Schwere Störung oder gewünschtes Eignungsmerkmal? Autismus und Lebensqualität im Kontext der Berufstätigkeit


Facharbeit (Schule), 2018
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Das Störungsbild
2.1 Beschreibung des Störungsbildes
2.2 Kriterien für die Diagnose
2.3 Auftretenshäufigkeit von ASS
2.4 Ursachen autistischer Störungen
2.5 Therapie bei ASS

3 Der Zusammenhang zwischen Autismus, Lebensqualität und Berufstätigkeit
3.1 Lebensqualität bei ASS
3.2 Berufschancen bei ASS
3.3 Autismus in der IT Branche- eine Chance?

4 ASS - eine Störungen mit vielen beeinträchtigenden Facetten, aber auch jeder Menge Grund zum Optimismus

5 Literaturverzeichnis

6 Anhang

1 Einleitung

Die vorliegende Facharbeit ,,Schwere Störung oder gewünschtes Eignungsmerkmal? Autismus und Lebensqualität im Kontext der Berufstätigkeit‘‘ beschäftigt sich mit dem Störungsbild der Autismus-Spektrum-Störung sowie den gesellschaftlichen Aus- wirkungen auf die Betroffenen. Die Autismus-Spektrum-Störung scheint in den letzten Jahren häufiger aufzutreten, wie die auf das über 1 Prozent Niveau gestiegenen Prävalenzzahlen (sowohl im Kindes- als auch im Erwachsenenalter) andeuten (vgl. DSM IV und DSM V)1. Die mit dieser Störung verbundenen negativen Auswirkungen auf die betroffene Person sowie die pessimistischen Therapieaussichten zeichnen oft ein trauriges Bild. Diese Arbeit soll ein wenig Licht in eine Thematik bringen, die durchaus auch positive Nebeneffekte mit sich bringt. Die Betrachtung dieser Nebeneffekte soll denjenigen, die unter dieser Störung leiden, Hoffnung bringen und Mut machen gegen alle mit der Störung verbundenen Unannehmlichkeiten anzukämpfen.

Die Beschreibung der Symptome einer Autismus-Spektrum-Störung machen schnell deutlich, dass betroffene Personen im Erleben und Verhalten stark eingeschränkt sind. Diese Einschränkungen können leider häufig zu zwischenmenschlichen „Missver- ständnissen“ führen und sind für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn oftmals sehr hinderlich - vor allen Dingen, wenn nicht bekannt ist, dass das Gegenüber unter der Autismus-Spektrum-Störung leidet. In den vergangenen Jahren „irrten“ aber immer mal wieder Berichte durch die Presse, die Grund zur Hoffnung gaben: in bestimmten Jobs konnten Autisten erfolgreiche Arbeitsergebnisse liefern und wurden in Stellenanzeigen sogar explizit gesucht. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher mit den aktuellen Chancen von Personen mit einer Autismus-Spektrum-Störung in der Berufswelt und versucht die Frage zu beantworten, ob die Symptome der Störung per se nur negative Folgen für den Beruf haben oder ob sie zumindest in Nischenbereichen der Berufswelt einen kleinen Vorteil oder zumindest keinen Nachteil bringen.

Ausgehend von der Beschreibung des Störungsbildes wird sich der erste Teil dieser Facharbeit mit Diagnosekriterien, Auftretenswahrscheinlichkeiten und Therapie der Autismus-Spektrum-Störung beschäftigen. Im Hauptteil wird der Zusammenhang zwischen Autismus, Lebensqualität und Berufstätigkeit dargestellt. Lebensqualität, spe- zifische Begabungen und mögliche berufliche Chancen bilden den Kern der inhaltlichen Auseinandersetzung. Zum Schluss folgt ein Resümee, indem die beruflichen Chancen von Personen mit einer Autismus-Spektrum-Störung diskutiert und realistisch eingeschätzt werden. Grundlage dazu bilden sowohl Literatur als auch ein Interview, dass mit dem Autismuszentrum Bottrop geführt wurde.

2 Das Störungsbild

Die Beschreibung des Störungsbildes setzt sich aus Störungsbild, Diagnosekriterien, Auftretenswahrscheinlichkeit, Ursachen und Therapie zusammen. Abbildung 1 gibt einen ersten Eindruck auf die Besonderheiten von Menschen mit einer Autismus- Spektrum-Störung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Dinge die bei ASS „anders“ sind2.

2.1 Beschreibung des Störungsbildes

Die kennzeichnenden Merkmale der Autismus-Spektrum-Störung, die auch diagnose- relevant sind, beziehen sich im Kern auf Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie sich wiederholende, immer ähnliche Verhaltensweisen. Betroffene verstehen meistens nicht, was ,,zwischen den Zeilen‘‘ gesprochen wird und weisen auch in der Sprachentwicklung beeinträchtigende Entwicklungsstörungen auf.

Außerdem haben sie eine eingeschränkte soziale Vorstellungskraft und können somit zum Beispiel nicht wissen was Person XY als nächstes tun könnte. Die Autismus- Spektrum-Störung wird auch häufig als krankhafte Kontaktunfähigkeit beschrieben, da die Betroffenen durch die mangelnden sozialen Kompetenzen nur bedingt Beziehungen eingehen können. Ihnen fehlt es außerdem an Empathie und sie weisen häufig eine egozentrische Wahrnehmung auf.3 Ein Konfliktpunkt ist die Unfähigkeit emotionale Signale, wie zum Beispiel Ironie, zu verstehen oder anzuwenden. Vor allem ist es für Kinder schwer zu verstehen warum sie ,,anders‘‘ sind, nur weil sie sich (aus ihrer Sicht) im Gegensatz zu anderen Kindern richtig verhalten und sich immer streng an die Regeln halten. Ein weiteres Hindernis ist die Sprache, da viele Autisten keine Unter- scheidungen in der Wortwahl, Lautstärke oder Betonung machen. Außerdem hat es schnell den Anschein, dass sie einen eigenen Plan verfolgen. Auf sozialer Ebene erschwert es das Miteinander: die Wortwahl ist häufig kurz, knapp und sehr sachlich - dies wird schnell als ausschließliche Betrachtung eigener Interessen interpretiert, was in vielen Fällen sogar den Tatsachen entspricht.

2.2 Kriterien für die Diagnose

Seit Veröffentlichung des DSM 5 im Jahre 2013 werden alle autistischen Störungen mit der Bezeichnung „Autismus-Spektrum-Störung“ unter dem Oberbegriff „Störungen neuronaler und mentaler Entwicklung“ geführt. Unterschiedliche Autis-musarten wurden zusammengefasst, aber in den einzelnen Kategorien deutlich ausführlicher beschrieben und klassifiziert. Bevor eine Diagnose gestellt wird, müssen die Kriterien überprüft werden und erst wenn alle zutreffen, darf von einer Autismus-Spektrum- Störung (ASS) gesprochen werden.4

Die Hauptkriterien umfassen zum einen Interaktions- und Kommunikationsstörungen, ein weiteres Kriterium ist repetitives und stereotypes Verhalten sowie der Entwicklungsaspekt der Person. Ausschlaggebend ist zusätzlich der Schweregrad und das Ausmaß des Unterstützungsbedarfs und außerdem die Nichtklärbarkeit durch andere Störungen. Die Unterscheidung nach Schweregrad beschreibt gut, in welcher Form Personen mit ASS leiden (s. Tabelle 1).

Tabelle 1: Schwergradbestimmung anhand der sozialen Kommunikation und Verhaltensweisen.5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schweregrad 3 Starke Einschränkungen der verbalen und non-verbalen sozialen Kommunikations- ,,Sehr fähigkeit. Folge: schwerwiegende funk- Umfangreiche tionelle Beeinträchtigungen, sehr be- Unterstützung grenzte sozialer Interaktionen und eine Erforderlich‘‘ minimale Reaktion auf soziale Angebote.

Sehr wenig Worte in verständlicher Sprache, seltener Beginn einer Inter- aktionen, Reaktion nur auf direkte Kon- taktaufnahme.

Unflexibilität des Verhaltens, extreme Schwierigkeiten im Umgang mit Veränderungen oder andere restriktive/repetitive Verhal- tensweisen mit ausgeprägter Funk- tionsbeeinträchtigung in allen Be- reichen. Zeigt großes Unbehagen bzw. hat große Schwierigkeiten, den Fokus oder die Handlung zu verändern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schweregrad 1 Die Einschränkungen in der sozialen Kommunikation verursachen ohne ,,Unterstützung Unterstützung bemerkbare Beeinträch- Erforderlich‘‘ tigungen. Schwierigkeiten bei der Ini- tiierung sozialer Interaktionen sowie einzelne deutliche Beispiele von unüb- lichen oder erfolglosen Reaktionen auf soziale Kontaktangebote anderer. Schein- bar vermindertes Interesse an sozialen Interaktionen. Die Person ist z.B. in der Lage, in ganzen Sätzen zu sprechen und sich jemandem mittzuteilen, aber ihre Versuche zu wechselseitiger Kommunika- tionen misslingen, ihre Bemühungen, Freundschaften zu schließen wirken merk- würdig und sind in der Regel erfolglos.

Unflexibilität des Verhaltens führt zu deutlichen Funktionsbeein- trächtigungen in einem oder mehr- eren Bereichen. Schwierigkeiten, zwischen Aktivitäten zu wechseln. Probleme in der Organisation und Planung beeinträchtigen die Selbst- ständigkeit.

2.3 Auftretenshäufigkeit von ASS

Die Autismus-Spektrum-Störung gilt nicht mehr als seltene Störung. Sie wird bei Männern viermal häufiger diagnostiziert als bei Frauen. Studien zufolge leiden 1,16 Prozent der Menschen unter der Autismus-Spektrum-Störung.

2.4 Ursachen autistischer Störungen

Vielen Hypothesen zufolge stellt die Autismus-Spektrum-Störung das Resultat vieler verschiedener Faktoren dar. Einer der bedeutendsten Faktoren ist hierbei die genetische Abstammung. Nicht nur ähnliche Vorerkrankungen spielen hierbei eine Rolle, sondern auch andere Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes erhöhen das Risiko. Auch Medikamente, wie beispielsweise Valporat, welches Mütter bei einer Epilepsie eingenommen haben, können das Risiko erhöhen.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer seit der Geburt vorliegenden Störung und einer, welche sich erst aus verschiedenen Lernerfahrungen in der Lebensgeschichte entwickelt hat. Dies macht deutlich, dass angenommen wird, das ASS sowohl genetisch, als auch umweltbezogene Ursachen haben kann. Dies ist vor allem bei der Therapie von großer Bedeutung. Einen weiteren Faktor bildet der Ablauf der Geburt, denn Komplikationen in der Schwangerschaft und bei der Geburt sind eine weitere mögliche Ursache. Wenn ein Kind beispielsweise zu früh oder mit einem zu geringen Gewicht das Licht der Welt erblickt hat, liegt ein höheres Risiko für ASS vor. Ein weiterer Aspekt ist das Alter der Eltern, denn je weiter das Alter der Eltern zur Zeit der Schwangerschaft fortgeschritten ist, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit ein an Autismus leidendes Kind zu gebären. Insgesamt sind die Ursachen für die Autismus- Spektrum-Störung nicht endgültig und lückenlos geklärt.6

2.5 Therapie bei ASS

Zunächst ist es wichtig sich vor Augen zu führen, dass eine vollständige Therapie der Störung nicht möglich ist. Dies ist auch in keinem Fall das Ziel einer Therapie. Denn das Ziel wird immer an die zu therapierende Person individuell angepasst. Zwischenziele lassen sich jedoch in einzelne Kategorien einteilen. Ein weit verbreitetes und häufig auftretendes Ziel ist der Wunsch nach Hilfe in Bezug auf Stress. Hierbei ist zu bedenken, dass autistische Personen Situationen, die auf den ersten Blick alltäglich erscheinen, für Betroffene mit viel Stress verbunden sein können. Denn sie stellen eine Abweichung (auch wenn sie für Außenstehende minimal erscheinen) vom Gewohnten dar und alles Ungewohnte beinhaltet für Autisten Unbehagen bis hin zu starkem Stress.

[...]


1 Falkai, Peter / Wittchen, Hans-Ulrich (2015): Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-5. Göttingen: Hogrefe, S. 71

2 http://www.bischof-wittmann-schule.de/projekte/angebote_foerderung_autismus-Dateien/

3 Dodd, Susan (2007): Autismus. Heidelberg: Spektrum akademischer Verlag. S. 2

4 Falkai & Wittchen (2015): S. 64

5 Falkai & Wittchen (2015): S. 67

6 Vogeley, Kai (2016): Anders sein, Autismus-Spektrum-Störung im Erwachsenalter-Ein Ratgeber. 2. Aufl. Weinheim: Beltz, S. 151

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Schwere Störung oder gewünschtes Eignungsmerkmal? Autismus und Lebensqualität im Kontext der Berufstätigkeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V416205
ISBN (eBook)
9783668662933
ISBN (Buch)
9783668662940
Dateigröße
673 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Autismus, Asperger, Lebensqualität, Psychologie, Facharbeit, Pädagogik, Heinrich Heine Gymnasium, Therapie, Symptome, Berufschancen, Karriere, Schule, Bildung, Arbeit, Annika Schwennen, Störungsbild, Diagnose, Ursachen, IT Branche, ASS, Autismus Spektrum Störung, Probleme, Hoffnung, Aussichten, Chancen, Auftretenswahrscheinlichkeit, Vorkommen, Krankheit, Eignungsmerkmal, Berufstätigkeit
Arbeit zitieren
Annika Lynn Schwennen (Autor), 2018, Schwere Störung oder gewünschtes Eignungsmerkmal? Autismus und Lebensqualität im Kontext der Berufstätigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416205

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