In dieser Arbeit wird unter Einbezug des aktuellen Standes der betriebswirtschaftlichen Forschung beantwortet, inwieweit auf Telematiktechnologien basierende Merkmale zur Risikokalkulation und individuellen Prämienanpassung geeignet sind und somit eine adäquate Möglichkeit für Versicherer darstellen, um sich auf dem zunehmend schwierigen Markt für Kfz-Versicherungen zu differenzieren. Ferner wird betrachtet, welche betriebswirtschaftlichen Implikationen sich aus Sicht der Versicherer ergeben und welche weiteren Schwerpunktthemen bei der Implementation von auf Telematiktechnologien basierenden Versicherungen zu beachten sind.
Hierzu werden in Kapitel 2 zuvorderst die grundlegenden Funktionsweisen von Versicherungen dargelegt. Daran anschließend erfolgt in Abschnitt 3.1 die Erläuterung der relevanten Technologien von Telematik im Rahmen von Kfz-Versicherungen sowie in Abschnitt 3.2 die Einordnung und Funktionsweise entsprechender Versicherungspolicen. In Abschnitt 3.3 wird der rechtliche Rahmen für das Angebot von Telematikversicherungen in Deutschland erläutert. Kapitel 4 widmet sich dezidiert dem Stand der betriebswirtschaftlichen Forschung mit den identifizierten Schwerpunkten Vorhersagekraft und Risikokalkulation, Akzeptanz, Einfluss auf das Verhalten sowie betriebswirtschaftliche Bewertung. Abschließend wird ein zusammenfassendes Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Funktionsweise und Grundprinzipien von Versicherungen
3 Einsatz von Telematik im Rahmen von Kfz-Versicherungen
3.1 Technologie
3.2 Einordnung und Funktionsweise von Telematiktarifen
3.3 Rechtlicher Rahmen
4 Telematiktarife als Differenzierungsmöglichkeit für Anbieter von Kfz-Versicherungen
4.1 Stand der betriebswirtschaftlichen Forschung
4.2 Vorhersagekraft und Risikokalkulation
4.3 Akzeptanz
4.4 Verhaltensänderung
4.5 Betriebswirtschaftliche Bewertung
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis des aktuellen Stands der betriebswirtschaftlichen Forschung, inwieweit auf Telematiktechnologien basierende Merkmale zur Risikokalkulation und individuellen Prämienanpassung geeignet sind, um Versicherern eine Differenzierung im umkämpften Kfz-Versicherungsmarkt zu ermöglichen. Dabei werden insbesondere die betriebswirtschaftlichen Implikationen, die Vorhersagekraft der Telematikdaten sowie die Akzeptanz und Verhaltensänderungen auf Kundenseite analysiert.
- Technologische Grundlagen der Telematik in der Kfz-Versicherung
- Differenzierungspotenziale durch Pay-As-You-Drive (PAYD) und Pay-How-You-Drive (PHYD)
- Analyse der Vorhersagekraft von Telematikvariablen für Unfallrisiken
- Kundenakzeptanz von nutzungsabhängigen Versicherungstarifen
- Betriebswirtschaftliche Bewertung der Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität
Auszug aus dem Buch
4.2 Vorhersagekraft und Risikokalkulation
Die größte Herausforderung für Versicherer bei telematikbasierten Versicherungen besteht darin, ein Vorhersagemodell zu entwickeln, welches diejenigen Verhaltensvariablen identifiziert und miteinbezieht, die in einem tatsächlichen Zusammenhang mit dem Risiko im Rahmen der Kfz-Nutzung stehen. (Fan et al., 2016; vgl. auch Kapitel 2 sowie Abschnitt 3.2) Frühe vorhandene Studien die sich mit dieser Thematik befassen, betrachten die Korrelation der zurückgelegten Kilometer mit dem Unfallrisiko und den Schadensfällen. Litman (2011) konnte zeigen, dass sich die jährlichen Versicherungsfälle im Schnitt mit den jährlich zurückgelegten Kilometern erhöhen. Auch Ferreira & Minikel (2010) konnten in ihrer Studie eine positive Korrelation mit hoher Signifikanz der zurückgelegten Kilometer und dem Unfallrisiko nachweisen.
Litman (2011) weist jedoch darauf hin, dass die jährlichen Kilometer lediglich einer von mehreren relevanten Faktoren mit signifikantem Zusammenhang zu den Versicherungsfällen darstellt und entsprechend nicht als alleiniger Bewertungsfaktor genutzt werden sollte. Nichtsdestotrotz kann mit dem Hinzuziehen der jährlich zurückgelegten Kilometer zu bestehenden Faktoren die Risikobewertung verbessert werden. Ferreira & Minikel (2010) verweisen ebenfalls darauf, dass die zurückgelegten Kilometer eine höhere Vorhersagekraft bieten, wenn sie mit Orts- und Fahrverhaltensdaten kombiniert werden, wie es im Rahmen von aktuellen PAYD- sowie PHYD-Tarifen der Fall ist (vgl. Abschnitt 3.2). af Wåhlberg (2004) konnte einen signifikanten Zusammenhang des Beschleunigungsverhaltens mit dem Unfallrisiko nachweisen, jedoch haben die Ergebnisse aufgrund der spezifischen und geringen Stichprobe nur mäßige Aussagekraft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die ökonomische Bedeutung des Kfz-Versicherungsmarktes, den steigenden Wettbewerbsdruck und die Notwendigkeit innovativer Telematik-Differenzierungsmodelle.
2 Funktionsweise und Grundprinzipien von Versicherungen: Erläutert das Risikogeschäft, die Rolle der Informationsasymmetrie und die Bedeutung der Risikobeurteilung für eine profitable Prämienkalkulation.
3 Einsatz von Telematik im Rahmen von Kfz-Versicherungen: Behandelt die technologischen Grundlagen, die Einordnung in PAYD- und PHYD-Tarife sowie den rechtlichen Rahmen in Deutschland.
4 Telematiktarife als Differenzierungsmöglichkeit für Anbieter von Kfz-Versicherungen: Analysiert den Stand der Forschung hinsichtlich Vorhersagekraft, Kundenakzeptanz, Verhaltensänderungen und der betriebswirtschaftlichen Gesamtbewertung.
5 Fazit: Resümiert die Erkenntnisse zur individualisierten Risikokalkulation und diskutiert die Herausforderungen für Versicherer hinsichtlich Prämienrabatten und langfristiger Rentabilität.
Schlüsselwörter
Telematiktarife, Kfz-Versicherung, Risikokalkulation, PAYD, PHYD, Fahrverhalten, Differenzierung, Versicherungsmarkt, Datenanalyse, Datenschutz, Kundenakzeptanz, Prämienanpassung, Unfallrisiko, Informationsasymmetrie, Big Data.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die Nutzung von Telematiktechnologien in Kfz-Versicherungen als Mittel zur individuellen Prämienbestimmung und als Differenzierungsmöglichkeit für Versicherungsunternehmen in einem gesättigten Markt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit konzentriert sich auf die technologischen Grundlagen der Telematik, die statistische Vorhersagekraft von Telematikdaten für Unfallrisiken sowie die Akzeptanz und Verhaltensänderungen bei den Versicherten.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, inwieweit telematikbasierte Merkmale zur Risikokalkulation geeignet sind und welche betriebswirtschaftlichen Chancen und Risiken sich daraus für die Anbieter ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine systematische Aufarbeitung und Analyse des aktuellen Standes der betriebswirtschaftlichen Forschung unter Auswertung existierender Studien und Literatur.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in technologische Grundlagen, rechtliche Rahmenbedingungen sowie eine differenzierte Analyse von Forschungsergebnissen zu Risikomodellen, Kundenakzeptanz, Fahrverhaltensänderungen und ökonomischen Auswirkungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind insbesondere Telematiktarife, Pay-As-You-Drive (PAYD), Pay-How-You-Drive (PHYD), individuelle Risikokalkulation sowie die betriebswirtschaftliche Bewertung der Wettbewerbsfähigkeit.
Welche Rolle spielt der Datenschutz bei Telematiktarifen?
Der Datenschutz ist eine zentrale Herausforderung, da die Erhebung von Fahrdaten personenbezogen ist und einer expliziten Einwilligung sowie strikten gesetzlichen Anforderungen gemäß Bundesdatenschutzgesetz unterliegt.
Wie unterscheiden sich PAYD und PHYD in ihrer Anwendung?
PAYD-Tarife nutzen meist allgemeine Daten wie Kilometerstand oder Zeit, während PHYD-Tarife detailliertere individuelle Verhaltensdaten wie Brems- oder Beschleunigungsmuster zur Risikokalkulation hinzuziehen.
Gibt es einen nachweisbaren Effekt auf das Fahrverhalten der Versicherten?
Ja, Studien zeigen, dass durch monetäre Anreize und Feedbacksysteme in Telematiktarifen positive Verhaltensänderungen, etwa eine Reduzierung von Geschwindigkeitsüberschreitungen, erzielt werden können, wobei die Nachhaltigkeit dieser Effekte variiert.
- Citar trabajo
- Thomas Schneider (Autor), 2017, Telematiktarife als Differenzierungsmöglichkeit für Anbieter von Pkw-Versicherungen. Stand der betriebswirtschaftlichen Forschung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/389014