Psychische Belastung beruflich Pflegender im Umgang mit demenziell erkrankten Patientinnen und Patienten


Hausarbeit, 2017
38 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Problemstellung mit Forschungsfrage

3 Methodik

4 Durchführung

5 Ergebnisse
5.1 Demenz
5.1.1 Alzheimer-Demenz
5.1.2 Vaskuläre Demenz
5.1.3 Frontotemporale Demenz
5.1.4 Lewy-Körperchen Demenz
5.2 Indikatoren für psychische Belastung
5.2.1 Entwicklung des Pflegebedarfs
5.2.2 Psychische Belastung als Grund für eine Arbeitsunfähigkeit
5.3 Gründe für psychische Belastung
5.3.1 Mangelnde fachliche Kompetenz
5.3.2 Institutionalisierung des Sterbens
5.4 Allgemeine Präventionsmöglichkeiten für beruflich Pflegende
5.5 Präventionsmöglichkeiten für beruflich Pflegende im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements

6 Diskussion

7 Zusammenfassung

8 Ausblick

9 Anhang

10 Quellenverzeichnis
10.1 Literaturverzeichnis
10.2 Internetquellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Schritte der systematischen Literaturrecherche

Tabelle 2: Prävalenzrate von Demenzen nach Alter und Geschlecht

Tabelle 3: Altersspezifische Prävalenz vaskulärer Demenzen

Tabelle 4: Klinische Unterformen der FTLD

Tabelle 5: Methoden des Anti-Stress-Trainings

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Häufigkeit der Demenzformen

Abbildung 2: Versorgung von Pflegebedürftigen.

Abbildung 3: Bedarfs- und Angebotsentwicklung an Pflegepersonal

Abbildung 4: Anstieg der AU-Tage aufgrund von psychischer Störungen bzw. Verhaltensstörungen.

Abbildung 5: AU-Tage aufgrund von psychischen Störungen nach Wirtschaftsgruppen

Abbildung 6: Ausmaß der Belastungen durch Sterben, Tod und Trauer in der stationären Pflege.

Abbildung 7: Trainingsbausteine des Programms

1 Einleitung

Im Rahmen des Moduls Wissenschaftliches Arbeiten im Studiengang Interprofessionelle Gesundheitsversorgung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heidenheim soll ein Reflexionsbericht zu einem pflegerelevanten Thema verfasst werden. Hierbei wird die Thematik der psychischen Belastung beruflich Pflegender im Umgang mit demenziell erkrankten Patientinnen und Patienten, sowie Präventionsmöglichkeiten hierfür behandelt. Die Zahl der Neuerkrankung an Demenz nimmt jährlich um ca. 40.000 zu.[1] Dies lässt sich vor allem durch die verbesserte medizinische Versorgung und die daraus resultierende höhere Lebenserwartung erklären.[2] Diese steigende Zahl an Neuerkrankungen geht auch mit einem erhöhten Pflegebedarf dieser Patientinnen und Patienten einher.[3] Hört man sich in den eigenen Reihen um, so wird sehr schnell deutlich, dass vor allem die psychische Belastung beruflich Pflegender im Umgang mit Demenzerkrankten zugenommen hat. Gründe dafür sind vor allem inadäquate Arbeitsbedingungen und das oft herausfordernde Verhalten demenziell erkrankter Patientinnen und Patienten.[4] Von Seiten der Arbeitgeber werden den besonderen psychischen Belastungen dieser Pflegekräfte oft nur sehr wenig Bedeutung zugeschrieben.[5] Es besteht ein großer Bedarf nach einer Sensibilisierung der Arbeitgeber auf das bestehende Problem, sowie nach der Entwicklung und Etablierung präventiver Maßnahmen hierfür. Um eine psychischen Überbelastung von beruflich Pflegenden im Umgang mit demenziell erkrankten Patientinnen und Patienten vorzubeugen und präventive Maßnahmen zu entwickeln, ist vor allem die umfassende Kenntnis der Faktoren wichtig, die zu der steigenden psychischen Belastung dieser Berufsgruppe beitragen. Im Rahmen dieser Arbeit sollen umfassend Faktoren und Gründe für psychische Belastungen ermittelt werden, sowie Präventionsmöglichkeiten die beruflich Pflegende selbstständig umsetzen können und Möglichkeiten zur betrieblichen Gesundheitsförderung, welche explizit die psychische Belastung beruflich Pflegender im Umgang mit Demenzerkrankten ansprechen, aufgezeigt werden.

2 Problemstellung mit Forschungsfrage

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSJF) meldete 2010, dass von 2,25 Millionen pflegebedürftigen Personen in Deutschland 1,3 Millionen an einer Demenz erkrankt sind.[6] Dies sind über 57 Prozent aller pflegebedürftigen Menschen in Deutschland. Bei der Betrachtung dieser Zahlen wird sehr deutlich, dass die Demenz eine sehr relevante Rolle in Bezug auf die Pflegebedürftigkeit hat. Das BMFSFJ prognostizierte zudem, dass sich die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen bis zum Jahr 2050 verdoppeln werde, wenn der Stand der Forschung bezüglich der Prävention und Therapie auf dem bisherigen Stand bliebe.[7] Während der Beanspruchung und Belastung pflegender Angehörige viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, werden die psychischen Belastungen beruflich Pflegender bezüglich dieser Thematik eher außer Acht gelassen. Jedoch sollten diese nicht vernachlässigt werden. Zwar werden lediglich ein Viertel der demenziell erkrankten Personen vollstationär in pflegerischen Einrichtungen versorgt[8], jedoch sollte die Beanspruchung der Pflegenden aufgrund unterschiedlichster Faktoren, wie beispielsweise einer vielfältigen herausfordernden Symptomatik der demenziellen Erkrankten, nicht unterschätzt werden.[9] Es stellt sich somit die Frage, welche Gründe gibt es für die psychische Belastung beruflich Pflegender im Umgang mit demenziell erkrankten Patientinnen und Patienten, und welche Präventionsmöglichkeiten gibt es hierfür für die Betroffenen selbst, als auch im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung? Im Rahmen dieses Reflexionsberichtes soll das Krankheitsbild der Demenz und verschiedenen Formen des Krankheitsbildes erläutert werden, zudem sollen die in der Forschungsfrage aufgeführten Komponenten ausgearbeitet werden.

3 Methodik

Aufgrund der Rahmenbedingungen und demzufolge der vorgegebenen begrenzten Seitenzahl[10] wurde eine systematische Literaturrecherche mit anschließender -analyse durchgeführt, um die Forschungsfrage „Welche Gründe gibt es für die psychische Belastung beruflich Pflegender im Umgang mit demenziell erkrankten Patientinnen und Patienten, und welche Präventionsmöglichkeiten gibt es hierfür für die Betroffenen selbst, als auch im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements?“ zu beantworten.

4 Durchführung

Die systematische Literaturrecherche dient dazu, um systematische Verzerrungen - auch Bias genannt – frühzeitig zu erkennen. Die systematische Literaturrecherche umfasst insgesamt acht Schritte (siehe Tab. 1, S. 3).[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Schritte der systematischen Literaturrecherche.[12]

Nachdem die Fragestellung sowohl mit der wissenschaftlichen Betreuung, als auch mit der fachlichen Betreuung festgelegt wurde, wurde zunächst im online zugänglichen Bibliothekskatalog der DHBW Heidenheim nach passender Literatur gesucht. Zunächst wurde nach den Stichwörtern „Pflege psychische Belastung“ gesucht. Hierbei gab es allerdings einen sehr geringen Erfolg, sodass weitere Stichwörter wie „Betriebliches Gesundheitsmanagement Pflege“ eingegeben wurden. Diese Suche war erfolgreicher, sodass die Literatur ausgewählt und gesichtet wurde.

Zudem wurde auch auf Google Scholar nach passender Literatur recherchiert. Es wurden Stichwörter wie „Psychische Belastung im Umgang mit Demenz“, „Prävention psychischer Belastungen in der Pflege“ sowie „Umgang Demenz Belastung“ eingegeben. Diese Suche war ebenfalls sehr erfolgreich, jedoch ergab sich hierbei die Problematik, dass konkret zur psychischen Belastung beruflich Pflegender im Umgang mit Demenzerkrankten sehr wenig Literatur vorhanden ist. Es gibt hingegen sehr viel Literatur zu der psychischen Belastung pflegender Angehörigen, jedoch wurde diese Literatur aus der Recherche ausgeschlossen, da diese nicht das Thema der Forschungsfrage auffasst. Abschließend wurde noch auf der Internetseite der Deutschen Alzheimer Gesellschaft nach konkreter Information zum Krankheitsbild Demenz gesucht. Nach der ersten Recherche erfolgte eine erneute, konkretere Suche im Springer Online Portal. Hierbei wurde explizit nach „Demenz“, „Vaskuläre Demenz“, „Frontotemporale Demenz“ und „Lewy-Körperchen-Demenz“ gesucht. Hierbei wurden mehrere Artikel aus Fachzeitschriften gefunden. Nach der erfolgreichen Recherche wurde die Literatur gesichtet, kritisch gelesen und überprüft, ob es um Sekundärliteratur handele. War dies der Fall, so wurde nach der Primärliteratur recherchiert. Zuletzt wurde die Recherche dokumentiert.

5 Ergebnisse

Im Folgenden werden die Ergebnisse dargestellt, welche zur Beantwortung der Forschungsfrage „Welche Gründe gibt es für die psychische Belastung beruflich Pflegender im Umgang mit demenziell erkrankten Patientinnen und Patienten, und welche Präventionsmöglichkeiten gibt es hierfür für die Betroffenen selbst, als auch im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung?“ beitragen. Um etwaige Unklarheiten über den Begriff Demenz und die damit verbundenen Inhalte aufzuklären, wird zunächst auf diese näher eingegangen.

5.1 Demenz

Spricht man von Demenz, so ist ein Zustand gemeint, bei welchem die Erkrankten - meist im Verlauf mehrerer Jahre – ihre intellektuellen Fähigkeiten verlieren und somit in den Aktivitäten des täglichen Lebens beeinträchtigt sind.[13] Die Demenzerkrankung hat verschiedenste Ursachen, daher wird sie in unterschiedliche Formen aufgeteilt. Die relevantesten sind hierbei die Alzheimer-Demenz, die vaskuläre Demenz, die frontotemporale Demenz, sowie die Lewy-Körperchen Demenz. Nahezu 72% der Demenzerkrankten leiden, laut der EURODEM-Studie der Rotterdamer Erasmus-Universität, unter der Alzheimer-Demenz. Die vaskuläre Demenz ist mit 16 Prozent die zweithäufigste Form der Demenz. Die Lewy-Körperchen Demenz und die frontotemporale Demenz werden innerhalb dieser Studie mit weiteren Demenzformen zusammengefasst. Hiervon sind lediglich 12 Prozent der demenziell erkrankten Menschen betroffen (siehe Abb. 1, S. 5).[14] Trotz der unterschiedlichen Ursachen, liegt bei den verschiedenen Formen eine ähnliche Symptomatik vor.[15] Zu Beginn der Erkrankung neigen die Betroffenen zunächst zu Vergesslichkeit. Daraus ist zu schließen, dass im Anfangsstadium der Erkrankung vor allem das Kurzzeitgedächtnis betroffen ist. Zudem ist es sehr häufig, dass es zu einer Verminderung der Konzentrationsleistung der Erkrankten kommt.[16] Im Verlauf der Erkrankung nehmen vor allem die Verhaltensstörungen, wie beispielsweise ein Bewegungsdrang, sich-wiederholende Bewegungen oder auch das Sammeln verschiedenster Dinge zu.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Häufigkeit der Demenzformen.[17]

Aber auch das Sexualverhalten kann sich im Zuge dessen verändern. So ist etwa eine enorme Steigerung oder ein Erlöschen des Sexualtriebes möglich. Neben den eben genannten Verhaltensstörungen nehmen auch die Gedächtnisstörungen im Verlauf der Erkrankung zu. Das bedeutet, dass bei der Weiterentwicklung der Krankheit, neben dem Kurzeitgedächtnis auch das Langzeitgedächtnis betroffen sein wird. Im Zuge der Demenzerkrankung kommt es auch zu einer Verminderung des Denk- und Urteilsvermögens. Dies wirkt sich in einem solchen Ausmaß aus, dass die Erkrankten nicht mehr in der Lage sind auf banale Fragen wie beispielsweise „Haben Sie Hunger?“ antworten zu können, da sie den Inhalt der Frage nicht mehr verarbeiten können. Besonders demenziell erkrankte Menschen neigen zu psychischen Störungen. Diese werden unter dem Begriff behavioral and psychological symptoms of dementia – kurz BPSD – zusammengefasst. Unter den BPSD wird jegliche Symptomatik verstanden, welche von Laien, aber auch von professionell Pflegenden als herausforderndes Verhalten betitelt wird. Doch was zählt zu diesem herausfordernden Verhalten? Hierunter fallen jegliche affektiven Störungen.[18] Affektive Störungen werden nach der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10 - kurz ICD-10 – als Störungen beschrieben, „(…) deren Hauptsymptome in einer Veränderung der Stimmung oder der Affektivität entweder zur Depression - mit oder ohne begleitende(r) Angst - oder zur gehobenen Stimmung bestehen. Dieser Stimmungswechsel wird meist von einer Veränderung des allgemeinen Aktivitätsniveaus begleitet.“[19] Speziell auf das Krankheitsbild der Demenz übertragen, bedeutet dies, dass die Erkrankten sehr plötzlich Aggressionen gegen sich selbst als Person oder gegenüber andere Personen, wie beispielsweise Angehörige oder Pflegepersonen, entwickeln und auch äußern.[20] Inwiefern sich dieses herausfordernde Verhalten auf eine professionell pflegende Person auswirkt wird in Kapitel 5.3.2 expliziter erläutert. Oftmals entwickeln demenziell erkrankte Personen zusätzlich Angststörungen. Diese entstehen meist aufgrund einer existenziell bedrohlichen Erfahrung aus ihrer Vergangenheit, wie beispielsweise das Miterleben eines Weltkrieges. Neben den eben genannten psychischen Störungen können zudem auch Antriebsstörungen und körperliche Symptome auftreten. Besonders die körperlichen Symptome nehmen im Verlauf der Erkrankung zu, werden aber auch bereits im frühen Stadium von den Betroffenen als sehr belastend erlebt. Zu diesen körperlichen Störungen zählen Schlafstörungen, Bewegungseinschränkungen, Sensibilitätsveränderungen, Harn- und Stuhlinkontinenz, sowie Dysphagien.[21] Das Spektrum der körperlichen Symptome ist immens groß. Da diese jedoch nicht der Hauptinhalt der Arbeit sein sollen, wurde sich auf die relevantesten beschränkt.

5.1.1 Alzheimer-Demenz

Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Demenz.[22] Sie wird auch als „Demenz vom Alzheimer-Typ, kurz DAT“[23] bezeichnet. Namensgeber ist der deutsche Neurologe Alois Alzheimer, welcher 1906 erstmals das Krankheitsbild der DAT beschrieben hat.[24] Was tatsächlich die Ursache der DAT ist, ist bisher weitestgehend ungeklärt, jedoch haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die DAT auch erblich bedingt auftreten kann. Hierbei handelt es sich um eine dominante Vererbung eines Gens, welches bereits für die Entstehung der Erkrankung ausreicht. Der aktuelle Stand der Forschung ist, dass bisher drei Gene identifiziert werden konnten, welche für die Krankheitsentstehung verantwortlich sein können.[25] Neben dieser bereits festgestellten Ursache, gibt es mehrere Risikofaktoren, welche eine DAT begünstigen können. Vor allem das zunehmende Alter gilt als ein großer Risikofaktor.[26] Dies bestätigt auch eine Studie von Alzheimer Europe im Zusammenschluss der European Collaboration on Dementia (EuroCoDe). Hierbei handelt es sich um eine europäische Feldstudie, welche die Prävalenzrate von Demenzen alters- und geschlechtsspezifisch in Europa erforscht hat. Innerhalb dieser Studie wurde festgestellt, dass mit zunehmenden Alter die Prävalenzrate massiv bei beiden Geschlechtern zunimmt (siehe Tab. 2, S. 8).[27]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Prävalenzrate von Demenzen nach Alter und Geschlecht.[28]

Diese Studie bestätigt somit die Annahme, dass das zunehmende Alter einer der relevantesten Risikofaktoren für die Entwicklung einer DAT ist. Doch nicht nur das Alter ist ein Risikofaktor. Wissenschaftler nennen auch ein erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen bei dem Betroffenen, ein niedriges Bildungsniveau, langjährigen Alkoholabusus und neurologische Erkrankungen, Schädel-Hirn-Traumen und andere Erkrankungen wie beispielsweise Morbus Parkinson als mögliche Komponenten, die eine DAT begünstigen können.[29] Doch wie unterscheidet sich die DAT von anderen Demenzformen? Der entscheidende Punkt liegt in der Pathologie. Zunächst wird die makroskopische Klinik betrachtet. Bei einer DAT ist ein fortschreitendes Schrumpfen des Gehirns - also eine diffuse Hirnatrophie - festzustellen. Außerdem entstehen vertiefte Windungsfurchen an der Hirnoberfläche und erweiterte Hirnkammern. Erklären kann man sich dies durch einen fortschreitenden Verlust von Nervenzellen. Eine ähnliche Pathologie in der makroskopischen Klinik ist lediglich bei einer Lewy-Körperchen Demenz festzustellen.[30] Auf diese wird in Kapitel 5.1.4 näher eingegangen. Neben den makroskopischen Veränderungen lassen sich auch mikroskopische Veränderungen bei der DAT feststellen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass beim Verlust der Nervenzellen abnorm veränderte Eiweißbruchstücke gebildet werden. Diese lagern sich im Gehirn des Erkrankten ab – man bezeichnet dies als Neurofibrinbündel.

Diese Neurofibrinbündel bestehen vor allem aus Tau-Proteinen, welche zwar ein herkömmlicher Bestandteil des menschlichen Zellskeletts sind, jedoch bei DAT Erkrankten verhältnismäßig stark mit Phosphat beladen sind. Aufgrund dieser Tatsache kommt es zu verschiedenen Störungen hinsichtlich verschiedenster Prozesse. Dies führt letztendlich zum Absterben der betroffenen Nervenzelle. Jedoch ist dies nicht der einzige Vorgang der bei der DAT innerhalb der mikroskopischen Klinik beschrieben werden kann. Charakteristisch für die DAT sind Eiweißablagerungen bzw. Plaques, welche zwischen den Nervenzellen gefunden wurden.[31] Da diese Plaques aus einem Amyloid-Kern bestehen, werden diese auch als Amyloid-Plaques bezeichnet.[32] Aufgrund dieser Amyloid-Plaques kommt es zu einer gestörten Versorgung mit Sauerstoff und Energie des Gehirns.[33] Ob bei einem demenziell erkrankten Menschen tatsächlich eine DAT vorlag, kann jedoch erst nach dem Tod dieser Person endgültig und sicher diagnostiziert werden. Hierbei wird das Hirngewebe mikroskopisch auf etwaige Veränderungen untersucht.[34] Die Symptomatik liegt bei einer DAT, wie in Kapitel 5.1 beschrieben vor.

5.1.2 Vaskuläre Demenz

Die vaskuläre Demenz (abgekürzt VAD) folgt, wie bereits in Kapitel 5.1 erwähnt, der DAT in ihrer Häufigkeit. Ähnlich zu der DAT, erhöht sich auch bei der VAD die Prävalenz mit zunehmenden Alter (siehe Tab. 3, S. 10). Somit spielt auch das Alter bei der VAD eine tragende Rolle, wenn die Risikofaktoren hierfür geklärt werden sollen. Im Grunde können die Risikofaktoren für eine VAD mit denen anderer vaskulärer Erkrankungen, wie beispielsweise einem Apoplex, verglichen werden. So sind Diabetes mellitus, Herzrhythmusstörungen, Hypertonie und Arteriosklerose begünstigende Faktoren.[35] Somit unterscheiden sich hier die Risikofaktoren grundlegend von denen der DAT. Zudem ist die Ursache für das Entstehen der Demenz bei der VAD weitestgehend geklärt. Dies ist wie bereits erwähnt bei der DAT nicht der Fall.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 3: Altersspezifische Prävalenz vaskulärer Demenzen.[36]

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die VAD durch hypoxisch-ischämische Hirnläsionen verursacht wird.[37] Der neurologische Abbau entsteht somit vor allem durch multiple Infarkte im Gehirn der Betroffenen, welche durch Thrombosen, Blutungen, Embolien oder weiteren ischämieauslösenden Ereignissen entstehen.[38] Aufgrund dessen wird die VAD auch als Multi-Infarkt-Demenz bezeichnet. Somit stehen die VAD und ein bereits erfahrener Apoplex oder eine transitorische ischämische Attacke (TIA) in sehr starker Verbindung, da die Symptome einer VAD meist plötzlich nach dem Auftreten eines Apoplexes oder einer TIA beginnen.[39] Symptomatisch lässt sich die VAD von der DAT in wenigen Bereichen abgrenzen. Vor allem die motorische Kontrolle und die Sprache der Betroffenen ist bei der Multi-Infarkt-Demenz immens gestört.[40] So kann es neben der grundsätzlich bekannten Symptomatik einer Demenz (siehe Kapitel 5.1.2) zu Lähmungen, aber auch zu Aphasien kommen.[41] Zudem sind bei den Betroffenen oftmals die visuell-räumlichen Fähigkeiten und das Abstraktionsvermögen eingeschränkt.[42]

[...]


[1] Vgl.: https://www.deutsche-alzheimer.de/ueber-uns/aktuelles/artikelansicht/artikel/die-zahl-der-demenzkranken-steigt-jaehrlich-um-40000.html (abgerufen am: 05.07.2017).

[2] Vgl.: http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2015-08/demenz-alzheimer-erkrankung-heilung (abgerufen am: 05.07.2017).

[3] Vgl.: Sonntag, K. / von Reibnitz, Ch. (2014), S. 11.

[4] Vgl.: Misch, F. (2013), S. 15-17.

[5] Vgl.: Glaser, J. / Höger, Th. (2005), S. 7.

[6] Vgl.: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/neues-internetportal--wegweiser-demenz--online/77932?view=DEFAULT (abgerufen am: 20.08.2017).

[7] Vgl.: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/neues-internetportal--wegweiser-demenz--online/77932?view=DEFAULT (abgerufen am: 20.08.2017).

[8] Vgl.: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Gesundheit/Pflege/PflegeDeutschlandergebnisse5224001159004.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am: 12.09.2017).

[9] Vgl.: Misch, F. (2013), S. 14.

[10] Vgl. Duale Hochschule Baden-Württemberg (2015): Studien- und Prüfungsordnung für die Bachelorstudiengänge im Studienbereich Sozialwesen der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) (Studien- und Prüfungsordnung DHBW Sozialwesen - StuPrO DHBW Sozialwesen), S. 18.

[11] Vgl.: http://www.cochrane.de/sites/cochrane.de/files/public/uploads/20130517_Manual_Literaturrecherche_Final-1.pdf (abgerufen am: 15.09.2017).

[12] In Anlehnung an: http://www.cochrane.de/sites/cochrane.de/files/public/uploads/20130517_Manual_Literaturrecherche_Final-1.pdf (abgerufen am: 15.09.2017).

[13] Vgl.: Bernd H. / Kastner, U. (2013), S.11.

[14] Vgl.: Abt-Zegelin, A. / Tackenberg, P. (2008), S. 24f.

[15] Vgl.: Bernd H. / Kastner, U. (2013), S.11.

[16] Vgl.: https://www.wegweiser-demenz.de/informationen/medizinischer-hintergrund-demenz/demenz-symptome-und-verlauf.html (abgerufen am: 24.08.2017).

[17] Enthalten in: Abt-Zegelin, A. / Tackenberg, P. (2008), S. 25.

[18] Vgl.: Bernd H. / Kastner, U. (2013), S.11-15.

[19] http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-who/index.htm (abgerufen am: 30.08.2017).

[20] Vgl.: Bernd H. / Kastner, U. (2013), S.14.

[21] Vgl.: Bernd H. / Kastner, U. (2013), S. 15.

[22] Vgl.: Bernd H. / Kastner, U. (2013), S. 19.

[23] Bernd H. / Kastner, U. (2013), S. 15.

[24] Vgl.: https://www.deutsche-alzheimer.de/die-krankheit/die-alzheimer-krankheit.html (abgerufen am: 10.08.2017).

[25] Vgl.: https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/FactSheet04.pdf (abgerufen am: 11.08.2017).

[26] Vgl.: Bernd H. / Kastner, U. (2013), S. 19.

[27] Vgl.: http://www.alzheimer-europe.org/EN/Research/European-Collaboration-on-Dementia/Prevalence-of-dementia/Prevalence-of-dementia-in-Europe (abgerufen am: 20.08.2017).

[28] In Anlehnung an: http://www.alzheimer-europe.org/EN/Research/European-Collaboration-on-Dementia/Prevalence-of-dementia/Prevalence-of-dementia-in-Europe (abgerufen am: 20.08.2017).

[29] Vgl.: Bernd H. / Kastner, U. (2013), S. 19.

[30] Vgl.: https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/FactSheet02_01.pdf (abgerufen am: 20.08.2017).

[31] Vgl.: https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/FactSheet02_01.pdf (abgerufen am: 20.08.2017).

[32] Vgl.: https://www.deutsche-alzheimer.de/die-krankheit/die-alzheimer-krankheit.html (abgerufen am: 10.08.2017).

[33] Vgl.: https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/FactSheet02_01.pdf (abgerufen am: 20.08.2017).

[34] Vgl.: Bernd H. / Kastner, U. (2013), S. 19.

[35] Vgl.: https://www.wegweiser-demenz.de/informationen/medizinischer-hintergrund-demenz/weitere-demenzformen/vaskulaere-demenz.html (abgerufen am: 01.09.2017).

[36] In Anlehnung an: Lobo et al. (2000). S. 4-9.

[37] Vgl.: https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00115-002-1317-0?LI=true (abgerufen am: 01.09.2017).

[38] Vgl.: Bernd H. / Kastner, U. (2013), S. 20.

[39] Vgl.: Grond, E. (2005), S.31.

[40] Vgl.: Bernd H. / Kastner, U. (2013), S. 20.

[41] Vgl.: Grond, E. (2005), S.31.

[42] Vgl.: Bernd H. / Kastner, U. (2013), S. 20.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Psychische Belastung beruflich Pflegender im Umgang mit demenziell erkrankten Patientinnen und Patienten
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg Heidenheim, früher: Berufsakademie Heidenheim
Note
1,2
Autor
Jahr
2017
Seiten
38
Katalognummer
V412664
ISBN (eBook)
9783668637573
ISBN (Buch)
9783668637580
Dateigröße
1145 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demenz, PsychischeBelastung
Arbeit zitieren
Henriette Jahn (Autor), 2017, Psychische Belastung beruflich Pflegender im Umgang mit demenziell erkrankten Patientinnen und Patienten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/412664

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