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Zucht in Ordnung. Über die Allgegenwärtigkeit der Eugenik

Titre: Zucht in Ordnung. Über die Allgegenwärtigkeit der Eugenik

Thèse de Master , 2018 , 180 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Rainer Krottenthaler (Auteur)

Sociologie - Individu, Groupe, Société
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Das wahrscheinlich bekannteste, mit Sicherheit aber dunkelste Kapitel der Eugenik ist das der Zeit des Nationalsozialismus. Die Eugenik ist seither diskreditiert, die Eigenschaft "eugenisch" negativ besetzt. Die heute weit verbreitete Gleichsetzung von eugenischem Gedankengut und NS-Ideologie ist jedoch historisch falsch. Zwar lässt sich die Eugenik perfekt in das Weltbild der Nationalsozialisten integrieren (und vice versa), dennoch kann diese weder zeitlich noch geografisch noch ideologisch auf den Nationalsozialismus beschränkt werden. Dies aufzuzeigen ist Ziel der gegenständlichen Arbeit, die sich auf folgende drei Hypothesen stützt:

1. Zeitliche und räumliche Dimension: Eugenik ist weder ein spezifisch deutsches Phänomen noch ein Phänomen des Zeitraums zwischen 1933 und 1945. Sie existiert davor, sie existiert danach und man findet sie in unterschiedlichen Ausprägungen in nahezu allen Industrieländern.

2. Ideologische Dimension: Die deutsche Rassenhygiene geht mit dem Nationalsozialismus zwar eine perfekte Symbiose ein, dennoch ist es falsch, sie ideologisch darauf zu reduzieren. Auch zu anderen Weltanschauungen lassen sich Anknüpfungspunkte finden.

3. Aktuelle Dimension: Eugenik ist kein Phänomen der Vergangenheit. Sie existiert, wenn auch in veränderter Form, noch immer und berührt zahlreiche aktuelle Fragen. Dies wird an Hand des Beispiels der der medizinisch unterstützten Fortpflanzung aufgezeigt.

Im ersten Kapitel werden zunächst Begriff, Wesen, Formen sowie die wichtigsten Vertreter der Eugenik vorgestellt und ein kurzer Überblick zu ihrer Geschichte gegeben. Im Anschluss daran, wird jede dieser drei Thesen einer kritischen Prüfung unterzogen und auf ihren Wahrheitsgehalt hin untersucht.

Dass eugenische Fragestellungen nichts von ihrer Aktualität verloren haben, zeigt sich an aktuellen Debatten zu Gentechnik, Stammzellenforschung, Euthanasie oder der von Thilo Sarrazin angestoßenen Kontroverse zum Thema Migration. Die Arbeit möchte einen Beitrag leisten, die persönliche Einstellung des Lesers / der Leserin zu diesem kontroversen Thema zu qualifizieren und die Debatte von der ideologisierten Ebene auf die Sachebene zu verlagern.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Grundlagen der Eugenik

1.1. Begriff, Ziel und Wesen der Eugenik

1.2. Formen der Eugenik

1.3. Wegbereiter der Eugenik

1.4. Vater der Eugenik

1.5. Geschichte der Eugenik

2. Zeitliche und räumliche Dimension der Eugenik

2.1. Eugenik in Deutschland vor 1933

2.2. Eugenik in Deutschland nach 1945

2.3. Eugenik in Österreich

2.4. Eugenik in der Schweiz

2.5. Eugenik in Großbritannien

2.6. Eugenik in Italien

2.7. Eugenik in Skandinavien

2.8. Eugenik in den USA

2.9. Eugenik in der Sowjetunion

3. Ideologische Dimension der Eugenik

3.1. Sozialistische Eugenik

3.2. Feministische Eugenik

3.3. Katholische Eugenik

4. Aktuelle Dimension der Eugenik

4.1. Reproduktionsmedizin

4.2. Samenspende

4.3. Leihmutterschaft

4.4. IVF und ICSI

4.5. Eizellspende

4.6. Tragemutterschaft

4.7. Präimplantationsdiagnostik

4.8. Pränatale Diagnostik

4.9. Reproduktionsmedizin und Gesellschaft

4.10. Wie eugenisch ist die Reproduktionsmedizin?

Fazit

Autor

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit zielt darauf ab, aufzuzeigen, dass Eugenik nicht auf den Nationalsozialismus beschränkt ist, sondern zeitlich, räumlich und ideologisch weit darüber hinausreicht. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwiefern eugenisches Gedankengut auch jenseits der NS-Ideologie existierte und in welchen veränderten Formen es bis in die heutige Zeit, insbesondere in der modernen Reproduktionsmedizin, fortbesteht.

  • Historische Entwicklung und Verbreitung der Eugenik
  • Zeitliche und räumliche Dimensionen eugenischer Konzepte
  • Eugenische Anschlusspunkte in Sozialismus, Feminismus und Katholizismus
  • Aktuelle eugenische Aspekte in der Reproduktionsmedizin (IVF, PID, Pränataldiagnostik)
  • Diskurs um Selektion, Normierung und die Rolle der Biomacht

Auszug aus dem Buch

1.1. Begriff, Ziel und Wesen der Eugenik

Motor der Evolution sind Genmutationen sowie die Mischung der elterlichen Erbanlagen durch geschlechtliche Fortpflanzung. Charles Darwin beschreibt das Prinzip der Selektion als natürlichen Mechanismus evolutionärer Entwicklung, weiß aber noch nichts über die physiologischen Prozesse, die eine Anpassung bewirken und wie sich diese Anpassung über Generationen verfestigt. Die Evolutionslehre ist somit nur ein Postulat einer steten Weiterentwicklung, wobei „weiter“ nicht normativ im Sinne von „besser“, sondern nur im Sinne von „besser angepasst“ zu verstehen ist. Die Maxime der Evolution ist Opportunismus und der Gradmesser für das Überleben einer Spezies ist deren Fitness iSe optimalen Anpassung an die jeweiligen Gegebenheiten.

Im Unterschied zur Evolutionstheorie ist die Eugenik normativ. Sie will den Auswahlprozess nicht dem natürlichen Trial-and-error-Prinzip überlassen, sondern bewusst gestalten. Der normative Charakter zeigt sich schon im Begriff selbst: Eugenik bedeutet wörtlich übersetzt „gut Erzeugtes“. Ihr Begründer Francis Galton definiert sie als „die Wissenschaft, die sich mit den Einflüssen befasst, welche die angeborenen Eigenschaften einer Rasse verbessern und welche diese Eigenschaften zum größtmöglichen Vorteil der Gesamtheit zur Entfaltung bringen.“ Eugenik will demnach sowohl das Leben des einzelnen als auch das der Gesellschaft kontrollieren, das Fortpflanzungsverhalten Generationen übergreifend rationalisieren und die Bevölkerung dadurch optimieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Grundlagen der Eugenik: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Fundamente, den Begriff und die Geschichte der Eugenik, wobei insbesondere die Rolle von Francis Galton als Wegbereiter beleuchtet wird.

2. Zeitliche und räumliche Dimension der Eugenik: Das Kapitel analysiert die internationale Ausbreitung eugenischer Bewegungen in verschiedenen Ländern und Epochen, um die Beschränkung auf den Nationalsozialismus zu widerlegen.

3. Ideologische Dimension der Eugenik: Hier werden die Anschlusspunkte eugenischen Denkens an den Sozialismus, Feminismus und Katholizismus untersucht, um die ideologische Vielfalt der Eugenik darzustellen.

4. Aktuelle Dimension der Eugenik: Der Hauptteil setzt sich kritisch mit der modernen Reproduktionsmedizin auseinander und prüft, inwiefern Verfahren wie IVF, PID und pränatale Diagnostik als neue, technisch unterstützte Formen der Eugenik zu werten sind.

Schlüsselwörter

Eugenik, Rassenhygiene, Reproduktionsmedizin, Evolution, Selektion, Sozialdarwinismus, pränatale Diagnostik, Humangenetik, Biomacht, Familienplanung, Erbgesundheit, Sozialhygiene, Sterilisation, Genetik, Degeneration

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische, ideologische und aktuelle Ausprägung eugenischer Bestrebungen und zeigt auf, dass diese weit über den Nationalsozialismus hinausreichen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Eugenik, ihre räumliche Verbreitung, die Verknüpfung mit politischen Weltanschauungen und ihre moderne Anwendung in der medizinisch unterstützten Fortpflanzung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Fehlannahme einer ausschließlichen NS-Beschränktheit der Eugenik zu widerlegen und ihre andauernde Aktualität in heutigen gesellschaftlichen und medizinischen Debatten aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer diskursgeschichtlichen und ideologiekritischen Analyse, die sich auf ein breites Quellenstudium (wissenschaftliche Literatur, Gesetze, Enzykliken, Zeitgenössische Diskurse) stützt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die zeitliche, räumliche und ideologische Dimension der Eugenik und diskutiert kritisch moderne reproduktionsmedizinische Verfahren auf ihre eugenische Relevanz.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Eugenik, Rassenhygiene, Reproduktionsmedizin, Selektion, Biomacht und Humangenetik geprägt.

Inwiefern ist Eugenik heute noch relevant?

Die Arbeit zeigt, dass eugenisches Denken durch neue Technologien wie PID und PND in veränderter Form fortbesteht, indem Leben nach Kriterien von Wert und Nutzen optimiert werden soll.

Wie unterscheidet sich die "alte" von der "neuen" Eugenik laut dieser Untersuchung?

Während die "alte" Eugenik oft staatlich gelenkt, rassistisch und bevölkerungspolitisch ausgerichtet war, zeichnet sich die "neue" Eugenik durch Freiwilligkeit, Individualisierung und einen medizinisch-technologischen Fokus aus.

Welche Rolle spielt die Reproduktionsmedizin in diesem Kontext?

Die Reproduktionsmedizin fungiert als moderne Sozialtechnologie, die, legitimiert durch den Wunsch nach einem "Wunschkind", Selektionsprozesse ermöglicht, die eugenischen Motiven der Vergangenheit ähneln.

Fin de l'extrait de 180 pages  - haut de page

Résumé des informations

Titre
Zucht in Ordnung. Über die Allgegenwärtigkeit der Eugenik
Université
University of Linz  (Institut für Gesellschafts- und Sozialpolitik)
Note
1,0
Auteur
Rainer Krottenthaler (Auteur)
Année de publication
2018
Pages
180
N° de catalogue
V412506
ISBN (ebook)
9783668640221
ISBN (Livre)
9783668640238
Langue
allemand
mots-clé
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Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Rainer Krottenthaler (Auteur), 2018, Zucht in Ordnung. Über die Allgegenwärtigkeit der Eugenik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412506
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