„Immer soll nach Verbesserung des bestehenden Zustands gestrebt werden, keiner soll mit dem Erreichten sich zufriedengeben, sondern stets danach trachten, seine Sache noch besser zu machen.“ In diesem Sinne soll diese Arbeit untersuchen, ob ein ethischer Orientierungsrahmen nicht nur zur moralischen Rechtfertigung im Innen- und Außenverhältnis, sondern darüber hinaus auch zu einer spürbaren Qualitätsverbesserung der Stiftungspraxis beitragen könnte.
In Deutschland werden immer mehr Stiftungen gegründet, wie sich aus folgender Grafik ergibt. Von den bis Ende 2015 vom Bundesverband Deutscher Stiftungen erfassten 21.301 rechtsfähigen, gemeinnützigen Stiftungen wurden über die Hälfte in den letzten 20 Jahren gegründet. Allein im Jahr 2015 sind 517 rechtsfähige Stiftungen neu entstanden. Mit einem weiteren Wachstum des Stiftungswesens ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu rechnen, da in Deutschland in den kommenden zehn Jahren mit ca. 3,1 Billionen Euro ein Drittel des Gesamtvermögens vererbt wird. Als Grund für diesen Boom wird nicht zuletzt die Reform des Gemeinnützigkeitsrechts in 2007 mit weiteren steuerlichen Anreizen für Stifter angesehen. Gleichzeitig werden immer mehr Stiftungen in Skandale verwickelt, wie zum Beispiel die Stiftung Marienhospital Herne. Die älteste Stiftung des Ruhrgebiets hat mehr als ihren guten Ruf verloren. Während die Stiftung vor der Pleite stand, füllten sich die dafür Verantwortlichen munter die Taschen. Die andauernde Niedrigzinsphase bringt Stiftungen zudem in wirtschaftliche Schieflagen, die es mehr und mehr unmöglich machen, dem Stiftungszweck nachzukommen und somit den Stifterwillen adäquat zu erfüllen. Die Diskussion um die Nachhaltigkeit von Stiftungshandeln gewinnt an Bedeutung. Der Ruf nach Transparenz und mehr Kontrolle wird lauter. Stiftungen unterliegen mehr und mehr einem besonderen ethischen Rechtfertigungsdruck.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Entwicklung Stiftungswesen und Problemstellung
1.2 Fragestellung und Verlauf der Untersuchung
2 Hauptteil
2.1 Definitionen
2.1.1 Definition Ethik
2.1.2 Definition Wirtschaftsethik
2.1.3 Der Begriff der Stiftung
2.1.4 Deutscher Corporate Governance Kodex
2.1.5 DZI Spendensiegel
2.1.6 Die Grundsätze guter Stiftungspraxis
2.2 Anwendung und Auswirkung
2.2.1 Mittelverwendung
2.2.2 Rechnungslegung
2.2.3 Kontroll- und Aufsichtsstrukturen
2.2.4 Transparenz
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob und inwieweit ein ethischer Orientierungsrahmen nicht nur zur moralischen Rechtfertigung im Innen- und Außenverhältnis beitragen, sondern darüber hinaus zu einer spürbaren Qualitätsverbesserung der Stiftungspraxis führen kann. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Rolle solcher Rahmenwerke als potenzieller Erfolgsfaktor für Stiftungen.
- Analyse der Rolle ethischer Orientierungsrahmen in der Stiftungsarbeit
- Gegenüberstellung von Anforderungen und tatsächlicher Verwaltungspraxis
- Bedeutung von Mittelverwendung, Rechnungslegung und Transparenz
- Professionalisierung als Antwort auf aktuelle Herausforderungen im Sektor
- Stärkung von Vertrauen und gesellschaftlicher Legitimität
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Kontroll- und Aufsichtsstrukturen
Zur dritten maßgeblichen Handlungsanforderung, den Kontroll- und Aufsichtsstrukturen, besagen die Grundsätze guter Stiftungspraxis, dass die Mitglieder der Stiftungsorgane informiert, integer und verantwortungsvoll zu handeln haben. Diese Forderung wird ausgeweitet auf alle ehrenamtlich tätigen Organmitglieder, die trotz ihrer übrigen Verpflichtungen angehalten sind, die erforderliche Zeit und Sorgfalt für die Stiftungsarbeit zur Verfügung zu stellen.47
Die Stiftungsstudie kommt bei ihren empirischen Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass die meisten Aufsichtsorgane ein bis vier Stunden pro Monat für die Stiftung arbeiten. Angesichts der Verantwortung gegenüber Stifter und Gesellschaft kann davon ausgegangen werden, dass dies nicht ausreichend ist. Mit hoher Sicherheit ist davon auszugehen, dass ein höheres Engagement bei größeren Stiftungen das nominell erhöhte finanzielle Risiko senken, bei kleineren Stiftungen den Stiftungserfolg sichern und Leistungseinbußen verhindern würde. Dieser Verantwortung im Handeln müssen sich alle Stiftungsverantwortliche bewusst sein, um erfolgreich in der täglichen Stiftungspraxis agieren zu können. Eine gewisse Professionalisierung auch für ehrenamtliches Tun ist hierbei unabdingbar. Koss meint hierzu: „Die professionelle Arbeitsauffassung der in Nonprofit-Organisationen tätigen (sic.) muss mit einem Abschied vom „wird-schon-stimmen“ bei den Agenten korrespondieren“48.
Des Weiteren fordern die Grundsätze guter Stiftungspraxis eine unabhängige Besetzung der Gremien. Das heißt Mitglieder von Kontroll- und Beratungsgremien sollen in keiner Abhängigkeit zu Mitglieder der operativen Tätigkeit stehen, jedoch von diesen umfassend und wahrheitsgemäß informiert werden.49 Der DCGK50 benennt die Aufgabe des Aufsichtsrates mit einer regelmäßigen Beratung und Überwachung der Unternehmensleitung. Auch der DCGK50 fordert die Mitglieder des Aufsichtsrates auf, die für ihre Aufgaben erforderlichen Aus- und Fortbildungsmaßnahmen eigenverantwortlich wahrzunehmen. Zur Thematik Interessenkonflikte führt der DCGK aus, dass jedes Mitglied des Aufsichtsrates bei seinen Entscheidungen verpflichtet ist, weder persönliche Interessen zu verfolgen noch Geschäftschancen für sich zu nutzen. Jeglicher Interessenkonflikt muss sofort offengelegt werden. Auch die DZI Spenden-Siegel-Standards51 besagen ganz eindeutig, dass durch eine klare Trennung von Leitung und Aufsicht jeglicher Interessenkonflikt vermieden werden muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das wachsende Stiftungswesen ein, thematisiert aktuelle Skandale sowie den Ruf nach Transparenz und definiert die Forschungsfrage bezüglich ethischer Orientierungsrahmen als Erfolgsfaktor.
2 Hauptteil: Der Hauptteil erläutert theoretische Grundlagen zu Ethik und Stiftungsrecht, stellt relevante Kodizes wie den DCGK oder das DZI-Siegel vor und analysiert deren Anwendung auf die Bereiche Mittelverwendung, Rechnungslegung, Kontrollstrukturen und Transparenz.
3 Fazit: Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage positiv: Ein ethischer Orientierungsrahmen fungiert als Erfolgsfaktor, indem er wichtige Impulse für die notwendige Professionalisierung im Non-Profit-Sektor liefert.
Schlüsselwörter
Stiftungspraxis, Ethik, Wirtschaftsethik, Stiftungsmanagement, Corporate Governance, DZI Spendensiegel, Grundsätze guter Stiftungspraxis, Mittelverwendung, Rechnungslegung, Kontrollstrukturen, Transparenz, Professionalisierung, Gemeinnützigkeit, Stifterwille, Vertrauensbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwiefern ethische Orientierungsrahmen als strategischer Erfolgsfaktor für die Arbeit von Stiftungen dienen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf den vier Bereichen Mittelverwendung, Rechnungslegung, Kontroll- und Aufsichtsstrukturen sowie Transparenz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, dass die Implementierung ethischer Standards zu einer Professionalisierung der Stiftungspraxis führt und somit maßgeblich zum Stiftungserfolg beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und den Vergleich von ethischen Kodizes (DCGK, DZI, Grundsätze guter Stiftungspraxis) mit empirischen Ergebnissen aus Stiftungsstudien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben Definitionen von Ethik und Stiftungswesen erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung von geforderten Standards und der realen Verwaltungspraxis in Stiftungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Stiftungspraxis, Ethik, Transparenz, Professionalisierung, Governance und Vertrauensbildung.
Warum ist die Trennung von Leitung und Aufsicht so bedeutsam?
Die Arbeit betont, dass eine klare Trennung Interessenkonflikte vermeidet, die sowohl der Reputation der einzelnen Stiftung als auch dem gesamten Sektor schaden können.
Welche Rolle spielt die "Währung" Vertrauen für Stiftungen?
Vertrauen ist im gemeinnützigen Sektor existenziell, da Stiftungen durch Transparenz und verantwortungsvolles Handeln ihren Status als verlässliche Partner für Spender und Gesellschaft sichern müssen.
- Citation du texte
- Karin Gerlinde Götz (Auteur), 2016, Ethischer Orientierungsrahmen in der Stiftungspraxis als Erfolgsfaktor?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417217