„One of my great ambitions before I die is to fly in an aircraft that is on an airline’s balance sheet.” Dieser oft zitierte Satz stammt vom ehemaligen Chairman des IASB Sir David Tweedie und beschreibt recht anschaulich die Probleme, die mit dem IAS 17 einhergehen.
Im derzeit geltenden Standard (IAS 17) besteht ein Gebot zur Klassifizierung von Leasingverhältnissen nach Finance Leasing und Operating Leasing. Die damit verbundene und auch komplexe Einordnungsregelung, gibt dem Bilanzierenden hohe Ermessensspielräume. Durch die individuellen Vertragsausgestaltungen werden Leasingverhältnisse beim Leasingnehmer in der Praxis meist als Operating Leasing behandelt. Diese werden weder als Vermögenswerte noch als zukünftige Verbindlichkeiten in der Bilanz erfasst. Dies führt folglich zu einer Verzerrung der Bilanz sowie der VFE-Lage für Abschlussadressaten, sodass entscheidungsrelevante Tatsachen ggf. nur schwer vermittelt würden.
Die genannte Problematik haben das International Accounting Standards Board (IASB) nach langer Zeit der Reformbestrebungen sowie Kontroversen im Januar 2016 zur Verabschiedung des neuen Leasingbilanzierungsstandards IFRS 16 bewogen. Dieser wird den bisher geltenden und oft kritisch behafteten Standard IAS 17 ersetzen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 Grundlagen und Definition des Leasingbegriffs
1.2 Problemstellung
1.3 Vorgehensweise und Zielsetzung
2 BISHERIGE BILANZIERUNG DES LEASINGS NACH IAS 17
2.1 Definition und Identifizierung von Leasingverhältnissen
2.2 Klassifizierung von Leasingverhältnissen
2.3 Bilanzierung
2.4 Leasingnehmer
2.4.1 Finance Leasing
2.4.2 Operating Leasing
2.5 Leasinggeber
2.5.1 Finance Leasing
2.5.2 Operating Leasing
2.6 Kritikpunkte und Reformbestreben
2.6.1 Bilanzpolitik
2.6.2 Kritik und Notwendigkeit zur Reform
3 NEUE LEASINGBILANZIERUNG NACH IFRS 16
3.1 Entwicklung des neuen Standards IFRS 16
3.1.1 Exposure Draft ED/2013/6
3.1.2 Wesentliche Änderungen
3.2 Identifizierung von Leasingverhältnissen
3.2.1 Identifizierung
3.2.2 Wesentliche Definitionen
3.3 Klassifizierung
3.4 Auswirkungen auf die zukünftige Bilanzierung
3.4.1 Anwendungsbereich
3.4.2 Bilanzierungswahlrechte
3.4.2.1 Kurzfristige Leasingverhältnisse
3.4.2.2 Leasingverhältnisse mit geringwertigem Vermögenswert
3.4.2.3 Portfolio-Betrachtung
3.4.3 Auswirkungen für Bilanzansatz und Bewertung
3.4.3.1 Leasingnehmer
3.4.3.2 Leasinggeber
3.4.4 Anhangangaben
3.4.4.1 Leasingnehmer
3.4.4.2 Leasinggeber
3.4.5 Trennung von Vertragsbestandteilen
3.4.6 Sale und Leaseback – Transaktionen
4 ZUSAMMENFASSENDES FAZIT
4.1 Inkrafttreten und Übergangsregelungen
4.1.1 Übergangsregelungen für Leasingnehmer
4.1.2 Übergangsregelungen für Leasinggeber
4.2 Kritikpunkte
4.3 Beurteilung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die grundlegenden Veränderungen durch den neuen Rechnungslegungsstandard IFRS 16 im Vergleich zum Vorgänger IAS 17. Dabei wird untersucht, wie der Übergang vom „Risk-and-Reward“-Ansatz zum „Right-of-Use“-Konzept die Bilanzierung von Leasingverhältnissen bei Leasingnehmern und Leasinggebern nachhaltig verändert und inwieweit dadurch das Ziel eines „true and fair view“ erreicht werden kann.
- Vergleich der Leasingbilanzierung nach IAS 17 und IFRS 16
- Analyse des neuen „Right-of-Use“-Modells
- Untersuchung von Bilanzierungswahlrechten und Anhangangaben
- Bewertung von Auswirkungen auf Bilanzkennzahlen
- Kritische Würdigung der Reformbemühungen
Auszug aus dem Buch
1.1 Grundlagen und Definition des Leasingbegriffs
Der Oberbegriff „Leasing“ stammt aus dem angloamerikanischen Raum und steht übersetzt für „mieten“ bzw. „pachten“. Er ist jedoch im deutschen Zivil- und Steuerrecht nicht zu finden und auch nicht eindeutig definiert.1
Im Allgemeinen handelt es sich beim Leasing um eine eigenständige Finanzierungsmethode. Bei dem hierbei auftretenden Leasingverhältnis treten der sog. Leasinggeber und Leasingnehmer auf. Im Rahmen eines Leasingverhältnisses überlässt eine Vertragspartei (Leasinggeber) der anderen Vertragspartei (Leasingnehmer) das wirtschaftliche Nutzungsrecht an einem Leasinggegenstand. Dieser kann beispielsweise Maschinen, Immobilien und diverse materielle und immaterielle Vermögensgegenstände umfassen.2 Der Leasingnehmer zahlt als Gegenleistung i.d.R. ein regelmäßiges Entgelt (Leasingrate und Leasingzins) ohne dabei das zivilrechtliche Eigentum am Wirtschaftsgut zu erwerben, wobei die Haftung für Instandsetzung, Mängel, Beschädigung oder Untergang des Leasinggutes ebenfalls der Leasingnehmer zu tragen hat.3 Charakteristisch für einen Leasingvertrag ist die zeitlich begrenzte Nutzungsüberlassung des Wirtschafts gutes.4
Grundsätzlich lassen sich bei Leasinggeschäften nunmehr Charakterzüge aus Mietverträgen, Pachtverträgen, Ratenkaufverträgen sowie Darlehen erkennen. Mit der im deutschen Zivilrecht geltenden Vertragsfreiheit gem. Art. 2 Abs. 1 GG und § 311 BGB sind verschiedenste Zwischenformen mit diversen Vertragsausgestaltungen und Optionen denkbar. In der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes geht man jedoch allgemein von einem sog. „atypischen Mietvertrag“ aus, bei dem das Mietrecht Anwendung findet.5
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in den Leasingbegriff sowie Darstellung der Problemstellung und Vorgehensweise der Arbeit.
2 BISHERIGE BILANZIERUNG DES LEASINGS NACH IAS 17: Erläuterung der klassischen Unterscheidung zwischen Finance und Operating Leasing unter dem IAS 17 sowie der damit verbundenen Bilanzierungsmethoden.
3 NEUE LEASINGBILANZIERUNG NACH IFRS 16: Analyse der grundlegenden Umstellung auf das „Right-of-Use“-Konzept und die damit verbundenen Auswirkungen auf Bilanzansatz, Bewertung und Offenlegung.
4 ZUSAMMENFASSENDES FAZIT: Kritische Würdigung der Neuerungen, Erläuterung der Übergangsregelungen und ein Ausblick auf die Auswirkungen für die Rechnungslegung.
Schlüsselwörter
IFRS 16, IAS 17, Leasing, Leasingnehmer, Leasinggeber, Bilanzierung, Right-of-Use, Nutzungsrecht, Finanzierung, Bilanzpolitik, Off-Balance-Sheet, Übergangsregelungen, Rechnungslegungsstandard, Verbindlichkeiten, Vermögenswerte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Paradigmenwechsel in der Rechnungslegung von Leasingverhältnissen durch die Einführung des Standards IFRS 16 und dessen Ablösung des bisherigen Standards IAS 17.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Definition von Leasingverhältnissen, die Klassifizierung, die geänderte Bilanzierungspraxis für Leasingnehmer und Leasinggeber sowie die damit verbundene Kritik und die Ziele des IASB.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen Überblick über die Änderungen durch IFRS 16 zu geben und zu erörtern, ob die neuen Regelungen eine transparentere Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse („true and fair view“) ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse der relevanten Rechnungslegungsstandards (IAS 17, IFRS 16) sowie deren Interpretation in der betriebswirtschaftlichen Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der alten Bilanzierungspraxis unter IAS 17, die detaillierte Vorstellung des IFRS 16 (einschließlich Identifizierung und Bewertung von Leasingverhältnissen) sowie die Auswirkungen auf Kennzahlen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen IFRS 16, Right-of-Use, Leasingnehmer, Bilanzierung, Off-Balance-Sheet und Finanzierung.
Wie verändert IFRS 16 die Bilanzierung für den Leasingnehmer?
Durch das neue „Right-of-Use“-Konzept werden nahezu alle Leasingverhältnisse in die Bilanz aufgenommen, was zu einer Erhöhung des Ausweises von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten führt.
Welche Rolle spielen Sale und Leaseback-Transaktionen nach IFRS 16?
IFRS 16 schränkt die bisherigen Spielräume für Bilanzpolitik bei solchen Transaktionen ein, indem strenge Kriterien für einen „wirksamen Verkauf“ nach IFRS 15 als Voraussetzung definiert werden.
- Citation du texte
- Edison Shala (Auteur), 2017, Auswirkungen auf die Bilanzierung von Leasingverhältnissen im Hinblick auf den neuen Standard IFRS 16 Leases, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413002