Die meisten wichtigen Entscheidungen werden heutzutage von Teams getroffen. In der ökonomischen Fachliteratur, z.B. dem Bertrand oder Cournot Wettbewerb, werden Firmen oftmals als Einzelentscheider ("Die Firma") gesehen und nicht als ein Team aus mehreren Entscheidern. Dies nennt man die "unitary player assumtion"1(dt. Einzelspielerhypothese). Ein Grund warum man eine Firma meistens als Einzelentscheider betrachtet hat ist, weil man dem Konflikt zwischen wirtschaftlicher Rationalität und der Anhäufung verschiedenen Meinungen in einem Team aus dem Weg gehen wollte. Im Wettbewerb, auf dem Markt, verhalten sich Teams jedoch verglichen mit Einzelentscheidern meist unterschiedlich. Dies zeigen verschiedene Experimente aus der Vergangenheit, auf die im Laufe dieser Seminararbeit näher eingegangen werden soll. Um ein kurzes Beispiel vorweg zu nehmen, verhalten sich Einzelspieler im Gegensatz zu Teams unterschiedlich bzgl. Risikominimierung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vergleich Team & Einzelentscheider
2.1. Das Team
2.1.1. Allgemeine Begriffserklärung
2.1.2. Beispiel des Excess-Risk Vetoing
2.2. Der Einzelentscheider
3. Die Theorie
3.1. Das Cournot Modell
3.1.1. Das Gleichgewicht im Cournot-Duopol
3.1.2. Mehrere Firmen im Cournot-Markt
3.2. Wilcoxon-Mann-Whitney Test
3.2.1. Definition
3.2.2. Beispiel
4. Design des Experiments
5. Durchführung des Experiments
6. Hypothesen und Beobachtungen
6.1. Aufgestellte Hypothesen
6.2. Weitere Untersuchungen
7. Ergebnisse und Folgerungen
7.1. Stückzahlen auf dem Markt
7.2. Vergleich von Einzelspieler- und Team-Firmen
7.3. Einteilung in Spielertypen
7.4. Der Lerneffekt
7.5. Taschenrechnereingaben
8. Fazit / Ergebnis
9. Ergebnisse anderer Untersuchungen zu ähnlicher Problemstellung
9.1. Are four heads better than two
9.2. Two are few and four are many
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht experimentell, ob sich Entscheidungen von Teams systematisch von denen einzelner Akteure im Cournot-Wettbewerb unterscheiden. Zentral steht die Forschungsfrage, ob die ökonomische Annahme der "unitary player assumption" (Einzelspielerhypothese) auch in einem Team-Kontext Bestand hat oder ob firmeninterne Koordinationsprobleme und Gruppendynamiken zu abweichenden Marktergebnissen führen.
- Vergleich von Team-Entscheidungen und Einzelentscheidungen
- Analyse von Cournot-Wettbewerbsmärkten im Laborexperiment
- Untersuchung des Einflusses von Teamgröße und Gewinnverteilungsmechanismen
- Überprüfung der "unitary player assumption"
- Evaluation von Lerneffekten und rationalem Entscheidungsverhalten
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Beispiel des Excess-Risk Vetoing
Im Rahmen eines durchgeführten Experiments von Rockenbach/Sadrieh/Mathauschek im Jahre 2001 wurden Teams bei der Entscheidungsfindung beobachtet. Dabei erkannte man, dass Teams ihre Entscheidungen in den meisten Fällen per Mehrheitsentschluss trafen. Es bestand jedoch für jedes Teammitglied die Möglichkeit ein "excess-risk" Veto einzulegen, wenn es einen weniger risikoreichen Vorschlag hatte, der zu einer höheren erwarteten Auszahlung führte.
Nach Auswertung der Beobachtungen stellte man eine gewisse Regelmäßigkeit fest und definierte den sog. "Excess-Risk Vetoing"-Algorithmus:
1. Teams entscheiden per Mehrheitsentschluss, bis ein Teammitglied ein "excess-risk" Veto einlegt.
2. Ein "excess-risk" Veto nennt man den Vorschlag eines Teammitglieds eine andere Lotterie zu wählen, die einen höheren Erwartungswert aufweist, jedoch nicht risikoreicher ist, wie die zuerst ausgewählte.
3. Sobald ein "excess-risk" Veto eingelegt wurde, wird der alternative Vorschlag des Vetos genommen.
Die Gültigkeit dieses Algorithmus wurde in der Arbeit von Rockenbach/Sadrieh/Mathauschek durch verschiedene kleine Experimente und Beobachtungen gezeigt.
Dieses kleine Beispiel sollte noch einmal zeigen, wie in einem Team Entscheidungen gefällt werden. Der Vorteil des Gruppeneffektes ist hier sehr gut zu erkennen. Ein Einzelentscheider hätte womöglich den ersten Vorschlag angenommen. Das Team hat jedoch durch "mehrere Köpfe" die Möglichkeit, mehrere Gedanken und Alternativen durchzuspielen und kommt somit zu einem besseren Ergebnis.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Bedeutung der Teamentscheidung in der Ökonomie und die theoretische Annahme, Firmen als einzelne Akteure zu betrachten.
2. Vergleich Team & Einzelentscheider: Es werden die begrifflichen Grundlagen von Teams und Einzelentscheidern dargelegt sowie deren spezifische Vor- und Nachteile im Entscheidungsprozess diskutiert.
3. Die Theorie: Dieses Kapitel liefert die mathematischen Grundlagen des Cournot-Modells sowie die statistische Methode des Wilcoxon-Mann-Whitney Tests für die spätere Auswertung.
4. Design des Experiments: Hier wird der Aufbau des kontrollierten Laborexperiments beschrieben, einschließlich der verschiedenen Treatments zur Untersuchung von Team- und Individualentscheidungen.
5. Durchführung des Experiments: Die methodische Umsetzung mit Studenten an der Universität Bonn sowie der Ablauf der 40 Spielrunden werden erläutert.
6. Hypothesen und Beobachtungen: Dieses Kapitel formuliert die zu testenden Annahmen hinsichtlich der Übereinstimmung von Markt-Outputs und NGG.
7. Ergebnisse und Folgerungen: Die empirischen Daten werden ausgewertet, um die Hypothesen zu prüfen und Verhaltensmuster wie den Lerneffekt oder Spielertypen zu identifizieren.
8. Fazit / Ergebnis: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis, dass Team- und Einzelentscheidungen im untersuchten Kontext nur unwesentlich voneinander abweichen.
9. Ergebnisse anderer Untersuchungen zu ähnlicher Problemstellung: Ein Vergleich mit externen Studien zeigt unterschiedliche Perspektiven auf das Verhalten von Gruppen in verschiedenen Spieltheoretischen Szenarien auf.
Schlüsselwörter
Cournot-Wettbewerb, Teamentscheidung, Einzelspielerhypothese, Laborexperiment, Spieltheorie, Nash-Gleichgewicht, Markt-Output, Excess-Risk Vetoing, Gruppeneffekt, Spielertypen, Lerneffekt, ökonomische Rationalität, Industrieökonomie, Koordination, strategisches Spiel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Teams im Vergleich zu Einzelentscheidern in einem wettbewerbsorientierten Marktumfeld (Cournot-Wettbewerb) agieren und ob sich ihr Verhalten unterscheidet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die spieltheoretische Modellierung von Wettbewerbsmärkten, die empirische Analyse von Entscheidungsverhalten in Teams sowie die Überprüfung ökonomischer Standardannahmen im Labor.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Prüfung der "unitary player assumption", also der Annahme, dass Teams in ökonomischen Modellen wie Einzelpersonen behandelt werden können, und ob dies durch experimentelle Daten gestützt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt experimentelle ökonomische Forschung, bei der Daten durch kontrollierte Laborexperimente gewonnen und mit statistischen Methoden, insbesondere dem Wilcoxon-Mann-Whitney Test, ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Modellierung des Cournot-Marktes, das Design und die Durchführung eines Experiments mit verschiedenen Treatments (Organisationsformen) sowie die statistische Auswertung der Ergebnisse hinsichtlich Output, Verhalten und Lerneffekten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Cournot-Wettbewerb, Teamentscheidung, Nash-Gleichgewicht, experimentelle Ökonomik und die unitary player assumption.
Welche Rolle spielt der "Excess-Risk Vetoing"-Algorithmus?
Er dient als Beispiel dafür, wie innerhalb von Teams durch den Gruppeneffekt bessere Entscheidungen getroffen werden können, indem einzelne Mitglieder ein Veto gegen risikoreichere, aber weniger lukrative Vorschläge einlegen.
Führt die Teamgröße zu signifikanten Unterschieden im Ergebnis?
Die Ergebnisse des Experiments deuten darauf hin, dass die Anzahl der Mitglieder in einem Team kaum Einfluss auf das gesamte Marktergebnis oder den Output hat.
- Quote paper
- Rouven Schrep (Author), 2005, Gruppenkonflikte im Experiment - Cournot- Wettbewerb zwischen Teams, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/41680