Der Textbegriff gilt in den Geisteswissenschaften als derartig vielschichtig wie wenige andere Begriffe. Zum einen äußert sich dies in zahlreichen Präfixierungen – etwa Kontext, Subtext, Intertext etc. – zum anderen in einem damit einhergehenden Bedeutungswandel des Textbegriffs selbst.
1993 wurde am Kongress der Gesellschaft für Musikforschung in Freiburg, der unter dem Titel „Musik als Text“ abgehalten wurde, versucht, den Begriff Text vor dem Hintergrund der musikwissenschaftlichen Gegebenheiten zu erörtern.
In dieser Arbeit soll aufbauend auf zwei Texte, die anlässlich dieses Kongresses entstanden sind – zum einen ist dies „Der Text und die Texte“ von Herman Danuser und „Text und Rezeption“ von Siegfried Mauser - Standpunkte in Bezug auf die Relevanz des Begriffs Text für die Musikwissenschaft erläutert werden.
In einem weiteren Kapitel versucht der Autor dieser Arbeit, die beiden Positionen verdeutlicht gegenüberzustellen und selbstständig kritische Anmerkungen zu geben. In diesem Kapitel soll dann die herausgearbeitete Position im Hinblick auf eine musikalische Hermeneutik gedeutet werden.
Im Anschluss daran kann resümiert werden und die globalen hinter der Arbeit stehenden Fragen, inwiefern die Kategorie des Textes in einer musikalischen Hermeneutik einen Platz finden kann und, wenn ja warum und unter welchen Voraussetzungen, beantwortet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Musik als Text
2.1 Einleitende Bemerkungen
2.2 Zur Entwicklung der Textkategorie im Hinblick auf musikwissenschaftliche Zusammenhänge
2.3 Das Textkonzept in einer musikrezeptionsorientierten Betrachtung
3 Diskussion der Standpunkte
3.1 Diskussion der Standpunkte und Kritik
3.2 Zur Relevanz des Kategorienbegriffs Text für die musikwissenschaftliche Praxis am Beispiel der Rezeption
4 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz des Textbegriffs als musikwissenschaftliche Kategorie. Dabei werden insbesondere die theoretischen Ansätze von Herman Danuser und Siegfried Mauser gegenübergestellt und kritisch gewürdigt, um zu erörtern, ob und unter welchen Voraussetzungen Musik als Text verstanden werden kann und welche methodischen Konsequenzen sich daraus für die musikwissenschaftliche Analyse ergeben.
- Semantische und historische Entwicklung des Textbegriffs
- Gegenüberstellung von Danusers weit gefasstem Textverständnis und Mausers rezeptionsorientiertem Ansatz
- Diskussion von Schriftlichkeit und Mündlichkeit im musikalischen Kontext
- Konstruktive und strukturalistische Perspektiven auf das Phänomen Musik
- Potenziale einer erweiterten Textkategorie für die Musikwissenschaft
Auszug aus dem Buch
2.1 Einleitende Bemerkungen
1993 fand in Freiburg im Breisgau ein Kongress der Gesellschaft für Musikforschung, dessen zentrales Thema die Bedeutung der Textkategorie für die Musikwissenschaft war, statt. Dementsprechend wurde der Kongresstitel Musik als Text gewählt, was Befremden auslösen sollte, da die bisherige Terminologie die Begriffe eher in Formen wie Text über Musik oder Musik und Text paarte. Musik als Text sollte Befremden auslösen, denn mit dieser Wahl wurde implizit eine (zumindest partielle) Identität von Musik und Text als Kategorien angesprochen, was dem vorherrschenden ausschließenden Verständnis widersprach. Bisher galt, was nicht Musik ist, ist der Text.
Bei diesem Kongress wurde hingegen der Frage nachgegangen, was an der Musik selbst Text sei, inwiefern Musik als Text begriffen werden kann und unter welchen Gesichtspunkten und mit welchen Erkenntniszielen dies geschehen könnte, nachgegangen.
Der Blick sollte dabei auf Entwicklungen in den Nachbardisziplinen, aber auch im Sinne der alten Textmetapher auf Komplexe wie Welt als Text oder Natur als Text gelenkt werden. Die Voraussetzungen werden nochmals in folgendem Zitat von Herman Danuser verdeutlicht, für den dieser Kongress gleichzeitig auch den Schlusspunkt seines Wirkens an der Albert-Ludwig-Universität Freiburg vor seinem Ruf an die Humboldt Universität Berlin bedeutete.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Vielschichtigkeit des Textbegriffs in den Geisteswissenschaften ein und benennt die zu untersuchenden Positionen von Danuser und Mauser.
2 Musik als Text: Es erfolgt eine theoretische Herleitung der Textkategorie in der Musik, wobei zunächst die historische Entwicklung und die Metaphorisierung des Begriffs sowie anschließend die rezeptionsorientierte Sichtweise analysiert werden.
3 Diskussion der Standpunkte: Die unterschiedlichen Ansätze von Danuser und Mauser werden verglichen und kritisch diskutiert, insbesondere hinsichtlich der Frage nach der Notwendigkeit schriftlicher Fixierung für den Textstatus von Musik.
4 Resümee: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eine Erweiterung des Textbegriffs unter Berücksichtigung kulturwissenschaftlicher Ansätze ein hohes Potenzial für die Musikwissenschaft bietet.
Schlüsselwörter
Textbegriff, Musikwissenschaft, Musik als Text, Textkategorie, Rezeptionsorientierung, Partitur, Schriftlichkeit, Mündlichkeit, Metaphorisierung, Strukturalismus, Hermeneutik, Kontextualität, Zeichencharakter, Musikrezeption, Sinnkonstitution
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Diskussion darüber, inwieweit der Begriff "Text" als Kategorie für die Musikwissenschaft nutzbar gemacht werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung des Textbegriffs, der Vergleich zwischen musikalischen und linguistischen Textkonzepten sowie die Rolle der Rezeption bei der Konstituierung von Musik als Text.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Relevanz des Textbegriffs für die musikwissenschaftliche Praxis zu erörtern und die Ansätze von Herman Danuser und Siegfried Mauser abzuwägen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse musikwissenschaftlicher Fachliteratur, um die theoretischen Positionen gegenüberzustellen und kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen bei Danuser und Mauser erarbeitet und anschließend in einer Diskussion die Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Hinblick auf ein erweitertes Textverständnis beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Musik als Text, Textkategorie, Musikwissenschaft, Rezeption, Schriftlichkeit und Strukturalismus.
Wie unterscheidet sich Danusers Ansatz von dem Mausers?
Danuser plädiert für einen sehr weit gefassten, etymologisch begründeten Textbegriff, während Mauser den Textbegriff stärker an die Partitur als schriftlich fixierte Handlungsanweisung bindet.
Warum wird das Kongressthema "Musik als Text" als provozierend empfunden?
Weil es die bis dahin vorherrschende Auffassung, Musik und Text seien gegensätzliche Kategorien, in Frage stellt und eine Identität bzw. Remetaphorisierung vorschlägt.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Relevanz der Schriftlichkeit?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Kriterium der schriftlichen Fixierung für einen erweiterten Textbegriff in der modernen Musikwissenschaft nicht zwingend erforderlich ist.
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- Wolfgang Just (Author), 2005, Zur Relevanz des Textbegriffs als musikwissenschaftliche Kategorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38967