Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema Habitus und soziale Ungleichheit. Auch wenn sich einige namhafte Soziologen und Philosophen schon von alters her mit dem Thema Habitus beschäftigt haben, stößt man bei der Suche nach aussagekräftiger Literatur immer wieder auf den französischen Ethnologen und Soziologen Pierre Bourdieu, der mit seiner Habitustheorie eines seiner einflussreichsten theoretischen Werke verfasst hat. Von daher habe ich mich in meiner Arbeit auf die Bourdieusche Habitustheorie beschränkt, da hier umfassend auf die Habitusterminologie eingegangen wird.
Im weiteren Verlauf der Hausarbeit beleuchte ich das Thema der sozialen Ungleichheiten, die sich in unterschiedlichsten Lebenssituationen wiederfinden lassen. Auch finden sich immer wieder Querverweise auf die Kapitalarten nach Bourdieu und Zugehörigkeit zu sozialen Schichten. Jedes Individuum lebt innerhalb eines Sozialgefüges und nicht losgelöst von Beziehungen verschiedenster Art. Jeder hat unterschiedliche Positionen innerhalb einer Gruppe, innerhalb einer Beziehung, innerhalb der Gesellschaft inne, die wiederum mit differierenden Lebensbedingungen einhergehen. Unterschiedliche Lebensbedingungen ziehen unweigerlich soziale Ungleichheiten nach sich, die sich in sehr unterschiedlicher Art und Weise darstellen.
Soziale Ungleichheit ist nicht, wie man fälschlicherweise annehmen könnte, auf individuelle Unterscheidungsmerkmale bezogen, wie z.B. Alter, Geschlecht usw., sondern auf allgemeinzugängliche „wertvolle“ Güter einer Gesellschaft. So stehen die einzelnen Punkte in kausalen Zusammenhängen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Habitustheorie
2.1 Ursprung des Habitus-Konzepts
2.2 Klassenhabitus
2.3 Habitus und Geschlecht
2.4 Habitus und Soziales Feld
3. Kapitalsorten nach Pierre Bourdieu
3.1 Ökonomisches Kapital
3.2 Kulturelles Kapital
3.2.1 Inkorporiertes kulturelles Kapital
3.2.2 Objektiviertes kulturelles Kapital
3.2.3 Institutionelles kulturelles Kapital
3.3 Soziales Kapital
4. Soziale Ungleichheit
4.1 Dimensionen Sozialer Ungleichheit
4.2 Soziale Ungleichheit der Bildung
4.2.1 Ursachen von Bildungsungleichheiten
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Hausarbeit setzt sich zum Ziel, das komplexe Zusammenspiel von Bourdieus Habitustheorie, den verschiedenen Kapitalsorten und der Entstehung sozialer Ungleichheit – insbesondere im Bildungssystem – wissenschaftlich zu beleuchten und kausale Zusammenhänge aufzuzeigen.
- Analyse des Habitus-Konzepts als handlungsstrukturierendes Schema.
- Untersuchung der Kapitalsorten (ökonomisch, kulturell, sozial) nach Pierre Bourdieu.
- Erörterung des Konzepts des sozialen Feldes und der symbolischen Macht.
- Darstellung der Dimensionen sozialer Ungleichheit in der modernen Gesellschaft.
- Reflexion der Ursachen und Mechanismen von Bildungsungleichheit.
Auszug aus dem Buch
2.1 Ursprung des Habitus-Konzepts
Den Moment, in dem das Habitus-Konzept entstanden ist oder erfunden wurde, gibt es nicht. Schon in Bourdieus ersten Werken taucht der Begriff Habitus vereinzelt auf oder wird nach seiner Aussage umschrieben. Der Philosoph Bourdieu veränderte sich durch seine Erfahrungen in Algerien. So prallten dort zwei völlig unterschiedliche Auffassungen von Wirtschaft aufeinander: Auf der einen Seite, die vorkapitalistische Tauschwelt der kabylischen Bauern Algeriens und auf der anderen Seite, die Auswirkungen der modernen westeuropäischen Wirtschaftswelt. In dieser Phase der Beobachtung entwickelte Bourdieu sich vom Philosophen zum Soziologen und Ethnologen. (Vgl. Gebauer, Krais 2002, S. 18).
In dieser Zeit begann er das Habitus-Konzept auf der Grundlage seiner Untersuchungen, den Unterschied zwischen nordafrikanischen und westeuropäischen Wirtschaftsgesinnungen betreffend, zu erarbeiten. In der Gesellschaft der kabylischen Bauern, wurde über Generationen hinweg das Tauschgeschäft unter Berücksichtigung des Prinzips – Geben und Nehmen – gehandhabt. (Vgl. Gebauer, Krais 2002, S. 19).
Nach der Kolonialisierung, die eine brutale Einführung und Durchsetzung westeuropäischer Wirtschaftsprinzipien mit sich zog, waren die kabylischen Bauern den Wurzeln ihres Handelns enthoben, sodass ein Handeln entstand, das dem Gebot der Unvernunft gehorchen musste. Die eingeübte und verinnerlichte Sichtweise der Dinge, sowie überlieferte Vorstellungen, hatten plötzlich keine Gültigkeit mehr. Diese Trägheit des Handelns bezeichnete Bourdieu als „Hysteresis“. Aus dem Bestreben heraus, dieses Phänomen zu verstehen, entwickelte er die Habitustheorie. (Vgl. Gebauer, Krais 2002, S. 21).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz des Habitus-Begriffs bei Pierre Bourdieu ein und spannt den Bogen zur Analyse sozialer Ungleichheit.
2. Habitustheorie: Dieses Kapitel erläutert die Genese und Bedeutung des Habitus-Begriffs sowie dessen Ausprägungen in Klassen, Geschlechterrollen und sozialen Feldern.
3. Kapitalsorten nach Pierre Bourdieu: Hier werden das ökonomische, kulturelle und soziale Kapital als Ressourcen definiert, die die Position eines Individuums in der Gesellschaft maßgeblich bestimmen.
4. Soziale Ungleichheit: Dieses Kapitel expliziert den Begriff der sozialen Ungleichheit, dessen Dimensionen sowie die spezifischen Bildungsungleichheiten und deren Ursachen.
Schlüsselwörter
Habitus, Soziale Ungleichheit, Pierre Bourdieu, Kapitalarten, Ökonomisches Kapital, Kulturelles Kapital, Soziales Kapital, Klassenhabitus, Soziales Feld, Bildungschancen, Bildungsungleichheit, Habitusbegriff, Sozialisation, Lebensbedingungen, Habitus und Geschlecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen Habitustheorie von Pierre Bourdieu und untersucht, wie diese zur Erklärung sozialer Ungleichheit und Bildungsdifferenzen herangezogen werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Habitusbegriff, die verschiedenen Kapitalformen (ökonomisch, kulturell, sozial), das Konzept des sozialen Feldes und die Entstehung sozialer Ungleichheit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Lebensvoraussetzungen und Kapitalausstattungen die Bildungs- und Lebenschancen von Individuen in der modernen Gesellschaft prägen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse der grundlegenden Werke von Pierre Bourdieu sowie ergänzender soziologischer Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Habitus, die Differenzierung der Kapitalarten und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Dimension der sozialen Ungleichheit und Bildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Habitus, Soziale Ungleichheit, Kapitalarten, Klassenhabitus, Soziales Feld und Bildungschancen.
Wie unterscheidet Bourdieu die Formen des kulturellen Kapitals?
Bourdieu unterscheidet zwischen inkorporiertem (verinnerlichtem), objektiviertem (in Gütern vorhandenem) und institutionalisiertem (durch Titel belegtem) kulturellen Kapital.
Warum spielt die soziale Herkunft bei Bildungsungleichheit eine so große Rolle?
Die soziale Herkunft prägt den Habitus und bestimmt den Zugang zu notwendigen kulturellen und ökonomischen Ressourcen, was schichtspezifische Bildungsaspirationen und -erfolge maßgeblich beeinflusst.
- Citar trabajo
- Dana Katharina (Autor), 2016, Habitus und soziale Ungleichheit. Zur Bourdieuschen Habitustheorie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419283