Diese Hausarbeit widmet sich den Fragen: Wie ist die allgemeine Situation von Kindern psychisch kranker Eltern? Was bedeutet der Rollentausch für die betroffenen Kinder? Was sind die Folgen der psychischen Erkrankung der Eltern im Allgemeinen und was sind die Folgen der Parentifizierung? Die Schwerpunkte der Arbeit liegen daher auf der Beschreibung der problematischen Lebenssituation der Kinder und der Parentifizierung. Dabei wird sich stärker auf die Situation der Kinder und die Folgen für die Kinder bezogen und die Aufmerksamkeit auf das Wohl derer gerichtet, weniger auf die Eltern.
Die Hausarbeit baut hauptsächlich auf wissenschaftlicher Literatur zu den Themen auf. Es wurde sich bemüht, einige Stellen durch Beispiele und Zitate von Betroffenen und von Fachleuten zu veranschaulichen, um einen besseren Einblick in die Lebenswelt der Kinder und die Arbeit mit den Kindern zu erhalten.
Die Arbeit bezieht sich, wie dem Titel zu entnehmen ist, vorwiegend auf die Parentifizierung als Folge einer psychischen/psychiatrischen Erkrankung von entweder einem der beiden Elternteile oder auch beiden Elternteilen. Für das Phänomen Parentifizierung gibt es aber durchaus auch andere Ursachen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Einführung in das Thema
2.1 Psychische Störungsbilder
2.2 Problematische Lebenssituation und Belastungen der Kinder
3. Parentifizierung
3.1 Definition und Symptome
3.2 Folgen für die betroffenen Kinder
3.3 Mögliche Hilfen
3.3.1 Patenschaften für Kinder psychisch kranker Eltern
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Parentifizierung bei Kindern von Eltern mit psychischen Erkrankungen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich die elterliche Krankheit auf die Lebenssituation der Kinder auswirkt, welche Konsequenzen der Rollentausch – die sogenannte Parentifizierung – für die betroffenen Kinder hat und welche Unterstützungsmaßnahmen, insbesondere Patenschaftsprojekte, zur Entlastung beitragen können.
- Belastungsfaktoren im Aufwachsen mit psychisch kranken Eltern
- Phänomenologie und Ausprägungen der Parentifizierung
- Psychosoziale Auswirkungen und Langzeitfolgen für Kinder
- Bedeutung von Patenschaften als präventive und stabilisierende Hilfsangebote
- Stärkung des Kindeswohls durch interdisziplinäre Kooperation
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition und Symptome
Der Begriff Parentifizierung wurde erstmals vor fast 45 Jahren von Boszormenyi-Nagy und Spark als „subjektive Verzerrung einer Beziehung“ definiert. Die Verzerrung beinhaltet, dass entweder das Kind oder der Partner einen Elternteil darstellen. Der Begriff leitet sich aus den zwei lateinischen Wörtern parentes (Eltern) und facere (machen) ab (Hausser, 2012). Boszormenyi-Nagy und Spark betrachten Parentifizierung als Ungleichgewicht des gegenseitigen Gebens und Nehmens, wodurch die Grenzen zwischen den familiären Subsystemen diffus werden und das System Familie durcheinander gerät (Lenz, 2014). Noch vor Boszormenyi-Nagy und Spark wurde diese Erscheinung unter anderem bereits von Schmideberg (1948) als ein Phänomen, bei dem Eltern sich von ihrem Kind elterliche Fürsorge und Anteilnahme erhoffen, beschrieben (Blum, 2011). In dieser Hauarbeit liegt der Fokus auf der Verschiebung der Verantwortung und der Übernahme der Elternrolle durch die Kinder.
Durch die Übernahme der Verantwortung für das emotionale Wohlbefinden der Eltern verkehren sich die traditionellen Eltern-Kind-Rollen (Graf, 2001). Die erkrankten Eltern klammern sich an ihre Kinder, anstatt für sie eine Stütze zu sein. Die Kinder fühlen sich verantwortlich für die Eltern und stellen eigene Bedürfnisse zurück oder verleugnen diese. Die Eltern fordern von ihren Kindern alters- und entwicklungsinadäquate Aufgaben. Die Kinder merken, dass sie diesen Anforderungen nicht gerecht werden können. Die Verzweiflung und eventuelle Abgrenzungsversuche erschweren eine positive Beziehung zum erkrankten Elternteil (Brockmann, 2016). Heranwachsende Kinder übernehmen stärker die Rolle des Ersatzpartners für den erkrankten Elternteil. Durch die Rollenumkehr entfällt für sie oftmals eine wichtige elterliche Identifikationsfigur in der Familie. Diese Figur und Elternrolle vermissen betroffene Kinder sehr. Sie reagieren irritiert auf das elterliche Verhalten und müssen stark bleiben wenn z.B. die eigene Mutter vor einem weint.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Die Autorin erläutert ihre persönliche Motivation für die Themenwahl, die aus Erfahrungen in einer integrativen Kindertagesstätte entstand.
2. Einführung in das Thema: Es werden die verschiedenen psychischen Störungsbilder der Eltern sowie die daraus resultierenden, teils extremen, Belastungsfaktoren und die Lebenssituation der betroffenen Kinder dargelegt.
3. Parentifizierung: Das Kapitel definiert den Rollentausch zwischen Eltern und Kind, beleuchtet dessen Symptome, analysiert die negativen sowie potenziell positiven Folgen für die Kinder und stellt Hilfsangebote vor.
4. Fazit und Ausblick: Die Arbeit resümiert die Notwendigkeit einer frühzeitigen Unterstützung und Sensibilisierung von Fachkräften und unterstreicht die Wirksamkeit von Patenschaften als Schutzfaktor.
Schlüsselwörter
Parentifizierung, Kinder psychisch kranker Eltern, Rollentausch, Psychische Erkrankung, Familiensystem, Kindeswohl, Psychosoziale Belastung, Patenschaften, Prävention, Resilienz, Emotionale Vernachlässigung, Kindheit, Unterstützungsangebote, Borderline, Depression.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Lebenssituation von Kindern, deren Eltern unter einer psychischen Erkrankung leiden, und dem damit verbundenen Phänomen der Parentifizierung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Auswirkungen elterlicher psychischer Störungen, die Rollenumkehr innerhalb der Familie (Parentifizierung), die Folgen für die kindliche Entwicklung und Möglichkeiten professioneller Unterstützung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, die problematische Lebenswelt der betroffenen Kinder zu beleuchten und aufzuzeigen, wie durch gezielte Hilfsangebote wie Patenschaften destruktive Folgen des Rollentauschs abgemildert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine fundierte Literaturrecherche, um wissenschaftliche Erkenntnisse zusammenzuführen und durch Fallbeispiele sowie Zitate aus der Praxis zu veranschaulichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung psychischer Störungsbilder, eine detaillierte Analyse des Konzepts der Parentifizierung (Formen und Symptome) sowie eine Diskussion der Folgen und Interventionsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Parentifizierung, psychisch kranke Eltern, emotionale Vernachlässigung, Rollentausch, Patenschaften und präventive Hilfsangebote.
Welche unterschiedlichen Formen der Parentifizierung unterscheidet die Autorin?
Es wird zwischen emotionaler Unterstützung (Elternersatz), instrumenteller Unterstützung (Pflege/Haushalt), Partnerersatz und der Vermittlerrolle in der elterlichen Partnerschaft unterschieden.
Warum wird die emotionale Parentifizierung als besonders problematisch eingestuft?
Sie gilt als destruktiver, da sie kindliche Grenzen überschreitet, Loyalitätskonflikte erzeugt und die gesunde Ablösung des Kindes erschwert.
Was ist das Ziel von Patenschaften für betroffene Kinder?
Patenschaften sollen eine verlässliche Beziehung außerhalb der Familie bieten, Orientierung und Entlastung im Alltag schaffen und das Kind vor den negativen Folgen der elterlichen Erkrankung schützen.
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- Lara Ehrlichmann (Autor), 2017, Parentifizierung bei Kindern psychisch kranker Eltern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388055