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Zwischen "Schaudiva" und "Fleischrind". Konfligierende Normen im Sprechen über Rinderzucht

Title: Zwischen "Schaudiva" und "Fleischrind". Konfligierende Normen im Sprechen über Rinderzucht

Term Paper (Advanced seminar) , 2014 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Lisa Maria Koßmann (Author)

German Studies - Linguistics
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Das Ziel dieser Arbeit ist es, den offensichtlichen Widerspruch am Beispiel der Rinderzucht auf sprachlicher Ebene aufzudecken und zu analysieren. Untersuchungsmaterial hierfür ist ein Fachmagazin für Rinderzüchter, das vierteljährlich erscheint: Rinderzucht. Das Magazin rund ums Rind. Die Analyse erfolgt vorrangig auf Lexemebene und orientiert sich an dem Paradigma rund um Rind, das in der Zeitschrift verwendet wird.

Wie sich im Verlauf der Untersuchung zeigen wird, ist der Widerspruch zwischen Empathie und Wirtschaftsdenken in der Tat auf sprachlicher Oberfläche evident, sogar deutlicher als angenommen: Zwei Extreme, zwischen denen eine Vermittlung schwerfällt, zeichnen sich ab, das Rind wird einerseits stark vermenschlicht, andererseits vollkommen objektiviert.

Im Fazit wird deshalb die Schwierigkeit beschrieben, aus den Analyseergebnissen eine einheitliche Sprachnorm innerhalb der Rinderzucht ableiten zu können – vielmehr handelt es sich um konfligierende Sprachnormen; um eine Bezeichnungskonkurrenz, die sich nicht wie üblich zwischen mehreren Diskursakteuren entwickelt, sondern innerhalb eines einzigen Diskursbeitrages dauerhaft bestehen bleibt. Dies gibt Anlass zu weiteren Analysen des Materials, auf die im Rahmen dieser Arbeit leider nur ein Ausblick gegeben werden kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Tiere und Denkperspektiven

2. Material und Methode

2.1. Untersuchungsgegenstand und Korpus

2.2. Vorgehensweise

2.3. Theoretische Voraussetzungen

3. Analyse

3.1. Das Rind als >funktionales Objekt<

3.2. Das Rind als >genetischer Baukasten<

3.3. Das Rind als >Schaudiva<

4. Fazit: Konfligierende Sprachnormen?

5. Literatur

5.1. Primärliteratur

5.2. Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den sprachlichen Umgang mit dem Rind im Kontext der modernen Rinderzucht. Ziel der Analyse ist es, aufzudecken, wie durch konkurrierende Konzepte – einerseits die Objektivierung als wirtschaftliches Produktionsmittel und andererseits die Vermenschlichung als Leistungssportler – konfligierende Sprachnormen innerhalb eines Fachmagazins konstruiert werden.

  • Analyse der sprachlichen Objektivierung von Tieren als "funktionale Objekte"
  • Untersuchung des Konzepts des Rindes als "genetischer Baukasten"
  • Dekonstruktion der Vermenschlichung von Rindern im Kontext von Wettbewerben ("Schaudiva")
  • Identifikation und Analyse von konfligierenden Sprachnormen in Fachdiskursen
  • Hinterfragung des Spannungsfeldes zwischen ökonomischem Nutzen und Empathie

Auszug aus dem Buch

3.3. Das Rind als >Schaudiva<

Die große Anzahl an Eigennamen bei den Zuchttieren gibt einen ersten Hinweis darauf, dass das Tier für den Züchter doch mehr ist als ein Objekt, das völlig seiner (Zucht-)Kontrolle unterliegt. Eigennamen vermenschlichen ein Objekt, und im Falle der Tiere machen sie sprachliche Konstruktionen möglich, die mit einer bloßen Bezeichnung als Rind oder Tier nicht ohne Weiteres möglich gewesen wäre: Kristas Comeback (S. 2).

Im untersuchten Paradigma stecken zahlreiche Bezeichnungen, die eine Vermenschlichung unterstützen. Neben den mehreren hundert Eigennamen (Atlantis, Mowambo, Giotto) werden die Rinder auch über Folgendes humanisiert: SIEGERTITEL (89): Reservesiegerin (18), Siegerin (11), Grand Champion (11), Siegerin der jungen/mittleren/alten Kühe (7), Miss Schau der Besten (5), (1a-)Preisträger (5), Rassesieger (4), Charolais-Sieger (4), Preissieger (3), Mister Tarmstedt (3), Nr. 1 [z. B. aller lebenden Bullen] (3), Reserve-Champion (2), Miss Verden (2), Mister Verden (2), Miss Tarmstedt (2), Klassensiegerin (1), Limousin-Sieger (1), 1a-Platzierte (1), Miss Konvent (1), Miss Germany (1), Berlin-Siegerin (1), All-German-Kuh (1). HANDLUNGSZUSCHREIBUNGEN (12): Kandidat (5), Teilnehmerin (3), Mitbewerberin (1), Konkurrent (1), Nachfolgerin (1), Leistungsträger (1). SONSTIGES (11): Schaudiva (2), Reifere Damen (1), Altehrwürdige Damen (1), Tussis (1), Jungspund (1), Trio (1), Final Six (1), Newcomer (1), Elite (1), Kollege (1).

Siegertitel vermitteln eine Sieg-Absicht, was ebenso wie die Ausdrücke Teilnehmerin, Mitbewerberin oder auch Leistungsträger eine absichtsvolle Handlung impliziert, und damit ein Bewusstsein. Die Kuh kann nur Schaudiva sein, wenn sie die Schau genießt und sich absichtsvoll dem Publikum präsentiert, um zu gewinnen. Eine ganz eindeutige Vermenschlichung liegt auch bei denjenigen Siegertiteln vor, die von Mister oder Miss sprechen; diese Anredeformen sind normalerweise Menschen vorbehalten. Hier wird einiges präsupponiert, das dem bisherigen Bild des Rindes als passives Objekt widerspricht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Tiere und Denkperspektiven: Das Kapitel führt in die sprachwissenschaftliche Perspektivität ein und beleuchtet das gesellschaftliche Spannungsfeld zwischen der Nutzung von Tieren als Lebensmittel und ihrer emotionalen Wahrnehmung.

2. Material und Methode: Hier werden die Auswahl des Fachmagazins als Korpus sowie die methodische Vorgehensweise der lexikalischen Analyse zur Untersuchung handlungsleitender Konzepte dargelegt.

3. Analyse: Dieser Teil belegt durch eine detaillierte Untersuchung der Lexik, wie das Rind je nach Kontext entweder als funktionales Objekt, genetischer Baukasten oder menschähnliche Schaudiva dargestellt wird.

4. Fazit: Konfligierende Sprachnormen?: Das Fazit fasst zusammen, dass die Sprache der Rinderzucht bewusst konfligierende Normen aufrechterhält, um das ethische Spannungsfeld zwischen der Arbeit mit Lebewesen und deren wirtschaftlicher Verwertung zu überbrücken.

5. Literatur: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur, die als theoretische Grundlage für die diskurslinguistische Untersuchung dient.

Schlüsselwörter

Rinderzucht, Sprachnormen, Diskursanalyse, Objektivierung, Vermenschlichung, Fachsprache, Funktionalität, genetischer Baukasten, Schaudiva, Lexem, Korpusanalyse, Nutzvieh, Wirtschaftsdenken, Diskursakteur, Wissensgenerierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Sprachnormen in der Rinderzucht anhand eines Fachmagazins und beleuchtet, wie sprachliche Begriffe dazu dienen, das Rind zwischen wirtschaftlichem Nutzen und emotionaler Bindung zu positionieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die sprachliche Objektivierung (das Rind als Produktionseinheit), die genetische Optimierung (das Rind als Baukasten) und die Vermenschlichung in Wettbewerbssituationen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, den Widerspruch zwischen der technisierten Sprache der Zucht und der Vermenschlichung der Tiere auf sprachlicher Ebene aufzudecken und zu zeigen, dass in der Zucht konfligierende Sprachnormen dauerhaft koexistieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine lexikalische Analyse sowie Ansätze der diskurslinguistischen Untersuchung (in Anlehnung an Felder und Gloy), um handlungsleitende Konzepte im Korpusmaterial zu identifizieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert das Paradigma des "Rindes" in drei analytische Kategorien: Das Rind als "funktionales Objekt", als "genetischer Baukasten" und schließlich als "Schaudiva", wobei die jeweiligen Wortbildungen und Begriffsverwendungen detailliert quantitativ und qualitativ ausgewertet werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Diskursanalyse, Sprachnormen, Objektivierung, Vermenschlichung und Funktionalität charakterisiert.

Warum spielt der Begriff "Schaudiva" eine so zentrale Rolle?

Der Begriff illustriert die Zuspitzung der Vermenschlichung bei Rinderschauen, wo den Tieren Charaktereigenschaften, Siegeswillen und Bewusstsein zugeschrieben werden, was den wirtschaftlichen Zweck der Zucht temporär überlagert.

Wie erklärt die Autorin den ständigen Wechsel der Sichtweisen?

Der Wechsel zwischen den Perspektiven (Objekt vs. Individuum) ist laut Autorin notwendig, um die Arbeit mit Lebewesen in der Zucht ethisch und wirtschaftlich zu rechtfertigen, ohne den Widerspruch vollständig auflösen zu müssen.

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Details

Title
Zwischen "Schaudiva" und "Fleischrind". Konfligierende Normen im Sprechen über Rinderzucht
College
University of Heidelberg
Grade
1,0
Author
Lisa Maria Koßmann (Author)
Publication Year
2014
Pages
23
Catalog Number
V412101
ISBN (eBook)
9783668634121
ISBN (Book)
9783668634138
Language
German
Tags
linguistik sprachnormen ekkehard felder konfligierende normen rinderzucht tiere und sprache
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lisa Maria Koßmann (Author), 2014, Zwischen "Schaudiva" und "Fleischrind". Konfligierende Normen im Sprechen über Rinderzucht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412101
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