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Die Großstadt als Spiegelbild der Gesellschaft im modernen Roman bei Fontane, Kafka und Kästner

Title: Die Großstadt als Spiegelbild der Gesellschaft im modernen Roman bei Fontane, Kafka und Kästner

Scientific Essay , 2018 , 31 Pages

Autor:in: Hans-Georg Wendland (Author)

Didactics for the subject German - Literature, Works
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Summary Excerpt Details

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer stürmisch einsetzenden Industrialisierung und als Folge davon zu einem enormen Städtewachstum und einem stetig anschwellenden Zustrom der Landbevölkerung in die großstädtischen Ballungszentren. Das führte zu einer zunehmenden Proletarisierung und Verelendung breiter Bevölkerungsschichten. Die damit zusammenhängenden Probleme von Wohnungsnot, Alkoholismus, Krankheit, Gewalt und Verbrechen schienen angesichts einer gleichgültigen und untätigen gesellschaftlichen Oberschicht unlösbar zu sein. In zeitgenössischen Berichten waren die hässlichen Seiten dieser Wirklichkeit oft nur Randerscheinungen. Stattdessen stellte man die Leistungsfähigkeit moderner Industriebetriebe heraus.
Ganz im Gegensatz dazu wurden in zeitgenössischen Kunstdarstellungen die Schattenseiten der modernen Arbeitswelt nicht durch die Faszination für die Leistungen moderner Industriekapitäne übertönt. Das erkennt man beispielsweise in Gemälden wie Adolph Menzels „Eisenwalzwerk“ (1875) mit dem sprechenden Untertitel „Moderne Cyclopen“ und später noch in den Bildern von Malern wie Max Liebermann, in denen sich die wirklichen Verhältnisse dieser Welt offenbaren: die Monotonie im Industriealltag und das Wohnungselend in den Mietskasernen und Hinterhöfen der Großstadt. Bereits im Jahre 1855 hatte der französische Maler Gustave Courbet (1819 - 1877) in Paris eine Auswahl seiner Werke gezeigt und sie "le réalisme" genannt. Unter diesem programmatischen Begriff propagierte er eine in der damaligen Kunstwelt als provozierend empfundene Malweise, mit der die Wirklichkeit nicht nach den vorformulierten Idealen einer "höheren" Realität und den Regeln einer normativen Ästhetik dargestellt, sondern als sichtbare Alltagswirklichkeit ungeschönt, d. h. mit all ihren gewöhnlichen und hässlichen Seiten, gezeigt werden sollte. Mit Bildern wie "Les casseurs de pierres" ("Die Steinklopfer", 1849) hatte er der konventionellen bürgerlichen Salonkunst und der idealisierenden Historienmalerei eine eindeutige Absage erteilt und war auf den erbitterten Widerstand der zeitgenössischen Kunstkritik gestoßen, die sich sowohl am Thema (das harte Los einfacher Straßenarbeiter) als auch an der Malweise (ungekünstelte Darstellung der Wirklichkeit) stieß und das Bild als hässlich empfand. Während dieser Zeit wurde die Großstadt als Schauplatz und Referenzrahmen mehr und mehr zum Gegenstand von Literatur.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theodor Fontanes „Fontanopolis“ und ihre Darstellung in „Irrungen, Wirrungen“

2.1. Der Roman als „soziale Psychographie“

2.2. Die Bedeutung von Milieu- und Standeszugehörigkeit: gesellschaftlich sanktionierte und tabuisierte städtische Räume

2.3. Lärm und Hektik als bedrohliche Erscheinungsformen der modernen Großstadt

2.4. Rückzug in traditionelle Ordnungsmuster der herkömmlichen Ständegesellschaft

3. Franz Kafka und das „allermodernste New York“ in „Der Verschollene“

3.1. Das Schiff als Sinnbild einer hierarchisch strukturierten Klassengesellschaft europäischen Zuschnitts

3.2. Die Stadt: Ort der Superlative und Extreme

3.3. Die Welt der Arbeit

3.4. Soziale Gegensätze und Außenseiter der Gesellschaft

4. Erich Kästners „Fabian“: Ein Roman der Neuen Sachlichkeit

4.1. Neusachliche Themenschwerpunkte

4.1.1. Die Großstadt als Paradigma für die Orientierungslosigkeit des modernen Menschen

4.1.2. Die Welt der Arbeit

5. Frauenbilder und das Thema Liebe in der modernen Großstadt

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die literarische Darstellung der modernen Großstadt in drei zentralen Werken des 19. und 20. Jahrhunderts. Das primäre Ziel ist es, die unterschiedlichen Erzählweisen, gesellschaftlichen Perspektiven und die Rolle des Individuums in Bezug auf soziale Entfremdung, Arbeit und Liebe innerhalb der urbanen Räume bei Theodor Fontane, Franz Kafka und Erich Kästner zu analysieren und miteinander zu vergleichen.

  • Vergleichende Analyse der urbanen Topographie bei Fontane, Kafka und Kästner.
  • Untersuchung der Entfremdung des Individuums in der modernen Arbeitswelt.
  • Die Rolle gesellschaftlicher Konventionen und sozialer Hierarchien im großstädtischen Raum.
  • Darstellung von Frauenbildern und Liebesbeziehungen im Kontext des urbanen Wandels.
  • Gegenüberstellung des neusachlichen Erzählstils mit dem Realismus und der expressionistischen Verfremdung.

Auszug aus dem Buch

Die Stadt: Ort der Superlative und Extreme

Im Unterschied zu Fontanes Berlin, das in „Irrungen, Wirrungen“ nach der sozialen Zugehörigkeit seiner Bewohner gegliedert wird, ist die amerikanische Großstadt in „Der Verschollene“ eine Welt voller Superlative und extremer Gegensätze, die den Neuankömmling mit ehrfürchtigem Staunen erfüllen. Aber sie ist auch ein bedrohlicher Moloch, dessen Monstrosität ihm Angst und Schrecken einjagt und dessen geballte Wucht ihn zu überwältigen scheint. Darüberhinaus gibt es panoramische Bilder von großer Eindringlichkeit, die wie großformatige expressionistische Kinobilder aus Fritz Langs „Metropolis“ (1926) wirken. Schon im Hafen von New York macht sich ein rastloses Hin und Her bemerkbar, eine hektische Betriebsamkeit, „eine Bewegung ohne Ende, eine Unruhe, übertragen von dem unruhigen Element auf die hilflosen Menschen und ihre Werke“. (V, S. 20) Vom Kapitänszimmer aus blickt man noch weiter in die Ferne: „Hinter allem aber stand New York und sah Karl mit den hunderttausend Fenstern seiner Wolkenkratzer an.“ (V, S. 15) Aus dieser Perspektive betrachtet, wird New York zu einem überdimensionalen, fantastischen, angsteinflößenden Wesen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext der Industrialisierung und des rapiden Städtewachstums im 19. Jahrhundert, das die Grundlage für die literarische Auseinandersetzung mit der Großstadt bildete.

2. Theodor Fontanes „Fontanopolis“ und ihre Darstellung in „Irrungen, Wirrungen“: Dieses Kapitel analysiert Fontanes präzise soziale Topographie Berlins, die eng an Standesgrenzen und Milieuzugehörigkeit geknüpft ist und soziale Konflikte innerhalb dieser Ordnung verhandelt.

3. Franz Kafka und das „allermodernste New York“ in „Der Verschollene“: Das Kapitel untersucht Kafkas perspektivische Verfremdung der US-amerikanischen Großstadt, die als bedrohliches, labyrinthartiges System dargestellt wird, in dem das Individuum durch den Arbeitsprozess entmenschlicht wird.

4. Erich Kästners „Fabian“: Ein Roman der Neuen Sachlichkeit: Es wird die neusachliche Erzählweise Kästners betrachtet, die das moderne Berlin als fragmentarischen „Großstadtdschungel“ schildert und das politische sowie soziale Scheitern des Protagonisten Fabian reflektiert.

5. Frauenbilder und das Thema Liebe in der modernen Großstadt: Das abschließende Kapitel kontrastiert die übersichtlichen, rollenfixierten Beziehungsmodelle bei Fontane mit der Orientierungslosigkeit und Kälte der Liebesbeziehungen im Werk von Kafka und Kästner.

Schlüsselwörter

Großstadtroman, Moderne, Neue Sachlichkeit, Industrialisierung, soziale Entfremdung, urbane Topographie, Realismus, Arbeit, Geschlechterbeziehungen, Berlin, New York, Identität, Sozialstruktur, Literaturanalyse, Individualität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie die moderne Großstadt in literarischen Werken von Fontane, Kafka und Kästner als Schauplatz für den sozioökonomischen Wandel und die Veränderung des Individuums dargestellt wird.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen umfassen die Urbanisierung, die Entfremdung des Menschen durch moderne Arbeitsprozesse, die Bedeutung sozialer Milieus und die Gestaltung von Liebesbeziehungen in einer sich wandelnden Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Analyse?

Ziel ist es, die literarischen Strategien aufzuzeigen, mit denen die Autoren die Komplexität und Unüberschaubarkeit des Großstadtlebens einfangen und welche Rolle das Individuum in diesen Strukturen einnimmt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Untersuchung verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die die Primärtexte vergleichend betrachtet und durch einen Rückgriff auf zeitgenössische Quellen sowie Forschungsliteratur fundiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Fontanes Berlin, Kafkas Amerika-Roman und Kästners neusachlichem „Fabian“, wobei jeweils die spezifische Darstellung der Stadt, der Arbeitswelt und der zwischenmenschlichen Beziehungen detailliert herausgearbeitet wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Zu den prägenden Begriffen zählen Großstadtroman, Entfremdung, soziale Topographie, Neue Sachlichkeit, industrieller Wandel und die Identitätssuche des Individuums im urbanen Raum.

Inwiefern unterscheidet sich die Darstellung der Arbeitswelt bei Kafka von der bei Fontane?

Während die Arbeit bei Fontane im sozialen Gefüge der Ständegesellschaft weitgehend ausgeblendet oder geordnet bleibt, wird sie bei Kafka zu einer monströsen, entmenschlichenden Kraft, die das Individuum anonymisiert.

Was unterscheidet den Protagonisten Fabian in Kästners Roman von Kafkas Karl Roßmann?

Fabian ist ein promovierter Germanist in einer intellektuellen Krise der 1920er Jahre, der die Welt als Beobachter registriert, während Karl Roßmann ein junger, naiver Einwanderer ist, der an der undurchschaubaren amerikanischen Lebensrealität scheitert.

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Details

Title
Die Großstadt als Spiegelbild der Gesellschaft im modernen Roman bei Fontane, Kafka und Kästner
College
University of Hannover  (Deutsches Seminar)
Author
Hans-Georg Wendland (Author)
Publication Year
2018
Pages
31
Catalog Number
V387334
ISBN (eBook)
9783668624825
ISBN (Book)
9783668624832
Language
German
Tags
---------------------------------
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Hans-Georg Wendland (Author), 2018, Die Großstadt als Spiegelbild der Gesellschaft im modernen Roman bei Fontane, Kafka und Kästner, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387334
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