Um der Frage auf den Grund zu gehen, wie Kausalität mithilfe von kontrafaktischen Konditionalen analysiert werden kann, soll dieser Ansatz zunächst motiviert werden. Hume definierte Kausalität wie folgt: Eine Ursache ist ein Ereignis A, auf das ein weiteres Ereignis B folgt, und wann immer ein Ereignis a-ähnlich ist, so folgt darauf ein b-ähnliches Ereignis. Er hängte an diese erste Definition eine Alternativformulierung an: Wenn das erste Ereignis nicht geschehen wäre, so wäre das zweite nicht geschehen.
Obwohl Humes erste Definition noch immer die vorherrschende Sichtweise der Kausalitätsphilosophie darstellt, weist sie wesentliche Probleme auf. Die hume'sche Regularitätsanalyse neigt, nach Lewis, zur Verwechslung von Kausalität an sich mit verschiedenen anderen kausalen Relationen. Sei c ein Minimalset von Konditionen und unter den gegebenen Naturgesetzen hinreichend für e, dann sei c Ursache von e. Doch hier ergibt sich eine Dreiteilung, denn (1) c könnte möglicherweise ein Effekt von e sein. Ein Effekt, der unter den Naturgesetzen und Umständen nur durch e verursacht werden konnte. Oder (2) c könnte ein Epiphänomen der Kausalgeschichte von e sein. Ergo ein mehr oder minder wirkungsloser Effekt einer ursprünglichen Ursache von e. Oder (3) c könnte ein, wie Lewis es nennt, „preempted potential cause“, eine Ursache, die von einer anderen Ursache ausgeschlossen worden ist, sein.
Lewis' kontrafaktische Theorie der Kausalität möchte genau diesen Mangel an Differenzierung von tatsächlichen Ursachen zu Effekten, Epiphänomenen und Ausschließungen überwinden. Lewis sieht darin keine bloße Umformulierung von Humes Definition von Kausalität, sondern vielmehr den Grundsatz einer kontrafaktischen Analyse von Kausalität.
Inhaltsverzeichnis
Kausalität und kontrafaktische Konditionale
Komparative Gleichartigkeit
Kontrafaktuale und kontrafaktische Abhängigkeit
Kausale Abhängigkeit zwischen Ereignissen
Kausalität und Kausalketten
Das Problem von Epiphänomenen
Lösungsansatz
Zusatz: Ausschließung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophische Analyse von Kausalität durch kontrafaktische Konditionale, basierend auf den Theorien von David Lewis. Das Hauptziel besteht darin, aufzuzeigen, wie kontrafaktische Abhängigkeiten genutzt werden können, um tatsächliche Ursachen von Effekten, Epiphänomenen und Ausschließungen zu unterscheiden und Kausalität präzise zu definieren.
- Grundlagen der kontrafaktischen Theorie nach David Lewis
- Abgrenzung von Kausalität gegenüber Epiphänomenen
- Die Rolle der komparativen Gleichartigkeit möglicher Welten
- Analyse von Kausalketten und kausaler Abhängigkeit
- Problematiken wie "preempted potential causes" (Ausschließung)
Auszug aus dem Buch
Komparative Gleichartigkeit
Zu Beginn nehmen wir eine Relation von komparativen, allgemeinen Gleichartigkeiten zwischen möglichen Welten als ursprünglich an. Darauf basierend sagen wir, dass eine Welt A unserer Welt α, der „actuality“,nachfolgend Tatsächlichkeit oder Aktualität genannt, näher als eine Welt B ist, wenn A unserer Welt ähnlicher ist als B. Damit ist ausgedrückt, welche Sorte von Relation gemeint ist, doch unterliegen unsere Relationen komparativer Gleichartigkeit zwei formalen Beschränkungen. Zum ersten herrscht eine schwache Ordnung der Welten, sodass Verbindungen zugelassen werden, aber jede Welt mit jeder anderen vergleichbar ist. Zum zweiten sollte unsere reale Welt am nächsten zur Aktualität sein; α sich selbst also ähnlicher sein, als es alle anderen Welten zu α sind.
Zusammenfassung der Kapitel
Kausalität und kontrafaktische Konditionale: Einleitung in das Thema der Kausalitätsphilosophie, wobei Hume’s Regularitätsanalyse kritisch beleuchtet und der Ansatz von Lewis zur kontrafaktischen Analyse motiviert wird.
Komparative Gleichartigkeit: Einführung der theoretischen Grundlage zur Bewertung der Ähnlichkeit zwischen möglichen Welten mittels einer komparativen Relation.
Kontrafaktuale und kontrafaktische Abhängigkeit: Definition der kontrafaktischen Operation und Erläuterung, wie diese zur Bestimmung von Abhängigkeiten zwischen Propositionen und Prozessen genutzt wird.
Kausale Abhängigkeit zwischen Ereignissen: Übertragung der kontrafaktischen Abhängigkeit von Propositionen auf Ereignisse sowie die Herleitung von Kausalität aus diesen Abhängigkeiten.
Kausalität und Kausalketten: Untersuchung der Transitivität von Kausalität und der Definition von Ereignisfolgen als Kausalketten.
Das Problem von Epiphänomenen: Darstellung einer Herausforderung der Theorie, bei der Effekte fälschlicherweise als ursächlich für andere Ereignisse erscheinen.
Lösungsansatz: Vorstellung der Methode von Lewis, problematische Kontrafaktuale durch die Annahme geringster Abweichungen von der Tatsächlichkeit abzulehnen.
Zusatz: Ausschließung: Analyse von Alternativursachen, die durch eine tatsächliche Ursache ausgeschlossen werden, und deren Auswirkungen auf die Kausalkette.
Schlüsselwörter
Kausalität, kontrafaktische Konditionale, David Lewis, kontrafaktische Abhängigkeit, Epiphänomen, mögliche Welten, Tatsächlichkeit, Kausalketten, Propositionen, kausale Abhängigkeit, Ausschließung, Determinismus, Naturgesetze, Ereignisse, Regularitätsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das philosophische Konzept der Kausalität unter Verwendung kontrafaktischer Konditionale, um kausale Prozesse präzise von nicht-kausalen Einflüssen zu unterscheiden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Struktur möglicher Welten, die Logik kontrafaktischer Aussagen und die Differenzierung zwischen echten Ursachen und Epiphänomenen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die Darstellung und Erläuterung der Theorie von David Lewis, um Kausalität als eine auf Kontrafaktualen basierende Relation zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine analytisch-philosophische Methode, die auf logischen Definitionen, der Untersuchung von Propositionen und der Auswertung von Gedankenexperimenten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition kontrafaktischer Abhängigkeit, dem Aufbau von Kausalketten und der Lösung spezifischer philosophischer Probleme wie Epiphänomenen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kausalität, kontrafaktische Konditionale, mögliche Welten und kausale Abhängigkeit charakterisiert.
Wie unterscheidet Lewis zwischen einer Ursache und einem Epiphänomen?
Lewis schlägt vor, Kontrafaktuale, die ein Epiphänomen verursachen, abzulehnen, indem man die Abweichung von der Tatsächlichkeit minimiert und die kausale Geschichte des Ereignisses berücksichtigt.
Was besagt das Konzept der "Ausschließung"?
Unter Ausschließung versteht man eine Situation, in der ein Ereignis zwar theoretisch als Ursache für ein anderes fungieren könnte, dies aber durch die tatsächliche Ursache verhindert wird.
- Arbeit zitieren
- Daniel Zimmermann (Autor:in), 2017, Kausalität und kontrafaktische Konditionale bei David Lewis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387534