Urbane Grüne Infrastruktur als innovatives Konzept für die Freiraum- und Landschaftsplanung in deutschen Städten

Am Beispiel Würzburger Innenstadt


Projektarbeit, 2016
48 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung
1.1 Anlass und Hintergrund der Projektarbeit
1.2 Definitionen
1.2.1 Grüne Infrastruktur
1.2.2 Ökosystemleistungen
1.2.3 Urbane grüne Infrastruktur
1.2.4 Freiraum
1.2.5 Freiraumplanung
1.2.6 Landschaftsplanung
1.3 Untersuchungsfrage und Ziele
1.4 Untersuchungsgebiet
1.5 Methodik
1.5.1 Fachliche Grundlagen
1.5.2 Arbeitsschritte

2 Förderung von Klimaanpassung und Resilienz als Hauptziel in der Würzburger Innenstadt

3 Handlungsfelder
3.1 Dominanz von Verkehrsflächen für den motorisierten Verkehr
3.2 Mangel an dezentralen grünen Freiräumen und geringer Baumbestand im
Bereich zwischen Ringpark und Main
3.3 Brüche im Freiraumzusammenhang an Main und Ringpark
3.4 verdolte Pleichachabschnitte

4 Handlungs- und Maßnahmenempfehlungen
4.1 Entsiegelung von Verkehrsflächen zur Schaffung dezentraler Grünflächen und
Erhöhung des Baumbestands im Bereich zwischen Ringpark und Main
4.2 Verbesserung des Freiraumzusammenhangs im nördlichen Ringpark und am
nördlichen Main-Abschnitt
4.3 Freilegung der Pleichach und Entwicklung begrünter Gewässerabschnitte
4.4 Repräsentative Fassadenbegrünungen an öffentlichen Gebäuden und Förderung von Fassadenbegrünungen an privaten Gebäuden

5 Projektvorschläge
5.1 multifunktionale Grünanlage an der Friedensbrücke
5.2 Freiraum am Paradeplatz
5.3 Baumreihen im Randbereich des Residenzplatzes
5.4 begrünter Pleichach-Abschnitt im Bereich Haugerglacisstraße
5.5 Grünanlage am Hauptbahnhof als Erweiterung des Ringparks
5.6 Freiraum Kardinal-Faulhaber-Platz
5.7 Fassadenbegrünung am Gebäude Karmelitenstraße

6 Zusammenfassung

7 Fazit

8 Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Anlass und Hintergrund der Projektarbeit

Ausgangspunkt und zentrale wissenschaftliche Grundlage der vorliegenden Projektarbeit ist das aktuell laufende Forschungs- und Entwicklungsvorhaben „Grüne Infrastruktur im urbanen Raum: Grundlagen, Planung und Umsetzung in der integrierten Stadtentwicklung“ (UGI-Forschungsprojekt). Dieses wird seit Januar 2016 gemeinsam vom Lehrstuhl für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung der Technischen Universität München (TUM) und dem Institut für Ökologie, Fachgebiet Ökosystemforschung/ Pflanzenökologie der Technischen Universität Berlin (TUB) in Kooperation mit dem Berliner Planungsbüro bgmr Landschaftsarchitekten GmbH erarbeitet. Gefördert wird das Forschungsprojekt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN).

Im Zusammenhang mit Grüner Infrastruktur (GI) ist auf politischer Ebene 2013 von der Europäischen Kommission (KOM) die Strategie zur Förderung der Grünen Infrastruktur in Europa (GI-Strategie) verabschiedet worden, in welcher auch klargestellt wird, dass „sich grüne Infrastruktur im terrestrischen Bereich sowohl im urbanen als auch im ländlichen Raum befinden kann“ (KOM 2013, 3) (vgl. auch Kapitel 1.2.1). Zur Umsetzung und Konkretisierung der Europäischen GI-Strategie für den deutschen Planungskontext wird derzeit das „Bundeskonzept Grüne Infrastruktur“ (BKGI) erarbeitet (Hansen et al. 2016, 7). „Das BKGI ist ein räumlich übergreifendes Gesamtkonzept, das unterschiedliche Fachkonzepte des Naturschutzes auf Bundesebene zusammenführt und diese für raumbezogene umweltpolitische und planerische Entscheidungen auf Bundesebene aufbereitet.“ (ebd.)

Im Rahmen des UGI-Forschungsprojekts wird derzeit unter anderem das Argumentationspapier „Urbane grüne Infrastruktur - Hintergrund, Argumente und gute Beispiele für Kommunen“ erstellt, welches „die Kommunen, insbesondere die für Naturschutz, Umwelt, Grünplanung bzw. -unterhaltung und Landschaftsplanung zuständigen Fachämter bei der Entwicklung und Konzeption von urbaner grüner Infrastruktur fachlich unterstützen“ soll (Hansen et al. 2016, 7).

Die Projektarbeit wird in Anlehnung an das UGI-Forschungsvorhaben erarbeitet. Sie stellt den beispielhaften Versuch einer konkreten Anwendung der im Laufe der Forschungen bereits entwickelten konzeptionellen Elemente von UGI dar.

1.2 Definitionen

1.2.1 Grüne Infrastruktur

Grüne Infrastruktur (GI) wird in der GI-Strategie der Europäischen Kommission definiert als „ein strategisch geplantes Netzwerk natürlicher und naturnaher Flächen mit unterschiedlichen Umweltmerkmalen, das mit Blick auf die Bereitstellung eines breiten Spektrums an Ökosystemdienstleistungen angelegt ist und bewirtschaftet wird und terrestrische und aquatische Ökosysteme sowie andere physische Elemente in Land-(einschließlich Küsten-) und Meeresgebieten umfasst, wobei sich grüne Infrastruktur im terrestrischen Bereich sowohl im urbanen als auch im ländlichen Raum befinden kann“ (KOM 2013, 3).

GI weist somit einen expliziten Bezug zum Konzept der Ökosystemleistungen auf.

1.2.2 Ökosystemleistungen

Als Ökosystemleistungen werden im Rahmen des deutschen Beitrags zum internationalen „The Economics of Ecosystems and Biodiversity“ (TEEB)-Prozess „direkte und indirekte Beiträge von Ökosystemen zum menschlichen Wohlergehen, das heißt Leistungen und Güter, die dem Menschen einen direkten oder indirekten wirtschaftlichen, materiellen, gesundheitlichen oder psychischen Nutzen bringen“ (TEEB DE 2014, 70) bezeichnet.

Ökosystemleistungen werden unterschieden in Basis-, Versorgungs-, Regulierungs- und kulturelle Leistungen. Basisleistungen von Ökosystemen umfassen „Prozesse wie Bodenbildung, Nährstoffkreisläufe oder Photosynthese“. Sie bilden zusammen mit der biologischen Vielfalt „eine unverzichtbare Grundlage für Versorgungs-, Regulierungs- und kulturelle Leistungen“. Versorgungs-, Regulierungs- und kulturelle Ökosystemleistungen haben „einen unmittelbaren Nutzen für den Menschen“. Im Zusammenhang mit dem urbanen Raum sind Regulierungsleistungen zum Beispiel „die Verminderung von Belastungen des Stadtklimas“ und die Verbesserung der Luftqualität durch Stadtgrün. Kulturelle Leistungen in Städten umfassen „positive Beiträge der Stadtnatur zur Erholung und Bildung von Menschen in der Stadt“ sowie die „spirituelle oder ästhetische Bedeutung“ von Stadtnatur. Beispiele für Versorgungsleistungen sind „die Versorgung mit Nahrungsmitteln aus urbanen Gärten“ und die Trinkwasserversorgung in Städten. (TEEB DE 2016, 24)

1.2.3 Urbane grüne Infrastruktur

Im Rahmen des UGI-Forschungsprojekts wird Urbane Grüne Infrastruktur (UGI) folgendermaßen definiert:

„Urbane grüne Infrastruktur ist ein Netzwerk aus natürlichen, naturnahen und gestalteten Flächen und Elementen in Städten, die so geplant und unterhalten werden, dass sie eine hohe Qualität in Hinblick auf biologische Vielfalt, Nutzbarkeit und Ästhetik aufweisen und ein breites Spektrum an Ökosystemleistungen erbringen. Alle Arten von vegetationsund wassergeprägten Flächen und Einzelelemente können zur urbanen grünen Infrastruktur beitragen, unabhängig von Besitzverhältnissen und Entstehung. Auch versiegelte und bebaute Flächen können als Teil einer urbanen grünen Infrastruktur qualifiziert werden.“ (Hansen et al. 2016, 7)

Mit dem UGI-Konzept werden als strategische Ziele im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung angestrebt:

- „Förderung von Gesundheit und Lebensqualität“,
- „Förderung von Klimaanpassung und Resilienz“,
- „Schutz und Erleben von biologischer Vielfalt“,
- „Stärkung des sozialen Zusammenhaltes und der Teilhabe“,
- „Förderung von Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz“,
- „Stärkung grüner Baukultur“ sowie
- „Förderung wirtschaftlicher Entwicklung“.

(ebd., 11)

UGI wird als „vernetztes Freiraumsystem“ (ebd., 16) „strategisch geplant, erhalten und entwickelt“ (ebd., 9).

Folgende Planungsprinzipien sollen bei der Konzeption von UGI berücksichtigt werden:

- „Qualitäten verbessern“,
- „Mehrfachnutzung und Funktionsvielfalt fördern“,
- „Vernetzte Grünsysteme schaffen“,
- „Grüne und graue Infrastrukturen zusammen entwickeln“ sowie
- „Kooperationen und Allianzen anregen“

(ebd., 9)

„Damit das Konzept der urbanen grünen Infrastruktur Wirkung entfalten kann, muss es in die kommunale Planungspraxis integriert werden.“ (ebd., 20) Dazu sind „transdisziplinäres Denken und ressortübergreifende Zusammenarbeit vielfältiger staatlicher und nicht staatlicher Akteure“ erforderlich (ebd., 8).

Zur Anwendung des Konzepts können verschiedene formelle und informelle Instrumente sowie Förderinstrumente eingesetzt werden (ebd., 20). Ein Beispiel für entsprechende formelle Instrumente ist der kommunale Landschaftsplan. Informelle Instrumente sind beispielsweise Klimaanpassungsstrategien und Biodiversitätsstrategien (ebd., 10). Auch kann der Ansatz der UGI zum Beispiel in die Bauleitplanung eingebunden werden (ebd., 20).

UGI soll „die verschiedenen Maßstabsebenen in der Stadtentwicklung abdecken und die Anforderungen vor Ort aufnehmen“ (ebd., 7). Dazu sind gesamtstädtische und teilräumliche Konzepte erforderlich (ebd., 9). UGI-Netze „werden maßstabsübergreifend geplant und bieten damit die Chance zur Verbindung von (großräumiger) Landschafts- und (objektbezogener) Freiraumplanung“ (ebd.). „Die Disziplin der Landschafts- und Freiraumplanung hat eine hohe Kompetenz, um querschnittsorientierte Planungen und Projekte anzuregen und anzuleiten.“ (ebd., 27) Durch die Durchdringung der verschiedenen Maßstabsebenen von Landschafts- und Freiraumplanung können diese beiden Disziplinen im Zusammenhang entwickelt werden (ebd., 16). 1.2.4 Freiraum Die Verwendung des Begriffs „Freiraum“ erfolgt in der vorliegenden Arbeit in Anlehnung zum einen an Richter (1981) und zum anderen an Mader (2012).

Im umfassenden Sinne sind Freiräume nach Richter (1981) „überwiegend unbebaute Flächen in der Stadt, die grün, begrünt oder befestigt sein können“ (ebd., 13).

Diese Definition soll Ausgangspunkt für eine weitergehende Definition von Freiräumen im engeren Sinne sein, die die Grundlage für die Verwendung des Begriffs in der vorliegenden Arbeit bildet.

Im engeren Sinne ist bei Freiräumen nach Mader (2012) auch die planerische Gestaltung entscheidend: „Ein Freiraum wird geplant, also nach ästhetischen Gesichtspunkten, nach Regeln und Gesetzmäßigkeiten konzipiert und konstruiert.“ (ebd., 16) Mader hebt bei seinem Verständnis von Freiräumen im Grunde deren Ökosystemleistungen in den Vordergrund: „Freiräume bieten Begegnungen mit der Natur, stillen unser Bedürfnis nach Bewegung, nach Weite, Licht und frischer Luft, nach Bäumen, Vögeln, Wasser und Blumen.“ (ebd.) Freiräume sollen nach Mader der Entspannung und Erholung, der Gesundheit und dem Lustgewinn dienen und bilden einen „unverzichtbaren Ausgleich zur urbanen Lebenssphäre“ (ebd.). Nach ihrer Nutzung können Freiräume in öffentliche, halböffentliche oder private Freiräume unterteilt werden (ebd., 10). Bei öffentlichen Freiräumen, wie zum Beispiel Stadtparks, Uferpromenaden oder Stadtplätzen, ist Maders Verständnis folgend die freie Zugänglichkeit ein zentrales Merkmal (vgl. ebd., 16).

Im Rahmen der Projektarbeit werden auch gestaltete Fassaden- und Dachbegrünungen sowie gestaltete offene Wasserflächen als Freiraum beziehungsweise Freiraumelemente betrachtet.

1.2.5 Freiraumplanung

Freiraumplanung, also die Planung von Freiräumen als Aufgabenfeld der Landschaftsarchitektur, ist sehr vielschichtig und „umfasst ein weites Gebiet, vom privaten Hausgarten über repräsentative Außenanlagen von größeren Gebäuden bis zu den komplexen Strukturen des Stadtgrüns mit öffentlichen Plätzen, Fußgängerzonen, Parks, begrünten Stadteinfahrten, Naherholungsgebieten, Friedhöfen und Kleingartenkolonien“ (Mader 2012, 6). Sie soll einerseits funktionale Anforderungen an den Freiraum, andererseits aber auch ästhetische Bedürfnisse erfüllen (ebd.).

1.2.6 Landschaftsplanung

Bei der Landschaftsplanung ist nach Jessel et al. (2002) grundsätzlich zu unterscheiden zwischen

- der kommunalen Landschaftsplanung im engeren Sinne als spezifisches formelles Planungsinstrument und Fachbeitrag zum Flächennutzungsplan (FNP) für ein Gemeindegebiet bildet (kommunaler Landschaftsplan),
- der gesetzlichen Landschaftsplanung im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) und
- einem erweiterten Verständnis von Landschaftsplanung. (ebd., 32-33)

Die gesetzliche Landschaftsplanung ist über die §§ 8 bis 12 BNatSchG definiert, wobei die zentrale Aufgabe der Landschaftsplanung in § 9 Abs. 1 BNatSchG festgeschrieben ist:

„Die Landschaftsplanung hat die Aufgabe, die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege für den jeweiligen Planungsraum zu konkretisieren und die Erfordernisse und Maßnahmen zur Verwirklichung dieser Ziele auch für die Planungen und Verwaltungsverfahren aufzuzeigen, deren Entscheidungen sich auf Natur und Landschaft im Planungsraum auswirken können.“ (ebd.)

Die formellen Instrumente der gesetzlichen Landschaftsplanung sind zum einen Landschaftsprogramme und Landschaftsrahmenpläne sowie zum anderen auf kommunaler Ebene Landschaftspläne (LP) und Grünordnungspläne (GOP). (vgl. § 10 und 11 BNatSchG)

In der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) umfasst der Anwendungsbereich der Landschaftsplanung LP, GOP, Landschaftsplanerische Fachbeiträge, Landschaftsrahmenpläne, Landschaftspflegerische Begleitpläne sowie Pflege- und Entwicklungspläne. (vgl. § 22 Abs. 2 HOAI) In einem erweiterten Verständnis von Landschaftsplanung wird diese nach Jessel (2002) als „Oberbegriff für verschiedene ökologisch orientierte Planungsinstrumente“ verwendet (ebd., 33).

Der Projektarbeit liegt ein Verständnis von Landschaftsplanung im weiteren Sinne zu Grunde, wonach diese neben den im BNatSchG und in der HOAI aufgeführten landschaftsplanerischen Instrumente auch weitere Instrumente natur- und umweltschutzorientierter Planung einschließt, zum Beispiel naturschutzfachliche Pflegeund Entwicklungskonzepte, Landschaftsentwicklungskonzepte, Biodiversitätsstrategien, Biotopverbundplanungen sowie entsprechende Fachbeiträge zu wasserwirtschaftlichen Planungen und zu Integrierten Stadtentwicklungskonzepten.

1.3 Untersuchungsfrage und Ziele

Die Untersuchungsfrage der vorliegenden Arbeit lautet:

Welche freiraumspezifischen Empfehlungen lassen sich aus dem Konzept der urbanen grünen Infrastruktur für die Stadtentwicklung der Würzburger Innenstadt ableiten?

Die Ziele der Projektarbeit sind:

- Übertragung der Erkenntnisse aus dem UGI-Forschungsprojekt auf die Würzburger Innenstadt,
- Ermittlung von freiraumspezifischen Handlungsfeldern mit besonderem Handlungsbedarf (vgl. Kapitel 3) und von Handlungspotenzialen in der Würzburger Innenstadt,
- Entwicklung freiraumspezifischer Handlungs- und Maßnahmenempfehlungen zur strategischen Planung, Erhaltung und Entwicklung der UGI in der Würzburger Innenstadt (vgl. Kapitel 4),
- Entwicklung konkreter Projektvorschläge für die UGI der Würzburger Innenstadt (vgl. Kapitel 5).

1.4 Untersuchungsgebiet

Das UGI-Konzept kann „auf verschiedenen Maßstabsebenen (…) eingesetzt und nach lokalem Handlungsbedarf konkretisiert werden“ (Hansen et al. 2016, 8).

In der kreisfreien Großstadt Würzburg (Großstadt gemäß BBSR 2016) leben aktuell etwa 127.200 Einwohner (Stadt Würzburg 2016). Würzburg ist das Oberzentrum im Regierungsbezirk Unterfranken (ISEK Gesamtstadt, 14), wichtigster Beschäftigungsort der Region, Universitätsstadt, bedeutender Kultur-standort und „überregional bedeutsames touristisches Ziel“ (ebd., 15). Hinsichtlich der naturräumlichen Gliederung liegt das Stadtgebiet in der Naturraum-Haupteinheit Mainfränkische Platten (LfU 2016, FIS-Natur Online).

Die Weinberge und der Main, der das Stadtgebiet von Süden nach Norden durchfließt, sind stadtbildprägend (ISEK Gesamtstadt, 14). Das etwa 87 km2 große Stadtgebiet besteht aus 13 Stadtbezirken, wobei es sich zum Teil um ehemals selbstständige Städte und Gemeinden handelt (ebd., 14-15). „In der Altstadt und den direkt angrenzenden Stadtbezirken Zellerau, Grombühl, Frauenland und Sanderau wohnen über 50 % der Würzburger Bevölkerung.“ (ebd.) Neben der Altstadt sind auch die bereits genannten Bezirke Zellerau, Grombühl, Sanderau und Teile des Frauenlands „sehr urban geprägte Stadtbereiche mit hoher Siedlungsdichte und guter Infrastrukturversorgung“ (ebd., 92). Bei den nicht zentral gelegenen Bezirken handelt es sich um die „Großwohnsiedlungen“ Heuchelhof und Lindleinsmühle, das „Villenviertel“ Steinbachtal, das „eher kleinstädtisch geprägte“ Heidingsfeld sowie die „teilweise dörflich geprägten“ Bezirke Dürrbachtal, Versbach, Lengfeld und Rottenbauer (ebd., 92).

Der Stadtbezirk Altstadt ist mit einem Anteil von 15 % an der Gesamtbevölkerung des Stadtgebiets der bevölkerungsreichste Bezirk und wird „als Wohnort zudem immer begehrter“ und „besonders von jungen Erwachsenen zum Wohnen bevorzugt“ wird (ISEK Innenstadt, 33). Die Würzburger Altstadt ist „das wirtschaftliche, kulturelle und touristische Zentrum der Stadt“ (ISEK Gesamtstadt, 92), „bedeutender Arbeitsort und Standort vieler Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe“ und „Ort zum Ausgehen und Einkaufen, für Feste und kulturelle Aktivitäten“ (ebd., 15). Sie ist „das identitätsstiftende Zentrum“ und gleichzeitig ein überregional touristisches Ziel (ebd.). „Die Außenwirkung der Würzburger Innenstadt ist von ihrer Funktion als Einkaufs-, Arbeits- und Erlebnisort geprägt.“ (ebd.) Die Gebäudevolumendichte ist in der Altstadt mit einem statistischen Mittelwert von etwa 61 m3 /m2 unter den Würzburger Stadtbezirken deutlich am höchsten (Burghardt et al. 2016, 41).

Das Untersuchungsgebiet (UG) ist die Innenstadt Würzburgs. Die Abgrenzung des UG Innenstadt wurde aus dem Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskon-zept Innenstadt Würzburg (ISEK Innenstadt) übernommen, sie „orientiert sich in weiten Teilen an der Grenze des Stadtbezirkes Altstadt“ (ISEK Innenstadt, 16). Nur im östlichen und westlichen Bereich geht die Grenze des Altstadtbezirks über die Abgrenzung der Innenstadt hinaus. Die östliche und südliche Grenze des UG bildet der äußere Rand des Ringparks, die westliche der Main. Die nördliche Umgrenzung ergibt sich aus dem Main und den zum Main hin verlaufenden Gleistrassen. Im Hinblick auf die potenzielle natürliche Vegetation (PNV) im UG handelt es sich größtenteils um einerseits „Bergseggen-Waldgersten-Buchen-wald; örtlich im Komplex mit Bergseggen-Waldmeister-Buchenwald“ im mittleren und östlichen Bereich sowie „Flatterulmen-Stieleichen- im Komplex mit Silberweiden-Auenwald“ im westlichen Bereich am Main (LfU 2016, FIS-Natur Online).

1.5 Methodik

1.5.1 Fachliche Grundlagen

Die Projektarbeit ist parallel zum UGI-Forschungsvorhaben erstellt worden, welches auch die zentrale wissenschaftliche Grundlage der Arbeit ist.

Die planerische Grundlage im Hinblick auf das UG bilden primär die beiden Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepte (ISEK) Gesamtstadt Würzburg und Innenstadt Würzburg. Beide ISEK wurden 2012 im Auftrag der Fachabteilung Stadtentwicklung des Baureferats der Stadt Würzburg erstellt. Das ISEK Gesamtstadt wurde vom Planungsbüro SSR Schulten Stadt- und Raumentwicklung aus Dortmund und das ISEK Innenstadt von SSR in Kooperation mit dem Dortmunder Büro Stadtidee Raum.Objekt.Prozess erstellt (ISEK Gesamtstadt, 128; ISEK Innenstadt, 128).

Das ISEK Innenstadt dient der „Vorbereitung von Aufwertungs- und Entwicklungsmaßnahmen“ (ebd., 8).

Die „Ziele der Innenstadtentwicklung“ im ISEK Innenstadt sind unter anderem:

- „Aufwertung des öffentlichen Raums“,
- „Qualifizierung des Wohnorts Innenstadt“,
- „Freiräume pflegen und weiterentwickeln“ und
- „Stadt ans Wasser“.

(ebd., 57-58)

Als „Leitlinien der Innenstadtentwicklung“ sind im ISEK Innenstadt unter anderem festgelegt worden:

- „Schaffung von Aufenthaltsqualität und guten Bedingungen für Nahmobilität“,
- „Achsen als zentrale Entwicklungsbereiche“,
- „Schaffung von ‚Stadtoasen‘“ und
- „Innenstadt ans Wasser bringen“. (ebd., 59-60)

Neben den beiden ISEK sind auch das Integrierte Klimaschutzkonzept für die Stadt Würzburg (IKK) von Karg et al. (2012) und das Fachgutachten zur stadtklimatischen Analyse Würzburgs (Klimaplanatlas der Stadt Würzburg) von Burghardt et al. (2016) wichtige Planungsgrundlagen der Arbeit mit konkretem Bezug zur Würzburger Innenstadt.

Die leitfadengestützten Experteninterviews, die im Zeitraum von Mai bis August 2016 mit Vertretern der Stadtverwaltung Würzburgs stattgefunden haben, bilden eine weitere wesentliche Basis der Projektarbeit.

Im Einzelnen haben zur Entwicklung der Projektarbeit folgende leitfadengestützte Experteninterviews beigetragen:

- Experteninterview mit Herrn Müller, Gartenamtsleiter und Frau Höger, Dipl.Ing. (FH) Landschaftsarchitektin, Gartenamt der Stadt Würzburg am 23.05.16,
- Experteninterview mit Herrn Göpfert, Klimaschutzbeauftragter der Stadt Würzburg am 23.05.16,
- Experteninterview mit Herrn Düthmann, Leiter der Fachabteilung Stadtentwicklung der Stadt Würzburg am 27.06.16,
- Experteninterview mit Herrn Dr. Frommer, Leiter des Fachbereichs Umwelt- und Klimaschutz, Herrn Kuhn, Leiter der Fachabteilung Naturschutz und Landschaftspflege, und Herrn Maehler, Klimaschutzmanager, Stadt Würzburg am 19.08.16.

Die Planung, Durchführung, Dokumentation und Auswertung der leitfadengestützten Experteninterviews hat in Anlehnung an Empfehlungen von Mieg et al. (2005) stattgefunden. „In einem Experteninterview werden Experten Fragen vorgelegt, auf die sie in freier Rede in selbst gewählter (Fach-)Terminologie antworten können.“ (Mieg et al. 2005, 4). Unter einem Experten versteht Mieg et al. im Zusammenhang mit Experteninterviews „jemand(en), der/die aufgrund langjähriger Erfahrung über bereichsspezifisches Wissen/Können verfügt“ (ebd., 7). Experteninterviews „zählen (…) aufgrund der kleinen Zahl der Befragten (…) und aufgrund der Offenheit der Fragen zu den qualitativen Methoden der Datenerhebung.“ (ebd., 4-5) Vor jedem Experteninterview ist ein spezieller Interviewleitfaden in Anlehnung an die Empfehlungen von Mieg et al. entwickelt worden. Interviewleitfäden dienen nach Mieg et al. als „hilfreiche Stütze für den Interviewer, um sicherzustellen, dass die Fragen vollständig und hinreichend spezifisch im Gespräch behandelt werden“ (ebd., 10) und somit ein „themenfokussiertes Gespräch“ stattfinden kann (ebd., 4). Von den Experteninterviews sind jeweils vollständige Tonaufnahmen mit Hilfe eines Smartphones gemacht worden. (Lediglich vom Experteninterview beim Gartenamt der Stadt Würzburg am 23.05.16 konnte wegen eines technischen Fehlers keine verwertbare Tonaufnahme erstellt werden.) Zusätzlich wurde jeweils ein Handprotokoll erstellt (vgl. Mieg et al. 2005, 6). Vor Beginn der Experteninterviews beziehungsweise der Tonaufnahmen ist jeweils das Einverständnis der befragten Experten für die Aufnahmen eingeholt worden. Zur Auswertung der Experteninterviews sind diese auf Grundlage der Tonaufnahmen, der Handprotokolle und der Erinnerung jeweils im Sinne der intersubjektiven Nachvollziehbarkeit thematisch zusammengefasst worden. (Das Experteninterview am 23.05.16 wurde entsprechend auf Grundlage des Handprotokolls und der Erinnerung zusammengefasst.) Bei den Interviews wurde darauf verzichtet, diese wortgenau zu protokollieren. Die wortgenaue Transkription eines Experteninterviews ist jedoch auch nur in bestimmten Fällen erforderlich (vgl. Mieg et al. 2005, 21-23). In Anlehnung an Mieg et al. (2005) trägt eine thematische Zusammenfassung der Experteninterviews im vorliegenden Fall dem wissenschaftlichen Arbeiten in ausreichendem Maße Rechnung (vgl. ebd., 21-23). Die thematischen Zusammenfassungen der Experteninterviews sind den jeweils beteiligten Experten per E-Mail mit der Bitte um Prüfung zugestellt worden. Nur in einem Fall sind im Zuge dessen geringe nachträgliche Ergänzungen vorgenommen worden.

Recherchen, Bestandserfassungen und Analysen bilden eine vierte wesentliche Grundlage der Projektarbeit. Unter anderem wurden Luftbilder der Würzburger Innenstadt in Verbindung mit verschiedenen Geoinformationssystem (GIS)-basierten Daten ausgewertet. Hierbei wurden beispielsweise GIS-Daten verwendet, die von der Bayerischen Vermessungsverwaltung und des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) im Internet bereitgestellt werden. Auch wurden GIS-Daten (Shapes) vom Gartenamt der Stadt Würzburg für die Projektarbeit bereitgestellt. Diese wurden in ArcGIS (ESRI Inc.) mit aktuellen Luftbildern der Würzburger Innenstadt hinterlegt. Hierdurch konnte die Lage und der Umfang der öffentlichen Grünflächen sowie der Baumbestand im öffentlichen Raum in der Würzburger Innenstadt genauer analysiert werden. Um die Aktualität der in der Projektarbeit getroffenen Aussagen sicherzustellen, wurden verschiedene Ortsbegehungen unternommen und regelmäßig die Internetseite der Stadt Würzburg sowie die Würzburger Lokalzeitung Main-Post nach Informationen überprüft, die die Thematik der Projektarbeit betreffen. Darüber hinaus wurden fachspezifische Beiträge und Artikel, Broschüren und Fachliteratur, politische Programme und Gesetze herangezogen.

Die Umgrenzung des UG Würzburger Innenstadt und die Planungshinweiskarte (vgl. Anhang) wurden jeweils mit ArcGIS (ESRI Inc.) auf Grundlage von Luftbildern aus den ArcGIS-Geodatabases erstellt. Zur Darstellung der einzelnen Projektgebiete (vgl. auch Planungshinweiskarte) in Kapitel 5 wurden neben Satellitenbildern aus ArcGIS- Geodatabases auch Luftbilder und perspektivische Luftbildmodellierungen aus Google Earth (Google Inc.) verwendet. Zur Übertragung der Umgrenzungen der einzelnen Projektgebiete auf Google-Luftbildern wurde Adobe Photoshop (Adobe Systems Software Ltd.) verwendet.

Zur Veranschaulichung der Bestandssituation und der Projektvorschläge in Kapitel 5 wurden zudem Profilskizzen als nicht maßstäbliche Handzeichnungen angefertigt. Diese wurden eingescannt und ebenfalls mit Adobe Photoshop bearbeitet.

1.5.2 Arbeitsschritte

Im Rahmen der Grundlagenermittlung und Analyse haben folgende Arbeitsschritte stattgefunden:

(1) Überblick über die freiraumspezifische Bestandssituation in der Würzburger Innenstadt,
(2) Ermittlung des Handlungsbedarfs,
(3) Ermittlung und Analyse konkreter freiraumspezifischer Handlungsfelder im Hinblick auf die Ziele von UGI,
(4) Festlegung eines Hauptziels sowie
(5) Ermittlung von Handlungspotenzialen.

Die Arbeitsschritte 1 bis 3 sind primär auf Grundlage der beiden ISEK erfolgt. Hierbei sind unter anderem die SWOT (strengths-weaknesses-opportunities-threats)-Analysen im ISEK Gesamtstadt und die Stärken-Schwächen-Profile im ISEK Innenstadt hinsichtlich UGI- relevanter Aspekte in Bezug auf die Würzburger Innenstadt ausgewertet worden. Da sich im Laufe der Arbeit zunehmend herausgestellt hat, dass in der Würzburger Innenstadt aktuell besonderer Handlungsbedarf im Hinblick auf ein bestimmtes strategisches Ziel des UGI-Konzepts besteht, ist dieses Ziel in einem vierten Arbeitsschritt als Hauptziel der UGI der Würzburger Innenstadt festgelegt worden (vgl. Kapitel 2). Für die Ermittlung von Handlungspotenzialen in der Würzburger Innenstadt (Arbeitsschritt 5) sind die Experteninterviews von entscheidender Bedeutung gewesen.

Auf Basis der Grundlagenermittlung und Analyse sind freiraumspezifische Empfehlungen zur strategischen Planung, Erhaltung und Entwicklung der UGI in der Würzburger Innenstadt entwickelt worden:

(6) Entwicklung von Handlungs- und Maßnahmenempfehlungen (vgl. Kapitel 4),

(7) Entwicklung konkreter Projektvorschläge (vgl. Kapitel 5) sowie

(8) Erstellung einer Planungshinweiskarte (siehe Anhang).

Auch bei diesen Arbeitsschritten haben Erkenntnisse aus den Experteninterviews einen wesentlichen Beitrag geleistet. Die Planungshinweiskarte (vgl. Anhang) dient der Zusammenfassung, Veranschaulichung und Verortung der freiraumspezifischen Projektvorschläge und der Empfehlungen mit konkretem Raumbezug.

Zur Verdeutlichung der methodischen Vorgehensweise bei der Erstellung der Projektarbeit ist die Methodik auf der nachfolgenden Seite schematisch dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schematische Darstellung der Methodik bei der Erstellung der Projektarbeit

2 Förderung von Klimaanpassung und Resilienz als Hauptziel in der Würzburger Innenstadt

Die strategischen Ziele von UGI beinhalten das Ziel „Förderung von Klimaanpassung und Resilienz“ (vgl. Kapitel 1.2.3).

Unter dem Begriff Klimaanpassung werden vom Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) Initiativen und Maßnahmen zusammengefasst, die dazu geeignet sind, „die Empfindlichkeit natürlicher und menschlicher Systeme gegenüber tatsächlichen oder erwarteten Auswirkungen der Klimaänderung zu verringern“ (IPCC 2007, 71). Zur Klimaanpassung sind nach der Europäischen Kommission (KOM) „die nachteiligen Auswirkungen des Klimawandels im Voraus einzuplanen und geeignete Maßnahmen zur Verhinderung oder Minimierung der klimawandelbedingten Beeinträchtigungen zu treffen, oder sich aus dem Klimawandel ergebende Chancen zu nutzen“ (KOM 2016). Zur Klimaanpassung wurde von der Deutschen Bundesregierung 2008 die „Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ (DAS) (Deutsche Bundesregierung 2008) und von der Bayerischen Staatsregierung 2009 die „Bayerische Klima-Anpassungsstrategie“ (BayKLAS) (StMUG 2009) beschlossen.

Mit Resilienz bezeichnet die IPCC die „Fähigkeit eines Systems und seiner Bestandteile, ein gefährliches Ereignis vorwegzunehmen, es zu dämpfen, sich daran anzupassen oder sich von diesem zügig und auf effiziente Weise wieder zu erholen, wobei Erhalt, Wiederherstellung oder Verbesserung der essentiellen Grundstrukturen und -funktionen des Systems sichergestellt bleiben“ (IPCC 2012, 563).

Nach dem Klima-Report Bayern 2015 äußerte sich der Klimawandel in Bayern bislang (Referenzzeitraum 1971-2000) insgesamt durch „einen allgemeinen Temperaturanstieg, eine Umverteilung der innerjährlichen Niederschläge, eine Tendenz zur Zunahme von Starkniederschlägen und zur Abnahme der Schneebedeckung sowie durch eine Verschiebung der phänologischen Phasen.“ (StMUV 2015, 4)

„Die mittlere Jahrestemperatur ist in Bayern im Zeitraum 1881 bis 2014 um 1,4°C angestiegen“, wobei der Temperaturanstieg etwa seit dem Ende der 1980er Jahre besonders hoch ist. (ebd., 38) Der Anstieg der mittleren Jahrestemperatur seit 1881 ist in Bayern etwas höher als der Temperaturanstieg in Deutschland, wo er im selben Zeitraum 1,3°C betragen hat und damit wiederum über dem globalen Mittel liegt. (ebd.) Im Zeitraum 1971 bis 2000 betrug die mittlere Jahrestemperatur in Bayern 7,8°C, wobei die Jahresmitteltemperaturen innerhalb der Landesfläche Bayerns sehr variieren. (ebd., 38) Im Raum Würzburg betrug die Jahresmitteltemperatur im selben Bezugszeitraum etwa 9°C. (ebd.) „In der Zukunft wird sich der Temperaturtrend in Bayern sehr wahrscheinlich fortsetzen.“ (ebd., 4) Für die Jahresmitteltemperatur wird in der nahen Zukunft (2021-2050) ein Temperaturanstieg von 1 bis 2°C gegenüber vorindustriellem Niveau erwartet. (ebd.) Dieser Anstieg könnte sich in der fernen Zukunft (2071-2100) auf 2 bis 4,5°C verstärken. (ebd.) Für den Temperaturanstieg in den einzelnen Jahreszeiten werden ähnliche Änderungen in Bayern projiziert. (ebd.) (Bezugszeitraum für Prognosen für die zukünftige Entwicklung der Jahresmitteltemperatur jeweils 1971-2000)

Der mittlere Jahresniederschlag betrug in Bayern im Zeitraum 1961 bis 2000 im Durchschnitt 945 mm. Auch beim mittleren Jahresniederschlag bestehen in Bayern große regionale Unterschiede. Die niedrigsten mittleren Niederschläge lagen im genannten Zeitraum im Raum Würzburg-Schweinfurt. So lag der mittlere Jahresniederschlag in Würzburg im genannten Zeitraum bei nur etwa 650 mm. (ebd., 44) Für die zukünftige Entwicklung der Niederschlagsverhältnisse in Würzburg ergibt sich die Tendenz, dass die Niederschläge im Winter in der nahen (2021-2050) und fernen Zukunft (2071-2100) zunehmen, während die Niederschläge im Sommer zumindest in der fernen Zukunft abnehmen werden. Die aufgezeigten Tendenzen der Niederschläge für die ferne Zukunft (Zunahme der Winterniederschläge, Abnahme der Sommerniederschläge) betreffen zwar Bayern insgesamt, jedoch den nord-westlichen Bereich des Landes und somit Würzburg in besonders hohem Maße. (ebd.) (Bezugszeitraum für die Prognosen für die zukünftige Entwicklung der mittleren Jahresniederschläge jeweils 1961-1990) Das Stadtgebiet Würzburg liegt also heute sowohl im heißesten, als auch im trockensten Bereich Bayerns und wird von der zunehmenden Klimaerwärmung mit hoher Wahrscheinlichkeit in besonderem Maße betroffen sein.

Im Integrierten Klimaschutzkonzept der Stadt Würzburg (IKK) werden als Auswirkungen des Klimawandels auf das Stadtgebiet Würzburg (Gesamtstadt) neben der erheblichen Zunahme von heißen Tagen und Nächten sowie der Abnahme der Niederschläge im Sommer einerseits Wasserknappheit, andererseits jedoch auch die Zunahme von Starkregenereignissen und erhöhte Hochwassergefahr genannt. (IKK 2012, 103-105)

In Becken- und Tallagen sowie in den Wärmeinseln von Großstädten wird allgemein eine zusätzliche Erwärmung hervorgerufen (StMUV 2015, 38). „Besonders betroffen vom städtischen Wärmeinseleffekt sind die Innenstadtgebiete mit ihrem hohen Versiegelungsgrad.“ (Dettmar et al. 2016, 11) In Verbindung mit der topographischen Kessellage und dem Wärmeinseleffekt führt der Klimawandel in der Würzburger Innenstadt zu einer erheblich verstärkten Aufheizung. (ISEK Gesamtstadt Würzburg, 52, 88) „Durch die bereits heute spürbare Wärmebelastung im Innenstadtbereich und die für Würzburg besorgniserregenden Klimaprognosen besteht hier unmittelbarer Handlungsbedarf.“ (IKK 2012, 39) Thermische Belastung und Hitzewellen in Städten stellen ein erhöhtes Gesundheitsrisiko insbesondere für ältere und kranke Menschen sowie Kleinkinder dar. (TEEB DE 2016, 55) Darüber hinaus führt thermische Belastung „insgesamt zu einer Minderung der Lebensqualität und Leistungsfähigkeit der Stadtbevölkerung“ (Wissel et al. 2013, 14).

In der Klimafunktionskarte des Klimaplanatlas der Stadt Würzburg von Burghardt et al. (2016) ist der innenstädtische Bereich zwischen Ringpark und Main zum überwiegenden Teil entweder als „Moderate Überwärmung - Verdichtete Gebiete mit großen Baumassen. Freiräume meist vegetationsfrei und mit eingeschränkter Belüftung. Überwärmungsrisiko erhöht.“ oder als „Starke Überwärmung - Stark verdichtete Gebiete, geprägt durch fehlende Vegetation und geringe Retentionseigenschaften. Stark eingeschränkte Belüftung. In Kombination mit großen Baumassen (…) hohes Überwärmungsrisiko.“ gekennzeichnet (ebd., 22, 24). In der Planungshinweiskarte von Burghardt et al. zur Gesamtbewertung ist der Bereich vorwiegend als „Sanierungszone“ dargestellt. „Flächen dieser Kategorie sind

(…) durch gravierende stadtklimatische Funktionsverluste (…) geprägt und sollten im Fokus der städtebaulichen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen stehen.“ (ebd., 28) In der Würzburger Innenstadt sind somit Maßnahmen zur effektiven Verbesserung der Klimaanpassung und Erhöhung der Resilienz erforderlich.

Auch im ISEK Gesamtstadt wird die Notwendigkeit der Klimaanpassung in der Würzburger Innenstadt festgestellt (vgl. ebd., 52).

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Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Urbane Grüne Infrastruktur als innovatives Konzept für die Freiraum- und Landschaftsplanung in deutschen Städten
Untertitel
Am Beispiel Würzburger Innenstadt
Hochschule
Technische Universität München
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
48
Katalognummer
V417157
ISBN (eBook)
9783668664975
ISBN (Buch)
9783668664982
Dateigröße
1303 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Urbane Grüne Infrastruktur, Grüne Infrastruktur, Landschaftsplanung, Freiraumplanung, Landschaftsarchitektur, Freiraum, Freiflächen, Stadtgrün, Stadtnatur, urbanes Grün, Naturschutz, Biodiversität, Ökosystemleistungen, Würzburg, Stadtplanung, Umweltschutz, Biologische Vielfalt
Arbeit zitieren
Dipl.-Ing. (TUM) M.Sc. (TUM) Jonas Renk (Autor), 2016, Urbane Grüne Infrastruktur als innovatives Konzept für die Freiraum- und Landschaftsplanung in deutschen Städten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417157

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