Wenn man heutzutage an Sklaverei denkt, assoziiert man damit meistens sofort die Sklaverei in Amerika. Jedoch muss man sich durchaus bewusst machen, dass es in Europa ebenfalls einen regelrechten Sklavenhandel über mehrere Jahrhunderte lang gab. Vor allem im Mittelmeerraum war der Handel mit Menschen weit verbreitet. Diese Arbeit behandelt den Sklavenhandel in Italien, der anhand der Städte Venedig und Pisa näher veranschaulicht wird.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Des Sklaven Traum
Begriffe
Soziale Stellung der Sklaven
Herkunft der Sklaven
Soziale Beziehungen
Sklavenhandel in Italien
Erzrivalen Venedig und Genua
Sklavenhandel Venedig
Anime in Venedig
Sklavenhandel Genua
Christentum und Sklaverei
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Existenz von Sklaverei im mittelalterlichen Italien, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Rolle der Handelsstädte Venedig und Genua gelegt wird. Die zentrale Forschungsfrage ist, inwiefern die gängige Annahme, dass es im christlich geprägten Mittelalter keine Sklaverei gegeben habe, historisch haltbar ist und wie sich der Sklavenhandel in den genannten Regionen gestaltete.
- Analyse der Terminologie und sozialen Stellung von Sklaven im Mittelalter.
- Untersuchung der Herkunft von Sklaven und der Handelsrouten im Mittelmeerraum.
- Vergleich der Sklavenmärkte und Handelsstrukturen von Venedig und Genua.
- Betrachtung der Rolle des Christentums und der Kirche im Kontext der Sklaverei.
Auszug aus dem Buch
Soziale Stellung der Sklaven
„Summa itaque divisio de iure personarum haec est, quod omnes homnes aut liberi sunt aut servi.“ Das ist der Anfangssatz stammt aus einem Institutionentitel und differenziert äußerst deutlich zwischen Freien und Sklaven. Mit der Zeit wurde die Unterscheidung zwischen Freien und Unfreien immer stärker. Historische, sowie auch literarische Beweise lassen darauf schließen, dass die Situation sehr brisant war: Beispielsweise stellt der italienische Dichter Francesco Petrarca in seiner Litterae familiares seine Diener als seine „häuslichen Feinde“ dar. Der Herr hatte grenzenlose Rechtsgewalt über die Sklaven: Falls ein Sklave fliehen wollte, wurde dies schonungslos geahndet. Auch Christian Delacampagne ist der Meinung, dass „das Leben eines Sklaven nicht gezählt zu haben scheint, selbst wenn der eine oder andere davon zur Religion seines neuen Herrn konvertierte.“
Jedoch verfügten die Sklaven allen Anschein nach über eine bestimmte Rechtsfähigkeit: So wurde eine Sklavin als praesentem et volentem gesehen. Hinzu kommt, dass die Sklavin eine gewisse Sicherheit gegen Schwängerung hatte, da ansonsten dem Betreffenden eine Geldstrafe verhängt wurde. Darüber hinaus wurden weder Mann und Frau noch Mutter und Sohn bei Sklavenverkäufern getrennt. Zudem bekamen Freigelassene von ihrem Herrn eine Mitgift, konnten Geld verdienen und sich dadurch aus der Sklaverei freikaufen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die langjährige Annahme, dass Sklaverei im christlichen Mittelalter nicht existiert habe, und führt in die Fragestellung zur tatsächlichen Situation im mittelalterlichen Italien ein.
Des Sklaven Traum: Ein Gedicht von Longfellow dient als atmosphärischer Einstieg in die Thematik der menschlichen Unfreiheit.
Begriffe: Dieses Kapitel klärt die juristische und soziale Unterscheidung von Termini wie „servus“ und „sclavus“ im mittelalterlichen Kontext.
Soziale Stellung der Sklaven: Hier werden die rechtliche Stellung, die eingeschränkte Rechtsfähigkeit und die Lebensrealität von Sklaven im italienischen Mittelalter beleuchtet.
Herkunft der Sklaven: Das Kapitel erläutert, dass Krieg, Raubzüge und Piraterie die primären Quellen für die Versklavung von Menschen waren.
Soziale Beziehungen: Es wird analysiert, wie Sklaven als Arbeitskräfte in Haushalte und Wirtshäuser integriert wurden und welche Rolle die Notare in diesem diffusen Handel spielten.
Sklavenhandel in Italien: Hier wird der Aufstieg des internationalen Sklavenhandels durch die Vorherrschaft italienischer Handelsschiffe beschrieben.
Erzrivalen Venedig und Genua: Das Kapitel beleuchtet die wirtschaftliche und politische Rivalität der beiden Seerepubliken im Mittelmeerraum.
Sklavenhandel Venedig: Diese Sektion untersucht die Rolle Venedigs als Drehscheibe des Orienthandels und die Organisation des Sklavenimports über Kolonien wie Kreta.
Anime in Venedig: Hier wird das spezifische Phänomen der sogenannten „anime“ (Hausmädchen) und deren oftmals prekärer Status thematisiert.
Sklavenhandel Genua: Dieses Kapitel analysiert Genuas Rolle bei der Ausbeutung von Sklavenmärkten, insbesondere auf der ägäischen Insel Chios.
Christentum und Sklaverei: Es wird kritisch hinterfragt, warum die Kirche trotz christlicher Nächstenliebe den Sklavenhandel tolerierte und teilweise selbst als Sklavenhalter agierte.
Fazit: Das Fazit stellt klar, dass der Sklavenhandel ein wesentlicher wirtschaftlicher Bestandteil des mittelalterlichen Italiens war und als Vorläufer späterer kolonialer Strukturen gilt.
Schlüsselwörter
Sklaverei, Mittelalter, Italien, Venedig, Genua, Sklavenhandel, Seerepubliken, Mittelmeer, Unfreiheit, Wirtschaftsgeschichte, Kirche, Leibeigenschaft, Kriegsgefangenschaft, Kolonien, Sozialgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Realität des Sklavenhandels im christlich geprägten Mittelalter, insbesondere in den italienischen Handelsstädten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die rechtliche Stellung von Sklaven, die Handelsrouten, die Rivalität zwischen Venedig und Genua sowie das ambivalente Verhältnis der Kirche zur Sklaverei.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die These zu widerlegen, dass es im europäischen Mittelalter keine Sklaverei gegeben habe, und deren ökonomische Bedeutung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, basierend auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, Rechtsurkunden und wissenschaftlicher Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Sklavenmärkte, die Herkunft der versklavten Menschen sowie die spezifischen Strukturen in Venedig und Genua.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Sklaverei, Mittelalter, Venedig, Genua, Wirtschaftsgeschichte und Seerepubliken sind prägende Begriffe.
Was genau sind die sogenannten „anime“ in Venedig?
Bei den sogenannten „anime“ handelte es sich um Hausmädchen, die oft durch eine Art Kauf oder Vermittlung unter Bedingungen in venezianische Dienste traten, die dem Status einer Sklavin sehr nahe kamen.
Wie stand die Kirche zum Sklavenhandel im Mittelalter?
Die Kirche vertrat eine zwiespältige Haltung: Einerseits predigte sie Nächstenliebe, andererseits war der Sklavenhandel ökonomisch tragbar, sodass kirchliche Institutionen selbst Sklaven hielten und gegen deren Handel nur wenig unternahmen.
Warum war der Sklavenhandel für Venedig und Genua so bedeutend?
Sklaven stellten einen bedeutenden Handelswert dar und waren essenziell für die Arbeit in Haushalten, Werkstätten und auf landwirtschaftlichen Gütern, was den Wohlstand der Republiken maßgeblich förderte.
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- Stefanie Fritz (Autor), 2015, Der Sklavenhandel in Italien am Beispiel der Städte Venedig und Genua, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414258