschungen führen und nicht vollständig aufgelöst werden können. Die Sprache der Figuren wird entscheidend durch ihren gesellschaftlichen Status und ihre Milieuzugehörigkeit bestimmt. Dabei entfaltet sich ein breites und vielfältig ausdifferenziertes Spektrum von Sprechweisen und Stilebenen, das die Schichtenzugehörigkeit der Figuren widerspiegelt und von der Sprache des einfachen Volkes und Kleinbürgertums bis zum Jargon der Offiziere und den Sprachgepflogenheiten der gehobenen Gesellschaftskreise und des Adels reicht.Charakteristisch für die Erzählweise des Romans ist ferner eine Erzählinstanz, die sich im Hintergrund hält.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Multiperspektivität, Polyphonie und Bachtins Konzept der Dialogizität

3. Polyphonie und Polyglossie in Irrungen, Wirrungen

3.1 „Wie die Menschen wirklich sprechen“: Standardsprache oder Dialekt?

3.2 Pitt, Serge, Balafré, Gaston und die Sprache der Offiziere

3.3 Die „Sprache des Herzens“ und der „Wahrhaftigkeit“

3.4 „Was sagen Sie zu dem Wetter?“ Code-Switching und Polyglossie

3.5 „Sprechtalent“ oder „Schwatzhaftigkeit“? Die „Kunst des gefälligen Nichtssagens“

3.6 „Proppertät“, „Honnettität“ und „Reellität“: die Sprache der Neuen Zeit?

3.7 „Es giebt keine Pompadours mehr“: Mit Schlagfertigkeit und Witz in eine „neue Zeit“

4. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Vielstimmigkeit (Polyphonie) und Mehrsprachigkeit (Polyglossie) in Theodor Fontanes Roman "Irrungen, Wirrungen", wobei sie insbesondere analysiert, wie die Sprechweise der Romanfiguren deren sozialen Status, Milieuzugehörigkeit und individuelle Charakterzüge widerspiegelt.

  • Analyse der sprachlichen Authentizität und Milieuspezifik im Roman
  • Anwendung von Michail Bachtins Konzept der Dialogizität auf das Werk
  • Untersuchung von sozialen Distinktionsmerkmalen und Jargon (Offiziersmilieu)
  • Gegenüberstellung von "Herzenssprache" und konventionalisierten Redensarten
  • Die Funktion von Nebenfiguren und symbolischen Episoden innerhalb des polyphonen Gesamtgefüges

Auszug aus dem Buch

3.2 Pitt, Serge, Balafré, Gaston und die Sprache der Offiziere

Die Offiziere pflegen als Ausdruck sozialer Distinktion bzw. Exklusion gegenüber anderen sozialen Gruppen einen gruppenspezifischen Jargon, d. h. sie verwenden eine Art Geheimsprache mit Chiffren, die nur von ihnen verschlüsselt und verstanden werden. Sie löst bei Nicht-Eingeweihten – besonders bei Lene, die Botho mehrfach bittet, ihr dieses „Geheimnis“ (IW, 10. Kapitel, S. 62) zu erklären – Gefühle der Befremdung und Verunsicherung aus. Eine Besonderheit dieses Jargon besteht beispielsweise darin, dass ihre Benutzer sich Decknamen berühmter Persönlichkeiten zulegen. Diese Maskerade betreiben sie nicht nur wegen ihres spielerischen Reizes, sondern um sich von der gewöhnlichen bürgerlichen Welt abzusondern und sich ein Profil zu verleihen, das sie als akademisch Gebildete ausweist. Da gibt es zum Beispiel einen „Pitt“ (britischer Staatsmann), einen „Serge“ (russischer Heiliger) und einen „Gaston“ (Figur aus einem Trauerspiel von Heinrich Zschokke), hinter dem Botho sich verbirgt. Im Gespräch zwischen Botho und Lene versucht Botho, diese Angewohnheit als liebenswerte Marotte zu verharmlosen und herunterzuspielen: Es handele sich ja im Grunde um „Liebes- und Zärtlichkeitsnamen“. (IW, S. 27) Im 10. Kapitel erweist sich diese Form des kodierten Sprechens jedoch eindeutig als störendes Element, das von Lene als bloße Selbstinszenierung durchschaut wird. (Vgl. S. 62 f.)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in Fontanes Intention ein, seine Romanfiguren authentisch sprechen zu lassen, und skizziert das Ziel der Untersuchung, den Zusammenhang zwischen Redeweise und Verständigung zu beleuchten.

2. Multiperspektivität, Polyphonie und Bachtins Konzept der Dialogizität: Dieses Kapitel erläutert Michail Bachtins musikwissenschaftlich geprägten Begriff der Polyphonie und überträgt ihn als Strukturprinzip auf Fontanes Erzählweise.

3. Polyphonie und Polyglossie in Irrungen, Wirrungen: Dies ist das Hauptkapitel, in dem die soziale Differenzierung der Sprache innerhalb des Romans in verschiedenen Unterpunkten detailliert analysiert wird.

3.1 „Wie die Menschen wirklich sprechen“: Standardsprache oder Dialekt?: Hier wird die sprachliche Abgrenzung zwischen dem Adel (Bildungssprache) und der kleinbürgerlichen Umgebung von Lene Nimptsch (dialektal gefärbt) erörtert.

3.2 Pitt, Serge, Balafré, Gaston und die Sprache der Offiziere: Dieser Abschnitt behandelt den Jargon der Offiziere, der durch Decknamen und Geheimsprache der sozialen Distinktion dient.

3.3 Die „Sprache des Herzens“ und der „Wahrhaftigkeit“: Das Kapitel kontrastiert Lenes authentische Ausdrucksweise mit der phrasenhaften Sprache ihrer sozialen Umgebung.

3.4 „Was sagen Sie zu dem Wetter?“ Code-Switching und Polyglossie: Fokus liegt auf Bothos sprachlicher Flexibilität, situativ zwischen den verschiedenen Sprachcodes hin- und herzuschalten.

3.5 „Sprechtalent“ oder „Schwatzhaftigkeit“? Die „Kunst des gefälligen Nichtssagens“: Analyse von Käthe von Sellenthin als Kontrastfigur zu Lene und deren Meisterschaft in oberflächlicher Konversationskunst.

3.6 „Proppertät“, „Honnettität“ und „Reellität“: die Sprache der Neuen Zeit?: Bewertung der Rolle Gideon Frankes und seiner Verwendung von redundant wirkenden Dreierformeln.

3.7 „Es giebt keine Pompadours mehr“: Mit Schlagfertigkeit und Witz in eine „neue Zeit“: Analyse der Pompadour-Episode als Indiz für einen gesellschaftlichen Wandel und das Ende der aristokratischen Dominanz.

4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die Erkenntnisse über Fontanes Roman als "vielstimmiges" Werk voller "Finessen" und unterstreicht die Notwendigkeit, hinter die oberflächliche Fassade der Figurenrede zu blicken.

Schlüsselwörter

Theodor Fontane, Irrungen Wirrungen, Polyphonie, Dialogizität, Michail Bachtin, Code-Switching, Sprachregister, Soziolekt, Gesellschaftsroman, Poetischer Realismus, Finessen, Figurenrede, Redensartlichkeit, Herzenssprache, Milieuzugehörigkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Sprachgestaltung in Theodor Fontanes Roman „Irrungen, Wirrungen“ unter Anwendung literaturwissenschaftlicher Konzepte der Polyphonie und Mehrsprachigkeit.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die soziale Codierung von Sprache, der Unterschied zwischen authentischer Rede und gesellschaftlichen Floskeln sowie die Rolle der Sprache bei der Charakterisierung der Romanfiguren.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Vielstimmigkeit und die spezifische Ausdifferenzierung der Sprache wesentliche Gestaltungsmerkmale sind, die den Leser dazu anregen sollen, hinter die Fassade der Konventionen zu schauen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung basiert primär auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, gestützt durch Michail Bachtins Konzepte zur Dialogizität, ergänzt um soziolinguistische Aspekte wie Code-Switching und Registeranalyse.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Untersuchung verschiedener Figuren und Milieus, von der Sprache des Adels und der Offizierskaste bis hin zur "Herzenssprache" der Protagonistin Lene Nimptsch.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Polyphonie, Sprachregister, Soziolekt, Dialogizität und der von Fontane selbst geprägte Begriff der "Finessen".

Warum spielt die Offizierssprache eine so besondere Rolle?

Die Offizierssprache fungiert als exklusive Geheimsprache, die dazu dient, sich sozial von anderen Klassen abzugrenzen und ein elitäres Profil zu konstruieren, was Lene als Außenstehende befremdet.

Was bedeutet die Wendung "Es gibt keine Pompadours mehr" im Kontext des Romans?

Sie symbolisiert den gesellschaftlichen Wandel und das Ende der aristokratischen Vormachtstellung, wobei die Schlagfertigkeit der Figur einer bürgerlichen Russin gegenüber einer Aristokratin den Umbruch verdeutlicht.

Inwiefern unterscheidet sich Lene Nimptsch sprachlich von den anderen Charakteren?

Lene ist die einzige Figur, deren Sprache als authentisch und unredensartlich beschrieben wird, wodurch sie sich von der phrasenhaften Welt des Adels und des Kleinbürgertums abhebt.

Final del extracto de 20 páginas  - subir

Detalles

Título
Polyphones Erzählen in Theodor Fontanes Roman "Irrungen, Wirrungen"
Universidad
University of Hannover  (Deutsches Seminar)
Autor
Hans-Georg Wendland (Autor)
Año de publicación
2018
Páginas
20
No. de catálogo
V387201
ISBN (Ebook)
9783668612778
ISBN (Libro)
9783668612785
Idioma
Alemán
Etiqueta
polyphones erzählen theodor fontanes roman irrungen wirrungen
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Hans-Georg Wendland (Autor), 2018, Polyphones Erzählen in Theodor Fontanes Roman "Irrungen, Wirrungen", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387201
Leer eBook
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
Extracto de  20  Páginas
Grin logo
  • Grin.com
  • Envío
  • Contacto
  • Privacidad
  • Aviso legal
  • Imprint