Störungen im Unterricht

Präventions- und Interventionskonzepte im Spiegel der sich wandelnden Schullandschaft


Hausarbeit, 2016
27 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Unterrichtsstörung als Begriff
2.1 Definition und Problemhorizont
2.2 Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen

3 Umgang mit Unterrichtsstörungen
3.1 Richtiges Erkennen und Zuordnen von Unterrichtsstörungen
3.2 Hypothesenbildung: Welche Ursachen kommen in Betracht
3.3 Lösungsentwurf: Prävention oder Intervention?

4 Die sich wandelnde Schullandschaft
4.1 Flüchtlingssituation 12-13
4.2 Gemeinschaftsschulen 14-15
4.3 Neuer Bildungsplan 2016 16

5 Zusammenfassung/ Diskussion

6 Erklärung der Eigenarbeit

7 Quellen und Literaturverzeichnis

8 Anhang

1. Einleitung

„Schüler haben das Recht, möglichst ungestörten Unterricht zu erhalten, aber auch die Pflicht, […] dafür zu sorgen, dass dies möglich ist. Lehrer haben ebenfalls das Recht, ungestörten Unterricht zu erteilen, aber auch die Pflicht [...] einen solchen zu ermöglichen.“[1]

Ich möchte die Hausarbeit mit diesem Zitat einleiten, da es die Reichweite und Verantwortung von störungsfreiem Unterricht hervorhebt. „Rechte“ und „Pflichten“ sind fundamentale Werte, auf die unsere Gesellschaft aufgebaut ist. Sie spielen somit auch in dem Beziehungsgefüge Schule und explizit im Unterricht eine zentrale Rolle. Demnach ist ein störungsfreier Unterricht nicht nur ein erstrebenswertes Ziel, oder eine eigenverantwortliche Angelegenheit, sondern eine grundlegende Verpflichtung, die von beiden Seiten – Schülern und Lehrern[2] – gleichermaßen eingehalten werden muss.

Dennoch sind Störungen fester Bestandteil des Unterrichts. Ob das Kippeln mit dem Stuhl, fliegende Papierschnipsel, Endlosdiskussionen mit dem Lehrer, stickige Luft im Klassenzimmer oder handfeste Auseinandersetzungen. Die Arten der Störungen und deren Auswirkungen auf den Unterricht können sehr unterschiedlich sein. Zunächst wollen wir uns daher unter Punkt 2 mit möglichen Definitionen des Begriffs „Unterrichtsstörungen“[3] beschäftigen. Auch wenn sich die Definitionen unterscheiden mögen, eines ist nicht von der Hand zu weisen: US stellen in jedem Fall eine Beeinträchtigung des Unterrichtsgeschehens dar und können das Lernen und Lehren in der Klasse gefährden.[4] Was jedoch kann dagegen unternommen werden? Bei der Literaturrecherche finden sich zahlreiche Publikationen, die sich mit US befassen und sich um Kategorien zur Einordnung und Interpretation bemühen. Konkrete Handlungsleitfäden bleiben dabei jedoch oft aus bzw. sehr theoretisch. Dies mag unter anderem daran liegen, dass sich die Auffassung von dem, was genau als US wahrgenommen wird, sehr unterscheidet. Der Anspruch auf ein Patentrezept, das für jede Situation die optimale Lösung bietet, muss demnach von vornherein verworfen werden. Dennoch gibt es einige Ansätze, die in der Präventions- und Interventionsarbeit inzwischen erfolgreich eingesetzt werden. Die Untersuchung einiger dieser Ansätze sowie die Modulanknüpfung zur pädagogischen Diagnostik und Förderung befinden sich unter Punkt 3.

Ebenfalls wird hier auf besonders „schwere“ Fälle eingegangen und eine Brücke zur zweiten Modulanknüpfung, Zusammenarbeit von Schule und Sozialarbeit, geschlagen. Hervorheben möchte ich in dieser Arbeit unter Punkt 4 die aktuelle Situation, die mit Einführung der Gemeinschaftsschulen, einem neuen Bildungsplan und der Flüchtlingssituation eine neue Herausforderung an die Lehrer mit sich bringt. Abschließend findet unter Punkt 5 eine Zusammenfassung sowie persönliche Stellungnahme statt.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, US im Diskurs der sich wandelnden Schullandschaft zu beleuchten und die Konzepte für professionelles Handeln in schwierigen Situationen zu untersuchen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Umsetzung dieser Konzepte in den Alltag. Angesichts der stetig steigenden „Burn-Out-Fälle“ unter Pädagogen nimmt die Thematik eine sehr wichtige Rolle ein. Laut eines Gutachtens des Aktionsrates Bildung aus dem Jahre 2014, hat sich die Zahl der Krankheitstage unter Pädagogen seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt. Dies ist oft auf Überforderung zurückzuführen und verursacht nicht nur immense finanzielle Schäden, sondern wirkt sich vor allem auch auf den Unterricht und die damit zusammenhängenden Schülerleistungen aus.[5] Viele Lehrer fühlen sich, gerade in der Anfangszeit, nicht richtig auf die Herausforderungen des Unterrichtens vorbereitet und fordern daher eine möglichst frühe Auseinandersetzung mit dem Thema US um dem sogenannten „Praxisschock“ bei Berufseinsteigern entgegenzuwirken. So sehe ich die vorliegende Arbeit nicht nur als schriftliche Auseinandersetzung, sondern auch als Schritt zur persönlichen Vorbereitung auf die bevorstehende Referendarszeit. Dabei sollen mir die ausgewählten Konzepte zur Erkennung, Ursachendiskussion, Zielsetzung und Realisierung von Präventions- und Interventionsmaßnahmen als Leitfaden dienen um professionell handeln und letztendlich mit realistischen Erwartungen in den Unterricht gehen zu können. Dabei werden folgende Fragen den inhaltlichen Verlauf der Arbeit bestimmen: Welche Hintergründe haben US? Welche Möglichkeiten gibt es in der Prävention und Intervention? Wie handelt man in besonders schwierigen Fällen? Und: Welche Herausforderungen stellt die aktuelle Situation an die zukünftigen Lehrkräfte?

2. Unterrichtsstörung als Begriff

2.1 Definition und Problemhorizont

Obwohl sich aus dem Alltagsverständnis die Bedeutung des Begriffs „Unterrichtsstörungen“ ableiten ließe, ist die Suche nach geeigneten wissenschaftlichen Definitionen doch sehr schwierig. Da es sich bei einer „Störung“ um eine subjektive Wahrnehmung handelt, erscheinen die Aussagen dazu recht willkürlich.[6] Damit verbunden sind nicht nur Überlegungen, was generell als US verstanden wird, sondern auch wer oder was dies auslöst und welche Auswirkungen damit verbunden sind. Bis in die 60er-Jahre sprach man häufig von „Disziplinschwierigkeiten“.[7] Da es nach dieser Definition die Aufgabe des Lehrers ist seine Schüler zu „disziplinieren“, wird auch er dafür verantwortlich gemacht, wenn sich die Schüler nicht entsprechend verhalten. Der Vorteil dieser Definition besteht darin, dass der Lehrer mitverantwortlich für das gemacht wird, was im Unterricht geschieht. Den Nachteil kann man jedoch darin sehen, dass die Schüler in dieser Betrachtungsweise für ihr Verhalten nicht in der Verantwortung stehen. Formulierungen hingegen, die von Erziehungsberatungsstellen verwendet werden beschreiben auffälliges Schülerverhalten als „Verhaltensunsicherheit“, „Verhaltensauffälligkeit“, oder „Verhaltensstörung“. Auch diese Definition hat Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist, dass so dem Lehrer die Last der Verantwortung genommen wird. Er kann „nichts dafür“, wenn ein Schüler „verhaltensgestört“ ist. Die Gefahr dieser Termini liegt jedoch darin, dass durch die Pathologisierung auffälligen Schülerverhaltens die Zuständigkeit nur allzu schnell an dritte, wie Therapeuten oder das Elternhaus weitergegeben wird.[8] Dies scheint angesichts der Tatsache, dass der Unterricht im Durchschnitt alle 2,7 Min. gestört wird und damit bis zu sechzig Prozent einer Unterrichtsstunde verloren gehen können, verständlich. Dennoch sollten gerade die Lehrer im Moment der Störung über ein Repertoire an Handlungsmöglichkeiten verfügen, die es ermöglichen schnell und effektiv den Unterrichtsfluss wiederherzustellen. Denn die fehlende Unterrichtszeit kann oft nur schwer, oder gar nicht mehr nachgeholt werden, was sich sehr frustrierend auswirken und natürlich auch den Lernprozess der Schüler negativ beeinflussen kann. Hier ergibt sich das Dilemma der US. Sie sind weder auf Schüler, noch auf Lehrer allein zurückzuführen, sondern bedingen sich gegenseitig und haben eines gemeinsam: einen gestörten Unterricht. Daher ist in der neueren Literatur stets von „Unterrichtsstörungen“ statt „Disziplinschwierigkeiten“ die Rede. Dieser Begriff schafft es die Komplexität des Themas auf die unterrichtliche und damit sachliche Ebene zu bringen. US sind nach Lohmann dabei „[…] Ereignisse, die den Lehr-Lern-Prozess beeinträchtigen, unterbrechen oder unmöglich machen, indem sie die Voraussetzungen, unter denen Lehren und Lernen erst stattfinden kann, teilweise oder ganz außer Kraft setzen.“[9] Mit dieser Definition rückt das eigentliche Ziel von Unterricht, nämlich das Lehren und das Lernen in den Vordergrund. Hier greift die systematische Sichtweise den Unterricht generell als Beziehungsgefüge zwischen Lehrern, Schülern, Eltern und allen Beteiligten auf, die zusammen in einem sozialen System leben, das durch „Verhaltensregeln“, Normen und Werte geprägt ist. Je nach Kultur, Zeitgeist, Schule, Lehrer, Fach, Altersstufe, Unterrichtsphase usw. können diese Normen variieren und werden durch die Mitglieder geschaffen und kommuniziert. Wird gegen sie verstoßen, kann dies als Störung bezeichnet werden.[10] Auch, wenn diese Sichtweise zunächst sehr relativ erscheint, ist sie doch grundlegend für das Verständnis. Denn die Basis der Störungsbeseitigung ist, sie richtig einzuordnen und zu verstehen. Nur so können langfristige Einflussmöglichkeiten auf das soziale System „Klasse“ ausgeübt werden.[11]

2.2 Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen

Die Arten von US sind so vielfältig, dass sie in Ihrer Gesamtheit kaum alle erfasst werden können. Daher bietet sich die Bildung von Unterkategorien an, mit deren Hilfe sich einzelne Vorfälle leichter zuordnen lassen. Bezugnehmend auf die oben erläuterte systemische Sichtweise, wird hier ein Modell herausgegriffen, das mit einer ganzheitlichen Betrachtungsweise US einzuordnen sucht. Die Schulpsychologen Dr. Walter KOWALCZYK und Winfried DEISTER vertreten ein fünfgliedriges Modell, nach dem das Schüler-, sowie das Lehrerverhalten, aber auch der Unterricht an sich, die Klassenraumsituation und das (schulinterne) System zu gestörtem Unterricht beitragen können.[12] Auffälliges Schülerverhalten wäre u.a. Schwätzen, vorlautes Verhalten, Zwischenrufe, Unaufmerksamkeit, Kippeln, Herumlaufen, oder Sachbeschädigung. Störendes Lehrerverhalten hingegen kann sich u.a. in Launenhaftigkeit, negativer Ausstrahlung, Respektlosigkeit gegenüber den Schülern, geringer Motivation, unklarer Aufgabenstellung, methodischer Monotonie und Inkonsequenz äußern. Aber auch die Lernumgebung kann Störquellen enthalten. Dazu zählen z.B. Unordnung im Klassenzimmer, schlechte Luft und fehlende oder nicht funktionierende Materialien. Auch Störungen von außen, wie z.B. extreme Wetterlagen, Baulärm oder Lautsprecherdurchsagen können den Lehr-Lernprozess beeinträchtigen.[13] Als weitere Klassifizierung ist die Stärke der US abzuwägen. Je nachdem wie stark eine Störung den Unterricht beeinträchtigt, können verschiedene Kategorien unterschieden werden. Angelehnt an LOHMANN’s Definition von US (vgl. S. 5) entwickelten RATTAY et. al. (2011) ein fünfstufiges Modell zur Einordnung der Störungen. Dieses definiert eine Beeinträchtigung des Unterrichts auf der ersten Eskalationsstufe, eine Unterbrechung auf der zweiten, eine Verunmöglichung auf der dritten, eine Verhaltensauffälligkeit auf der vierten und schließlich eine Verhaltensstörung auf der fünften Eskalationsstufe.

Da externe Faktoren wie Kälte, Hitze, Enge, Gerüche, Sonneneinstrahlung usw. im Störungsmoment nur schwer bis gar nicht behoben werden können, soll im Folgenden vornehmlich auf die beeinflussbaren Faktoren zwischen den Interaktionspartnern Lehrer und Schüler eingegangen werden. Eine entsprechende Berücksichtigung nehmen RATTAY et. al. in ihren Eskalationsstufen vor, indem sie diese externen Faktoren den Eskalationsstufen eins bis zwei zuordnen. Ab der dritten Eskalationsstufe geht es vor allem um das systematische Erkennen der Hintergründe, die das Unterrichten unmöglich machen. Es handelt sich dabei um unbewusste Konflikte, die sich auf der emotionalen Ebene befinden und daher einer spezifischeren Betrachtung bedürfen.[14] Wie genau das in der Praxis umgesetzt werden kann, soll im nachfolgenden Punkt erläutert werden.

3 Umgang mit Unterrichtsstörungen

Wormser Schulordnung von 1260:

„Lehrer haben Sorge zu tragen, dass sie bei Strafen das Maß nicht überschreiten, sondern die Quantität der Strafe der Qualität der Schuld entspreche... offene Wunden und Knochenbrüche seien zu vermeiden“[15]

Auch wenn man immer mal wieder davon hört – physische Gewalt ist in den Schulen schon lange keine Handlungsalternative mehr bei Unterrichtsstörungen. Seit 1973 besteht in Deutschland das Gewaltverbot und wird mit hohen Bußgeldern oder sogar Freiheitsstrafen geahndet.[16] Doch was machen, wenn die Schüler auch nach mehrmaligem Ermahnen, Strafarbeiten und Nachsitzen immer noch ein gravierendes Fehlverhalten zeigen? Offensichtlich haben die Lehrer, denen in solchen Situationen „die Hand ausrutscht“ keine Konzepte. Professionelle Lösungswege lassen sich nur mit einer systematischen Herangehensweise finden. Dabei bietet es sich an, nach folgenden 3 Punkten vorzugehen: Zunächst müssen US richtig erkannt und ihrer Schwere nach zugeordnet werden. Anzuschließen wäre die Ursachenuntersuchung, bevor in einem letzten Schritt eine entsprechende Interventionsmaßnahme ergriffen werden kann. Was sich zunächst nach einem langwierigen und komplexen Prozess anhört, kann im Alltag jedoch mithilfe der fünf Eskalationsstufen nach RATTAY et. al. (vgl. S. 6) relativ einfach umgesetzt werden und dazu beitragen den Unterricht nachhaltig zu verbessern:

Richtiges Erkennen und Zuordnen von Unterrichtsstörungen

Erste Eskalationsstufe (Beeinträchtigung)

- Ein Schüler kommt leise zu spät uns setzt sich schnell an seinen Platz.

Hier wird der Unterricht zwar für einen Bruchteil einer Minute gestört, jedoch kann schnell wieder dem Unterrichtsverlauf nachgegangen werden.

Zweite Eskalationsstufe (Unterbrechung)

- Ein Schüler kommt laut zu spät, indem er beim Vorbeigehen mit anderen Schülern spricht, mit seinem Schulranzen Hefte vom Tisch reißt und sich dann geräuschvoll setzt.

Hier wird der Unterricht (wenn auch nur kurzzeitig) unterbrochen. Lehrer und Schüler benötigen einen kurzen Moment, um sich wieder in den Unterricht einzufinden.

Dritte Eskalationsstufe (Verunmöglichung)

- Ein Schüler kommt verspätet und außer sich vor Wut aus einer Konfliktsituation in der Pause zurück und bezieht Lehrer und Mitschüler sofort in den akuten Konflikt mit ein. Der Lehr-Lern-Prozess ist unmöglich, da erst für Ruhe gesorgt werden muss, bis zum eigentlichen Unterrichtsgeschehen übergegangen werden kann.

Vierte Eskalationsstufe (Verhaltensauffälligkeit)

- Ein bestimmter Schüler kommt häufig zu spät und zieht durch Rumgealber die Aufmerksamkeit der ganzen Klasse auf sich. Die Mitschüler finden sein Verhalten offensichtlich lustig und lachen, wodurch er Anerkennung bekommt. Mit Einzelgesprächen oder Konsequenzen kann sein Verhalten jedoch beeinflusst werden. Deshalb spricht man davon, dass sein abweichendes Verhalten situativ bedingt ist.

Fünfte Eskalationsstufe (Verhaltensstörungen)

- Ein bestimmter Schüler kommt fast immer zu spät. Es ist dabei nicht von Bedeutung, wieviel Aufmerksamkeit er dafür von Mitschülern oder dem Lehrer bekommt: Es ist nur wichtig, dass er, wenn auch nur für die kürzeste Zeit, im Mittelpunkt steht (man spricht in diesem Fall von Feedback-Junkies). Das Verhalten besteht trotz verschiedener Konsequenzen weiter und kann somit als übersituativ beschrieben werden. Deshalb sind beim Auftreten von Verhaltensstörungen besondere pädagogische bzw. psychologische Maßnahmen notwendig, welche meistens durch externe Spezialisten durchgeführt oder zumindest unterstützt werden müssen .

Ist nun die Schwere der Störung bestimmt, folgt im nächsten Schritt die Hypothesenbildung. Warum stört der Schüler überhaupt?

3.1Hypothesenbildung: Welche Ursachen kommen in Betracht?

Der handlungstheoretische Diskurs zu Ursachen von US ist Teil der pädagogischen Diagnostik, die die sich um die Betrachtung von Einzelfällen und deren Ressourcen bemüht um „[…] Informationen zur Optimierung des pädagogischen Handelns zu gewinnen.“[17] Sie umfasst dabei philosophische, soziologische, sozialwissenschaftliche, psychologische und neurobiologische Betrachtungsweisen und versucht sie systematisch zu kategorisieren. Um die vorgegebene Seitenzahl nicht zu überschreiten kann an diesem Punkt keine detaillierte Ursachenbeschreibung erfolgen. Hierzu befindet sich jedoch im Anhang unter Punkt 8.4 eine Übersicht mit möglichen Ursachen auf der Lehrer-, Schüler-, sowie Unterrichtsebene. Generell lässt sich sagen, dass die Ursachenforschung noch keine Handlungsperspektiven per se bietet, da sie nur zu untersuchen vermag, warum Schüler stören. Diese kausale Ebene klammert die Handlungsmöglichkeiten des Lehrers jedoch aus und ist damit wenig zielorientiert. Zielführendere wäre es deshalb zu fragen: wozu?[18] Diese Frage bringt die Thematik auf die intentionale Ebene. Wozu stört ein Schüler eigentlich? Was will er damit bezwecken? WINKEL formuliert in diesem Zusammenhang Störungen von Schülern als Signale, die entschlüsselt werden müssen. Auch KOWALCZYK/ DEISTER vertreten diese Auffassung und sehen als Intentionen mögliche Lernschwierigkeiten, „Racheakte“, Bedarf nach besonderer Zuwendung, Forderung nach Disziplin, unzureichende soziale Fähigkeiten, Langeweile usw.[19] Jedem pädagogischen Einschreiten sollte daher eine professionelle Diagnostik voranstehen. Wichtige Aspekte, die hierbei berücksichtigt werden müssen ist ein wissenschaftliches Arbeiten, gezielte Vergleiche und Analysen, sowie Prognosen und Interpretation der Ergebnisse. Dabei ist zu beachten, dass die „Signale“ der Schüler auch auf mögliches Fehlverhalten des Lehrers hindeuten können. Daher ist es von großer Bedeutung auch sein eigenes Handeln stets zu hinterfragen. Eine praktische Hilfestellung befindet sich in Form von Beobachtungsbögen zur Selbst- und Schülerreflexion im Anhang unter den Punkten 8.2 und 8.3

[...]


[1] Bründel, H./ Simon, E. (2013). Die Trainingsraum-Methode: Unterrichtsstörungen – klare Regeln, klare Konsequenzen. Mit Online-Materialien (3. Auflage). Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 11

[2] Die maskuline Form „Schüler“ sowie „Lehrer“ wird aus Gründen der Einfachheit weiter beibehalten. Gilt aber entsprechend auch für das weibliche Geschlecht.

[3] Im Folgenden mit US abgekürzt

[4] Vgl. Nolting, H.P. (2012). Störungen in der Schulklasse – Ein Leitfaden zur Vorbeugung und Konfliktlösung (10. Auflg.). Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 12

[5] Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. (Hrsg.) (2014): Psychische Belastungen und Burnout beim Bildungspersonal – Gutachten. Empfehlungen zur Kompetenz- und Organisationsentwicklung (1. Aufl.). Münster: Waxmann Verlag

[6] Vgl. Winkel, R. (2011): Der gestörte Unterricht. Diagnostische und therapeutische Möglichkeiten (10. Aufl.). Hohengehren: Schneider Verlag, S.21

[7] Vgl. Lutz T. (2013): Unterrichtsstörungen mit System begegnen. Flexible Strategien für schwierige Situationen. Berlin: Raabe Fachverlag für Bildungsmanagement, S. 7

[8] Vgl. Lohmann, G. (2013): Mit Schülern klarkommen. Professioneller Umgang mit Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikten (10. Aufl.). Berlin: Cornelsen Schulverlage GmbH, S. 16

[9] Lohmann, 2013, S. 13

[10] Vgl. Lutz 2013, S.8

[11] Vgl. Lohmann 2013, S. 17

[12] Vgl. Anhang 8.1 „Entstehungsfelder für Unterrichtsstörungen“

[13] Vgl. Wollenweber, K. U. (2011): Disziplinprobleme im Schulalltag lösen. 66 Maßnahmen zur Bewältigung von Unterrichtsstörungen. Merching: Forum Verlag Herkert GmbH, S.15

[14] Vgl. Rattay, C. et. al. (2011): Unterrichtsstörungen souverän meistern. Profi-Tipps und Materialien aus der Lehrerfortbildung, ein Praxisbuch (1. Auflg.). Donauwörth: Auer Verlag, S. 70

[15] Hoos, G. (2012): Studienseminar - Konflikte in der Schule, Unterrichtsstörungen, Disziplinkonflikte, S. 35

[16] http://www.sueddeutsche.de/news/leben/familie-wenn-lehrer-ausrasten---hilfe-fuer-paedagogen-und-schueler-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-140528-99-01812

[17] Vgl. Ingenkamp, K., Lissmann, U. (2008): Lehrbuch der Pädagogischen Diagnostik (6. Auflg.). Weinheim und Basel: Belz Verlag, S. 12

[18] Vgl. Fesler 2006, S. 21 f.

[19] Vgl. Kowalczyk/ Deister 2013, S. 9

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Störungen im Unterricht
Untertitel
Präventions- und Interventionskonzepte im Spiegel der sich wandelnden Schullandschaft
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,5
Autor
Jahr
2016
Seiten
27
Katalognummer
V417858
ISBN (eBook)
9783668691889
ISBN (Buch)
9783668691896
Dateigröße
3839 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
störungen, unterricht, präventions-, interventionskonzepte, spiegel, schullandschaft
Arbeit zitieren
Adrienne Kaergel (Autor), 2016, Störungen im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417858

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Störungen im Unterricht


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden