Dialektische Didaktik. Ein veraltetes Modell der DDR-Pädagogik oder der Schlüssel zum erfolgreichen Unterricht?


Hausarbeit, 2016

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung.. 1

1. Vorbetrachtungen.. 2

1.1 Das Jahrhundert der didaktischen Modelle.. 2

1.2 Zum Verständnis von Didaktik in der DDR.. 4

1.3 Definition Dialektische Didaktik.. 5

2. Vergleich mit dem Rahmenlehrplan Berlin/Brandenburg (2017/18).. 6

2.1 Das Prinzip Mitgestalten, Mitentscheiden, Mitverantworten.. 6

2.2 Das Prinzip der führenden Rolle des Lehrers und der Selbsttätigkeit der Schüler.. 8

2.3 Das Prinzip des individuellen Eingehens auf die Persönlichkeit des Schülers auf der Grundlage der Arbeit mit dem Schülerkollektiv.. 11

Fazit.. 14

Quellen- und Literaturverzeichnis.. 16

1 Einleitung

Eine starke Subjektorientierung, Mitgestaltung, Mitentscheidung, Mitverantwortung – Das sind zentrale Werte der deutschen Bildungspolitik, die in jedem Rahmenlehrplan zu finden sind. Verwunderlich mag es jedoch für den ein oder anderen sein, dass diese Werte keine Erfindung der neuesten Pädagogik sind, sondern auf ein Konzept zurückzuführen ist, dem viele womöglich skeptisch gegenüberstehen würden, nämlich eines der Deutschen Demokratischen Republik. Lothar Klingberg rief sie mit seinem Modell der Dialektischen Didaktik in den 70er/80er Jahren des 20. Jahrhunderts ins Leben. Der Grundgedanke ist, dass Lehren und Lernen auf eine dialektische Art und Weise miteinander verbunden seien und es einen Widerspruch im allgemeinen Unterrichtsgeschehen gebe, der sich aus dem kollektiven Charakter der Schule einerseits und den individuellen Lernprozessen der Schülerinnen und Schüler andererseits zusammensetze. [1]

In der vorliegenden Seminararbeit „Dialektische Didaktik – Ein veraltetes Modell der DDR-Pädagogik oder der Schlüssel zum erfolgreichen Unterricht?“ soll erforscht werden, ob und in welchem Ausmaß Klingbergs Konzept eine Bedeutung für unser heutiges Bildungssystem hat und welche Schwierigkeiten und Grenzen es eventuell aufweist. Meine Forschungsfrage hierzu lautet: Inwiefern erweist sich das von Lothar Klingberg entwickelte Modell der Dialektischen Didaktik als gegenwärtig gültige Handlungsanleitung für erfolgreichen Unterricht?

Dabei werde ich wie folgt vorgehen. Zunächst wird unter den Vorbetrachtungen ein kurzer Abriss der Geschichte der didaktischen Modelle dargestellt und das Pädagogikverständnis in der DDR sowie der Begriff der Dialektischen Didaktik erläutert, um eine Einführung in die Thematik zu geben. Im Anschluss werden drei zentrale Thesen, die Klingberg in seinem Modell aufgestellt hat, aufgegriffen und hinsichtlich der Gültigkeit für unser aktuelles Bildungssystem überprüft. Dies wird anhand des Rahmenlehrplans der Länder Berlin/Brandenburg von 2017/2018 sowie der neuesten Ergebnisse der Pädagogik-Forschung (Bönsch 2006, Coriand 2017, Helmke 2008 u.a.) erfolgen. Schließlich werde ich im Fazit meine Analyseergebnisse zusammenfassen und eine Antwort auf die Ausgangsfrage geben.

Bezüglich des Forschungsstandes kann gesagt werden, dass sich bisher nur wenige Bildungswissenschaftler/innen mit Klingbergs Dialektischer Didaktik auseinandergesetzt haben, obwohl es doch wichtige Kernelemente unseres gegenwärtigen Verständnisses von Didaktik enthält. Größere Aufmerksamkeit wird etwa der bildungstheoretischen oder lehrtheoretischen Didaktik geschenkt, auf die ich im folgenden Kapitel noch genauer eingehen werde. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass es sich bei der Dialektischen Didaktik um ein ehemals ostdeutsches Konzept handelt, das nach der Wende schnell in Vergessenheit geriet und möglicherweise auch kritisiert worden ist.

1.Vorbetrachtungen

1.1 Das Jahrhundert der didaktischen Modelle

Die Didaktik hat mittlerweile eine lange Tradition und kann ihre eigene Geschichte schreiben. Sie ist die Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens und beschäftigt sich mit der Frage, welche Unterrichtsinhalte gelehrt werden und wie ihre Umsetzung aussehen soll. Die erste systematisch aufgebaute Didaktik der Neuzeit entwickelte Johann Amos Comenius mit seiner Didactica magna aus dem Jahre 1657. Ihr Leitziel hieß: „Omnes omnia omnino“ [2], was bedeutete, dass jeder einzelne Mensch unabhängig seines Alters, Geschlechts und sozialen Standes das Recht auf Bildung hat und von allem das Wesentliche lernen soll. Damit kann Comenius als Wegbereiter der neueren Didaktik gesehen werden. Ein besonders großes Ausmaß an didaktischen Modellen hat es dann im 20. Jahrhundert und speziell zur Zeit der deutschen Teilung gegeben. Als didaktisches Modell bezeichnen Jank und Meyer „ein auf Vollständigkeit zielendes Theoriegebäude zur Analyse und Planung didaktischen Handelns in schulischen und nichtschulischen Lehr- und Lernsituationen.“ [3] Auf alle Modelle einzugehen, würde den Rahmen der Seminararbeit sprengen, deshalb seien im Folgenden nur zwei für uns heute noch bedeutsame Modelle dargestellt und erläutert: die bildungstheoretische und die lehrtheoretische Didaktik. Erstere stammt von Wolfgang Klafki und Wolfgang Kramp und ist auf die späten 50er Jahre zurückzuführen. Im Zentrum dieser Theorie steht die „Didaktische Analyse“, welche die Interpretation und Strukturierung der Unterrichtsplanung vorsieht. Ein wichtiger Gedanke hierbei ist, dass die Unterrichtsinhalte und nicht die Unterrichtsmethoden in den Vordergrund gestellt werden. Im Allgemeinen haben Klafki und Kramp fünf Grundmerkmale für die Unterrichtsinhalte formuliert: die Gegenwartsbedeutung, Zukunftsbedeutung, Sachstruktur, exemplarische Bedeutung und Zugänglichkeit. [4] Dass das Augenmerk auf die Unterrichtsinhalte gelegt wird, sieht unser heutiges Bildungssystem zwar nicht mehr vor, jedoch spielen die fünf Merkmale für den Bildungsgehalt der Unterrichtsinhalte immer noch eine wichtige Rolle. Kritisiert wurde dieses Modell von Paul Heimann, Gunter Otto und Wolfgang Schulz, die 1965 infolgedessen ein weiteres didaktisches Konzept entwickelten: die lehrtheoretische Didaktik oder auch Berliner Modell genannt. Es stehen nun nicht mehr nur die Unterrichtsinhalte im Fokus, sondern es herrscht ein Zusammenspiel von Zielen, Inhalten, Methoden und Medien, wobei auch anthropogene sowie sozialkulturelle Voraussetzungen berücksichtigt werden müssen [5]. Anhand dieser beiden Beispiele ist schon deutlich zu erkennen, dass es einen regen Diskurs um didaktische Fragen gegeben hat und Bildungstheoretiker/innen immer nach einer Verbesserung des Bildungssystems strebten. Auffällig in der Forschung ist jedoch, dass bisher die didaktischen Modelle der Bundesrepublik differenzierter diskutiert wurden als die der Deutschen Demokratischen Republik. Daher werde ich mit meiner Seminararbeit auch versuchen, das Spektrum der Forschung ein Stück weit zu erweitern, in dem ich untersuche, inwieweit auch ostdeutsche Theorien Vorbild für unser heutiges Verständnis von Didaktik sein können bzw. gewesen sind.

1.2 Zum Verständnis von Didaktik in der DDR

Die Didaktik in der DDR orientierte sich stets am Marxismus-Leninismus und war auf die Erziehung der Kinder und Jugendlichen zu sozialistischen Bürgern ausgerichtet. Die Lehrpläne hatten ein striktes System und enthielten zentrale ideologische Auffassungen. Das Lehren wurde überwiegend geplant und kontrolliert und die Schülerinnen und Schüler mussten den gesellschaftlichen Anforderungen entsprechend lernen, was ihrer Subjektrolle, die vor allem Lothar Klingberg in den Vordergrund stellte, widersprach. Somit wurde insgeheim die Rolle jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers funktionalisiert, um sie/ihn in das Gesellschaftssystem der Deutschen Demokratischen Republik einzugliedern. Die Anfänge dieses Verständnisses von Didaktik sind auf das Jahr 1946 datiert, als die Gesetze zur Demokratisierung der deutschen Schule in den ostdeutschen Ländern herausgebracht wurden. Sie basierten auf den Ideen der Weimarer Republik, die jedoch von Didaktikern der Sowjetunion abgeändert worden sind. [6] Bereits ein Jahr später kam es durch Robert Alt zu einer Erneuerung dieses Gesetzes. Er war der Auffassung, dass zwischen den Unterrichtsinhalten und den Unterrichtsrealisierungen ein Widerspruch existiere, der kompensiert werden müsse. Das Lernen eines Kindes müsse von natürlicher Art sein und könne gar nicht durch reine Unterrichtsinhalte erfolgen. [7] Ergebnis war die Verknüpfung der Inhalte der Erziehung mit den gesellschaftlichen Anforderungen. Dabei stellte Alt den Arbeitsbegriff ins Zentrum, was bedeutete, dass Schülerinnen und Schüler so früh wie möglich auf das Arbeitsleben vorbereitet werden sollten, um den gesellschaftlichen Entwicklungsprozess voranzutreiben. [8] Im Zuge der 1950er Jahren entwickelte sich also ein einheitliches sozialistisches Bildungswesen. Einen Einschnitt hat es nochmals in den 1970er/80er Jahren mit Lothar Klingberg gegeben, der mit seiner dialektisch orientierten Didaktik einen neuen Baustein setzte und auf die ich im folgenden Kapitel näher eingehen werde.

[...]


[1] Vgl. Jank, Werner; Meyer, Hilbert: Didaktische Modelle, S.246 f.

[2] Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet dieser Leitsatz: „ Alle alles allseitig“.

[3] Jank, Werner; Meyer, Hilbert: Didaktische Modelle, S.17.

[4] Vgl. ebd., S.133.

[5] Vgl. ebd., S.183.

[6] Vgl. Bönsch, Manfred: Allgemeine Didaktik, S.25.

[7] Vgl. ebd.

[8] Vgl. ebd., S.26.

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Details

Titel
Dialektische Didaktik. Ein veraltetes Modell der DDR-Pädagogik oder der Schlüssel zum erfolgreichen Unterricht?
Hochschule
Universität Potsdam  (Bildungswissenschaften)
Veranstaltung
Didaktisches Handeln im Unterricht
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V413986
ISBN (eBook)
9783668646551
ISBN (Buch)
9783668646568
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dialektische Didaktik, Lothar Klingberg
Arbeit zitieren
Nadja Wolf (Autor), 2016, Dialektische Didaktik. Ein veraltetes Modell der DDR-Pädagogik oder der Schlüssel zum erfolgreichen Unterricht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/413986

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