Die Schattenwirtschaft beschäftigt seit etlichen Jahren nicht nur renommierte Wirtschaftswissenschafter und Politiker rund um den Globus, sondern trifft selbst in der breiten Bevölkerung auf grosses Interesse. Grund dafür ist die Ubiquität des Phänomens. So haben nebst Schwellen- und Entwicklungsländern auch die modernen Industrie- und Dienstleistungsstaaten täglich mit Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung und anderen legalen wie illegalen Aktivitäten, die sich ihren offiziellen Büchern entziehen, zu kämpfen. Nebst den negativen Auswirkungen auf die Staatsfinanzen bringt die parallele Ökonomie ein weiteres gewichtiges Problem mit sich: werden schattenwirtschaftliche Aktivitäten nicht in die Berechnung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung mit einbezogen, so laufen wirtschaftspolitische Entscheidungsträger Gefahr, falsche Schlussfolgerungen zu ziehen.
Der Aufbau dieser Arbeit stellt sich wie folgt dar: eine Kurzübersicht über die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung gibt den Bezugsrahmen vor, klärt wichtige Begriffe und leitet mittels einer qualifizierten Kritik am konventionellen Erfassungssystem in die Problematik nicht berücksichtigter schattenwirtschaftlicher Aktivitäten über. Es folgt eine Definition und Abgrenzung des Phänomens Schattenwirtschaft, welche die Grundlage für die anschliessende Beschreibung von Ursachen, Auswirkungen und Verfahren zur Messung der schattenwirtschaftlichen Vorgänge bilden. Das vierte Kapitel wendet sodann die erarbeitete Theorie auf die Frage nach der Relevanz der Nichterfassung inoffizieller Wirtschaftsaktivitäten im Vergleich zwischen Industrie- und Entwicklungsländern an. Dabei wird zunächst ein Überblick über den Umfang der Schattenwirtschaft in Industrie-, Transformations- und Entwicklungsländern gegeben, um im Folgenden bezüglich der Relevanz deren Nichterfassung im Hinblick auf die Verwendung der ermittelten makroökonomischen Aggregate zwischen absoluten Werten und Wachstumsraten zu differenzieren. Eine Zusammenfassung der relevantesten Ergebnisse bildet den Abschluss dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Forschungsfrage und Quellenlage
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Kurzübersicht über die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
2.1 Definition
2.2 Die wichtigsten makroökonomischen Aggregate
2.3 Kritik
3 Die Schattenwirtschaft
3.1 Definition und Abgrenzung
3.2 Ursachen
3.3 Auswirkungen
3.3.1 Allokationseffekt
3.3.2 Distributionseffekt
3.4 Messverfahren
3.4.1 Direkte Methoden
3.4.2 Indirekte Methoden
3.4.3 Kausale Methoden
4 Relevanz der Nichterfassung schattenwirtschaftlicher Aktivitäten in der VGR im Vergleich zwischen Industrie- und Entwicklungsländern
4.1 Umfang der Schattenwirtschaft im Vergleich zwischen Industrie-, Transformations- und Entwicklungsländern
4.2 Differenzierung nach Verwendung der makroökonomischen Aggregate
4.2.1 Verwendung von Wachstumsraten
4.2.2 Verwendung absoluter Werte
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Nichtberücksichtigung der Schattenwirtschaft innerhalb der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) und analysiert dabei bestehende Unterschiede zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.
- Grundlagen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
- Definition, Ursachen und Messverfahren der Schattenwirtschaft
- Vergleich der Schattenwirtschaft zwischen Industrie-, Transformations- und Entwicklungsländern
- Einfluss der Nichterfassung auf makroökonomische Aggregate (Wachstumsraten vs. absolute Werte)
- Implikationen für die wirtschaftspolitische Entscheidungsfindung
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition und Abgrenzung
Der Begriff Schattenwirtschaft bezeichnet zunächst das Phänomen nicht erfasster Wirtschaftsaktivitäten. Je nachdem, welche nicht erfassten Vorgänge unter diesem Terminus subsumiert werden, sind jedoch unterschiedliche Definitionen der Schattenwirtschaft möglich. So bezieht der Brockhaus (1998) lediglich alle an sich legalen wirtschaftlichen Aktivitäten, die sich nicht auf offiziellen Märkten entfalten und/oder dem Zugriff der staatlichen Regulierung beziehungsweise Besteuerung entzogen werden, in seine Definition mit ein, während andere Autoren explizit legale wie illegale Aktivitäten einschliessen.
Im Sinne von Cassel (S.344) kann der Begriff differenziert betrachtet werden. Dabei wird die Schattenwirtschaft im weiteren Sinne (=inoffizielle Wirtschaft) in Untergrundwirtschaft und Selbstversorgungswirtschaft unterteilt. Letztere umfasst die Haushaltsproduktion und die unentgeltliche Nachbarschaftshilfe, welche beide gemäss dem weltweiten System of National Accounts (SNA) 1993 sowie dem daraus abgeleiteten und seit 2003 für die Schweiz verbindlichen ESVG 1995, wie bereits erwähnt, in der VGR nicht zu erfassen sind, da sie nicht unter die Produktionsgrenze fallen.
Davon ist die Untergrundwirtschaft (Schattenwirtschaft im engeren Sinne) abzugrenzen. Diese umfasst „legale wie illegale Tätigkeiten, die aus unterschiedlichen Motiven – Abgabenhinterziehung, Umgehung behördlicher Regelungen, Missachtung von Urheberrechten, kriminelle Absichten – nicht über offizielle Bücher laufen und mangels statistischen Basismaterials nur grob geschätzt werden können“ (Janisch U. und Brümmerhoff D., 2004, S.23). Abbildung 2 stellt dies schematisch dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Schattenwirtschaft ein und definiert die Forschungsfrage, welche sich auf die Auswirkungen der Nichtberücksichtigung in der VGR bezieht.
2 Kurzübersicht über die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise der VGR sowie deren wichtigste makroökonomische Aggregate und übt Kritik an deren begrenzter Aussagekraft.
3 Die Schattenwirtschaft: Hier erfolgt eine theoretische Einbettung durch Definition, Abgrenzung, Ursachenanalyse, Betrachtung der Auswirkungen sowie eine Übersicht der gebräuchlichen Messverfahren.
4 Relevanz der Nichterfassung schattenwirtschaftlicher Aktivitäten in der VGR im Vergleich zwischen Industrie- und Entwicklungsländern: Das Kapitel wendet die theoretischen Erkenntnisse auf den quantitativen Vergleich zwischen verschiedenen Ländertypen an und analysiert die Auswirkungen auf Wachstumsraten sowie absolute Werte.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Problematik, dass die VGR die Realität unvollständig abbildet, was zu Fehlentscheidungen in der Wirtschaftspolitik führen kann.
Schlüsselwörter
Schattenwirtschaft, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, VGR, Bruttoinlandsprodukt, BIP, Schwarzarbeit, Wirtschaftswachstum, Messverfahren, Industrie- und Entwicklungsländer, inoffizielle Wirtschaft, Untergrundwirtschaft, Steuerhinterziehung, makroökonomische Aggregate, Strukturvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Nichtberücksichtigung von schattenwirtschaftlichen Aktivitäten in der offiziellen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auf die Interpretation wirtschaftlicher Indikatoren auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentral sind die VGR, die Definition und Messung der Schattenwirtschaft sowie der Vergleich ihres Umfangs zwischen Industrie-, Transformations- und Entwicklungsländern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erörtern, ob die Unmöglichkeit, die Schattenwirtschaft vollständig zu erfassen, zu einer signifikanten Fehlinterpretation der wirtschaftlichen Situation in verschiedenen Ländern führt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und stützt sich primär auf die Forschungsresultate von Prof. Dr. Friedrich Schneider sowie etablierte Konzepte der Volkswirtschaftslehre.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Theorie der Schattenwirtschaft (Ursachen, Auswirkungen, Messverfahren) und wendet diese Erkenntnisse auf den Vergleich zwischen Ländertypen und die Verwendung makroökonomischer Aggregate an.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Schattenwirtschaft, BIP, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Wirtschaftswachstum, Steuerhinterziehung und Messverfahren.
Warum ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) laut dem Autor problematisch?
Weil das BIP als offizielles Mass nur legale Aktivitäten erfasst, entgehen der Statistik grosse Teile der wirtschaftlichen Wertschöpfung, was das Bild der tatsächlichen wirtschaftlichen Leistung verzerrt.
Wie unterscheidet sich die Relevanz der Schattenwirtschaft bei Wachstumsraten gegenüber absoluten Werten?
Die Verfälschung bei absoluten Werten kann sehr hoch sein, während die Auswirkungen auf die Interpretation von kurzfristigen Wachstumsraten tendenziell geringer ausfallen, sofern sich der informelle Sektor nicht drastisch anders entwickelt als der formelle.
- Citation du texte
- Markus Wolf (Auteur), 2005, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung und Schattenwirtschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41025