Die vorliegende Arbeit hat die Aufgabe, sich mit der Problematik der deutschen Lehnwörter in der polnischen Studentensprache kritisch auseinander zu setzen. Das angesprochene grammatisch-stilistische Phänomen wird anhand des Wörterbuches: "Słownik gwary studenckiej" von Leon Kaczmarek, Teresa Skubalanka und Stanisław Grabias ausgearbeitet, wobei zur Darstellung des Themas auch andere Publikationen hinzugezogen wurden.
Die Abhandlung wurde in einzelne Kapitel gegliedert, die für das Verständnis des Themas relevante Fragepunkte darstellen. Kapitel 1 schildert die Grundlagen der Lehnwortkunde - im Wesentlichen wurden die Gründe für die Übernahme des fremdsprachlichen Wortschatzes sowie die Prinzipien der Assimilation und Typologie der Entlehnungen erörtert. Im nachstehendem wurde die Geschichte der polnisch-deutschen Lehnbeziehungen (Kapitel 2) und anschließend das Charakteristikum der Studentensprache (Kapitel 3) im kurzem Abriss dargestellt.
Den grundlegenden Teil der Arbeit bildet die empirische Darstellung des deutschen Lehngutes in der polnischen Studentensprache (Kapitel 4). Das methodische Vorgehen bestand im Aussortieren vermutlich deutscher Lexik und im Nachweisen der deutschen Herkunft. Die Basisliteratur für die etymologischen Angaben bildeten vor allem Słownik etymologiczny języka polskiego von Alexander Brückner und gleichnamiges Lexikon von Franciszek Sławski. Die einzelnen Stichwörter wurden mit ihrer Bedeutung in der Studentensprache versehen, danach wird das deutsche Quellwort und die Bedeutungsveränderungen des Zielwortes angeführt, anschließend folgen verschiedene Beispiele des Gebrauchs von entnommenen Wörtern sowie zusätzliche Angaben über ihre Regionalität oder Umgangsprachlichengebrauch.
Der Untersuchungsgegenstand der Arbeit begrenzte sich nur auf eine einseitige sprachliche Analyse des Lehnwortschatzes, d.h. die semantische Analyse. Die phonologischen und morphologischen Faktoren wurden nur in wenigen Fällen einbegriffen.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
Kapitel 1. GRUNDLAGEN DER LEHNWORTKUNDE
Wesen und Ursachen für die Übernahme der fremdsprachlichen Elemente
Typologie der lexikalischen Entlehnungen
Assimilation des sprachlichen Lehngutes
Kapitel 2. DIE DEUTSCH-POLNISCHEN LEHNBEZIEHUNGEN
Kapitel 3. CHARAKTERISTIKA DER STUDENTENSPRACHE
Kapitel 4. DEUTSCHE LEHNWÖRTER IN DER POLNISCHEN STUDENTENSPRACHE UNTERSUCHT ANHAND SLOWNIK GWARY STUDENCKIEJ VON KACZMAREK, L./ SKUBALANKA, T./ GRABIAS, S.
Entstehung und Aufbau des Wörterbuches
Empirische Darstellung des deutschen Lehngutes in der polnischen Studentensprache
ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Problematik deutscher Lehnwörter in der polnischen Studentensprache. Das zentrale Ziel besteht in einer semantischen Analyse des deutschen Lehngutes, basierend auf dem Wörterbuch „Slownik gwary studenckiej“, um die sprachlichen Transferprozesse und die Integration dieser Elemente in das polnische Sprachsystem zu erforschen.
- Grundlagen der Lehnwortkunde (Ursachen, Typologie, Assimilation)
- Historische deutsch-polnische Lehnbeziehungen
- Charakteristika und soziolinguistische Einordnung der Studentensprache
- Entstehung und Aufbau des Wörterbuches „Slownik gwary studenckiej“
- Empirische Darstellung und Klassifizierung deutscher Lehnwörter
Auszug aus dem Buch
Kapitel 1. GRUNDLAGEN DER LEHNWORTKUNDE
In jeder Sprache gibt es einige Wörter aus anderen Sprachen. Die Zahl der entlehnten Elemente sowie Intensität und Zeit des Lehnprozesses sind von Sprache zu Sprache verschieden. Die Gründe dafür können außersprachlicher und innersprachlicher Natur sein. Zu der ersten Gruppe gehört z. B. der Kontaktaustausch zwischen den Sprachen und Sprachbenutzern (auf der politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Ebene) oder der Entwicklungsstand des betreffenden Volkes in verschiedenen Zeitabschnitten seiner Geschichte im Vergleich zu anderen Völkern. Wird ein Land u. a. unter sozialökonomischem und kulturellem Aspekt international hoch angesehen, werden generell stärkere Lehnprozesse aus der Sprache des Landes in andere Sprachen eintreten. Kultureller und wirtschaftlicher Verkehr brachten mit neuen Sachen neue Bezeichnungen. Wurden diese Sachen bekannter, so wurden auch die Wörter sprachlich eingegliedert, also zu Lehnwörter.
Die innersprachlichen Gründe von Lehnvorgängen sind vor allem: Bedarf nach Präzisierung bzw. Abgrenzung bestimmter Begriffe, expressiv-emotionelle Wirkung in der Werbesprache, das Bestreben nach Bildung strukturell ähnlicher Wörter in der aufnehmenden Sprache, etc. (vgl. Frohne 1978, 135-136)
In der Literatur wird der Aspekt der Entlehnung weitgehend diskutiert. Man beschreibt meist Entlehnung als den Vorgang „... des Überwechselns von Elementen verschiedener Art aus einer Sprache in eine bzw. mehrere andere Sprachen.“ (ebd.) Der häufigste Fall der sprachlichen Lehnvorgänge ist die lexikalische Entlehnung. Ihre Besonderheit besteht darin, dass „... das betreffende Wort nicht als völlig grammatisch ‚verarbeitetes’ Wort übernommen wird, sondern nur als ein mehr oder weniger formloses Stück lexikalischen Materials, das erst im System und mit den Mitteln der aufnehmenden Sprache eine neue ‚Verarbeitung’ erfährt.“ (ebd.) Dementsprechend wird jedes entlehnte Wort bestimmten Assimilationsprozessen an dem Sprachsystem der aufnehmenden Sprache unterworfen.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1. GRUNDLAGEN DER LEHNWORTKUNDE: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Voraussetzungen, wie Gründe für Lehnprozesse sowie Typologien und Assimilationsformen fremdsprachlicher Elemente.
Kapitel 2. DIE DEUTSCH-POLNISCHEN LEHNBEZIEHUNGEN: Hier wird ein Überblick über die historischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontakte zwischen dem deutschen und polnischen Sprachraum gegeben.
Kapitel 3. CHARAKTERISTIKA DER STUDENTENSPRACHE: Dieses Kapitel definiert die Studentensprache als Soziolekt und beschreibt ihre soziolinguistische Funktion sowie deren zeitliche und räumliche Dynamik.
Kapitel 4. DEUTSCHE LEHNWÖRTER IN DER POLNISCHEN STUDENTENSPRACHE UNTERSUCHT ANHAND SLOWNIK GWARY STUDENCKIEJ VON KACZMAREK, L./ SKUBALANKA, T./ GRABIAS, S.: Das Hauptkapitel beschreibt die Entstehung des zugrunde liegenden Wörterbuchs und führt eine empirische Analyse der darin enthaltenen deutschen Lehnwörter nach Sachbereichen durch.
Schlüsselwörter
Lehnwortkunde, Deutsche Lehnwörter, Polnische Studentensprache, Sprachkontakt, Soziolekt, Semantische Analyse, Entlehnung, Assimilation, Slownik gwary studenckiej, Sprachwissenschaft, Lexikologie, Sprachwandel, Fremdwort, Hybridbildung, Mehrsprachigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung deutscher lexikalischer Einflüsse auf die polnische Studentensprache.
Welche Themenfelder stehen dabei im Mittelpunkt?
Die Themen umfassen die Grundlagen der Lehnwortkunde, historische deutsch-polnische Sprachkontakte sowie die soziolinguistische Charakterisierung der Studentensprache.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist die kritische Analyse und empirische Darstellung der deutschen Lehnwörter anhand des Wörterbuches von Kaczmarek et al.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden angewandt?
Die Autorin führt eine semantische Analyse durch, wobei Lehnwörter nach ihrer Herkunft, ihrer Bedeutung im Deutschen und ihrer Verwendung sowie Veränderung im Polnischen untersucht und klassifiziert wurden.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der empirischen Darstellung des deutschen Lehngutes, gegliedert in Bereiche wie Arbeit/Lernen, Familie, gesellschaftliches Leben und Stadtleben.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Lehnwortkunde, Studentensprache, Soziolekt, Sprachkontakt und lexikalische Entlehnung.
Warum war das Wörterbuch „Slownik gwary studenckiej“ politisch umstritten?
Das Wörterbuch wurde in der Zeit der Volksrepublik Polen als „schädlich“ eingestuft, da man befürchtete, es stelle die Studentenschaft in einem negativen Licht dar (z. B. durch Assoziationen mit Alkohol und kriminellem Jargon).
Was unterscheidet das „innere Lehngut“ von den „Materialentlehnungen“?
Während bei Materialentlehnungen Wörter oder Affixe direkt übernommen werden, handelt es sich beim inneren Lehngut um Lehnprägungen oder Übersetzungen, die mit den Mitteln der Zielsprache gebildet werden.
Welche Rolle spielt die Zeit bei der Erforschung von Studentensprache?
Da sich die Jugendsprache durch einen ständigen Wandel auszeichnet und Wörter oft nur kurzzeitig existieren, stellt die Dokumentation und Erforschung eine zeitlich begrenzte Herausforderung dar, was im Text mit einem Vergleich zur Online-Wörterbuch-Methode in Italien unterstrichen wird.
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- Magister Justyna Wieczorek-Hecker (Author), 2002, Die lexikalischen Entlehnungen aus dem Deutschen in der polnischen Studentensprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39531