Laut Lewis, M. Paul et al. gibt es derzeit insgesamt 398,931,840 spanische Muttersprachler auf der Welt. Zusätzlich gibt es weltweit 89,500,00 Menschen, deren Zweitsprache Spanisch ist. Da Spanisch von so vielen Menschen gesprochen wird, existieren zahlreiche Varietäten. Allein in Spanien gibt es davon mehrere verschiedene, wie beispielsweise das Andalusische oder das Galizische. Auch das Spanische Lateinamerikas ist keineswegs einheitlich. Eine ganz besondere Sprachsituation aber herrscht in Paraguay. Der Binnenstaat hat eine Fläche ungefähr so groß wie Kalifornien und grenzt an Bolivien, Argentinien und Brasilien. Mit weniger als sieben Millionen Einwohnern ist die Bevölkerungsdichte sehr gering.
Paraguay bedeutet „Wasser, das zum Meer geht“, abgeleitet von der indigenen Sprache des Landes, Guaraní. Diese ist, im Gegensatz zu den indigenen Sprachen der anderen lateinamerikanischen Länder, immer noch die Muttersprache des Großteils der paraguayischen Bevölkerung und rechtlich mit Spanisch gleichgestellt. Eine weitere Besonderheit ist die weitverbreitete Zweisprachigkeit der Paraguayer. Der intensive Sprachkontakt zwischen Guaraní und Spanisch führte dazu, dass sich die Sprachen gegenseitig beeinflusst haben.
Ziel dieser Arbeit ist es, die paraguayische Varietät des Spanischen in ihren charakteristischen Merkmalen linguistisch zu beschreiben, wobei die Merkmale des Lautstands neben morphologischen, syntaktischen und lexikalen Eigenarten im Vordergrund stehen sollen. Außerdem soll ein Eindruck über die in Paraguay herrschende Sprachsituation an sich vermittelt werden. Um nachvollziehen zu können wie sich das dortige Spanisch zu seiner heutigen Form entwickelte, ist es wichtig zunächst die Geschichte des Landes zu betrachten, die in vielfacher Hinsicht auch die Geschichte der Sprachen Paraguays widerspiegelt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Sprachgeschichte
Ethnolinguistische Situation
Diglossie
Merkmale des paraguayischen Spanisch
Allgemeines
Phonetik und Phonologie
Morphosyntax
Lexik
Jopará
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die paraguayische Varietät des Spanischen linguistisch zu beschreiben und die komplexen Sprachverhältnisse in Paraguay zu beleuchten. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der phonetischen, morphosyntaktischen und lexikalen Merkmale, die durch den intensiven Kontakt mit der indigenen Sprache Guaraní geprägt sind.
- Historische Entwicklung des Spanischen in Paraguay
- Die ethnolinguistische Situation und Zweisprachigkeit
- Phonologische und morphosyntaktische Besonderheiten
- Phänomene des Sprachkontakts und die Mischsprache Jopará
Auszug aus dem Buch
Phonetik und Phonologie
Im paraguayischen Spanisch gibt es phonologisch-phonetische Auffälligkeiten, die nur in Paraguay vorzufinden sind und solche, die auch in anderen lateinamerikanischen Varietäten üblich sind. Zu letzteren zählt beispielsweise das Phänomen des Seseo. Während in der Standardvarietät zwischen dem stimmlosen alveolaren Frikativ [s] und dem stimmlosen dentalen Frikativ [θ] unterschieden wird, fallen diese beim Seseo zu einem gemeinsamen Phonem /s/ zusammen (vgl. Krivoshein 1987:20).
Im Falle des Lleísmo hebt sich Paraguay jedoch vom Rest Lateinamerikas ab. Das heißt, man realisiert dort sehr wohl den Unterschied zwischen dem stimmhaften palatalem Lateral /ʎ/ und dem stimmhaften palatalem Frikativ /ʝ/, obwohl sich das übrige Hispanoamerika den Yeísmo angewöhnt hat und diese Unterscheidung zu Gunsten des Frikativs nicht mehr vornimmt. Nun stellt sich die Frage, weshalb Paraguay hier ein Ausnahmefall ist. Ein möglicher Erklärungsfaktor ist zweifellos die lange geografische, soziale und politische Isolation Paraguays im Laufe seiner Geschichte (vgl. Lipski 1994:307f). Malmberg (1947:7f) versucht den Lleísmo außerdem durch die Tatsache zu erklären, dass Spanisch nie die Muttersprache der Mehrheit der Paraguayer war und es nur für offizielle Zwecke benutzt wurde. Somit war Spanisch schon immer von einem konservativeren Charakter geprägt als die Volkssprache Guaraní und vollzog deshalb keine Transformation.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel stellt die sprachliche Ausgangslage in Paraguay dar und definiert das Ziel, die paraguayische Varietät des Spanischen linguistisch zu charakterisieren.
Sprachgeschichte: Der Abschnitt skizziert die historische Entwicklung des Spanischen im Kontext der Kolonialisierung, der Jesuitenmissionierung und der späteren staatlichen Isolationspolitik.
Ethnolinguistische Situation: Hier wird die Bevölkerung in hispanische, endemische und allochthone Gruppen unterteilt, um die soziolinguistische Struktur zu verdeutlichen.
Diglossie: Dieses Kapitel diskutiert die Anwendbarkeit von Diglossie-Konzepten auf die paraguayische Gesellschaft und die Koexistenz von Guaraní und Spanisch.
Merkmale des paraguayischen Spanisch: Der Hauptteil analysiert detailliert die Abweichungen des lokalen Spanischen in den Bereichen Phonetik, Morphosyntax und Lexik.
Jopará: Das Kapitel befasst sich mit der als Mischsprache beschriebenen Varietät Jopará, die als Produkt des intensiven Sprachkontakts entstanden ist.
Zusammenfassung: Abschließend werden die zentralen Erkenntnisse über die Einzigartigkeit des paraguayischen Spanischen und seinen Status als kulturelles Identitätsmerkmal rekapituliert.
Schlüsselwörter
Paraguay, Spanisch, Guaraní, Sprachkontakt, Linguistik, Diglossie, Phonetik, Morphosyntax, Lexik, Jopará, Mestizierung, Sprachgeschichte, Zweisprachigkeit, Varietäten, Leísmo
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die spezifischen Merkmale der paraguayischen Varietät des Spanischen im Kontext des intensiven Kontakts mit der indigenen Sprache Guaraní.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die Sprachgeschichte, die ethnolinguistische Struktur Paraguays, phonologische sowie morphosyntaktische Besonderheiten und das Phänomen Jopará.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das paraguayische Spanisch linguistisch zu beschreiben und aufzuzeigen, wie sich diese Varietät durch ihre historische Isolation und den Einfluss des Guaraní vom übrigen hispanoamerikanischen Spanisch abhebt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender soziolinguistischer Studien und philologischer Werke, um die Sprachsituation und ihre Merkmale fundiert zu belegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der phonetisch-phonologischen Auffälligkeiten, der morphosyntaktischen Besonderheiten und des Vokabulars.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Sprachkontakt, Diglossie, Jopará, Guaraní, Leísmo, Voseo und die linguistische Varietätenforschung.
Warum wird der Lleísmo in Paraguay als Besonderheit betrachtet?
Während sich in weiten Teilen Lateinamerikas der Yeísmo durchgesetzt hat, bewahrt das paraguayische Spanisch die Unterscheidung zwischen palatalem Lateral und Frikativ, was auf die konservative Entwicklung der Sprache durch historische Isolation zurückgeführt wird.
Was genau ist Jopará?
Jopará bezeichnet eine Mischsprache aus Guaraní und Spanisch, die durch eine grammatikalische Verschmelzung und Neustrukturierung entsteht und primär in ländlichen Bevölkerungsschichten Anwendung findet.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2015, Das paraguayische Spanisch und seine charakteristischen linguistischen Merkmale, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/418777