In dieser Hausarbeit soll herausgestellt werden, ob der Anspruch einer demokratischen Schule eine unbegründete Behauptung oder eine reale Tatsache darstellt.
Einleitend wird der Begriff der „Demokratie“ unter diversen Perspektiven beleuchtet und aufgezeigt, dass dieser überall präsent ist – besonders in der Schule. Wie passt ein fast ausschließlich politisch genutztes Adjektiv („demokratisch“) als Attribut zu einem pädagogisch geprägten Wort wie Erziehung? Diese Grundsatzüberlegungen sind gefolgt von allgemeintheoretischen Überlegungen zur Schülerpartizipation. Hierbei werden Kriterien abgewogen, die als Maßstab einer demokratischen Schule gelten sollen. Anschließend wird das Funktionssystem der Sudbury Valley School aufgezeigt, um sich in den Schulstrukturen zurechtzufinden. Innerhalb des nächsten Kapitels soll außerdem geklärt werden, inwiefern demokratische Instrumente und Kompetenzen an der Sudbury Valley School vermittelt werden. Weiterhin sollen die vorher aufgestellten allgemeingültigen Prinzipien auf das Beispiel der sudbury Valley School angewandt werden.
Wie hat Abraham Lincoln 1863 einmal gesagt? Demokratie ist „die Regierung des Volkes, durch das Volk, für das Volk“. In ähnlichen Worten ist dies im Artikel 20 GG der Bundesrepublik Deutschland verankert. Wendet man diese definitio auf die Schule an, so würde sie lauten: Demokratie ist die Regierung der Schüler, durch die Schüler, für die Schüler. Unter dem Anspruch dieser Leitidee proklamiert und legitimiert die Sudbury Valley School ihre Existenz. Eine Schule wie jede andere – nur eben anders. Ihr Grundprinzip ist die Demokratie. Die Schüler entscheiden was gemacht wird, wann etwas gemacht wird oder ob überhaupt etwas gemacht wird.
Doch ist die Sudbury Valley School wirklich so demokratisch, wie sie nach außen zu überzeugen vermag?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Demokratie“ und „demokratische Erziehung“
3. Allgemeintheoretische Überlegung zur Schülerpartizipation
4. Die Sudbury Valley School
4.1 Funktionsweise
4.2 Der Anspruch einer demokratischen Schule
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Sudbury Valley School (SVS) auf ihre demokratische Praxis hin und prüft, ob der Anspruch einer „demokratischen Schule“ eine reale Tatsache oder eine unbegründete Behauptung darstellt. Dabei wird das Konzept der demokratischen Erziehung und Partizipation theoretisch fundiert und kritisch mit der tatsächlichen Schulpraxis der SVS abgeglichen.
- Grundlagen von Demokratie und demokratischer Erziehung
- Allgemeintheoretische Konzepte zur Schülerpartizipation
- Funktionsweise und Organisationsstruktur der Sudbury Valley School
- Kritische Analyse des demokratischen Anspruchs der SVS
- Vergleich der SVS-Praxis mit staatlichen allgemeinbildenden Schulen
Auszug aus dem Buch
4.1 Funktionsweise
Unter dem Grundsatz „das aktuelle Bildungssystem fügt Kindern irreparable Schäden zu“ (Greenberg, 2005, S. 7) wurde die Sudbury Valley School 1968 in Framingham, Massachusetts, gegründet. Neben den irreparablen Faktoren trug außerdem zur Gründung der Schule bei, dass das Kind vom amerikanischen Schulsystem nicht als Person betrachtet wird. In klaren Worten, das Kind erlangt nicht den notwendigen Respekt (ebd, 2005). Dieser Gründungsidee entspringen die Grundpfeiler der SVS: die Rechte des Einzelnen, wie zum Beispiel Privatsphäre, Persönlichkeitsrechte sowie das Recht zu freien Entscheidungen. Hierbei waren bzw. sind die Gründer stets bemüht, an amerikanische Traditionen, Normen und Werte anzuknüpfen.
Die Gründungsbasis impliziert somit einiges für die schulische Praxis: Es gibt keinen oktroyierten Lehrplan und Aktivitäten dürfen nur auf Initiative der SuS entstehen. Die Schule dient in diesem Fall nur als unterstützende Umgebung. Dabei obliegt es den SuS, was sie mit ihrer Zeit anfangen. Das bedeutet, die Bedürfnisse der SuS haben höchste Priorität. Das nachfolgende Zitat aus einem Schulalltagsbericht gibt Aufschluss über die Machenschaften der Schüler sowie die Ideale der SVS:
„Einige spielen den ganzen Tag. Andere Reden den ganzen Tag. Wieder andere malen, lernen oder Kochen den ganzen Tag. […] Einige kommen früh und gehen früh […]. […] Zeit bekommt an Sudbury Valley andere Bedeutung. Es gibt hier kein Klingeln, keine Stunden, keine Klassen, keine Neulinge“ (Greenberg, S. 9f).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das demokratische Grundverständnis im schulischen Kontext und stellt die zentrale Forschungsfrage, ob die Sudbury Valley School ihren demokratischen Anspruch tatsächlich in der Praxis einlösen kann.
2. „Demokratie“ und „demokratische Erziehung“: Dieses Kapitel beleuchtet den Demokratiebegriff aus etymologischer, politischer und erziehungswissenschaftlicher Sicht und erörtert, wie dieser auf Erziehungsprozesse übertragen werden kann.
3. Allgemeintheoretische Überlegung zur Schülerpartizipation: Das Kapitel definiert Kriterien für Schülerpartizipation und leitet daraus ein Messinstrument ab, um zu bewerten, welche demokratischen Kompetenzen und Strukturen eine Schule zur Etablierung einer demokratischen Schulkultur benötigt.
4. Die Sudbury Valley School: Dieses Kapitel untersucht die spezifische Organisationsform, die Rolle der Schulversammlung und das Justizsystem der SVS, um zu prüfen, inwieweit dort demokratische Instrumente und Prinzipien wie Selbstbestimmung und Mitsprache realisiert werden.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die SVS wesentliche Merkmale einer demokratischen Schule aufweist und die Eigenverantwortung der Schüler einen positiven Einfluss auf deren demokratisches Grundverständnis hat.
Schlüsselwörter
Demokratische Erziehung, Schülerpartizipation, Sudbury Valley School, Selbstbestimmung, Schulversammlung, Demokratieverständnis, Bildungssystem, Mitbestimmung, Eigenverantwortung, Erziehungswissenschaft, Schulkultur, Partizipationsförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die Sudbury Valley School als eine real demokratische Schule betrachtet werden kann oder ob ihr diesbezüglicher Anspruch unbegründet ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf Demokratie im Bildungssektor, Möglichkeiten und Formen der Schülerpartizipation sowie die Analyse der internen Strukturen einer alternativen Schule.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Anforderungen an eine demokratische Schule zu definieren und zu prüfen, ob die Sudbury Valley School diese Anforderungen durch ihr praktisches Funktionssystem erfüllt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur (u.a. von Greenberg und Eikel), um Kriterien für Demokratie und Partizipation zu entwickeln, die anschließend auf das Beispiel der Sudbury Valley School angewandt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Theorie zur Schülerpartizipation sowie eine detaillierte Funktionsanalyse der SVS, einschließlich ihrer Gremien wie der Schulversammlung und dem Justizsystem.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Demokratische Erziehung, Schülerpartizipation, Selbstbestimmung und Mitbestimmung im schulischen Kontext.
Welche Rolle spielt die Schulversammlung an der Sudbury Valley School?
Die Schulversammlung ist das zentrale Gremium der Schule; sie fungiert als Schulleitung und entscheidet gemeinsam mit Schülern und Mitarbeitern über den Jahreshaushalt, Regeln und Bestrafungen.
Wie unterscheidet sich die SVS von staatlichen Schulen bei der Notengebung?
An der Sudbury Valley School existiert kein Notensystem und kein vorgeschriebener Lehrplan, während staatliche Schulen durch verpflichtende Lehrpläne und Notengebungen geprägt sind, die kaum Spielraum für die individuelle Mitbestimmung der Schüler lassen.
- Arbeit zitieren
- Christian Roth (Autor:in), 2016, Demokratisches Schulsystem. Sudbury Valley School, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417940