Im Zuge des epidemiologischen Wandels, d.h. der Zunahme der Prävalenz nicht übertragbarer Krankheiten bei gleichzeitiger Abnahme von Infektionskrankheiten, gewinnt die Nahrungsaufnahme in Bezug auf die Gesunderhaltung eines Menschen zunehmend an Bedeutung. Denn als ein Risikofaktor für viele sog. „non-communicable Diseases“, wie z.B. Diabetes mellitus Typ 2 oder kardiovaskulärer Krankheiten, sollte die globale Zunahme der Prävalenz von Adipositas besonders negative Auswirkungen auf die Populationsgesundheit vieler Völker haben. Wichtige Indikatoren für die Gesundheit einer Bevölkerung stellen dabei deren altersstandardisierte Mortalitätsrate sowie mittlere Lebenserwartung dar.
Einige Longitudinalstudien konnten in diversen Kohorten bereits Zusammenhänge zwischen der Mortalität und dem BMI (Body Mass Index) bzw. der Fettleibigkeit feststellen. Da es allerdings an Studien mangelt, die derartige Assoziationen auf internationaler Ebene untersuchen, soll diese Arbeit den Einfluss von BMI, Adipositas sowie durchschnittlicher täglicher Pro-Kopf-Kalorienaufnahme auf die Lebenserwartung eines Landes untersuchen.
Zur Erforschung dieser Effekte soll dabei das Verfahren der multiplen linearen Regression Anwendung finden. Dabei werden bereits auf Staatenniveau aggregierte Daten verwendet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hintergrund, Fragestellung und Hypothese
3 Methodik
3.1 Datengrundlage und Variablenbeschreibung
3.2 Datenaufbereitung
3.3 Datenanalyse
4 Ergebnisse
4.1 Deskription des Datensatzes
4.2 Regressionsergebnisse
5 Diskussion
6 Limitation und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf internationaler, aggregierter Ebene den Einfluss von BMI, Adipositas und durchschnittlicher täglicher Pro-Kopf-Kalorienaufnahme auf die Lebenserwartung eines Landes. Ziel ist es, durch die Anwendung multipler linearer Regressionsanalysen bestehende Forschungslücken bezüglich dieser Zusammenhänge auf Staatenniveau zu schließen.
- Analyse des Einflusses von Ernährung auf die Lebenserwartung
- Untersuchung von BMI und Adipositas als Prädiktoren für die Lebenserwartung
- Aggregation von Daten auf internationaler Staatenebene
- Überprüfung der Gültigkeit von u-förmigen Zusammenhängen
- Anwendung multipler linearer Regressionsverfahren
Auszug aus dem Buch
4.2 Regressionsergebnisse
In Tabelle 2 sind die Regressionsergebnisse dargestellt. Daraus wird ersichtlich, dass die Kalorienaufnahme in allen Modellen einen nahezu unveränderten, unabhängigen, höchstsignifikant positiven Einfluss auf die Lebenserwartung eines Landes hat. Steigt die durchschnittliche tägliche Pro-Kopf-Kalorienaufnahme um eine Kilokalorie, so erfährt die Lebenserwartung einen Zuwachs um ca. 0.01 Jahre. Außerdem weist sie von allen drei unabhängigen Variablen den stärksten Effekt auf (β = .53-.57).
In Modell 1 und 3 wurde der BMI zusätzlich zur Kalorienaufnahme aufgenommen. Auch dieser besitzt, wenn auch mit geringerer Magnitude (β = .22 bzw. .26), einen hoch- bzw. höchstsignifikanten positiven Einfluss auf die Lebenserwartung. Diese Assoziation lässt sich allerdings in Modell 3 (unter Ausschluss der einflussreichen Beobachtungen) auch als leicht umgekehrt u-förmiger Zusammenhang beschreiben (β = -.12; p < .05).
In Modell 2 und 4 wurde der BMI wiederum durch den Fettleibigenanteil eines Landes substituiert. Diese Variable weist in beiden Modellen einen signifikant umgekehrt u-förmigen Zusammenhang auf, welcher sich unter Exklusion der einflussreichen Beobachtungen (Modell 4) leicht verstärkt. Somit ist die Lebenserwartung sowohl in den Staaten mit besonders geringem Anteil an Fettleibigen als auch in den Staaten mit besonders hohem Fettleibigenanteil niedriger als jene der Länder mit „moderater“ Adipositasquote.
Alle vier Modelle besitzen einen relativ hohen Erklärungsgehalt, wobei sich die Varianzaufklärung kontinuierlich auf bis zu 70 % in Modell 4 erhöht (R²=.53-.70). Dabei sinkt die durchschnittliche Abweichung vom erwarteten Wert von 5.54 Jahren in Modell 1 auf 4.01 Jahre in Modell 4. Des Weiteren ist es auffällig, dass die Konstante, also die vorhergesagte Lebenserwartung der Staaten, die auf den unabhängigen Variablen den Mittelwert aller Länder einnehmen, in den Modellen ohne einflussreiche Beobachtungen ein etwas höheres Niveau vorweist (72.33 bzw. 72.65 vs. 71.58 bzw. 72.00).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in den epidemiologischen Wandel ein und formuliert das Ziel der Arbeit, den Einfluss von BMI, Adipositas und Kalorienaufnahme auf die Lebenserwartung international zu untersuchen.
2 Hintergrund, Fragestellung und Hypothese: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung der Lebenserwartung als Indikator und begründet die Hypothese eines umgekehrt u-förmigen Zusammenhangs zwischen den Ernährungsvariablen und der Lebenserwartung.
3 Methodik: Es werden die Datengrundlage (WHO, FAO), die Aufbereitung der Daten und die angewandten statistischen Verfahren der multiplen linearen Regression beschrieben.
4 Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die deskriptive Statistik des Ländersamples sowie die Ergebnisse der Regressionsanalysen unter Einbeziehung und Ausschluss einflussreicher Beobachtungen.
5 Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert, mit bisheriger Literatur verglichen und die Diskrepanz der Resultate zur Hypothese bei der Kalorienaufnahme diskutiert.
6 Limitation und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert methodische Einschränkungen wie die Aggregatdatenproblematik und zeigt Implikationen für die Präventionspolitik auf.
Schlüsselwörter
Lebenserwartung, Adipositas, BMI, Kalorienaufnahme, Aggregatdatenanalyse, multiple lineare Regression, epidemiologischer Wandel, Mortalität, Fettleibigkeit, internationale Gesundheitsforschung, statistische Datenanalyse, Ernährung, Prävention, Populationsgesundheit, Gesundheitsökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den statistischen Zusammenhang zwischen verschiedenen Ernährungsparametern (BMI, Fettleibigkeit, Kalorienaufnahme) und der durchschnittlichen Lebenserwartung auf internationaler Ebene unter Verwendung aggregierter Daten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Auswirkungen von Ernährungsfaktoren auf die Populationsgesundheit, der Prüfung von linearen bzw. nicht-linearen Zusammenhängen und der statistischen Modellierung komplexer Gesundheitsdaten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, zu erforschen, ob sich die in der Literatur bekannten, teils u-förmigen Zusammenhänge zwischen BMI bzw. Adipositas und der Mortalität auch auf einer aggregierten, internationalen Staatenebene für die Lebenserwartung nachweisen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Sekundäranalyse durchgeführt, bei der multiple lineare Regressionsmodelle zur Anwendung kommen. Dabei wurden Daten auf Staatenniveau zentriert, auf Linearität geprüft und mittels robuster Regressionen analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Beschreibung der Datengrundlage, die deskriptive Auswertung des Datensatzes von 165 Nationen sowie die detaillierte Darstellung und Interpretation der Regressionsergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Lebenserwartung, Adipositas, BMI, Kalorienaufnahme, Aggregatdatenanalyse und multiple lineare Regression.
Warum lässt sich die Hypothese für die Kalorienaufnahme nur bedingt bestätigen?
Die Hypothese eines umgekehrt u-förmigen Zusammenhangs ließ sich nur für BMI und Fettleibigkeit bestätigen. Der positive Einfluss der Kalorienaufnahme wird laut Autor durch eine starke Interkorrelation mit dem Entwicklungsstand eines Landes erklärt, was als Mediatoreffekt fungiert.
Welche Limitationen werden bei der Verwendung des BMI als Indikator angeführt?
Der BMI wird als relativ schlechter Indikator für Fettleibigkeit kritisiert, da er keine Unterscheidung zwischen Muskelmasse, Körperbau und Knochendichte zulässt, was zu Fehlklassifikationen führen kann.
- Citar trabajo
- Ralf Leonhardt (Autor), 2017, Der Einfluss von Adipositas, BMI und Kalorienaufnahme auf die Lebenserwartung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413702