Der Widerstand der afrikanischen Frau in Zeiten der Apartheid. Eine Bildinterpretation

Wie lässt sich die Rolle der schwarzafrikanischen Frau während der Apartheid Südafrikas beschreiben?


Hausarbeit, 2017

21 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt
1. Einleitung ... 1
2. Methodik der Bildinterpretation nach E. Panofsky ... 2
3. Geschichtlicher Hintergrund: Die Apartheid Südafrikas ... 4
3.1 Das Passgesetz in Südafrika ... 8
4. Die Frau im Widerstand während der Apartheid Bildinterpretation nach Panofsky ... 9
4.1 Vorikonographische Beschreibung ... 10
4.2 Ikonographische Analyse ... 11
4.3 Ikonologische Interpretation ... 11
5. Die Entwicklungen der Situation der südafrikanischen Frau nach der Apartheid bis heute ... 14
6. Fazit ... 16
7. Literaturverzeichnis ... 18
8. Anhang ... 19

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1. Einleitung
Denkt man an die Zeit der Apartheid Südafrikas, so verbindet man diese mit Unterdrückung
und einer Segregation der dunkelhäutigen Bürger von den weißen Bürgern des Landes in
jeglichen denkbaren Aspekten und Sichtweisen. Eine Unterwerfung der schwarzen Bürger,
soziale und gesellschaftliche Ungleichheit vor den weißen Bürgern und Feindlichkeiten
untereinander prägten diese Zeit. Doch gab es auch einige Stimmen, die versuchten mit ihren
Protesten und Widerständen kleine Erfolge der Gleichberechtigung zu erzielen. Unter ihnen
waren nicht nur international vertretende Stimmen, sondern auch die farbigen Männer und
Frauen Afrikas, die gegen die Rassentrennung stimmten und mit ihren Widerständen
versuchten, etwas an dieser Situation zu verbessern, gar zu verändern, um dadurch ihren Weg
zur Freiheit zu ebnen.
Schon immer interessierte mich das Thema der Gleichberechtigung der Frau. Während meiner
Schulzeit habe ich verschiedene Referate und erste Arbeiten zum Thema der
Frauengleichberechtigung geschrieben. Darüber hinaus fand und finde ich die Stimmen des
Widerstandes, der Revolte und der Proteste während der Unterdrückung von Minderheiten
und Gruppen mutig und faszinierend und hochachtungsvoll. Gerade deshalb entschied ich
mich in dem Seminar, das den Mündigkeitsweg der Frau pointierte, diese wissenschaftlichen
Hausarbeit über die Rolle der farbigen Frau in Südafrika während der Rassentrennung - der
Apartheid - zu schreiben. Dies erfolgt im Rahmen einer Bildinterpretation einer Fotografie zu
Zeiten der Apartheid.
Zuallererst, bevor eine Bildinterpretation vollzogen werden kann, muss über die Methodik
dieser aufgeklärt werden. Hierbei wird die Bildinterpretation nach Erwin Panofskys
Dreistufenmodell der Ikonographie und Ikonologie genauer betrachtet und beschrieben. Um
zu späterem Punkt in dieser wissenschaftlichen Arbeit die Interpretation des Bildes in einen
historischen Kontext einbetten zu können, bedarf es zuerst an Hintergrundinformationen zur
Geschichte der Apartheid. Dabei werden wichtige historische Ereignisse dargestellt und
aufgerollt, wie beispielsweise der Beginn der Apartheid, die Höhepunkte dieser Zeit und die
Beendigung dieser Periode. Da das zu interpretierende Bild eine Reaktion auf ein
Apartheidsgesetz zeigt, welches von den weißen Bürgern Südafrikas für Schwarzafrikaner
auferlegt worden ist, wird im Anschluss an die historischen Informationen zusätzlich jenes
Gesetz genauer betrachtet. Im Anschluss daran folgt die eigentliche Bildinterpretation mit der
Analyse des Bildes und den Kenntnissen, die in Punkt zwei dieser Arbeit durch die Methodik

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Panofskys und in Punkt drei durch die Hintergrundinformationen erworben wurden. Dabei
wird vor allem der Aspekt der Frauenrolle
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während der Apartheid fokussiert, da die Rolle der
dunkelhäutigen Frau Südafrikas während den Protesten der Apartheid die zentrale Rolle
spielt, auf welche das Augenmerk des Bildes und somit auch auf dieser wissenschaftlichen
Arbeit liegt. Um die Arbeit nach der genauen Analyse des Bildes abzurunden und das Bild der
Frau in Südafrika besser zu verstehen, wird auf die Entwicklungen der Frauenrolle in Afrika
vom Ende der Apartheid bis heute verwiesen. In einem anschließenden Fazit werden abermals
die wichtigsten Ergebnisse genannt. Ausgehend von den bis dahin erlangten Kenntnissen wird
versucht die Leitfrage, welche Rolle die schwarze Frau während der Apartheid eingenommen
hat, zu beantworten.
2. Methodik der Bildinterpretation nach E. Panofsky
Der Kunsthistoriker Erwin Panofsky entwickelte 1939 ein Modell für die Bildinterpretation
(vgl. Schulze 2013, S. 529­547, hier: 532), in dem die Ikonographie und die Ikonologie eine
große Rolle spielen (vgl. Panofsky 2006, 33). Die Ikonographie beschreibt dabei einen
,,Zweig der Kunstgeschichte, der sich mit dem Sujet (Bildgegenstand) oder der Bedeutung
von Kunstwerken im Gegensatz zu ihrer Form beschäftigt" (ebd.), wohingegen Panofsky die
,,Ikonologie als eine ins Interpretatorische gewandte Ikonographie" (ebd., 43) versteht. In
Hinblick auf das Sujet - dem Bildgegenstand - macht Panofsky eine weitere Unterteilung.
Nach ihm kann sich hierbei das Sujet auf dreierlei Ebenen differenzieren.
Die erste Schicht des Sujets stellt dabei das primäre oder natürliche Sujet dar, welches
wiederum in die Attribute tatsachenhaft und ausdruckhaft unterteilt wird. In dieser Schicht,
die als die vorikonographische Beschreibung beschrieben wird, liegt das Augenmerk auf der
Identifizierung von Formen, Mustern, Motiven und Farben als natürliche Objekte (vgl. ebd.,
37). Diese Erfassung geschieht ,,allein auf Grund praktischer Erfahrung und allgemeiner
Bildung" (Schulze 2013, 532), welche eine ,,Vertrautheit mit Gegenständen und
Ereignissen"(Panofsky 2006, 57) impliziert. Somit zeigt sich in dieser ersten Ebene, dass der
Interpret allein auf die vorherrschenden Darstellungen eingehen und diese genau beschreiben
muss, die auf dem Werk dargestellt sind.
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Sofern im Folgenden von der Frau gesprochen wird, beziehe ich mich dabei auf die schwarzafrikanische Frau
in Südafrika.

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In der zweiten Schicht des Interpretationsmodells, dem sekundären oder konventionellen
Sujet, der ikonographischen Analyse, werden bedeutungstragende Aspekte filtriert und nach
der Bedeutung des Dargestellten gefragt.
,,Die ikonographische Analyse, die sich mit Bildern, Anekdoten und Allegorien statt mit Motiven befaßt
[sic!], setzt natürlich weit mehr voraus als jene Vertrautheit mit Gegenständen und Ereignissen, wie wir
sie durch praktische Erfahrung erwerben. Sie setzt eine Vertrautheit mit bestimmten Themen oder
Vorstellungen voraus, wie sie durch literarische Quellen vermittelt wird, sei es durch zielbewußtes
[sic!] Lernen oder durch mündlich Tradition" (ebd.: 48).
Allein durch die Vorkenntnisse gewisser Sachverhalte ist es dem Interpret möglich,
Zusammenhänge und einzelne Bedeutungen in dem Werk zu erkennen. Als Beispiel nennt
Panofsky hierbei den australischen Buschmann, der ohne Vertrautheit zum christlichen
Glauben und der Geschichte Jesu Leonardo da Vincis Bild des Abendmahls nicht als solches
identifizieren könne. Dieser könne dabei nur eine Gruppierung am Tische ausmachen und den
biblischen Inhalt des Bildes nicht erkennen. Um diese Kenntnisse im Falle einer fehlenden
Vertrautheit mit dem Sujet und dem Bedeutungsinhalt des Werkes erlangen zu können, gilt es
als Interpret, sich (vgl. ebd., 48f.) ,,mit dem vertraut zu machen, was die Urheber jener
Darstellungen gelesen hatten oder sonstwie [sic!] wußten [sic!]" (ebd.).
Durch diese Verknüpfung von Themen mit den einzelnen Motiven des Werkes entstehen
Bilder, da gewisse Anordnungen, Haltungen und Darstellungen sinnbildlich für etwas anderes
dargestellt werden. Für den Interpret stellt die zweite Ebene ,,eine unschätzbare Hilfe für die
Feststellung von Datierungen, Herkunftsorten und gelegentlich auch der Echtheit [dar]; und
sie liefert die notwendige Grundlage für weitere Interpretation" (ebd., 41). Entscheidend ist in
dieser Schicht, dass die ikonographische Analyse erst dann korrekt ausgeführt wird, wenn die
Motive des Werkes korrekt identifiziert werden, denn wenn
,,das Messer, das es uns ermöglicht, einen heiligen Bartholomäus zu identifizieren, kein Messer,
sondern ein Korkenzieher wäre, handelte es sich bei der Figur nicht um den heiligen Bartholomäus"
(ebd., 39).
In der letzten Ebene, der ikonologischen Interpretation, wird die eigentliche Bedeutung
beziehungsweise der eigentlich Gehalt des Bildes erfasst. Dabei werden ,,jene zugrunde
liegenden Prinzipien ermittelt, die die Grundeinstellung einer Nation, einer Epoche, einer
Klasse, einer religiösen oder philosophischen Überzeugung enthüllen" (ebd.). Dies bedeutet,
dass die ebengenannten Aspekte untersucht werden und mit in die Interpretation des Bildes
einwirken. Es erfordert eine genaue Auseinandersetzung mit den Umständen zu der Zeit, in
der das Bild entstanden ist, und das in jeglichen Prinzipien. Durch die ikonologische

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Interpretation ist das Werk nicht mehr nur als ein Bild zu betrachten, sondern vielmehr als ein
historisches Dokument, das die Geschichte der Menschheit beschreibt, prägt und auszeichnet.
Panofsky leitet hierzu erneut ein Beispiel mit da Vincis Fresko ein. Rein optisch ist auf ihm
eine Gruppe Menschen um einen Tisch herum auszumachen, die das letzte Abendmahl
beschreiben soll. Dies ermöglicht dem Interpret das Bild allein als Kunstwerk zu analysieren
und die ersten beiden Interpretationsschichten zu nutzen. Erkennt man in dem Bild jedoch den
Glauben des Christentums oder die Renaissance als Kunstepoche, so ist das Kunstwerk ein
Merkmal und ein Charakteristikum von einem anderen Thema, sodass diese Attribute
symbolisch für etwas anderes stehen, etwas viel größerem (vgl. ebd., 40f.).
3. Geschichtlicher Hintergrund: Die Apartheid Südafrikas
Bevor die Geschichte der Apartheid aufgerollt werden kann, muss zuallererst der Begriff der
Apartheid erklärt werden. Die Bezeichnung ,Apartheid` stammt aus dem Afrikaans und
bedeutet getrennte Existenz oder auch Absonderung (vgl. Brade 1978, 7) und beschreibt ,,die
auf Rassentrennung und ­diskriminierung beruhende Ideologie und Praxis" (ebd.) Südafrikas.
Zudem ist die Apartheid der ,,Inbegriff der brutalsten Form eines durch zahllose Gesetze
amtlich abgesicherten Rassismus, ein auf Rassendiskriminierung beruhendes System zur
ökonomischen Ausbeutung und politischen Unterdrückung schwarzer Südafrikaner" (ebd.).
Die Apartheid begann jedoch nicht erst im 20. Jahrhundert. Schon in der Kolonialzeit ab 1652
begann die Ausbeutung der dunkelhäutigen Bevölkerung in Südafrika. Als die
Niederländisch-Ostindische Gesellschaft das Kapland Südafrikas als Kolonie einnahm,
etablierte sich eine Herrschaft der wenigen weißen Kolonialisten, welche in den
Einheimischen das Potenzial der günstigen Arbeiter erkannten und schließlich nutzten. All
dies geschah unter dem ersten niederländischen Kommandant Jan van Riebeeck. Durch ihn
etablierte sich eine Zweiklassengesellschaft in Südafrika, in dem zum einen die Einwanderer,
die Buren, und zum anderen die Einheimischen lebten (vgl. Pabst 2008, 82). Jedoch war
,,[d]ie Hautfarbe [...] zunächst nur ein Indikator für die Aufstiegschancen eines Individuums,
aber noch keine Determinante" (ebd.). Doch überkamen den Kolonialisten als kleine weiße
Gruppierung innerhalb der großen dunkelhäutigen Masse Überlebensängste (vgl. ebd.),
woraufhin sie ,,Verordnungen durch[setzten], die interrassische Aufstiegsmöglichkeiten
einschränkten" (ebd.), sodass eine Trennung der Rassen etabliert wurde. Dies zeichnete die
erste große Ungleichberechtigung der Dunkelhäutigen in Südafrika aus. Mit der Ankunft der

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Briten milderte sich die Gesellschaft der Schwarzafrikaner unter dem Volk, da die Afrikaner
einen Gleichheitsanspruch bekamen, die Sklaverei abgeschafft wurde und sie somit von den
Briten geduldet wurden (vgl. ebd., 83). Mit der Schaffung der Südafrikanischen Union 1910
näherten sich beide machthabende Parteien, die Buren und die Briten, an und teilten das Land
in ihre eigenen Machtgebiete auf, in denen jeweils andere Gesetze galten. Die Buren hielten
an ihren strengen Auflagen in den nördlichen Provinzen Transvaal und Oranjefreistaat fest,
in denen nur die weiße Oligarchie ein Wahlrecht besaß, wohingegen die Briten in der
südlichen Kapprovinz und in Natal, im Osten des Landes, ihr freieres Denken anwenden
konnten. Mit der Zeit weitete sich jedoch der Einfluss der nördlich gelegenen und der von
Buren herrschenden Gegenden auf die der Briten aus. Darunter litt zunehmend auch die
Umgangsweise mit den Schwarzafrikanern, sodass Regelungen getroffen wurden, die letztlich
den Dunkelhäutigen und Mischlingen Afrikas Rechte nahmen und sie als erster Wegbereiter
der gesellschaftlichen Exklusion von den Wahlen ausgeschlossen wurden (vgl. ebd., 83f.).
Seit 1948 etablierte sich der Begriff der Apartheid durch den Wahlsieg der Nasionale Party,
der vorwiegend burischen und nationalistischen Nationalpartei im gesamten Land (vgl. Raabe
1990, 45).
,,Die burischen Nationalisten hatten [...] drei Grundprinzipien [...], an denen sich die
Regierungspolitik ausrichten sollte: die Rassentrennung auf allen gesellschaftlichen Ebenen und in
allen gesellschaftlichen Bereichen, die kompromißlose [sic!] Verteidigung der weißen Vorherrschaft
und die politische Vormachtstellung der Buren mit dem Ziel, eine Republik auf ,christlich-nationale`
Grundlage zu errichten" (ebd., 46).
Damit einhergehend war eine Vielzahl an Gesetzen und Regeln, die nur für die
dunkelhäutigen Bürger Südafrikas galten und stets überarbeitet und ergänzt wurden (vgl.
ebd.). Dabei konnte die Nationalpartei auf die vielen für die Schwarzafrikaner schon
vorhandenen Gesetze zurückgreifen. Exemplarisch hierfür steht der Native Land Act, der
1913 den Landbesitz der Afrikaner begrenzte und besagte, dass die Eingeborenen Afrikas nur
7,3 Prozent der gesamten Fläche des Landes besitzen durften. Dieses Gebiet wurde zu
Reservaten für die Eingeborenen ernannt. Als weiteres Beispielgesetz ist der Native Urban
Areas Act von 1923 zu nennen, welcher die Vorschrift für die Einteilungen für eigene
Wohnviertel und ­gebiete, auch Homelands genannt, innerhalb der Stadt für die
Dunkelhäutigen bestimmte (vgl. Weiss 1980, 142). Die ersten Gesetze der Nationalpartei
traten 1950 in Kraft.
Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Der Widerstand der afrikanischen Frau in Zeiten der Apartheid. Eine Bildinterpretation
Untertitel
Wie lässt sich die Rolle der schwarzafrikanischen Frau während der Apartheid Südafrikas beschreiben?
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
21
Katalognummer
V388573
ISBN (eBook)
9783668626676
ISBN (Buch)
9783668626683
Dateigröße
646 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Afrika, Südafrika, Frauenbewegung, Apartheid, Frau, Widerstand, Mandela, Bildinterpretation, Panofsky, Passgesetz, Vorikonische Beschreibung, Ikonographische Analyse, Ikonologische Interpretation, Frauenrolle, Emanzipation
Arbeit zitieren
Luise Jelinek (Autor), 2017, Der Widerstand der afrikanischen Frau in Zeiten der Apartheid. Eine Bildinterpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388573

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