Ursachen für das Scheitern vieler Pflegeverhältnisse

Eine wissenschaftliche Betrachtung


Akademische Arbeit, 2018

13 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Einleitung
In vorliegender wissenschaftlicher Abhandlung wird der Frage nachgegangen, welche
Prozesse zu einer Beendigung von Pflegeverhältnissen in Pflegefamilien führen. Nach
einer kurzen einleitenden theoretischen Heranführung an die Thematik der
Pflegeelternschaft, wird das Sozialisations- bzw. Spannungsfeld der Pflegefamilie
näher dargestellt. Das heißt auf die sozialen Strukturen des komplexen Systems
Pflegefamilie intensiver eingegangen und Problemstellungen der Sozialisation
konzeptionell analysiert, sowie die Faktoren herausgearbeitet, die ein Scheitern
begünstigen. Die Grundlage der Jugendhilfe bildet das achte Sozialgesetzbuch,
welches bundeseinheitlich Leistungen gegenüber jungen Menschen, Kindern,
Jugendlichen sowie deren Eltern, Sorgeberechtigten, Erziehungsberechtigten und
Personensorgeberechtigten regelt. Im Falle eine Vollzeitpflege nach § 33 SGB VIII,
wie vorliegender Arbeit obliegt die Durchführung den Landes- und den Jugendämtern.
Unter anderem auch Spezialisierten Dienste der Jugendhilfe, demzufolge die Hilfen zur
Erziehung, aber auch Inobhutnahmen, Jugendschutz, Vormundschaften. Geregelt
werden darüber hinaus auch sachliche und örtliche Zuständigkeiten und vieles mehr.
Kernaufgabe der Jugendhilfe ist es vornehmlich, zugunsten der Kinder zu handeln und
den Schutz der Kinder zu gewährleisten. Immer mehr leibliche Eltern versagen oder
sind nicht mehr in der Lage, die eigenen Kinder adäquat zu versorgen. Frühe traumati-
sche Erfahrungen, wie beispielsweise Vernachlässigung, körperliche, psychische
und/oder sexuelle Gewalt, unzureichende Förderung, Versorgungsmängel aber auch
Trennungserfahrungen wirken ein Leben lang auf die Kinder ein und verändern ihr
Sozial- und auch ihr Bindungsverhalten, indes wird auch ihr Leistungsverhalten
beeinflusst. Der häufigste Anlass für eine Aufnahme in einer Pflegefamilie ist eine
Gefährdung des Kindeswohls. Kinder brauchen ein Zuhause um sich entwickeln zu
können. Ziele der Vollzeitpflege nach § 33 SGV VIII, sind prinzipiell unterschiedlich,
möglich ist eine befristete Vollzeitpflege (Bereitschaftspflege) für Kinder und
Jugendliche, die für kurze Zeit nicht in ihrer eigenen Familie leben können. In diesem
Fall hat die Pflegefamilie die Aufgabe, dem Kind für diesen begrenzten Zeitraum, meist
bis zu sechs Monaten, einen geschützten Bereich zu bieten. Hintergrund für befristete
Vollzeitpflegen sind fast immer akute familiäre Belastungssituationen oder Krisen. Ziel
ist es, im Verlauf dieser Zeit die familiären Rahmenbedingungen so zu verändern, dass
das Kind zeitnah in die eigene Familie zurückkehren kann. Da dies leider nicht immer
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möglich ist, werden dann Pflegefamilien benötigt, in denen die Kinder dauerhaft leben
können. Dies stellt die unbefristete Vollzeitpflege dar und ist für Kinder angedacht,
deren Erziehung und Betreuung in der Herkunftsfamilie nachhaltig nicht sicher gestellt
werden kann. Sie bedürfen nicht nur für die Überbrückung einer Krisensituation,
sondern meist bis zur Volljährigkeit eine Pflegefamilie, in der sie leben und sich ihren
Bedürfnissen und Anforderungen entsprechend entwickeln können. Hat das Kind
spezielle Voraussetzungen infolge einer schweren emotionalen, psychischen,
kognitiven oder körperlichen Beeinträchtigung und übersteigen die Erwartungen an die
Pflegeeltern den allgemeinen Erziehungsbedarf, so kann ein erhöhter Förderbedarf
genehmigt werden. Dies wird mindestens halbjährlich durch einen Mitarbeiter des
Jugendamtes überprüft und auf die Belange angepasst. Was ist nun ein Pflegefamilie
genau und was kann sie letztlich leisten?
Hauptteil
Im Fokus der Jugendhilfe steht immer das Kind, mit seinen emotionalen und strukturel-
len Bindungsabbrüchen. Daher muss man natürlich besonders vorsichtig und behut-
sam mit deren Problematiken umgehen, um eine angemessene Lösung zu finden.
Hierbei kommen die Pflegeeltern ins Spiel. Was sollten sie für Voraussetzungen mit-
bringen um ein beispielsweise traumatisches Kind aufzunehmen. Welche Qualifikatio-
nen müssen sie besitzen? Das sind wohl grundlegende Fragen die man hat, wenn man
an Pflegeelternschaft denkt. Pflegeeltern zu sein ist eine schöne und vor allem vielseiti-
ge Aufgabe. Wenn man überlegt, ein Pflegekind aufzunehmen, dann will man sicher-
lich eine Familie gründen oder die bestehende Familie vergrößern. Es ist völlig egal ob
man alleinstehend oder verheiratet ist, das Lebensalter spielt eventuell dann eine Rol-
le, wenn die Relation zwischen dem Alter des Kindes und der Pflegeeltern sehr hoch
ist. Genügend Wohnraum zum Spielen und Toben sollte vorhanden sein, dennoch kön-
nen sich Geschwister aber auch ein Zimmer teilen. Das Einkommen sollte die Ausga-
ben decken, ohne das es der Pflegepauschale bedarf. Körperlich und seelische Belast-
barkeit ist unabdingbar, denn Pflegekinder brauchen aufgrund ihrer Sozialisation mehr
Zeit und Aufmerksamkeit,. Ein Pflegeelternseminar im Vorab sollte absolviert worden
sein und die jährlichen Fachtage stehen als fachliche Hilfe und Unterstützung zur Ver-
fügung. Denn trotz alle dem leben die Pflegeeltern mit einem Ihnen fremden Kind
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zusammen, mit einer völlig anderen Lebensgeschichte, daher Bedarf es fortwährend
der Beratung und Unterstützung durch die spezialisierten Dienste der Jugendhilfe. Da-
mit die Pflegeelternbewerber im Vorfeld wissen worauf sie sich einlassen, hat der
Pflegekinderdienst des Stadtjugendamtes der Stadt Bayreuth beispielsweise einen
Leitfaden entwickelt, (Infobroschüre für Pflegeelternbewerber) um einen ganzheitlichen
Überblick über die Rechte und Pflichten , sowie den Ablauf zu geben. Das Pendant
zur dem Faltprospekt für Bewerber bildet die Broschüre für bereits anerkannte
Pflegeeltern, als Gedächtnisstütze und als Sammelwerk der Rahmenbedingungen und
möglichen Unterstützungssysteme für das Pflegeverhältnis. (Stadt Bayreuth, 2017).
Leider kann in dieser Hausarbeit nicht der gesamte Prozess der Bewerbung, des Aus-
wahlverfahren und der Vermittlung näher beleuchtet werden. Dies würde den Rahmen
dieses Essays sprengen.
Kooperationsbereitschaft ist einer der Pfeiler die ein Pflegeverhältnis stützen. Mittels
Fachdiensten und freien Trägern, sowie den Mitarbeitern der Jugendhilfe kann ein gu-
tes Pflegeverhältnis gelingen? Oder wie ist das mit dem Scheitern? Was macht das
Zusammenleben mit Pflegekindern so schwierig? Für mich als Fachkraft des Pflegekin-
derdienstes, der Stadt Bayreuth ist es eine elementare Frage, warum letztlich so viele
Pflegeverhältnisse scheitern. Das Scheitern ist an sich ein relativer Begriff und es wird
deutlich, dass Scheitern genau genommen eine Sache der Perspektive ist und dadurch
eine in sich widersprüchliche Gegebenheit
aufzeigt. Abgesehen von den negativen
Auswirkungen des Scheiterns, bedeutet der Begriff für Prof. Dr. Walter Gehres zugleich
eine Chance auf eine andersartige, aber aussichtsreiche Entwicklung (W. Gehres,
2007, S. 73 ff.) Neben der Hauptaufgabe der Rückführung in die Herkunftsfamilie, sind
es mehrheitlich auch weitere Gründe, die zu einer Beendigung führen können. Überfor-
derung, das Auseinanderdriften der eigenen Familie, eine nicht gelungene Integration
der Pflegekinder, weil sie keinen Zugang zur Pflegefamilie finden, können unter ande-
rem Gründe sein das Pflegeverhältnis zu beenden. Die Steuerung der Perspektivpla-
nung liegt beim jeweilig örtlich zuständigem Jugendamt welches dann entscheiden
muss, wann abgebrochen werden sollte, wenn die Pflegefamilie im Nachhinein als
nicht geeignet scheint oder sich der Aufgabe nicht gewachsen fühlt. Der Begriff des
Scheiterns begründet sich aus den verschiedensten Lebenssituationen heraus. Das
Scheitern betrifft an sich nicht nur ausschließlich Pflegeverhältnisse, dennoch steht die
Begrifflichkeit in dem Zusammenhang mit Pflegekindern für ein hohes Anforderungs-
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profil, den man nicht gerecht werden konnte. Olaf Morgenroth & Johannes Schaller,
namhafte Professoren der Gesundheits- und Organisationspsychologie definieren den
Begriff des Scheiterns als kulturell und historisch bedingt relational - präskriptiv. Daher
gehen die beiden davon aus Scheitern wäre eine Sache der Perspektive (Morgenroth
O.& Schaller J.,2004, S. 181-198). Jede bewerkstelligte Krisensituation ist dem Grunde
nach eine Art der ,,Krisenbewältigung" (Junge M., 2004, S.16) und bildet die Basis für
die Entstehung neuer Handlungsoptionen. In Mead´s pragmatischer Handlungstheorie
findet man sich bei der Suche nach dem Begriff des Scheiterns indirekt wieder, denn
Scheitern bedingt die Überwindung von Handlungshemmnissen. Es ist hier von zwei
möglichen Arten auszugehen, dem absoluten (endgültigen) und dem graduellen (zeit-
lich befristeten) Scheitern (Junge M., 2004, S. 16 ff.) Handeln ist somit die Bearbeitung
des Scheiterns, was das Ausgangsproblem skizziert, somit notwendig ist für das Han-
deln. Mead geht davon aus, dass es ein absolutes Scheitern nicht gibt, denn ansons-
ten wäre ein Handeln nicht mehr möglich. Das bedeutet vereinfacht, Scheitern be-
schreibt somit auch Fehler oder Komplikationen, sowie Probleme im Handlungsablauf
(Junge M., 2010, S. 11). Dem Grunde nach kann nur das Mysterium des Selbstmordes
als absolutes Scheitern begriffen werden ( Junge M., 2010, S. 34). Handeln steht wie
bereits erwähnt in enger Relation zum Problemelösen, da Scheitern eine Bedingung
zum Handeln ist. Neue Handlungsmöglichkeiten bieten wiederum neuen Optionen die
zum Erfolg führen können (Gehres W., 2007, S. 74). Graduelles oder temporäres
Scheitern zeigt neue Wege zum Handeln auf. Wie in unserem Fall des gescheiterten
Pflegeverhältnisses, kann ein Abbruch dem Pflegekind neue Entwicklungs-
möglichkeiten und Orientierung geben. Denn nicht jedes Pflegekind findet auch einen
Zugang zur neuen Familie, folglich kann auch kein harmonisch- familiärer Umgang mit-
einander stattfinden. Dementsprechend können Pflegekinder immer Abbrüche während
ihrer Verselbstständigungsphase durchlaufen (Kindler H., 2011, S.368). Die Tragik des
Scheitern birgt auch immer die Möglichkeit auf neue Chancen. Der Begriff des
Abbruchs des Pflegeverhältnisses ist als Vorgang zu verstehen, dass die Beendigung
des gemeinsamen Lebens beschreibt. Eine Herausnahme kann durch den
Pflegekinderdienst vorgenommen werden, weil sich die Pflegeeltern mit der Betreuung
des Kindes beziehungsweise mit der Gesamtsituation überfordert fühlen oder weil sich
das Pflegekind weigert, dauerhaft in der Pflegefamilie zu bleiben und aktiv die
Beendigung des Pflegeverhältnisses vorantreibt. Die vorzeitige Herausnahme ist meist
eine nicht planbare und unvorhersehbare Situation. Um schließlich von einem
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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ursachen für das Scheitern vieler Pflegeverhältnisse
Untertitel
Eine wissenschaftliche Betrachtung
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern  (Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Fallstudienarbeit
Note
2
Autor
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V387637
ISBN (eBook)
9783668616738
ISBN (Buch)
9783668616745
Dateigröße
672 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinderpflege, Pflegeverhältnisse, Jugend, Beendigung, Sozialisation, Familie
Arbeit zitieren
Marina Zuber (Autor), 2018, Ursachen für das Scheitern vieler Pflegeverhältnisse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387637

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