1. EINLEITUNG
Meine Seminararbeit behandelt das Leben und die Erfahrungen österreichischer Frauen im Widerstand zwischen 1938 und 1945. Von den zahlreichen Frauen, die im Widerstand tätig waren, habe ich acht Frauenbiographien ausgewählt, die aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen und/oder politischen Gründen Widerstandsarbeit geleistet haben. Meine Auswahl ist vor allem durch die wenigen vorhandenen Biographien über diese Frauen beschränkt worden.
Ich habe mit meiner Arbeit versucht, die unterschiedlichen Formen und Gruppierungen des österreichischen Widerstandes zusammenzufassen und zu diesen Gruppen ein oder zwei Frauen als exemplarische Beispiele anzufügen. Die Lebensgeschichten dieser Frauen habe ich hautsächlich zwei Werken entnommen, die Interviews und Berichte der Widerstandskämpferinnen sowie eine Darstellung deren Leben nach Ende des Krieges enthalten.
Für mich standen in meiner Arbeit die Frauen im Vordergrund und weniger die politische oder gesellschaftliche Ausrichtung der Widerstandsgruppen, da diese j a sehr umfangreich in der Literatur behandelt werden. Doch über die Beteiligung der Frauen am österreichischen Widerstand steht die Forschung erst am Anfang. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DER WIDERSTAND IN ÖSTERREICH
2.1 STRUKTUR
3. FRAUEN IM WIDERSTAND
4. WIDERSTAND DER KOMMUNISTISCHEN UND SOZIALISTISCHEN ARBEITERINNENBEWEGUNG
4.1 ROSA JOCHMANN
4.2 HERMINE JURSA
5. WIDERSTANDSGRUPPEN AUS DEM KATHOLISCH-KONSERVATIVEN LAGER
5.1 HELENE KAFKA
6. TSCHECHISCHER WIDERSTAND
6.1 ANTONIA BRUHA
6.2 IRMA TRKSAK
7. UNTERSTÜTZERINNEN DER PARTISANEN
7.1 MARIANNE KRASOVEC
7.2 MARIA HRIBAR
8. WIDERSTAND DER ZEUGEN JEHOVAS
8.1 KATHARINA THALLER
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Leben und die Erfahrungen österreichischer Frauen im Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime zwischen 1938 und 1945, um deren oft unterrepräsentierte Rolle und individuelle Schicksale anhand von acht exemplarischen Biographien aufzuzeigen.
- Struktur und Formen des österreichischen Widerstands
- Die Rolle der Frau in verschiedenen Widerstandsbewegungen
- Biographische Einblicke in kommunistische, sozialistische und tschechische Widerstandskreise
- Religiös motivierter Widerstand durch katholische Frauen und Zeuginnen Jehovas
- Haftbedingungen, Zwangsarbeit und Überlebensstrategien in Konzentrationslagern wie Ravensbrück
Auszug aus dem Buch
4.1 ROSA JOCHMANN
Rosa Jochmann wurde am 19. Juli 1901 in Wien geboren. Sie war das vierte von sechs Kindern eines Eisengießers und einer Wäscherin, die aus Mähren nach Wien gekommen waren. Zwei ihrer älteren Geschwister starben schon im Kindesalter und auch der ältere Bruder erlag kurz nach dem Ersten Weltkrieg einem Tuberkuloseleiden. Ihre Schulkarriere endete nach fünf Klassen Volksschule und drei Klassen Bürgerschule, da sie, um ihre Familie zu unterstützen, im Alter von 14 Jahren in einer Schokoladenfabrik anfing zu arbeiten. Die Mutter war 1915 an Multipler Sklerose gestorben und so musste Rosa ihren Beitrag zur Haushaltskasse leisten. 1916 bis 1919 arbeitete Rosa in den Simmeringer Draht- und Kabelwerken „Adriadne“, wo sie auch als Kind zur Schicht- und Nachtarbeit herangezogen wurde. Von dort wechselte sie 1919 in die Erste Österreichische Seifensiedergewerkschafts Gesellschaft „Apollo“ Ges.m.b.H. und in die Firma Auer, die Gasglühstrümpfen erzeugte.
Ihr Vater verstarb 1920 nur fünf Jahre nach der Mutter im Alter von 44 Jahren, von da an musste sich Rosa alleine um ihre jüngeren Schwestern kümmern. Da ihre Schwestern im Saisonbetrieb arbeiteten war Rosa über Monate die einzige Verdienerin der Familie. Ihr politisches Engagement gründete einerseits in der sozialdemokratischen Orientierung des Vaters, andererseits in ihrem unerschütterlichen Gerechtigkeitsgefühl.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der Zielsetzung der Seminararbeit, den Fokus auf Frauenbiographien im österreichischen Widerstand zu legen.
2. DER WIDERSTAND IN ÖSTERREICH: Analyse der politischen Kultur Österreichs und der Charakteristik des Widerstands als lose organisierte Einzelgruppen.
3. FRAUEN IM WIDERSTAND: Untersuchung der spezifischen Aufgabenbereiche von Frauen im Widerstand und ihrer trotz allem aufrechterhaltenen traditionellen Rollenverteilung.
4. WIDERSTAND DER KOMMUNISTISCHEN UND SOZIALISTISCHEN ARBEITERINNENBEWEGUNG: Dokumentation der Untergrundarbeit nach dem Ständestaat und Schilderung der Biographien von Rosa Jochmann und Hermine Jursa.
5. WIDERSTANDSGRUPPEN AUS DEM KATHOLISCH-KONSERVATIVEN LAGER: Betrachtung des religiösen Widerstands gegen NS-Ideologie und Euthanasie am Beispiel von Helene Kafka.
6. TSCHECHISCHER WIDERSTAND: Beschreibung der Widerstandsaktivitäten der tschechischen Minderheit in Wien unter den Protagonistinnen Antonia Bruha und Irma Trksak.
7. UNTERSTÜTZERINNEN DER PARTISANEN: Analyse der bewaffneten Widerstandsform und der Rolle von Frauen als Kuriere und Unterstützerinnen, illustriert durch Marianne Krasovec und Maria Hribar.
8. WIDERSTAND DER ZEUGEN JEHOVAS: Analyse der religiösen Verfolgung aufgrund der Totalverweigerung gegenüber dem NS-Regime am Beispiel von Katharina Thaller.
Schlüsselwörter
Österreichischer Widerstand, Nationalsozialismus, Frauenbiographien, KZ Ravensbrück, Kommunismus, Sozialistische Arbeiterbewegung, Katholischer Widerstand, Tschechische Minderheit, Partisanen, Zeugen Jehovas, Zivilcourage, Widerstandskämpferinnen, Zeitzeugenschaft, NS-Regime, Untergrundarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit widmet sich dem Widerstand österreichischer Frauen gegen das NS-Regime zwischen 1938 und 1945 und beleuchtet deren Lebensgeschichten.
Welche Gruppen stehen im Fokus?
Untersucht werden kommunistische, sozialistische, katholisch-konservative, tschechische sowie religiöse Widerstandsgruppen und Partisanenunterstützerinnen.
Was ist das zentrale Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Beteiligung von Frauen im österreichischen Widerstand aufzuzeigen, da diese in der bestehenden Forschung bisher unterrepräsentiert ist.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Die Autorin verwendet eine biographische Methode, indem sie acht ausgewählte Lebensgeschichten von Widerstandskämpferinnen analysiert und in den historischen Kontext einordnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Widerstandskontexte, von politisch motivierten Gruppen über religiösen Widerstand bis hin zur logistischen Unterstützung bewaffneter Partisaneneinheiten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Widerstand, Frauenbiographien, Konzentrationslager, Untergrund, Zivilcourage und NS-Herrschaft.
Wie unterschied sich der Widerstand der Zeugen Jehovas von anderen Gruppen?
Ihre Widerstandshaltung basierte auf religiösen Prinzipien, wie der Weigerung des Kriegsdienstes, des Hitlergrußes und der Arbeit in der Rüstungsindustrie, was sie zu expliziten Zielen der Verfolgung machte.
Welche Bedeutung hatte das Lager Ravensbrück in der Arbeit?
Ravensbrück ist der zentrale Schauplatz der Haft für die meisten vorgestellten Frauen; das Lager diente nicht nur als Ort der Unterdrückung, sondern auch der gegenseitigen Unterstützung und des verdeckten Widerstands.
Wie erlebten die Frauen ihre Rückkehr nach dem Krieg?
Die Rückkehr war oft von Diskriminierung und einer ablehnenden Haltung der Umwelt geprägt, da viele KZ-Überlebende als „Verbrecherinnen“ stigmatisiert wurden.
- Citation du texte
- Karin Wieser (Auteur), 2003, Frauen im österreichischen Widerstand, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41457