Ausgangspunkt und zentrale wissenschaftliche Grundlage der vorliegenden Projektarbeit ist das aktuell laufende Forschungs- und Entwicklungsvorhaben „Grüne Infrastruktur im urbanen Raum: Grundlagen, Planung und Umsetzung in der integrierten Stadtentwicklung“. Dieses wird seit Januar 2016 gemeinsam vom Lehrstuhl für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung der Technischen Universität München und dem Institut für Ökologie, Fachgebiet Ökosystemforschung/ Pflanzenökologie der Technischen Universität Berlin in Kooperation mit dem Berliner Planungsbüro bgmr Landschaftsarchitekten GmbH erarbeitet. Gefördert wird das Forschungsprojekt vom Bundesamt für Naturschutz. Im Zusammenhang mit Grüner Infrastruktur ist auf politischer Ebene 2013 von der Europäischen Kommission die Strategie zur Förderung der Grünen Infrastruktur in Europa verabschiedet worden, in welcher auch klargestellt wird, dass „sich grüne Infrastruktur im terrestrischen Bereich sowohl im urbanen als auch im ländlichen Raum befinden kann“. Zur Umsetzung und Konkretisierung der Europäischen GI-Strategie für den deutschen Planungskontext wird derzeit das „Bundeskonzept Grüne Infrastruktur“ erarbeitet. „Das BKGI ist ein räumlich übergreifendes Gesamtkonzept, das unterschiedliche Fachkonzepte des Naturschutzes auf Bundesebene zusammenführt und diese für raumbezogene umweltpolitische und planerische Entscheidungen auf Bundesebene aufbereitet.“ Im Rahmen des UGI-Forschungsprojekts wird derzeit unter anderem das Argumentationspapier „Urbane grüne Infrastruktur – Hintergrund, Argumente und gute Beispiele für Kommunen“ erstellt, welches „die Kommunen, insbesondere die für Naturschutz, Umwelt, Grünplanung bzw. -unterhaltung und Landschaftsplanung zuständigen Fachämter bei der Entwicklung und Konzeption von urbaner grüner Infrastruktur fachlich unterstützen“ soll. Die Projektarbeit wird in Anlehnung an das UGI-Forschungsvorhaben erarbeitet. Sie stellt den beispielhaften Versuch einer konkreten Anwendung der im Laufe der Forschungen bereits entwickelten konzeptionellen Elemente von UGI dar.
Gliederung
1 Einleitung
1.1 Anlass und Hintergrund der Projektarbeit
1.2 Definitionen
1.2.1 Grüne Infrastruktur
1.2.2 Ökosystemleistungen
1.2.3 Urbane grüne Infrastruktur
1.2.4 Freiraum
1.2.5 Freiraumplanung
1.2.6 Landschaftsplanung
1.3 Untersuchungsfrage und Ziele
1.4 Untersuchungsgebiet
1.5 Methodik
1.5.1 Fachliche Grundlagen
1.5.2 Arbeitsschritte
2 Förderung von Klimaanpassung und Resilienz als Hauptziel in der Würzburger Innenstadt
3 Handlungsfelder
3.1 Dominanz von Verkehrsflächen für den motorisierten Verkehr
3.2 Mangel an dezentralen grünen Freiräumen und geringer Baumbestand im Bereich zwischen Ringpark und Main
3.3 Brüche im Freiraumzusammenhang an Main und Ringpark
3.4 verdolte Pleichachabschnitte
4 Handlungs- und Maßnahmenempfehlungen
4.1 Entsiegelung von Verkehrsflächen zur Schaffung dezentraler Grünflächen und Erhöhung des Baumbestands im Bereich zwischen Ringpark und Main
4.2 Verbesserung des Freiraumzusammenhangs im nördlichen Ringpark und am nördlichen Main-Abschnitt
4.3 Freilegung der Pleichach und Entwicklung begrünter Gewässerabschnitte
4.4 Repräsentative Fassadenbegrünungen an öffentlichen Gebäuden und Förderung von Fassadenbegrünungen an privaten Gebäuden
5 Projektvorschläge
5.1 multifunktionale Grünanlage an der Friedensbrücke
5.2 Freiraum am Paradeplatz
5.3 Baumreihen im Randbereich des Residenzplatzes
5.4 begrünter Pleichach-Abschnitt im Bereich Haugerglacisstraße
5.5 Grünanlage am Hauptbahnhof als Erweiterung des Ringparks
5.6 Freiraum Kardinal-Faulhaber-Platz
5.7 Fassadenbegrünung am Gebäude Karmelitenstraße 43
6 Zusammenfassung
7 Fazit
8 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, Konzepte der urbanen grünen Infrastruktur (UGI) gezielt auf die Würzburger Innenstadt zu übertragen, um dort insbesondere Klimaanpassung und Resilienz zu fördern. Die Forschungsfrage untersucht, welche freiraumspezifischen Empfehlungen sich aus dem UGI-Konzept für die nachhaltige Stadtentwicklung Würzburgs ableiten lassen, um bestehende Defizite wie Versiegelung, Hitzeinseln und fehlende Vernetzung zu beheben.
- Analyse und Priorisierung von Handlungsfeldern in der Würzburger Innenstadt.
- Entwicklung von Maßnahmen zur Klimaanpassung und Stärkung der Resilienz.
- Konzeptionelle Ansätze zur Verbesserung der Freiraumvernetzung (Ringpark, Main).
- Spezifische Projektvorschläge für ausgewählte städtische Areale.
- Förderung der Bauwerksbegrünung als Instrument der Stadtklimaverbesserung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Dominanz von Verkehrsflächen für den motorisierten Verkehr
Das Stadtgebiet Würzburg wird mit dem relativ hohen Anteil von etwa 48 % als Siedlungs und Verkehrsfläche genutzt (Bayerisches Landesamt für Statistik 2016, 13, Stand 2014). Von einem entsprechend hohen Versiegelungsgrad und einer hohen Bebauungsdichte ist besonders die Würzburger Innenstadt betroffen. Der hohe Versiegelungsgrad zwischen Ringpark und Main hängt neben der hohen Bebauungsdichte auch mit der dortigen "Dominanz des fließenden und ruhenden Autoverkehrs" (ISEK Gesamtstadt, 104) insbesondere des motorisierten Individualverkehrs (MIV) in der Innenstadt (ebd., 37) zusammen. Das hohe Kraftfahrzeugaufkommen führt hier zu problematischen Luftbelastungen. (ebd., 104) So konnten bestimmte Grenzwerte des Luftreinhalteplans Würzburg insbesondere durch verkehrsbedingte Luftschadstoffe in den letzten Jahren nicht eingehalten werden. (ebd, 36) Zwar haben sich die Luftbelastungen in Würzburg inzwischen zum Teil verringert und es lagen zuletzt keine Grenzwertüberschreitungen bei Feinstaub vor, doch es bestehen Grenzwertüberschreitungen bei Stickstoffdioxid (NO2) an einigen engen und vielbefahrenen Straßen in Würzburg. (Frommer 2016, Experteninterview) Beispielsweise im Bereich Theaterstraße, Textorstraße und Bahnhofstraße lagen in der Innenstadt zuletzt zu hohe NO2-Immissionen vor. (ebd.) Die Kessellage der Innenstadt, durch welche Inversionswetterlagen begünstigt werden, wirkt sich auf die Luftqualität in der Innenstadt problemverstärkend aus. (ISEK Gesamtstadt, 36-37) Das hohe Maß an Versiegelung und Bebauung zwischen Ringpark und Main trägt auch zur Verschärfung des Wärmeinseleffekts in der Innenstadt bei. (Göpfert 2016, Experteninterview) Das hohe Kraftfahrzeugaufkommen des MIV geht in Teilen der Innenstadt zudem zu Lasten anderer Verkehrsmittel und zu Lasten der Attraktivität der Innenstadt. (ISEK Gesamtstadt, 104) Zudem wird die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt insbesondere durch den ruhenden Autoverkehr und den Verkehr beim Suchen von Parkmöglichkeiten beeinträchtigt (ISEK Innenstadt, 107).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel legt die wissenschaftliche Grundlage der Arbeit durch das UGI-Forschungsprojekt dar und definiert zentrale Begriffe der grünen Infrastruktur und Freiraumplanung.
2 Förderung von Klimaanpassung und Resilienz als Hauptziel in der Würzburger Innenstadt: Hier wird der akute Handlungsbedarf zur Klimaanpassung in der durch Hitze und Versiegelung belasteten Würzburger Innenstadt begründet.
3 Handlungsfelder: Dieses Kapitel identifiziert spezifische Defizite, wie die Dominanz des Autoverkehrs und den Mangel an grünen Freiräumen, die das Stadtklima negativ beeinflussen.
4 Handlungs- und Maßnahmenempfehlungen: Aufbauend auf den Handlungsfeldern werden Strategien zur Entsiegelung, Begrünung und verbesserten Vernetzung entwickelt.
5 Projektvorschläge: Das Kapitel konkretisiert die Empfehlungen durch detaillierte Projektideen für spezifische Areale wie die Friedensbrücke, den Paradeplatz und die Pleichach.
6 Zusammenfassung: Die zentralen Ergebnisse, insbesondere zur Priorisierung von Klimaanpassung und zur multifunktionalen Freiraumentwicklung, werden zusammengeführt.
7 Fazit: Das Kapitel bewertet die Eignung des UGI-Konzepts für hochverdichtete Innenstädte und betont die Bedeutung transdisziplinärer Ansätze.
8 Ausblick: Es wird empfohlen, ein gesamtstädtisches Konzept auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse für Würzburg zu erstellen.
Schlüsselwörter
Urbane Grüne Infrastruktur, Klimaanpassung, Würzburg, Freiraumplanung, Resilienz, Stadtklima, Verkehrsberuhigung, Fassadenbegrünung, Ökosystemleistungen, Entsiegelung, Stadtgrün, Pleichach, Freiraumvernetzung, Stadtentwicklung, Nachhaltigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des Konzepts der urbanen grünen Infrastruktur auf die Innenstadt von Würzburg, um die städtische Lebensqualität und Klimaresilienz zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit adressiert Themen wie die Reduktion von Verkehrsflächen, die Schaffung von Grün- und Freiräumen, die Klimaanpassung durch Begrünung sowie die ökologische Aufwertung städtischer Gewässer.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, freiraumspezifische Empfehlungen und konkrete Projektvorschläge aus dem UGI-Konzept abzuleiten, um gezielt auf den Handlungsbedarf im Bereich Klimaanpassung in der Würzburger Innenstadt zu reagieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen, die Auswertung von Stadtentwicklungskonzepten (ISEK) und Klimafunktionskarten sowie leitfadengestützte Experteninterviews mit Vertretern der Stadtverwaltung Würzburg.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die bestehenden freiraumspezifischen Defizite, formuliert daraus Maßnahmenempfehlungen und präsentiert beispielhafte Projektvorschläge zur Entsiegelung und Begrünung spezifischer Standorte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Urbane Grüne Infrastruktur, Klimaanpassung, Resilienz, Entsiegelung und städtische Freiraumvernetzung.
Welche Rolle spielt die Pleichach in den vorgeschlagenen Projekten?
Die Arbeit schlägt die Freilegung und ökologische Aufwertung aktuell verdolter Abschnitte der Pleichach vor, um diese wieder als erlebbares Fließgewässer in den städtischen Raum zu integrieren.
Warum liegt ein besonderer Fokus auf Fassadenbegrünungen?
Fassadenbegrünungen werden als effektives Mittel zur Verbesserung des Stadtklimas und der Ökobilanz in hochverdichteten Innenstadtbereichen angesehen, wo Dachbegrünungen aufgrund von Dachformen oft nicht realisierbar sind.
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- Dipl.-Ing. (TUM) M.Sc. (TUM) Jonas Renk (Author), 2016, Urbane Grüne Infrastruktur als innovatives Konzept für die Freiraum- und Landschaftsplanung in deutschen Städten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417157