In dieser wissenschaftlichen Abhandlung wird der Frage nachgegangen, welche Prozesse zu einer Beendigung von Pflegeverhältnissen in Pflegefamilien führen. Nach einer kurzen einleitenden theoretischen Heranführung an die Thematik der Pflegeelternschaft, wird das Sozialisations- bzw. Spannungsfeld der Pflegefamilie näher dargestellt. Das heißt auf die sozialen Strukturen des komplexen Systems Pflegefamilie intensiver eingegangen und Problemstellungen der Sozialisation konzeptionell analysiert, sowie die Faktoren herausgearbeitet, die ein Scheitern begünstigen.
Die Grundlage der Jugendhilfe bildet das achte Sozialgesetzbuch, welches bundeseinheitlich Leistungen gegenüber jungen Menschen, Kindern, Jugendlichen sowie deren Eltern, Sorgeberechtigten, Erziehungsberechtigten und Personensorgeberechtigten regelt. Im Falle eine Vollzeitpflege nach § 33 SGB VIII, wie vorliegender Arbeit obliegt die Durchführung den Landes- und den Jugendämtern. Unter anderem auch Spezialisierten Dienste der Jugendhilfe, demzufolge die Hilfen zur Erziehung, aber auch Inobhutnahmen, Jugendschutz, Vormundschaften. Geregelt werden darüber hinaus auch sachliche und örtliche Zuständigkeiten und vieles mehr. Kernaufgabe der Jugendhilfe ist es vornehmlich, zugunsten der Kinder zu handeln und den Schutz der Kinder zu gewährleisten.
Immer mehr leibliche Eltern versagen oder sind nicht mehr in der Lage, die eigenen Kinder adäquat zu versorgen. Frühe traumatische Erfahrungen, wie beispielsweise Vernachlässigung, körperliche, psychische und/oder sexuelle Gewalt, unzureichende Förderung, Versorgungsmängel aber auch Trennungserfahrungen wirken ein Leben lang auf die Kinder ein und verändern ihr Sozial- und auch ihr Bindungsverhalten, indes wird auch ihr Leistungsverhalten beeinflusst. Der häufigste Anlass für eine Aufnahme in einer Pflegefamilie ist eine Gefährdung des Kindeswohls. Kinder brauchen ein Zuhause um sich entwickeln zu können. Ziele der Vollzeitpflege nach § 33 SGV VIII, sind prinzipiell unterschiedlich, möglich ist eine befristete Vollzeitpflege (Bereitschaftspflege) für Kinder und Jugendliche, die für kurze Zeit nicht in ihrer eigenen Familie leben können. In diesem Fall hat die Pflegefamilie die Aufgabe, dem Kind für diesen begrenzten Zeitraum, meist bis zu sechs Monaten, einen geschützten Bereich zu bieten. Hintergrund für befristete Vollzeitpflegen sind fast immer akute familiäre Belastungssituationen oder Krisen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die komplexen Ursachen und Prozesse, die zu einer Beendigung von Pflegeverhältnissen führen, und analysiert das Scheitern als soziales und biographisches Phänomen innerhalb des Systems Pflegefamilie.
- Rechtliche und strukturelle Rahmenbedingungen der Vollzeitpflege nach § 33 SGB VIII
- Die psychologische Bedeutung von Bindungsabbrüchen und traumatischen Erfahrungen bei Pflegekindern
- Anforderungen an Pflegeeltern und die Bedeutung der Kooperationsbereitschaft
- Der Einfluss von Sozialisationsdefiziten auf das Scheitern von Pflegeverhältnissen
Auszug aus dem Buch
Eine Pflegefamilie:
Vater, Mutter, Tochter 11 Jahre, Sohn 7 Jahre, Sohn 5 Jahre werden kurzfristig vom Jugendamt zwecks einer Aufnahme eines Pflegekindes kontaktiert. Die 12 Jährige wohnt derzeit bei ihrer sorgeberechtigten Mutter kann aber aus verschiedensten Gründen nicht länger dort bleiben. Beschimpfungen und Auseinandersetzungen der beiden bis hin zu Schlägen sind alltäglich. Die Mitarbeiterin des Jugendamtes ist von der Qualität der Pflegefamilie überzeugt und bittet mit dem Mädchen vorbei kommen zu dürfen. Die anderen Geschwister sind sehr aufgeschlossen und freundlich. Nach einem anfänglichen Kennenlernen und einer ausgeweiteten Hausbesichtigung möchte das Kind gleich bleiben und auch nicht wieder gehen. Die Mutter betont es müsse erst mit der gesamten Familie besprochen werden.
Die Mutter entscheidet nach Nörgeleien der Kinder sie kann bleiben und es wird bereits alles vorbereitet. Die 12 Jährige – Neuzugang – bringt zu diesem Zeitpunkt bereits Chaos in die Familie. Im weiteren Verlauf torpedierte das Mädchen die Vaterrolle extrem, da ihr das nicht bekannt war. Da die Schulbildung unterschiedlich war intervenierte sie auch hier bei ihren neuen Geschwistern und deren Freuden extrem. Sie brachte viel Aggression mit in die Familie, verbal sowie nonverbal und zeigte Verhaltensweisen die nicht tragbar waren. Es eskalierte hier mehrfach extrem, gegenüber der Mutter und den Geschwistern, so dass das Mädchen die Pflegefamilie nach nicht einmal einem Jahr wieder verlassen musste. Die Mutter musste sich letztlich psychotherapeutisch behandeln lassen und trennte sich nach ihrem Aufenthalt von ihrem Mann und nahm das Kleinste der Kinder mit. Nach einer Findungsphase von 1,5 Jahren fand sich die Familie wieder zusammen, jedoch blieben die Erinnerungen an eine schwierige Zeit allgegenwärtig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in die Thematik der Pflegeelternschaft ein, erläutert die gesetzlichen Grundlagen nach § 33 SGB VIII und definiert das Ziel der Arbeit, die Faktoren für das Scheitern von Pflegeverhältnissen zu analysieren.
2. Hauptteil: Dieser Abschnitt beleuchtet die Voraussetzungen für Pflegeeltern, diskutiert das Konzept des Scheiterns als Perspektivfrage und untersucht tiefgehend die Auswirkungen früher Traumata und Bindungsstörungen auf den Sozialisationsprozess innerhalb der Pflegefamilie.
Schlüsselwörter
Pflegefamilie, SGB VIII, Jugendhilfe, Scheitern, Bindungsstörung, Sozialisation, Trauma, Deprivation, Pflegeverhältnis, Perspektivplanung, Bindungsabbruch, Kindeswohl, Familienstruktur, Resilienz, Biografiearbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Gründen, warum Pflegeverhältnisse trotz der Bemühungen von Jugendamt und Pflegeeltern vorzeitig beendet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die rechtlichen Rahmenbedingungen der Vollzeitpflege, die Dynamik des Familiensystems und die psychologischen Hintergründe der bei den Kindern vorliegenden Bindungsstörungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Prozesse zu identifizieren, die ein Pflegeverhältnis zum Scheitern bringen, und ein besseres Verständnis für die Belastungssituationen aller Beteiligten zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Heranführung und analysiert das Thema mittels aktueller fachwissenschaftlicher Literatur und praxisorientierter Fallbeispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Anforderungen an Pflegeeltern, die Definition des Scheiterns im soziologischen Sinne sowie die Folgen früher Deprivation und Bindungsabbrüche auf das Verhalten der Pflegekinder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Pflegefamilie, Bindungsstörung, Scheitern, Sozialisation, SGB VIII und Trauma.
Welche Rolle spielt die leibliche Herkunftsfamilie bei der Unterbringung?
Die Arbeit betont, dass die Rückführung in die Herkunftsfamilie das oberste Ziel bleibt und Konflikte zwischen dem Herkunftssystem und dem Pflegesystem ein häufiger Belastungsfaktor sind.
Warum ist das "Scheitern" laut der Autorin nicht nur negativ zu bewerten?
Unter Bezugnahme auf soziologische Theorien wird das Scheitern auch als Chance für eine neue Perspektive oder als notwendiger Prozess der Krisenbewältigung gesehen, wenn die ursprüngliche Konstellation nicht tragfähig ist.
Wie beeinflussen frühe Traumata den Alltag in einer Pflegefamilie?
Traumatisierte Kinder bringen oft Verhaltensweisen wie Aggression oder Bindungsunsicherheit mit, die das Familiengleichgewicht stark belasten und hohe Anforderungen an die Resilienz der Pflegeeltern stellen.
Welchen Rat gibt die Autorin für die Zukunft der Jugendhilfe?
Es wird gefordert, die biografische Perspektive beider Seiten stärker zu berücksichtigen und die doppelte Elternschaft als Ressource für den Entwicklungsprozess des Kindes zu begreifen.
- Citar trabajo
- Marina Zuber (Autor), 2018, Ursachen für das Scheitern vieler Pflegeverhältnisse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387637