Religiöse Motivik und Minneheiligkeit in Konrads von Würzburg "Das Herzmaere"


Hausarbeit, 2015

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung: Das Verhältnis von Ehe und Minne zu Zeiten Konrads von Würzburg

2. Religiöse Motivik und Minneheiligkeit in Konrads von Würzburg Das Herzmaere
2.1 Inszenierung der Minne und der Gottesfurcht
2.1.1 Schicksalsgläubiges Vertrauen auf Gottes Allmacht
2.1.2 Gläubigkeit auch im Angesicht des Todes
2.2 Geistliche Semantik und christliche Konnotationen
2.2.1 Geplante Reise in das Heilige Land
2.2.2 Der Ring als Liebespfand und religiöses Insigne
2.2.3 Einbalsamieren des Herzens und Aufbewahrung im Reliquiar
2.2.4 Nähe zur Eucharistie durch Inkorporation des Herzens
2.3. Minnetod als Minnemartyrium
2.3.1 Selbstaufopferung des liebenden „Märtyrers“
2.3.2 Absage an die weltlichen Freuden und Leben nach dem Tod

3. Schluss: Religiöse Bezüge als Leitmotive im Herzmaere

4. Literaturverzeichnis.

1. Einleitung: Das Verhältnis von Ehe und Minne zu Zeiten Konrads von Würzburg

Minne und Ehe wurden im Mittelalter als zwei voneinander getrennte Instanzen gesehen, da die feudale Ehepraxis vorwiegend auf die „Fortpflanzung des eigenen Hauses, also die Erzeugung legitimer Erben“1 sowie die „Absicherung des eigenen Herrschaftsbereichs“2 ausgerichtet war. Aus diesem Grund spielte die Minne zwischen den Eheleuten dieser oftmals durch die Familien arrangierten Verbindungen eine eher untergeordnete Rolle, da „die Familieninteressen oft keine Rücksicht darauf genommen haben, ob die Eheleute zueinander paßten“.3 Auch die kirchliche Lehre proklamierte eine Trennung von Liebe und Ehe, lehnte strikt lustvolle Sexualität zwischen den Ehepartnern ab und betrachtete „die Nachkommenschaft, die Treue und das Sakrament“ als alleinige Güter der Ehe.4 Minne war dabei nur „im poetischen Entwurf der Dichter“5 vorhanden, so dass man davon ausging, dass sie sich „nur außerhalb der Ehe voll verwirklichen könne“.6 Zu Zeiten Konrads von Würzburg galt die Kirche als „Entscheidungsinstanz über alle Ehefragen“,7 welche „die Liebe als Fundament der sexuellen Beziehung ausschloss, womit Konrads´ Herzmaere 8 an den Grenzen der gültigen feudal- und kirchenrechtlichen Sinnsysteme seiner Zeit angesiedelt ist“.9 Darin „werden die zeitgenössischen Ehekonventionen als repressiv entlarvt“,10 da sie es unmöglich machen, „eine wahre, passionierte Liebe im Rahmen der gesellschaftlichen Normen und Regeln zu verwirklichen“.11 Das Hauptthema der Geschichte, „die auch geschlechtliches Begehren nicht ausschließt“,12 ist die Beziehung einer Dame zu einem Ritter, die, da die Dame bereits verheiratet ist, nicht erfüllt werden kann.13 Konrad stellt sich in seinem maere, das von ganzer liebe seit (HM, V. 7), damit indirekt gegen das kirchliche Ehemodell, welches der wahren Minne im Weg steht. Auf dieser Basis stellt der Autor im Laufe der Geschichte noch weitere religiöse Bezüge her, welche die Handlung unterfüttern und einen sinnstiftenden Kern bilden.

2. Religiöse Motivik und Minneheiligkeit in Konrads von Würzburg Das Herzmaere

Im Folgenden soll untersucht werden, inwiefern sich Konrad in seinem Herzmaere christlicher Motivik bedient, Minneheiligkeit aufscheinen lässt oder sakrale Tendenzen einer „Gesellschaft, die selbst mit von der Kirche sanktionierten Moralgesetzen lebte und das Ehesakrament besaß“,14 aufgreift. An den Handlungsweisen der Dame, ihres Ehemannes und des Ritters werden ein mögliches „Transzendieren des physischen und emotionalen Bereichs“15 und die „Überhöhung in eine religiöse Dimension“16 beleuchtet. Minneheiligkeit ist hier im Sinne einer Liebe zum anderen Geschlecht gemeint, die Gott und ein Leiden, ein Martyrium wegen der Minne stets mit einbezieht. Überprüft wird auch, inwiefern die Minne dabei „religiös aufgeladen“17 ist und die Handlungsweisen der Figuren „zwischen Transzendenz und Immanenz“18 stehen.

2.1 Inszenierung der Minne und der Gottesfurcht

2.1.1 Schicksalsgläubiges Vertrauen auf Gottes Allmacht

Zunächst fällt auf, dass der Ritter und die Dame in jeder Lebenssituation stets auf die Allmacht Gottes und seine rechte Führung vertrauen.19 Konrad stellte beide als tiefgläubige Menschen dar, indem er sie im Handlungsverlauf trotz der in realiter stets unerfüllt bleibenden Liebe nie mit Gott hadern lässt. Blamires ist in diesem Zusammenhang der Meinung, dass Konrad mit der Verwendung des Wortes süeze „eine Brücke zu religiösen Werten, also in eine religiöse Dimension schlägt, da der ´vil süeze reine Crist´ […] den Ritter aus dem Exil zurückschicken soll“.20 Zwar klagt die Dame Gott ihren Kummer darüber, nicht immer bei dem Geliebten sein zu können, doch bleibt ihr Vertrauen auf Gottes Fügung dadurch ungebrochen: dem edeln gote sîz geclaget daz du nâch dem willen dîn niht iemer maht bî mir gesîn und ich bî dir nâch mîner ger (HM, V. 176-179). Vielmehr könnte man in dieser Aussage eine Art Gebet sehen, den flehentlichen Appell an Gott, den Geliebten doch wieder heil zurückzuführen und somit eine Vereinigung herbeizuführen. Die Dame schließt ein Wiedersehen nicht von vornherein aus, da der Geliebte under stunden (HM, V. 183), also in der Zwischenzeit, an ihren Schmerz denken soll. Sie stützt ihre Hoffnung vielmehr auf den edeln gote (HM, V. 176). Der religiös begründete Glaube an die Möglichkeit einer Vereinigung der Liebenden ist in vielen Passagen präsent. Dies verdeutlicht zudem der folgende konjunktivische Nebensatz mit exzipierender Bedeutung: er hæte sich des wol bedâht daz er ûf der erden niemer wollte werden fröudehaft noch rehte frô, got gefuoctez danne alsô daz er ze lande qu æ me […] (HM, V. 232-237). Der Ritter in der Ferne ist laut dem Erzähler davon überzeugt, dass nur Gottes Fügung ein mögliches Wiedersehen mit der Dame herbeiführen und ihm zu seinem Glück verhelfen könnte, zumal da sich „die liebenden edelen herzen […] dem edelen got verbunden wissen“.21 Somit ist die beiderseitige Minne stets auf Gott hin ausgerichtet.

[...]


1 Vgl. Bumke: Höfische Kultur, S. 534.

2 Bonnemann: Die wirkungsästhetische Interaktion zwischen Text und Leser, S. 33.

3 Vgl. Bumke: Höfische Kultur, S. 536.

4 Vgl. ebd., S. 540.

5 Vgl. ebd., S. 528.

6 Vgl. ebd., S. 529.

7 Vgl. ebd., S. 545.

8 Konrad von Würzburg: Das Herzmaere. Für den Primärtext im Folgenden verwendete Sigle: HM.

9 Bonnemann: Die wirkungsästhetische Interaktion zwischen Text und Leser, S. 37.

10 Ebd., S. 39.

11 Grubmüller: Die Ordnung, der Witz und das Chaos, S. 163.

12 Bonnemann: Die wirkungsästhetische Interaktion zwischen Text und Leser, S. 39.

13 Vgl. Bonnemann: Die wirkungsästhetische Interaktion zwischen Text und Leser, S. 55.

14 Vgl. Schulze: Konrads von Würzburg novellistische Gestaltungskunst im ´Herzmaere´, S. 482.

15 Vgl. ebd., S. 480.

16 Vgl. ebd.

17 Bulang/Kellner: Wolframs ´Willehalm´, S. 160.

18 Vgl. ebd.

19 Vgl. HM, V. 170-171 : sô dich her wieder hât gesant der vil süeze reine Crist, […].

20 Blamires: Konrads von Würzburg ´Herzmaere´ im Kontext der Geschichte vom gegessenen Herzen, S. 260.

21 Rölleke: Nachwort, S. 163.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Religiöse Motivik und Minneheiligkeit in Konrads von Würzburg "Das Herzmaere"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Sprach und Literaturwissenschaften)
Veranstaltung
Minne und Âventiure bei Konrad von Würzburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V416235
ISBN (eBook)
9783668660090
ISBN (Buch)
9783668660106
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
religiöse, motivik, minneheiligkeit, konrads, würzburg, herzmaere
Arbeit zitieren
Raphaela Maier (Autor), 2015, Religiöse Motivik und Minneheiligkeit in Konrads von Würzburg "Das Herzmaere", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416235

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