Neben Platon ist Aristoteles als einer der einflussreichsten griechischen Philosophen in die abendländische Geistesgeschichte eingegangen, er gilt als erster Systematiker in der Philosophie.
Auf seinem Lebensweg begleitete Aristoteles stets der ausgeprägte Wissensdurst und ein immenses Maß an Fleiß. Er galt als selbstständiger und auch kritischer Denker. Sandvoss belegt an dieser Stelle, dass der "Denker Aristoteles" sein Leben lang "zwischen extremen Positionen [...] zu vermitteln" suchte, dass er "Gegensätze ausgleichen" wollte und Widersprüchliches zu klären versuchte.
Aristoteles ordnet die der theoretischen und der praktischen Philosophie zugehörigen Disziplinen. Zur theoretischen Philosophie zählt er unter anderem Metaphysik, Physik, Sprachphilosophie, Mathematik und Logik, zur praktischen beispielsweise Ethik und Politik.
Aristoteles gilt als vielseitiger Denker, neben den Betrachtungen über die Philosophie als solche, beschäftigt er sich mit den weiteren großen Themenkreisen des Menschen und der Natur. Zu seinen Werken zählen Schriften zur Naturphilosophie, Biologie, Psychologie, zur Metaphysik, Politik, Ethik, Rhetorik und Poetik.
Mit seiner Ethik begründet er Richtlinien für die glückliche Lebensführung des einzelnen Menschen, wobei er das tugendhafte Handeln als höchstes Ziel menschlichen Lebens einstuft.
Mit dieser Arbeit habe ich mir zum Ziel gesetzt, die Poetik
des Aristoteles in ihren wichtigsten Punkten zu beschreiben. Dazu erachte ich es als notwendig, sowohl zunächst auf die
Lebensumstände des Aristoteles einzugehen als auch den Poetikbegriff an sich zu definieren, erst dann erscheint mir für die genaue Definition von aristotelischer Tragödie, Komödie und dem Epos’ genügend Grundlage geschaffen zu sein.
Im zweiten Teil meiner Arbeit möchte ich dann untersuchen, in welchem Maße Aristoteles heute noch Einfluss auf unseren Lernstoff in der Schule hat. In den folgenden Ausführungen werde ich mich dann damit beschäftigen, wie besonders die Poetik des Aristoteles vor allem im Deutschunterricht Anwendung finden kann. Somit werde ich aufzeigen, inwieweit das Fach Ethik, am Beispiel der aristotelischen Poetik, in den Deutschunterricht zu integrieren ist.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitende Gedanken
1. Zum Leben des Aristoteles
2. Was ist Poetik?
3. Poetik in der Antike
4. Die Poetik des Aristoteles
4.1. Aufbau, Struktur und Gegenstände
4.2. Die Tragödie
4.3. Das Epos
4.4. Die Komödie
5. Aristoteles in der Schule
5.1. Grundsätzliches
5.2. Beispiele der Anwendung der aristotelischen Poetik im Deutschunterricht
5.2.1. Antike Bezüge in Aufklärung und Sturm und Drang
5.2.2. Vom Sturm und Drang zur Klassik und zur Romantik
5.2.3. Bertolt Brecht und seine Theorie vom epischen Theater
6. Zusammenfassende Betrachtungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Poetik des Aristoteles in ihren wichtigsten Aspekten zu beschreiben und deren Relevanz sowie Anwendungsmöglichkeiten im heutigen Deutschunterricht, insbesondere in Verbindung mit dem Fach Ethik, zu untersuchen.
- Darstellung der Lebensumstände des Aristoteles
- Definition des Poetikbegriffs und Einordnung in die Antike
- Analyse der zentralen Kategorien der aristotelischen Poetik: Tragödie, Epos und Komödie
- Untersuchung der Rezeption und Anwendung aristotelischer Dichtungstheorie in verschiedenen Literaturepochen
- Diskussion der Integration aristotelischer Modelle im aktuellen schulischen Deutschunterricht
Auszug aus dem Buch
4.2. Die Tragödie
Die Entwicklungsgeschichte der Tragödie setzt mit Improvisationen ein, sie durchschreitet mehrere Etappen, ehe sie ihren eigentlichen Charakter ausbilden kann. War es zuerst Aischylos, der die Anzahl der Schauspieler von einem auf zwei erhöhte und dem Chor eine weniger einnehmende Stellung zuordnete, so war es im folgenden Sophokles der drei Schauspieler für seine Stücke einsetzte. Die Urform der Tragödie wurde demnach Schritt für Schritt bereichert, bis die eigentliche Tragödie entstehen konnte.
Der Ursprung der Tragödie ist der Mythos. Der Tragödiendichter verwendet oft einen Stoff aus alter Tradition, er bedient sich des überlieferten Sagenbestandes, der das Leben von Göttern oder gottähnlichen Gestalten aufzeigt. Aktualität verleiht er seiner Dichtung durch den Bezug der Sagentradition zur Gegenwart, vergangene Mythen, die dem Publikum bereits bekannt sind, werden so für das gegenwärtige Leben bedeutsam.
Aristoteles definiert die Tragödie als „Nachahmung einer edlen und abgeschlossenen Handlung von bestimmter Größe in gewählter Rede“. Nicht der Mensch an sich, sondern die Lebenswirklichkeit, die Lebensweisen, das Glück und das Unglück wird nachgeahmt. Die Nachahmung erfolgt weiterhin durch die Handelnden, das heißt durch die Schauspieler und nicht durch die Erzählung. Die Nachahmung ist die Basis, auf welcher ein Mensch zu lernen und zu verstehen beginnt.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitende Gedanken: Einführung in die Person des Aristoteles als bedeutenden Philosophen und Zielsetzung der Arbeit.
1. Zum Leben des Aristoteles: Überblick über die Biografie des Denkers, von seiner Herkunft über die Zeit an der Platonischen Akademie bis hin zu seinen späten Jahren.
2. Was ist Poetik?: Definition und Herleitung des Begriffs der Poetik als Wissenschaft von Wesen, Wirkung und Formen der Dichtung.
3. Poetik in der Antike: Einordnung der aristotelischen Poetik im Kontext antiker Dichtungstheorie und Abgrenzung zu Positionen von Platon und Horaz.
4. Die Poetik des Aristoteles: Detaillierte Analyse der Struktur der Poetik sowie der zentralen Gattungen Tragödie, Epos und Komödie.
5. Aristoteles in der Schule: Darstellung der Bedeutung des Aristoteles im heutigen Bildungssystem und Analyse von Beispielen seiner Wirkung im Deutschunterricht.
6. Zusammenfassende Betrachtungen: Resümee über den Einfluss der aristotelischen Poetik als Fachgebiet und die Erkenntnisse der Arbeit.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Poetik, Tragödie, Mimesis, Nachahmung, Katharsis, Deutschunterricht, Ethik, Drama, Epos, Komödie, Regelpoetik, Episches Theater, Bertolt Brecht, Literaturdidaktik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Poetik des Aristoteles und deren Bedeutung sowie praktische Anwendbarkeit im modernen Deutschunterricht unter Berücksichtigung integrativer Ansätze zum Fach Ethik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die aristotelische Dichtungstheorie, die Differenzierung der Gattungen Tragödie, Epos und Komödie sowie deren Rezeption in Epochen wie der Aufklärung, dem Sturm und Drang, der Klassik und durch Bertolt Brecht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die wichtigsten Punkte der Poetik des Aristoteles darzulegen und aufzuzeigen, inwieweit diese Theorien heute noch Einfluss auf den schulischen Lernstoff haben und in den Deutschunterricht integriert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche und fachdidaktische Arbeit, die auf Basis einer Analyse der Primär- und Sekundärliteratur sowie unter Einbeziehung aktueller Lehrpläne durchgeführt wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Einführung in das Leben des Aristoteles, eine fundierte Analyse seiner poetischen Kategorien sowie eine Untersuchung konkreter Anwendungsbeispiele in der schulischen Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Aristoteles, Poetik, Mimesis, Tragödie, Katharsis, Regelpoetik und deren didaktische Vermittlung im Deutschunterricht charakterisiert.
Welche Rolle spielt die "Katharsis" in der Argumentation?
Die Katharsis als seelische Reinigung des Zuschauers durch Furcht und Mitleid dient als zentrales Strukturmerkmal der Tragödie, das von verschiedenen Epochen (z.B. Lessing oder Schiller) unterschiedlich interpretiert wurde.
Warum bezieht sich die Arbeit explizit auf Bertolt Brecht?
Brecht wird herangezogen, da sein Konzept des "nichtaristotelischen" bzw. epischen Theaters zwar explizit gegen die aristotelische Tradition gerichtet ist, diese jedoch als notwendiges Bezugsmaß für seine Theorien voraussetzt.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Tragödie und Komödie bei Aristoteles?
Aristoteles grenzt beide Gattungen unter anderem durch den sozialen Status der Handelnden, den Redestil sowie den Grad der moralischen Stringenz und Wahrscheinlichkeit innerhalb der Handlung ab.
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- Tina Kretzschmar (Author), 2005, Integration der Fächer Deutsch und Ethik am Beispiel der Poetik des Aristoteles, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41315