Als Forschungsfrage gilt es im Verlauf dieser Arbeit zu klären, inwieweit öffentliche Medien Geschlechterrollen konstruieren und somit die Genderidentitäten von Mädchen und Jungen beeinflussen. Serien, die sich speziell an das weibliche Publikum richten, werden mit Serien verglichen, die das junge männliche Publikum ansprechen sollen. Des Weiteren werden die Problematiken der Medienerziehung für die Selbst- und Fremdwahrnehmung im Hinblick auf die Gegenwart und die zukünftige Lebensgeschichte der Medienkonsumenten erläutert, während zum Abschluss einige Aspekte thematisiert werden hinsichtlich diverser Maßnahmen und Vorkehrungen, die die Medienbranche aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet zu ergreifen hat, um als verantwortungsbewusst, sensibel und reflektiert gelten zu können. Verschiedene Beiträge der Online-Fachzeitschrift "Televizion", die sich ausschließlich im Forschungsbereich des Kinder- und Jugendfernsehen bewegt, dienen als wissenschaftliche Quellen dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Gender versus Sex
2. Genderrollen in den Medien
2.1. Darstellung der Prinzessinnen im medialen Raum
2.2. Weibliche Helden-Figuren in Fernsehserien
2.2.1. Weibliche Schönheitsideale in der Alltagswelt
2.2.2. Das Frauenbild in Mädchen-Zeitschriften
2.3. Die Bedeutung männlicher Helden-Figuren in den Medien
3. Anforderungen an gendergerechte Medien
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit öffentliche Medien Geschlechterrollen konstruieren und dadurch die Genderidentitäten von Kindern und Jugendlichen beeinflussen. Dabei wird analysiert, welche medialen Rollenbilder für Jungen und Mädchen propagiert werden und welche pädagogischen Anforderungen an eine verantwortungsbewusste Medienproduktion zu stellen sind.
- Konstruktion von Genderidentitäten durch öffentliche Medien
- Vergleich von Rollenbildern in Mädchen- und Jungenmedien
- Einfluss von Schönheitsidealen auf das Selbstbild von Kindern
- Pädagogische Funktionen von Helden-Figuren in Zeichentrickserien
- Anforderungen an eine gendergerechte und authentische Mediengestaltung
Auszug aus dem Buch
1.1. Gender versus Sex
Zunächst muss einmal geklärt werden, was unter dem Begriff des ‚Gender‘ zu verstehen ist und inwieweit er sich von einer zweiten Geschlechterdefinition unterscheidet. Physiologisch betrachtet existieren innerhalb der westlichen Kultur in der Regel zwei unterschiedliche Geschlechter, das Weibliche und das Männliche. Diese Geschlechter sind von der Natur durch biologische Umstände vorgegeben. Mädchen und Jungen werden mit einem festgelegten Chromosomensatz geboren. Ihr Hormonsystem unterscheidet sich voneinander, sowie ihre inneren und äußeren Geschlechtsmerkmale und –organe. Daher wird „das biologische Geschlecht“ (Lemish 2006, S.10) auch vielfach synonym mit dem Wort ‚sex‘ bezeichnet. ‚Gender‘ hingegen bezeichnet das soziokulturelle Geschlecht, welches gesellschaftlich „konstruiert und veränderbar“ (Lemish 2006, S.10) ist. Hierzu zählen Verhaltensweisen, Gestik, Mimik, Kleidungsstile, Frisur, Sprache, Vorlieben und Abneigungen, die als (un)typisch männlich bzw. weiblich angesehen werden. Sie sind nicht angeboren, sondern werden innerhalb des primären und sekundären Sozialisationsprozesses erlernt und internalisiert, teilweise durch Sanktionierung des nichtakzeptierten Verhaltens, teilweise durch Imitation oder den Einfluss bestimmter Bezugspersonen und Vorbilder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, inwieweit Medien Geschlechterrollen konstruieren und die Identität von Heranwachsenden beeinflussen, wobei der Fokus auf dem Vergleich zwischen Mädchen- und Jungenmedien liegt.
2. Genderrollen in den Medien: Dieses Kapitel analysiert, wie Fernsehen und Zeitschriften durch stereotype Darstellungen von Prinzessinnen, Helden-Figuren und Schönheitsidealen geschlechtstypisches Verhalten festigen und das Selbstbild der Rezipienten beeinflussen.
3. Anforderungen an gendergerechte Medien: Hier werden Strategien für eine mediale Gleichstellung diskutiert, wobei die Notwendigkeit betont wird, lebensnahe Vielfalt zu zeigen und Kinder aktiv in die Gestaltung ihrer Medien einzubeziehen.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Medien weiterhin einseitige Geschlechterrollen vermitteln, weshalb ein Umdenken hin zu authentischeren, pädagogisch wertvollen Modellen für eine freie Identitätsentwicklung unerlässlich ist.
Schlüsselwörter
Medienerziehung, Genderrollen, Geschlechteridentität, Fernsehen, Jugendzeitschriften, Schönheitsideale, Sozialisation, Helden-Figuren, Gender, Medienkompetenz, Rollenbilder, Identitätsentwicklung, Stereotype, Mädchen, Jungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert, wie öffentliche Medien durch spezifische Rollenmodelle für Mädchen und Jungen deren Geschlechteridentitäten konstruieren und beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Darstellung von Geschlechterrollen in Zeichentrickserien, die mediale Inszenierung von Schönheitsidealen und die Wirkung von Helden-Figuren auf Kinder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Einfluss medialer Angebote auf die Identitätsbildung von Heranwachsenden zu beleuchten und Anforderungen für eine pädagogisch reflektierte Mediengestaltung zu definieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse wissenschaftlicher Fachbeiträge sowie einer Untersuchung von Inhalten (Serien und Jugendzeitschriften) vor dem Hintergrund erziehungswissenschaftlicher Theorien.
Was wird im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil differenziert zwischen der Darstellung weiblicher Prinzessinnen- und Girl-Power-Welten einerseits und männlicher Helden-Figuren andererseits, inklusive einer Analyse von Jugendzeitschriften.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Genderrollen, Medienerziehung, Identitätsentwicklung und Medieneinfluss beschreiben.
Warum wird die „Prinzessinnen-Kultur“ kritisch betrachtet?
Die Autorin kritisiert, dass diese Kultur unrealistische Schönheitsideale propagiert und Mädchen suggeriert, ihre Identität sei an ein perfektes Äußeres gebunden.
Wie unterscheiden sich Helden-Figuren für Jungen von denen für Mädchen?
Während bei weiblichen Figuren oft die Optik und Schönheit im Vordergrund stehen, fokussieren Helden für Jungen stärker auf Charakterbildung, Problemlösung und Handlungsstrategien im Alltag.
Welcher Rat wird für eine bessere Mediengestaltung gegeben?
Es wird empfohlen, authentische Szenen zu verfilmen, die die Realität von Jugendlichen widerspiegeln, statt diese nur theoretisch zu adressieren.
Was ist die pädagogische Konsequenz für die Medienbranche?
Medien sollten vielfältigere, realistische Modelle anbieten, die frei von starren Vorurteilen sind und Kindern Raum zur eigenen Identitätsfindung lassen.
- Quote paper
- Corinna Diße (Author), 2015, Medienerziehung im Vergleich der Geschlechter. Wie werden die Geschlechtsidentitäten von Mädchen und Jungen beeinflusst?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416967