Tag für Tag werden in wichtigen Kreisen der Politik sowie innerhalb der Top-Management Gremien von Weltkonzernen Diskussionen geführt und wichtige Beschlüsse getroffen. Essentiell für die Entscheidungstreffung sind wissenschaftliche Theorien, die von entsprechenden Experten aufbereitet und präsentiert werden. Je besser und detaillierter eine dieser Theorien erarbeitet wurde, desto höher ist die Qualität der auf dieser Basis getroffenen Entscheidung. Es geschieht nicht selten, dass getroffene Entscheidungen bzw. Beschlüsse verworfen werden müssen, weil die angeblich wissenschaftliche Theorie im Nachhinein wiederlegt wird oder sich als nicht korrekt erweist. Ist eine solche Theorie dann überhaupt noch wissenschaftlich? Was sind die Kriterien um eine Behauptung von einer wirklichen auf Wissenschaft beruhenden Theorie zu unterscheiden? Was bedeutet überhaupt Wissen und was ist der Unterschied zwischen der Wissenschaft und der Nicht-Wissenschaft? Diese Fragestellungen werden heute in vielen Bereichen als Demarkationsproblem bezeichnet. Dieses Problem stellt die Philosophen der Neuzeit vor große Herausforderungen. Auch die Betriebswirtschaftslehre, die sich größtenteils von diesen Theorien ernährt wird natürlich vehement beeinflusst.
Ziel dieser Arbeit ist daher die Erarbeitung von Lösungsansätzen dieser Problemstellung, die von diversen Philosophen aufgestellt wurden. Im weiteren Verlauf sollen diese Lösungsansätze gegenübergestellt werden und auf Ihre vor und Nachteile untersucht werden. Im Anschluss soll analysiert werden, in wie weit sich das Problem der Demarkation auf die heutige Betriebswirtschaftslehre auswirkt und wie dies mithilfe des passenden Lösungsansatzes minimiert werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Motivation und Zielsetzung
2. Grundlagen
2.1. Wissen
2.2. Wissenschaft
2.3. Das Demarkationsproblem (Abgrenzung der Wissenschaftstheorie)
3. Ansätze zur Lösung des Demarkationsproblems
3.1. Karl Popper
3.2. Gerhard Schurz
4. Auswirkungen des Demarkationsproblems auf die Betriebswirtschaftslehre
4.1. Möglichkeit der Betrachtung des Demarkationsproblems in der Betriebswirtschaftslehre
4.2. Auswirkungen des Demarkationsproblems auf die BWL
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das sogenannte Demarkationsproblem, also die wissenschaftstheoretische Herausforderung, eine klare Abgrenzung zwischen empirischer Wissenschaft und Nicht-Wissenschaft zu ziehen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie verschiedene philosophische Lösungsansätze auf die Betriebswirtschaftslehre übertragen werden können, um deren wissenschaftliche Fundierung zu prüfen und kritisch zu bewerten.
- Definition und Wesen von Wissen und Wissenschaft
- Analyse des Demarkationsproblems nach Karl Popper und Gerhard Schurz
- Übertragung wissenschaftstheoretischer Kriterien auf die BWL
- Untersuchung der Methodik und Objektivität in den Wirtschaftswissenschaften
- Reflexion über die wissenschaftliche Anerkennung der Betriebswirtschaftslehre
Auszug aus dem Buch
3.1. Karl Popper
Der erste Ansatz der im Rahmen dieses Assignments betrachtet wird, ist der Ansatz des kritischen Rationalismus von Karl Popper. Diese Theorie setzt sich mit der Problematik der Objektivität auseinander. Ein Subjekt, welches eine Erkenntnis anstrebt, steht sich aufgrund seiner Beschränktheit, seiner Unstetigkeit und der Neigung zur Wertung in der Objektivität selbst im Weg. Das Objektivitätsproblem beschreibt die Schwierigkeit, dass Individuen selten fähig sind Sachverhalte objektiv zu betrachten. Dies begründet sich in ihrer Subjektivität, welches man niemals lösen kann. Es besteht jedoch die Möglichkeit sich dieses Problem bewusst zu machen und zu lernen damit umzugehen. (Hermenau, 2017)
Genau dies versucht Karl Popper mit seinem sogenannten 3-Welten-Modell zu erleichtern.
In diesem Modell wird deutlich, dass jeder dieser Welten eine eigene Ordnung zugesprochen wird. Man kann diese Welten im Zusammenhang betrachten und gleichzeitig ist jede dieser Welten selbstständig existent. Die Wissenschaft gehört zur Welt 3, der Produkte Welt und bezieht sich sowohl auf die Welt 1 als auch auf die Welt 2. Zu beachten ist, dass die Wissenschaft sich zwar auf Welt 1 und Welt 2 bezieht, jedoch nicht identisch mit deren Eigenschaften betrachtet werden kann. (Hermenau, 2017) Als Teil der 3. Welt erhebt die Wissenschaft stets Anspruch auf eine der Wahrheit entsprechende Ableitung von Prinzipien aus der Produkte Welt, kann sich im Gegensatz zu „Körpern“ aus Welt 1 laut Popper allerdings nicht darauf verlassen, dass die wissenschaftlichen Behauptungen der Wahrheit entsprechen. In diesem Zusammenhang kann durch den kritischen Rationalismus zumindest durch das Aufdecken von Unwahrheiten der tatsächlichen Wahrheit nähergekommen werden. (Hermenau, 2017)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Relevanz wissenschaftlicher Theorien für Entscheidungsprozesse dar und führt in das Demarkationsproblem als zentrale philosophische Herausforderung ein.
2. Grundlagen: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Wissen und Wissenschaft und erläutert historisch sowie philosophisch die Notwendigkeit der Abgrenzung zwischen wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Disziplinen.
3. Ansätze zur Lösung des Demarkationsproblems: Hier werden die Theorien von Karl Popper und Gerhard Schurz detailliert gegenübergestellt, um Kriterien zur Identifikation wissenschaftlicher Aussagen zu erarbeiten.
4. Auswirkungen des Demarkationsproblems auf die Betriebswirtschaftslehre: Das Kapitel analysiert, inwiefern die BWL als Wissenschaft klassifiziert werden kann und wie sich die Kriterien von Schurz auf ihre komplexen Funktionsbereiche anwenden lassen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass es keine universelle Lösung für das Demarkationsproblem gibt, betont jedoch die Notwendigkeit einer dauerhaft kritischen Betrachtung betriebswirtschaftlicher Theorien.
Schlüsselwörter
Demarkationsproblem, Wissenschaftstheorie, Kritischer Rationalismus, Karl Popper, Gerhard Schurz, Betriebswirtschaftslehre, Objektivität, Fallibilismus, Erkenntnistheorie, Wissenschaftlichkeit, Empirismus, Wertfreiheit, Hypothesenbildung, Methodik, Wissensbegriff
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftstheoretischen Fragestellung, wie man Wissenschaft von Nicht-Wissenschaft unterscheiden kann, bekannt als Demarkationsproblem.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Wissen, die Analyse philosophischer Lösungsansätze für Abgrenzungsprobleme sowie die Anwendung dieser Konzepte auf die Betriebswirtschaftslehre.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Lösungsansätze führender Philosophen zu identifizieren, zu vergleichen und zu prüfen, inwieweit diese die wissenschaftliche Validität der modernen Betriebswirtschaftslehre stützen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, bei der bestehende philosophische Theorien auf ihre Anwendbarkeit und Übertragbarkeit auf einen speziellen Wissenschaftsbereich (BWL) untersucht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Grundlagen (Wissen/Wissenschaft), die Vorstellung der Konzepte von Popper und Schurz sowie die konkrete Untersuchung der Auswirkungen dieser Ansätze auf die BWL.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Demarkationsproblem, Kritischer Rationalismus, Wissenschaftstheorie und Objektivität in der BWL am besten beschreiben.
Was besagt das 3-Welten-Modell von Karl Popper?
Das Modell ordnet das menschliche Denken und die Welt in drei eigenständige, aber interagierende Bereiche: die physische Welt, die Welt der subjektiven Erlebnisse und die Welt der objektiven Produkte des Geistes (Wissenschaft).
Warum ist die BWL laut der Arbeit schwer einer einzigen Wissenschaft zuzuordnen?
Aufgrund ihres komplexen Gegenstands, der sowohl soziale, mathematische als auch kulturelle Aspekte umfasst, lässt sich die BWL nicht durch eine einzige Theorie, sondern nur durch bereichsspezifische Ansätze wissenschaftlich erfassen.
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- Taha Uluhan (Autor), 2017, Karl Popper und Gerhard Schurz zur Lösung des Demarkationsproblems, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388108