Globalisierung ist ein Prozess der über Grenzen hinausgeht und die Welt auf den Kopf stellt. War es früher noch üblich sich bspw. bei Beschaffungsprozessen an den eigenen Landesgrenzen zu orientieren ist es heutzutage normal sich weltweit nach dem günstigsten Lieferanten umzuschauen. Neue Transportmittel und weltweite Kommunikation in Echtzeit haben die Welt zu einem globalen Handelsplatz gemacht. In Folge dessen wurden Märkte verschoben und zusammengeführt. Durch diesen Entwicklungsprozess werden aber auch Kernpunkte des modernen Wohlfahrtsstaates zurückgedrängt.
Führt die Globalisierung denn nun zur Entstehung einer Weltgesellschaft? Oder ist die Globalisierung Folge einer bereits bestehenden Weltgesellschaft? Und wie sehen die Auswirkungen auf den Wohlfahrtsstaat aus? Diese Arbeit untersucht den weltgesellschaftlichen Ansatz des Soziologen Rudolf Stichweh und verdeutlicht am Beispiel Großbritanniens wie sich der Wohlfahrtstaat entwickelt hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Weltgesellschaftlicher Ansatz von Rudolf Stichweh
2.1 Der Begriff „Weltgesellschaft“
2.2 Traditionszusammenhänge
2.3 „Kommunikation“ und „Gesellschaft“
2.4 Weltgesellschaft der Moderne - Eigenstrukturen und Mechanismen
2.4.1 Funktionale Differenzierung
2.4.2 Formen der Strukturbildung
2.4.3 Mechanismen der Globalisierung
2.5 Diversität
2.6 Migration und Wohlfahrtsstaat in der Weltgesellschaft
3 Entwicklung des britischen Wohlfahrtssystem
3.1 Der Begriff Wohlfahrtsstaat
3.2 Historische Entwicklung der Wohlfahrtstaatlichkeit in Großbritannien
3.2.1 Liberale Wohlfahrtstaatlichkeit von 1942 - 1979
3.2.2 Neoliberalismus von 1979 - 1997
3.2.3 Der „Dritter Weg“ von New Labour 1997 – 2010
3.2.4 Die Zeit nach „New Labour“ bis zum „BREXIT“ 2010 – 2017
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den weltgesellschaftlichen Ansatz des Soziologen Rudolf Stichweh und beleuchtet dessen Auswirkungen auf die Entwicklung des Wohlfahrtsstaates am Beispiel Großbritanniens. Dabei wird analysiert, wie moderne soziale Systeme global agieren, während der Wohlfahrtsstaat als inklusionsvermittelndes System weiterhin lokal gebunden bleibt und vor Herausforderungen durch globale Veränderungen steht.
- Grundlagen des weltgesellschaftlichen Ansatzes nach Rudolf Stichweh
- Strukturbildung und Mechanismen der Globalisierung
- Historische Entwicklung des britischen Wohlfahrtsstaates
- Transformation sozialpolitischer Konzepte in Großbritannien
- Spannungsfeld zwischen lokaler Wohlfahrt und globaler Weltgesellschaft
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Funktionale Differenzierung
Funktionale Differenzierung in Bezug auf Gesellschaft bedeutet, dass sich diese in mehrere Teilsysteme gliedert (vgl.Schimank 2001). Jedes dieser Funktionssysteme, wie zum Beispiel Politik, Wirtschaft, Religion, Wissenschaft oder Ethik, übernimmt für die Gesellschaft eine bestimmte Funktion (vgl.Kruse 2005). In einer funktional differenzierten Gesellschaft können Menschen nicht einem bestimmten Funktionssystem zugeordnet werden, da sie in jedem einzelnen System operieren können. Die Gesellschaft funktioniert also nur durch Kommunikation der einzelnen Systeme. Jedes Funktionssystem ist autark und übernimmt nur die Aufgaben für sich selbst. Da also kein System die Aufgaben für das Andere übernehmen kann befinden sie sich hierarchisch auf einer Ebene (vgl.Luhmann 1997, 744f). Jedes System ist in sich geschlossen und grenzt sich von seiner Umwelt, also den anderen Systemen ab. Luhmann spricht hierbei von autopoietischen Systemen, das heißt, dass sie sich durch ihre eigenen Elemente reproduzieren und somit selbst erhalten.
Dadurch, dass es nicht mehr nur ein soziales System gibt, werden Individuen nicht mehr als Gesamtheit in ein einzelnes System eingeschlossen. In modernen Funktionssystemen erfolgt eine Inklusion immer nur auf die jeweils gültige Kommunikation bezogen. Um die Inklusionen darüber hinaus zu sichern ist sie sowohl auf Ebene der Leistungsrollen als auch für Publikumsrollen wichtig. So kann man bspw. als Gläubiger an Religion teilhaben ohne zwangsläufig Geistlicher zu sein. Durch die Autarkie der einzelnen Funktionssysteme wird verhindert, dass die Inklusion in verschiedenen Funktionssystemen miteinander gekoppelt ist. Als Beispiel lässt sich hier anführen, dass man in demokratischen Systemen keine zusätzlichen politischen Stimmrechte erwirbt, nur weil man auf Grund seines Einkommens viele Steuern abführt. Um sicherzustellen, dass Unterschiede funktionsintern bleiben, ist in die Binären Codes der Funktionssysteme ein Sperrmechanismus eingebaut.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Globalisierung ein und skizziert das Ziel der Arbeit, den weltgesellschaftlichen Ansatz Stichwehs auf die Entwicklung des britischen Wohlfahrtsstaates anzuwenden.
2 Weltgesellschaftlicher Ansatz von Rudolf Stichweh: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Stichweh'schen Ansatzes, inklusive der Begriffe Weltgesellschaft und Kommunikation sowie der funktionalen Differenzierung und globaler Mechanismen.
3 Entwicklung des britischen Wohlfahrtssystem: Hier wird die historische und aktuelle Entwicklung des Wohlfahrtsstaates in Großbritannien von den Anfängen bis zur Post-New-Labour-Ära detailliert beschrieben.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert das Spannungsverhältnis zwischen dem global agierenden Weltgesellschaftssystem und der lokal gebundenen Wohlfahrtsstaatlichkeit.
Schlüsselwörter
Weltgesellschaft, Rudolf Stichweh, Wohlfahrtsstaat, Globalisierung, Funktionale Differenzierung, Kommunikation, Großbritannien, Sozialpolitik, Migration, New Labour, Neoliberalismus, Inklusion, Exklusion, Systemtheorie, Sozialversicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entwicklung des britischen Wohlfahrtssystems unter Anwendung des weltgesellschaftlichen Ansatzes des Soziologen Rudolf Stichweh.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Systemtheorie, die Weltgesellschaft, die Funktionssysteme der modernen Gesellschaft sowie die historische und aktuelle Ausgestaltung der Sozialpolitik in Großbritannien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu verdeutlichen, wie sich der Wohlfahrtsstaat angesichts globaler gesellschaftlicher Prozesse entwickelt hat und inwiefern er auf diese reagiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Analyse, die soziologische Systemtheorien auf historische und politische Entwicklungen des britischen Wohlfahrtsstaates anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Weltgesellschaftskonzepts und die detaillierte chronologische Analyse der britischen Wohlfahrtsgeschichte von 1942 bis 2017.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Weltgesellschaft, Wohlfahrtsstaat, funktionale Differenzierung, Sozialpolitik und Systemtheorie geprägt.
Wie beeinflusst die funktionale Differenzierung nach Stichweh das Individuum im Wohlfahrtsstaat?
Das Individuum wird nicht mehr als Gesamtheit eingeschlossen, sondern durch Inklusion in spezifische Funktionssysteme, während der Wohlfahrtsstaat als Auffangsystem bei Inklusionsfehlern dient.
Welche Bedeutung hat der „Dritte Weg“ von New Labour für die britische Sozialpolitik?
Der „Dritte Weg“ versuchte, Eigenverantwortung und Arbeitsförderung zu stärken, wobei er einerseits an neoliberale Tendenzen anknüpfte, andererseits aber neue Hilfsangebote für Arbeitslose schuf.
- Quote paper
- Mathias Freker (Author), 2017, Die Auswirkungen der Globalisierung auf den Wohlfahrtsstaat. Der weltgesellschaftliche Ansatz von Stichweh und die Entwicklung des britischen Wohlfahrtssystems, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387808