Das Deutsche Kaiserreich mit seiner vermilitarisierten Gesellschaft und seinem speziellen Konstitutionalismus ist kaum ohne die Bedeutung und Stellung des Militärs zu verstehen. Dabei wird jedoch häufig vergessen, dass eben dieses Militär nicht einfach existierte, sondern Bestandteil der Reichsverfassung war. So soll in dieser Hausarbeit das Militär aus verfassungsrechtlicher Sicht betrachtet werden. Dabei wird sowohl darauf eingegangen, wie es formal aussah, als auch auf die Verfassungswirklichkeit.
Hierzu soll zunächst die formale Stellung des Militärs in der Verfassung betrachtet werden. Um diese besser beurteilen zu können, werden zunächst kurz die einzelnen Reichsorgane betrachtet. Daraufhin wird ausführlich das Militär, sowohl das Heer als auch die Marine, untersucht. Hierbei wird auch ein Blick auf die parlamentarische Kontrolle geworfen werden. Im zweiten Teil soll dann die Verfassungswirklichkeit genauer behandelt werden. Auch hier wird zunächst auf die Reichsorgane eingegangen und daraufhin auf das Militär. Ebenfalls wird die parlamentarische Kontrolle in der Praxis beleuchtet.
Insgesamt liegt das Augenmerk auf dem Kaiserreich bis zum Ersten Weltkrieg. Da sich ab diesem die Machtstrukturen grundlegend änderten und das Militär naturgemäß mehr Macht erhielt wird sich diese Hausarbeit mit der friedlichen Zeit davor beschäftigen. Ebenso soll diese Arbeit eine allgemeine Untersuchung darstellen. Daher wird versucht möglichst wenig auf einzelne Persönlichkeiten einzugehen. Dennoch sollte niemals vergessen werden, dass diese zum Teil eine prägende Rolle gespielt haben. So verschoben sich zum Beispiel die Machtzentren nach der Absetzung Bismarcks 1890 deutlich.
Am Ende soll eine Beurteilung der Stellung des Militärs stattfinden. Insbesondere soll die Phrase „Staat im Staate“ auf ihre Richtigkeit geprüft werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die formale Verfassung des Reiches
2.1 Das Militär
2.1.1 Fahneneid
2.1.2 Kommandogewalt
2.1.3 Parlamentarische Kontrolle
2.1.4 Fazit
3. Die Verfassungswirklichkeit des Deutschen Reiches
3.1 Das Militär
3.1.1 Fahneneid
3.1.2 Kommandogewalt
3.1.3 Parlamentarische Kontrolle
3.1.4 Fazit
4. Schlussfazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die verfassungsrechtliche Untersuchung der Stellung des Militärs im Deutschen Kaiserreich, um zu prüfen, ob die historisch oft angeführte Bezeichnung des Militärs als „Staat im Staate“ zutreffend ist oder ob eine Einbindung in die staatliche Ordnung bestand.
- Analyse der formalen Reichsverfassung von 1871 in Bezug auf das Militär.
- Untersuchung der Verfassungswirklichkeit und der tatsächlichen Machtzentren.
- Evaluation der parlamentarischen Kontrolle über militärische Belange.
- Vergleich von normativer Vorgabe und politischer Praxis der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Kommandogewalt
Inhaber der Kommandogewalt war uneingeschränkt der Kaiser und diesem nachgeordnet die kommandieren Generäle der Armeekorps. Dennoch gab es in der Zeit des Kaiserreichs drei wichtige Ämter, die bedeutenden Einfluss im Militärwesen ausübten: Das (preußische) Kriegsministerium, das Militärkabinett und der Generalstab. Diese waren jedoch nicht verfassungsrechtlich geschaffen und bildeten sich vor allem auf Grundlage ungeschriebener Dogmen heraus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung und der Zielsetzung, das Militär im Kaiserreich verfassungsrechtlich und in der Praxis zu bewerten.
2. Die formale Verfassung des Reiches: Analyse der rechtlichen Grundlage des Kaiserreiches und der formalen Einbettung des Militärs in die Verfassungsnormen.
3. Die Verfassungswirklichkeit des Deutschen Reiches: Betrachtung der tatsächlichen Machtverhältnisse und der Rolle des Militärs abseits der schriftlichen Verfassung.
4. Schlussfazit: Zusammenfassende Beurteilung, die den „Staat im Staate“-Mythos vor dem Hintergrund der Erkenntnisse aus den vorangegangenen Kapiteln kritisch hinterfragt.
Schlüsselwörter
Deutsches Kaiserreich, Militär, Reichsverfassung, Verfassungswirklichkeit, Kommandogewalt, Parlamentarische Kontrolle, Staat im Staate, Reichstag, Fahneneid, Kaiser, Generalstab, Kriegsministerium, Gesetzgebung, Machtstrukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Stellung des Militärs im Deutschen Kaiserreich zwischen 1871 und 1914 aus verfassungsrechtlicher und praktischer Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die formale Verfassungsordnung, die tatsächliche Machtausübung durch den Kaiser und verschiedene Militärbehörden sowie die Rolle des Parlaments bei der Kontrolle des Militärs.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Überprüfung der These, ob das Militär als „Staat im Staate“ agierte oder ob es in die verfassungsmäßige Ordnung eingebunden war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine verfassungsgeschichtliche Analyse, die primär auf der Auswertung von Standardwerken zur Verfassungsgeschichte und entsprechenden Vertragstexten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der formalen Verfassungslage und eine Analyse der gelebten Verfassungswirklichkeit, jeweils unter Fokus auf das Militär.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Deutsches Kaiserreich, Kommandogewalt, Parlamentarische Kontrolle, Verfassungswirklichkeit und das Militär als Teil der Reichsverfassung.
Welche Rolle spielt der Fahneneid in der Argumentation?
Der Fahneneid verdeutlicht die Bindung des Soldaten an den Kaiser, wobei die Arbeit aufzeigt, dass dieser Eid das Militär dennoch nicht formal von der allgemeinen Verfassung entkoppelte.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Reichstages?
Der Autor zeigt auf, dass der Reichstag trotz verfassungsrechtlicher Einschränkungen zunehmend Einfluss auf militärische Etatzahlen und Gesetze nehmen konnte und somit eine demokratische Komponente in die Kontrolle des Militärs einbrachte.
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- M.A. Fabian Sauer (Author), 2015, Das Militär in der Verfassung des Deutschen Reiches. Ein "Staat im Staate?", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387482