Diese Arbeit ist das Resultat der gemeinsamen Arbeit einer Seminargruppe an einem Projekt „Überlegungen zur These 2 („Das schulische Fremd-sprachenlernen ist auf der Basis eines integrativen Mehrsprachigkeitskon-zepts weiterzuentwickeln.”)„ aus den „Überlegungen zu einem integrativen Mahrsprachigkeitskonzept: 14 Thesen zum schulischen Fremdsprachenlernen” (erschienen in: Neuphilologische Mitteilungen, Heft 4, 2003).
Der erste Teil der Arbeit enthält theoretische Begründung und Infragestellung der These. Der zweite Teil beihaltet 4 Unterrichtsreihen für 4 Fremdsprachen: Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch, die versuchen integrativ die Themen zu präsentieren und sprachliche Wissensbestände und vor allem das Prinzip der Lernökonomie zu nutzen. Bei der Erstellung der Unterrichtsreihen wurde besonders darauf geachtet, dass „Lehren und Lernen einer einzelnen Fremdsprache jeweils unter Berücksichtigung der zuvor gelernten bzw. der potenziell zu lernenden Sprachen systematisch im Blick bleibt.”
Das Fremdsprachenlernen gilt heute als wesentlicher Bestandteil der europäischen Bildungspolitik. Im Weißbuch der Europäischen Kommission „Lehren und Lernen: auf den Weg zur kognitiven Gesellschaft“ (1996) wurden explizit die Leitlinien für das lebenslange Sprachenlernen und die Forderung nach der Sprachenvielfalt formuliert, wobei als vorrangig im Rahmen der Bildungspolitik das grundsätzliche Ziel der Mehrsprachigkeit angesehen wird, nach dem jeder europäische Bürger drei Gemeinschaftssprachen (d. h. zwei Fremdsprachen) erlernen soll.
Ein theoretischer Versuch für die praktische Anwendung.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I Theoretische Begründung der These
1 Foreign Language Acquisition Model
2 Stör- und Behinderungsfaktor oder Lernstütze (L2 als ‚Brücke’)?
3 Unterrichtsreihe unter der kritischen Fragestellung
II Unterrichtsreihe. Integrativer Fachübergreifender Sprachunterricht
1 Deutschunterricht
1.1 Vorüberlegungen
1.2 Verlaufsplanung
1.2.1 Stunde 1
1.2.2 Stunde 2
1.2.3 Stunde 3
1.2.4 Stunde 4
2 Englischunterricht
2.1 Vorüberlegungen
2.2 Verlaufsplanung
2.2.1 Stunde 1
2.2.2 Stunde 2
2.2.3 Stunde 3
2.2.4 Stunde 4
2.2.5 Stunde 5
3 Französischunterricht
3.1 Vorüberlegungen
3.2 Verlaufsplanung
3.2.1 Stunde 1
3.2.2 Stunde 2
3.2.3 Stunde 3
3.2.4 Stunde 4
3.2.5 Stunde 5
4 Spanischunterricht
4.1 Vorüberlegungen
4.2 Verlaufsplanung
4.2.1 Stunde 1
4.2.2 Stunde 2
4.2.3 Stunde 3
4.2.4 Stunde 4
4.2.5 Stunde 5
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die theoretische Begründung und praktische Umsetzung eines integrativen Mehrsprachigkeitskonzepts für den schulischen Fremdsprachenunterricht. Die Forschungsfrage untersucht, wie durch die Vernetzung von Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch das Prinzip der Lernökonomie genutzt und Synergien zwischen den Sprachen systematisch für den Erwerbsprozess fruchtbar gemacht werden können.
- Entwicklung eines integrativen Mehrsprachigkeitskonzepts
- Systematische Nutzung von L2-Wissen beim Erwerb von L3
- Transfer von Lern- und Kommunikationsstrategien
- Theoretische Begründung der Interaktion zwischen Fremdsprachen
- Entwurf fachübergreifender Unterrichtsreihen
Auszug aus dem Buch
1 Foreign Language Acquisition Model
Die früheren theoretischen Annahmen, dass das Erlernen der weiteren Fremdsprache den Erwerbsprozess der ersten Fremdsprache wiederholt, werden heute aufgrund der bisher erarbeiteten theoretischen Beiträgen und empirischen Untersuchungen zur so genannten „L3“-Diskussion abgelehnt. Da der L3-Erwerbsprozess in der Sekundarstufe beginnt, also bei den 13jährigen mit bereits vorhandenen Lernerfahrungen mit einer Fremdsprache, soll er auch intensiver und bewusster als L2-Erwerb verlaufen. Man deutet daher unter anderem auf die L2-L3-Interferenz, die Rolle der bereits vorhandenen Fremdsprachenerfahrung und den Transfer von Kommunikations- und Lernstrategien aus der L2.
Ausgangsbasis für Schlussfolgerungen bildet für uns die Theorie der Hypothesenbildung über Regelhaftigkeiten der zu erlernenden Fremdsprache. Der Lernende nutzt bereits vorhandenes Wissen – dabei nicht nur das Wissen über Sprachregularitäten sondern auch allgemeines Wissen - bei der Bildung tragfähiger Hypothesen über die Fremdsprache. Dies erfolgt durch den Vergleich von Hypothesen mit Rückmeldungen des Gesprächspartners auf die Sprachproduktion des Lerners. Es wird auch nach möglichen Analogien und Differenzen in Sprachsystemen der MS und der FS gesucht, mit der Zeit aber verliert die Vermittlung der Muttersprache als Bezugsgröße an Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
I Theoretische Begründung der These: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Fremdsprachenlernens als integratives Mehrsprachigkeitskonzept und diskutiert die Rolle des L2-Systems als Basis für weitere Spracherwerbsprozesse.
1 Foreign Language Acquisition Model: Hier wird das Konzept des L3-Erwerbs als bewussterer und intensiverer Prozess gegenüber dem L2-Erwerb beschrieben, wobei die L2-Interferenz und Hypothesenbildung im Zentrum stehen.
2 Stör- und Behinderungsfaktor oder Lernstütze (L2 als ‚Brücke’)? : Dieses Kapitel analysiert, wie vorhandenes Sprachwissen und metalinguistische Fähigkeiten als positive Stütze für den L3-Erwerb fungieren können, statt nur als Störfaktor.
3 Unterrichtsreihe unter der kritischen Fragestellung: Hier werden die methodischen Kriterien festgelegt, anhand derer die nachfolgenden Unterrichtsreihen auf ihre integrative Wirksamkeit und lernökonomische Umsetzung geprüft werden.
II Unterrichtsreihe. Integrativer Fachübergreifender Sprachunterricht: Dies ist der praktische Teil, der konkrete Unterrichtsentwürfe für die vier Zielsprachen präsentiert.
1 Deutschunterricht: Vorstellung einer Unterrichtsreihe zur Einführung der Textsorten „Interview“ und „Bericht“ sowie der Anwendung der indirekten Rede für Schüler der 8. Klasse.
2 Englischunterricht: Fokus auf die Festigung der indirekten Rede durch die Durchführung von Interviews und deren schriftliche Aufarbeitung als Zeitungsartikel.
3 Französischunterricht: Behandlung des Themas „Familie“ anhand der Textsorte „Comics“, kombiniert mit der Einführung der indirekten Rede und interkultureller Sensibilisierung.
4 Spanischunterricht: Umsetzung eines offenen Unterrichtsprojekts durch Emailinterviews mit Muttersprachlern, um Grundkenntnisse in authentischen Kommunikationssituationen anzuwenden.
Schlüsselwörter
Integratives Mehrsprachigkeitskonzept, Fremdsprachenlernen, Lernökonomie, L3-Erwerb, Interferenz, Transfer, Unterrichtsplanung, indirekte Rede, Textsorten, Sprachvergleich, Kommunikationsstrategien, schuldidaktische Konzepte, interkulturelles Lernen, Lernerautonomie, Fachübergreifender Unterricht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und praktischen Umsetzung eines integrativen Konzepts für das schulische Fremdsprachenlernen, das die Vernetzung verschiedener Sprachen fördert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen das Prinzip der Lernökonomie, der Einfluss von L2-Kenntnissen auf den L3-Erwerb sowie die fachübergreifende Planung von Unterrichtsreihen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie das Lernen einer weiteren Fremdsprache durch den Rückgriff auf bereits vorhandenes Sprachwissen und Lernstrategien bewusster und effektiver gestaltet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verbindet theoretische spracherwerbstheoretische Perspektiven mit didaktischen Konzeptionen zur Unterrichtsplanung in den Fächern Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil enthält eine theoretische Grundlegung sowie konkrete Verlaufspläne für Unterrichtsreihen, die jeweils auf den Erwerb spezifischer Textsorten und grammatischer Strukturen (insb. indirekte Rede) abzielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind insbesondere Mehrsprachigkeitskonzept, Lernökonomie, Interferenz, Transfer, sowie die gezielte Nutzung metalinguistischer Fähigkeiten im Fremdsprachenunterricht.
Wie spielt das L2-System als „Kontrollinstanz“ eine Rolle?
Das L2-System dient als Bezugsgröße und „Korrekturinstanz“, auf die beim Lernen der L3 zurückgegriffen wird, um Sprachwissenslücken bewusst zu machen und Kompensationsstrategien einzusetzen.
Warum wird im Spanischunterricht die Form des Emailinterviews gewählt?
Das Format soll Schülern ermöglichen, in einer authentischen Kommunikationssituation mit Muttersprachlern ihre Sprachkenntnisse anzuwenden, ohne den Druck einer spontanen mündlichen Interaktion zu haben.
- Arbeit zitieren
- Kyrylenko et al. (Autor:in), 2004, Unterrichtsreihe: Integrativer fachübergreifender Sprachunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41336