Das Gesundheitskonzept von A. Antonovsky. Zur Bedeutung der Salutogenese für die Gesundheitswissenschaft


Hausarbeit, 2005

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis

1 Neues Denken: von der Pathogenese zur Salutogenese

2 Grundlagen und Hauptelemente aus dem Konzept der Salutogenese
2.1 Grundlagen
2.2 Gesundheits – Krankheits – Kontinuum
2.3 Gesundheit als Resultat aus belastenden und schützenden Faktoren
2.3.1 Stressoren
2.3.2 Widerstandsressourcen
2.4 Kohärenzgefühl
2.4.1 Verstehbarkeit
2.4.2 Handhabbarkeit
2.4.3 Bedeutsamkeit / Sinnhaftigkeit

3 Überblick über das Gesamtmodell

4 Bewertung des Modells aus Sicht der Literatur
4.1 Stärken
4.2 Schwächen
4.3 Bedeutung des Modells für die Gesundheitswissenschaft

5 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Vereinfachte Teildarstellung einzelner Elemente des Salutogeneskonzeptes von Antonovsky.

(Darstellung des Vefassers)

Abbildung 2 Vereinfachte und erweiterte Teildarstellung einzelner Elemente des Salutogenesekonzeptes von Antonovsky.

(Darstellung des Verfassers)

Abbildung 3 Vereinfachte Gesamtdarstellung des Salotugenesekon- zeptes von Antonovsky.

(Darstellung des Verfassers)

1. Neues Denken: von der Pathogenese zur Salutogenese

Das Thema Gesundheit war lange Zeit eine Domäne der Medizin. Dabei fungierte

diese im wesentlichen als Krankheitswissenschaft und legte ihren Fokus darauf, wie Krankheit vermieden und kuriert werden konnte. Gesundheitsversorgung stellt unter der pathogenetischen Betrachtungsweise Symptome und Beschwerden des Patienten, sowie deren Behandlung oder Vermeidung in den Mittelpunkt.

Seit Mitte der 80er Jahre ist es zu einer gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Neuorientierung gekommen. Die Grenzen der kurativ orientierten Medizin waren erkennbar, die Vernachlässigung der Person, somit die Vernachlässigung der Ganzheitlichkeit wurde inzwischen beklagt. Entsprechend bringt der alte Spruch: „natura sanat medicus curat“ auf den Punkt, daß es der Arzt ist, der behandelt,

die Heilung allerdings der Natur vorbehalten bleibt.

Entgegen der pathogenetisch orientierten Frage nach den Ursachen für Krank-heiten ging daher der Soziologe Aaron Antonovsky anderen Fragestellungen nach und entwickelte sein Gesundheitskonzept, das Konzept der Salutogenese, das er in seinen beiden Hauptwerken von 1979 und 1987 vorstellt. Sein Interesse bestand in der Fragestellung, wie es Menschen gelingt, gesund zu bleiben, trotz der vielfach auf sie einwirkenden gesundheits-gefährdenden Einflüsse.

Dieses, in der Öffentlichkeit noch weithin unbekannte Konzept, soll im folgenden

zunächst anhand seiner Hauptkomponenten und schließlich zusammenfassend

dargestellt werden. Im Anschluß daran erfolgt die Darlegung der Stärken und Schwächen des Modells, sowie Ausführungen zu dessen Bedeutung für die Ge-sundheitswissenschaft.

2. Grundlagen und Hauptelemente aus dem Konzept der Salutogenese

2.1 Grundlagen

Der in den USA geborene Aaron Antonovsky geht bei seinen Überlegungen zur Entstehung von Gesundheit davon aus, daß Gesundheit kein fester, normaler und passiver Zustand ist. Nach der, systhemtheoretisch beeinflussten, Auffassung Antonovskys ist Gesundheit ein labiler Zustand, der aktiv erhalten werden muß,

ein sich dynamisch regulierendes System. Dies steht im Gegensatz zum pathologischen Postulat, daß sich ein Gesunder in einer Art Normzustand, der

geordneten Homöostase befindet, die durch eine Krankheit aus dem Gleichge-wicht gebracht wird (vgl. Lamprecht / Sack 1997, 24).

Salutogenetische Orientierung rührt nach Antonovsky aus dem fundamentalen

Postulat, daß Heterostase , Altern und fortschreitende Entropie die Kerncharak-teristika aller lebenden Organismen sind (vgl. Antonovsky, 1997, 29).

Heterostase bezeichnet dabei das Gegenteil von Homöostase, also Ungleichge-wicht, fehlende Stabilität (vgl. Noack 1997, 95).

Der Begriff der Entropie entstammt der Thermodynamik und meint, damit die Tendenz aller Elementarteilchen, sich auf einen Zustand immer größerer Un-ordnung hinzubewegen und ist hier Ausdruck für die allgegenwärtige Tendenz menschlicher Organismen, ihre organisierten Strukturen zu verlieren, sie aber auch wieder aufbauen zu können. Negative Entropie bedeutet die Fähigkeit eines Systems, sich entgegen der Entropie zu organisieren (vgl. Bengel u.a. 2001, 25).

Übertragen auf den Gesundheitszustand eines Individuums, bedeutet das, daß der Verlust von Gesundheit ein natürlicher und allgegenwärtiger Vorgang ist und daher Gesundheit fortwährend aufgebaut werden muß (negative Entropie). Gleichzetig wird deutlich, dass unter dieser Argumentation ,der permanenten Entropie, Gesundheit nie zu einhundert Prozent erreicht werden kann.

2.2 Gesundheits-Krankheits-Kontinuum

Bei der Betrachtung der Begriffe Krankheit und Gesundheit wird im Regelfalle davon ausgegangen, dass jeweils nur einer der beiden Zustände vorliegt, was den

jeweils anderen implizit ausschließt. Dieser Dichotomie setzt Antonovsky ein

Kontinuum mit den beiden Polen Gesundheit und Krankheit entgegen. Damit

entfällt die starre Einteilung, ob jemand krank oder gesund ist, vielmehr ist die

Frage, wo ist jemand auf diesem Kontinuum anzusiedeln, bzw wie nahe/entfernt ist dieses Individuum von den beiden Eckpunkten. Die beiden Pole völlige Ge-sundheit und völlige Krankheit sind dabei für lebende Organismen nicht zu erreichen (vgl. Bengel u.a. 2001, 32). Das bedeutet, dass wir Menschen nie als

vollkommen gesund erachten können, „…ebenso sind wir alle, solange noch ein Hauch von Leben in uns ist, in einem gewissen Ausmaß gesund.“ (Antonovsky 1997, 23) Konsequenterweise ist in Antonovsky`s Werken nirgends eine

eigenformulierte Gesundheits- oder Krankheitsdefinition zu finden (vgl. Franke 1997, 182).

2.3 Gesundheit als Resultat aus belastenden und schützenden Faktoren

Die Frage, wo auf dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum eine Person an-

zusiedeln ist, ist das Ergebnis eines interaktiven Prozesses zwischen belasten-

den Faktoren (Stressoren) und schützenden Faktoren (Widerstandsressourcen)

vor dem Kontext der Lebenserfahrungen dieser Person (vgl. Waller 2000, 22).

2.3.1 Stressoren

Antonovsky sieht davon ab, fixe und kategorisiert Gesundheitseinzelrisiken aufzuzählen. Er postuliert, daß Stressoren (Reiz, Stimuli) auf den Organismus ein-wirken und in diesem zunächst nur einen physiologischen Spannungszustand erzeugen, der daher rührt, daß Individuen zunächst nicht wissen, wie sie reagieren sollen (vgl. Bengel 2001 u.a., 32). Interessant ist an dieser Stelle, daß Antonovsky Stressoren nicht von vorneherein als negativ definiert, sie lösen „nur“ einen Span- nungszustand aus. Entscheidend ist nunmehr, wie der Organismus mit diesem

Spannungszustand umgeht, das heißt, wie gut die Spannungsbewältigung gelingt, oder auch nicht. Ist das Spannungsmanagement erfolgreich, so tritt eine gesundheitsförderliche Wirkung zu Tage, mißlingt die Spannungsbewältigung, ist Streß die Folge (siehe dazu Abb. 1), dieser kann, muß aber nicht zu einer Ver- schiebung auf dem Kontinuum Richtung Krankheitspol beitragen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Vereinfachte Teildarstellung einzelner Elemente des salutogenetisches Konzeptes von Antonovsky.

(Darstellung des Verfassers)

Wie ebenfalls der Abb. 1 zu entnehmen ist, handelt es sich um drei Gruppen, in die Antonovsky die Stressoren einteilt:

- physische Stressoren, wie z.B. Auswirkungen von Kriegen, Gewaltakte, Hungersnöte etc.
- biochemische Stressoren, wie z.B. Krankheitserreger, Gifte
- psychosoziale Stressoren, wie z.B.soziale (Nicht-)Zugehörigkeit

Die beiden erstgenannten Gruppen wirken sich allein oder kombiniert meist sehr direkt auf den Gesundheitszustand aus (z.B. Messerattacke). Lang- fristig jedoch steigt die Bedeutung der psychoszialen Stressoren.

Abschließend muß noch erwähnt werden, dass das Auftreten von Stressoren und die folgende Spannungsbewältigung keine seltene Ausnahmeerscheinung ist, sondern die Regel. Antonovsky meint dazu treffend: „Stressoren werden nicht als etwas Unanständiges angesehen, das fortwährend reduziert werden muß, sondern als allgegenwärtig.“ (Antonovsky 1997, 30)

2.3.2 Widerstandsressourcen

Mitglieder aller Gesellschaften sind im Laufe ihres Lebens einer Vielzahl von

Belastungen (Stressoren, Risikokonstellationen) ausgesetzt. Die Widerstands-ressourcen gegenüber diesen Belastungen entscheiden darüber, ob sich diese Belastungen in einer Beeinträchtigung des Wohlbefindens niederschlagen

(vgl.Hurrelmann 1988, 133).

Antonovsky hat im Zuge seiner Forschung viel Energie darauf bedacht, Ein- flußfaktoren zu bestimmen, die eine erfolgreiche Spannungsbewältigung

(s. 2.3.1) ermöglichen und dadurch eine tendenzielle Bewegung zum Gesund-heitspol fördern. Er stieß dabei auf zahlreiche Größen und Faktoren, die mit dem

Gesundheitszustand korrelierten. Diese werden von Antonovsky als generalisierte

Widerstandsressourcen bezeichnet. Generalisiert meint, daß sie in Situationen jeder Art wirksam werden (vgl. Bengel u.a. 2001, 34).

Eine feste, umfassende Aufstellung aller generalisierten Widerstandressourcen gibt Antonovsky nicht, dies wäre ein sehr weites Feld. Es werden zehn Haupt- gruppen von generalisierten Widerstandsressourcen genannt. Hurrelmann gibt eine übersichtliche Auflistung verschiedener Arten von Antonovsky`s Wider-standsressourcen:

- physikalisch und biochemischer Bereich => körperliche Potentiale, die gegen Krankheitserreger, Stressoren immun machen
- materieller Bereich => finanzielle Möglichkeiten (Geld ermöglicht physische Sicherheit, Schutz, Kleidung, gute Ernährung)
- kognitiv-emotionaler Bereich => Intelligenz im Sinne von Flexibilität und Rationalität (Anpassung an Lebensbedingungen)
- interpersonal-relationaler Bereich => soziale Unterstützung, die zur Ver- fügung steht
- makrostruktureller Bereich => Grad der kulturellen Integration, Orientier- ungssystem zur Bestimmung der Position im sozialen Gefüge, Gefühl der

Geachtetheit u.ä. (vgl. Hurrelmann 1988, 134).

Durch die Frage nach Widerstandsressourcen steht somit der ganze Mensch im Mittelpunkt, nicht, wie aus pathologischer Sicht die Erkrankung.

Widerstandsressourcen dienen uns als Potential, Spannungszustände zu bewäl-tigen. Sie prägen unsere Lebenserfahrungen und sollten es uns ermöglichen wei-tere kohärente Lebenserfahrungen zu machen (dargestellt als Zusammenfassung in Abb. 2),

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Gesundheitskonzept von A. Antonovsky. Zur Bedeutung der Salutogenese für die Gesundheitswissenschaft
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule  (Hamburger Fern-Hochschule)
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V39408
ISBN (eBook)
9783638381802
ISBN (Buch)
9783638762595
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheitskonzept, Antonovsky, Bedeutung, Salutogenese, Gesundheitswissenschaft, Pflegemanagement, Gesundheit, Thema Salutogenese
Arbeit zitieren
Robert Althier (Autor:in), 2005, Das Gesundheitskonzept von A. Antonovsky. Zur Bedeutung der Salutogenese für die Gesundheitswissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39408

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