Politische Berichterstattung in Print und Online

Ein Vergleich der Printausgabe und des Online-Auftritts des Kölner Stadt-Anzeigers mit dem thematischen Schwerpunkt auf den Landtagswahlen 2017 in Nordrhein-Westfalen


Bachelorarbeit, 2017

98 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Teil
2.1 Definition des Mediums Zeitung und Internet
2.1.1 Definition "Medium"
2.1.2 Definition des Mediums "Zeitung"
2.1.3 Definition des Mediums "Internet"
2.1.4 Technisches Potential des Internets
2.2 Die gedruckte Zeitung heute
2.3 Die Online-Zeitung
2.3.1 Aufbau von Online-Zeitungen
2.3.2 Orientierung in Online-Zeitungen
2.3.3 Das Fundament der Online-Zeitung: Hypertext
2.3.4 Probleme bei der Kohärenz und Orientierung in Hypertextstrukturen
2.3.5 Bilder in Online-Zeitungen
2.4 Nachrichtenauswahl
2.4.1 Die Nachrichtenwert-Theorie
2.4.2 Vom Gatekeeper zum Gatewatcher
2.4.3 Der Faktor Klickanreiz
2.5 Zusammenfassung des Forschungsstandes

3. Untersuchungseinleitende Fragestellung und Hypothesen

4. Empirischer Teil
4.1 Konzeption der empirischen Studie
4.1.1 Verwendete Methode
4.1.2 Beschreibung des Datenerhebungsinstruments
4.1.3 Beschreibung der Stichprobe
4.1.4 Durchführung der empirischen Erhebung
4.1.5 Methode der Datenauswertung
4.2 Beschreibung des Untersuchungsgegenstands:
4.2.1 Aufbau der Print-Ausgabe
4.2.2 Aufbau des Online-Auftritts
4.3 Analyse der Daten aus den Print-Ausgaben
4.4 Analyse der Daten aus dem Online-Auftritt
4.4.1 Verlinkungen der Online-Artikel
4.4.2 Webspezifische Formen der Berichterstattung
4.5 Analyse der in den Online-Auftritt übernommenen Print-Artikel
4.5.1 Veränderungen der übernommenen Print-Artikel

5. Ergebnis
5.1 Beantwortung der Hypothesen
5.2 Beantwortung der Fragestellung

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung.1: Wireframe - Aufmacher-Seite und Themen des Tages

Abbildung 2: Wireframe - Themen des Tages 2 und Meinung

Abbildung 3:Wireframe - Standard-Seite Print

Abbildung 4: Wireframe - Print-Artikel

Abbildung 5: Hauptnavigation der Website

Abbildung 6: Ressort-Anzeige

Abbildung 7: Suchfunktion

Abbildung 8: Vollständige Navigation der Website

Abbildung 9: Wireframe der Homepage ksta.de

Abbildung 10: Wireframe Unterseite/Ressortseite

Abbildung 11: Screenshot Eilmeldung

Abbildung 12: Wireframe Online-Artikel

Abbildung 13: Gesamtzahl der erfassten Print-Artikel

Abbildung 14: Gesamtzahl der erfassten Print-Artikel in Ressorts

Abbildung 15: Print-Artikel Freitagsausgabe 12.5.2017

Abbildung 16: Erste Seite der Print-Ausgabe von Montag, 16.5.2017

Abbildung 17: Print-Artikel Dienstagsausgabe 16.5.2017

Abbildung 18: Anzahl Artikel mit verschiedenen Informationsmodulen

Abbildung 19: Modulanzahl in Print-Artikeln

Abbildung 20: Print-Artikel Bilderanzahl

Abbildung 21: Print-Artikel - Textart

Abbildung 22: Ressort-Platzierung der Online-Artikel

Abbildung 23: Publikationstage der Online-Artikel

Abbildung 24: NRW-Wahl-Ressort in der Hauptnavigation

Abbildung 25: Wireframe Wahl-Box Platzierung auf der Homepage

Abbildung 26: Wahl-Box auf der Homepage

Abbildung 27: Modulaufbau der Online-Artikel

Abbildung 28: Anzahl der Informationsmodule in Online-Artikeln

Abbildung 29: Anzahl Bilder, Videos und interaktiver Tools in Online-Artikeln

Abbildung 30: Textarten in Online-Artikeln

Abbildung 31: Beispiel für eingebettete Links

Abbildung 32: Beispiel für Autorenprofil

Abbildung 33: Beispiel für Inhaltsverzeichnis

Abbildung 34: Anzahl der Navigationspunkte in Online-Artikeln

Abbildung 35: Link-Arten in Online-Artikeln

Abbildung 36: Anzahl der Verlinkungen in Online-Artikeln

Abbildung 37: Publikationszeitraum der Artikel

Abbildung 38: Publikationszeitraum der Artikel

Abbildung 39: Publikationszeitraum der Artikel

Abbildung 40: Publikationszeitraum der Artikel

Abbildung 41: Publikationszeitraum der Artikel

Abbildung 42: Publikationszeitraum der Artikel

Abbildung 43: Publikationszeitraum der Artikel

Abbildung 44: Publikationszeitraum der Artikel

Abbildung 45: Online-Artikel Wahlergebnisse, Statistiken - Das sind die Ergebnisse zur Landtagswahl NRW 2017

Abbildung 46: Beispiel für einen im Text eingebauten Link

Abbildung 47: Bewertung der im Text eingebauten Verlinkungen

Abbildung 48: Listen-Platzierung der Online-Artikel

Abbildung 49: Aufnahme Eilmeldung 14.5.2017

Abbildung 50: Anzahl der Listen-Platzierungen der Online-Artikel

Abbildung 51: Zeitraum der Platzierung der Online-Artikel

Abbildung 52: Zeitpunktangaben innerhalb des Livetickers

Abbildung 53: Aktualisierungsfeld im Liveticker

Abbildung 54: Anzahl der übernommenen Print-Artikel im Vergleich zur Gesamtzahl

Abbildung 55: Tag der Publikation der Online übernommenen Print-Artikel

Abbildung 56: Tag der Publikation der Online übernommenen Print-Artikel

Abbildung 57: Tag der Publikation der Online übernommenen Print-Artikel

Abbildung 58: Tag der Publikation der Online übernommenen Print-Artikel

Abbildung 59: Tag der Publikation der Online übernommenen Print-Artikel

Abbildung 60: Aus Print übernommene Informationsmodule

Abbildung 61: Nach der Online-Übernahme neu hinzugefügte Informationsmodule

Abbildung 62: Änderung der Überschriften nach der Online-Übernahme

Abbildung 63: Untersuchung der Online-Überschriften

Abbildung 64: Wahlergebnisse NRW Print-Zeitung Dienstag 16.5.2017

Abbildung 65: Die Print-Seite "Land/Region" der Freitagsausgabe 12.5.2017

Abbildung 66: Print-Artikel aus der Mittwochsausgabe, 17.5.2017

Abbildung 67: NRW-Wahl - Ressort-Box

Abbildung 68: Interaktives Tool - Karte mit Wahlergebnissen

Abbildung 69: Interaktives Tool - Umfrage

Abbildung 70: Interaktives Tool - Wahl-O-Mat

Abbildung 71: Interaktives Tool - Koalitionsrechner

Abbildung 72: Interaktives Tool - Karte mit Wahlergebnissen der letzten Jahre

Abbildung 73: Interaktives Tool - Wahllokalfinder

Abbildung 74: Beispiel 1 Vergleich Print - Online

Abbildung 75: Beispiel 2 Vergleich Print - Online

Abbildung 76: Beispiel 3 Vergleich Print - Online

Abbildung 77: Beispiel 4 Vergleich Print - Online

Abstract

Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit den Unterschieden zwischen Print- Zeitungen und ihren Online-Auftritten. Dieses Themenfeld wird anhand eines praktischen Beispiels untersucht. Die Zeitung „Kölner Stadt-Anzeiger“ wird mittels einer empirischen Untersuchung erfasst und ihre Print-Ausgabe und der Online-Auftritt werden im Hinblick auf die technischen, strukturellen und inhaltlichen Unterschiede untersucht und verglichen. Als thematischer Schwerpunkt dient dabei die Landtagswahl 2017 in Nordrhein-Westfalen. Als Untersuchungszeitraum wurde dabei die Woche zwischen dem 11.5.2017 und dem 17.5.2017 ausgewählt. Die Landtagswahl hat am 14.5.2017 stattgefunden.

Schlagwörter: Print-Zeitung, Online-Zeitung, Online-Journalismus, Empirische Untersuchung, Kölner Stadt-Anzeiger

1. Einleitung

Die gedruckte Zeitung, eines der ältesten journalistischen Massenmedien zur Verbreitung von tagesaktuellen Informationen, blickt seit einigen Jahren auf einen sich wandelnden Medienmarkt mit sich stetig und in immer schnellerem Tempo entwickelnden technischen Möglichkeiten, die die Art der Herstellung und Verbreitung von Informationen stark verändert.

Dieser Umbruch ist nicht spurlos an den Zeitungsverlagen in Deutschland vorübergegangen, denn seit Anfang der 90er Jahre geht die Zahl der verkauften Auflagen stark zurück. Waren es im Jahr 1991 noch insgesamt 27,3 Millionen Exemplare, sind es im Jahr 2016 noch gerade einmal 15,3 Millionen Exemplare (Statista 2016: online).

Viele Aspekte spielen bei dieser negativen Entwicklung der Verkaufszahlen eine Rolle, sowohl äußere Einflüsse, durch eine sich wandelnde Gesellschaft und sich damit ändernde Lesegewohnheiten (vgl. Neuberger 2003: 32), als auch Faktoren innerhalb der Branche, deren Bereitschaft zur Anpassung und Umgestaltung ihres Angebots zur weiteren langfristigen Bindung ihrer Leserschaft angesichts des wirtschaftlichen und technischen Wandels der Medienlandschaft zu spät gekommen ist (vgl. Blum, C. & Blum, J. 2001: 30).

Der größte Umbruch für die Zeitung als Medium ist allerdings durch den, mit der Etablierung des Internets aufgekommenen, Online-Journalismus in die Wege geleitet worden. Das Internet als neues Medium zur Aneignung von Informationen hat sich schnell etabliert und tritt in immer größere Konkurrenz zu den bestehenden anderen Medienformaten wie Fernsehen, Rundfunk und Print. Waren es im Jahr 1997 noch 4,1 Millionen Menschen in Deutschland, die das Internet nutzten, so waren es im Jahr 2016 laut der ARD/ZDF Deutschlandstudie 58 Millionen Menschen (Statista 2016: online).

Die Zeitungen haben auf diese Entwicklung reagiert und ihre Nachrichtenangebote ins Digitale übertragen. Bereits 1996 gab es 39 Online-Auftritte deutscher Zeitungen im World Wide Web und im Jahr 2016 wurden vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger 692 Online-Auftritte gezählt (Statista 2016: online).

Dieser Aufbruch in die virtuelle Welt wurde nur zögerlich eingeleitet und ist noch nicht abgeschlossen. Die Zeitungsverlage blicken weiterhin großen Herausforderungen entgegen. Die Möglichkeiten, die das Internet zur Darstellung und Verbreitung von Informationen bietet, sind noch lange nicht ausgeschöpft und die Etablierung der Zeitungen im virtuellen Markt ist noch nicht gefestigt. Die Phase des Umbruchs zwischen gedruckter und virtuell angebotener Zeitung dauert an. Welche Art der Zeitung, ob gedruckt oder virtuell, sich auf Dauer durchsetzen wird, ob die Online-Variante die ältere, gedruckte Version ablösen wird, oder doch weiterhin mit ihr koexistieren kann, ist bisher immer noch nicht abzusehen.

Gerade in diesem Zustand der Koexistenz, der nun bereits seit einigen Jahren vorherrscht und in dem sich beide Medien ein Stück weit aneinander gewöhnt und, sowohl auf technischer, als auch auf inhaltlicher Ebene teilweise angenähert und miteinander verflochten haben, lohnt sich ein Vergleich zwischen diesen beiden Medienformaten anhand eines praktischen Beispiels.

In dieser Arbeit wird die Zeitung "Kölner Stadt-Anzeiger", die eine gedruckte Variante und auch einen Online-Auftritt anbietet, verglichen, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Medien festzustellen und zu analysieren. Dabei wird die Landtagswahl 2017 im Bundesland Nordrhein-Westfalen als thematischer Schwerpunkt ausgewählt und die Berichterstattung aus beiden Medien, die sich auf dieses Thema beziehen, wird untersucht und verglichen.

Zur grundlegenden Einordnung werden die beiden im Fokus liegenden Medien - die gedruckte Zeitung und das Internet als Verbreitungsplattform von Informationen - anhand ihrer medienspezifischen Eigenschaften dargestellt und das technische Potential des Internets wird erläutert.

Der Zustand der Zeitung und ihr vollzogener Wandel werden aufgezeigt, anschließend werden die Online-Zeitung und die technischen Strukturen, auf denen sie basiert, erklärt. Anschließend wird in Blick auf die Nachrichtenwert-Theorie geworfen, um festzustellen, welche Faktoren die Nachrichtenauswahl von Journalisten beeinflussen. Zusätzlich dazu werden mit der Theorie des "Gatewatchings" und einer kurzen Veranschaulichung des Faktors "Clickbaiting" Veränderungen in der Nachrichtenauswahl angesprochen, die sich durch die Beschaffenheit des neuen Mediums Internet herausgebildet haben.

Im empirischen Teil werden die Print-Ausgabe und der Online-Auftritt des Kölner StadtAnzeigers in einem festgelegten Zeitraum um die Landtagswahl NRW 2017 herum untersucht. Diese Daten werden ausgewertet und verglichen. Anschließend werden die erlangten Erkenntnisse dargestellt.

2. Theoretischer Teil

Im theoretischen Teil soll die Beschaffenheit der beiden zu untersuchenden Medien Zeitung und Online-Zeitung erläutert werden, indem der bisherige Forschungsstand aufgezeigt wird. Die Eigenschaften der gedruckten Zeitung und des Mediums Internet, über das eine OnlineZeitung verbreitet wird, sollen dargestellt werden, um daraus eine Fragestellung abzuleiten und Hypothesen aufzustellen, die im späteren Verlauf anhand der Daten aus der empirischen Untersuchung bestätigt oder wiederlegt werden können.

2.1 Definition des Mediums Zeitung und Internet

2.1.1 Definition "Medium"

Bevor man die Begriffe "Zeitung" und "Internet" definieren kann, sollte man zuerst den Begriff "Medium" einordnen, da er beide Begriffe kategorisiert und ihre fundamentalen Eigenschaften beschreibt.

Christoph Neuberger, Prof. für Kommunikationswissenschaft an der Universität München, fasst in seinem Buch "Online - Die Zukunft der Zeitung" eine Definition des Begriffs zusammen, die die Leistungen eines Mediums aus technischer Sicht beschreibt. Ein Medium dient dazu, "die Grenzen der direkten Kommunikation zu überwinden, in welcher der Körper zur Erzeugung und [...] auch zum Empfang von Zeichen eingesetzt wird. Nachteile der direkten Kommunikation sind, dass die körperlichen Ausdrucksmöglichkeiten beschränkt sind und sie raum-zeitlich begrenzt ist" (Neuberger 2003: 18).

Die Leistungen von einem technischen Medium stellen die Überbrückung dieser Eingrenzungen dar, indem Signale erzeugt und vervielfältigt werden können, umgewandelt, zwischengespeichert und über den technischen Weg transportiert werden können und auch empfangen werden können (vgl. Neuberger 2003: 18).

Anhand dieser Leistungen kann man eine Unterscheidung treffen, indem der Körper das primäre Medium darstellt, von dem die Kommunikation ausgeht. Sekundäre Medien sind Medien, die eine technische Apparatur zur Produktion benötigen, aber nicht zur Rezeption. In diese Kategorie fällt die Print-Zeitung, die gedruckt werden muss, aber dann ohne technische Hilfsmittel gelesen werden kann. Tertiäre Medien brauchen sowohl bei der Produktion, als auch bei dem Empfang von Signalen technische Vorrichtungen, "weil Zwischencodes für die Übermittlung und Speicherung von Zeichen verwendet werden, die sinnlich nicht direkt wahrnehmbar sind" (Neuberger 2003: 18).

Unter diese Kategorie fällt beispielsweise ein Computer, der Informationen in Binär-Code speichert und weiterleitet. In diese Kategorie kann das Internet als Medium eingeordnet werden.

2.1.2 Definition des Mediums "Zeitung"

"Zeitung im engeren Sinne ist jede in gewissen Zeitabständen erscheinende, einem individuell nicht bestimmten Personenkreis zugängliche Veröffentlichung mit vielseitigem, zeitgemäßem, allgemein interessierendem Inhalt" (Brunhuber 1907: 15).

Diese Definition wurde von Robert Brunhuber im Jahr 1907 aufgestellt und umfasst die folgenden vier Merkmale: Publizität, also allgemeine und öffentliche Zugänglichkeit, Aktualität, also zeitnahe Berichterstattung, Periodizität, also regelmäßiges Erscheinen, und Universalität, also inhaltliche Vielfalt (vgl. Neuberger 2003:20).

Brunhubers Definition sieht laut Neuberger "... den Druck nur [als] eine vorübergehende Erscheinungsform, die mit dem spezifischen Wesen der Zeitung nichts zu tun hat" (Neuberger 2003:21).

Das ist im Hinblick auf die neu aufgekommenen elektronischen Massenmedien ein wichtiger Punkt, da diese ebenfalls das Potential haben, diese vier Merkmale zu erfüllen, und die gedruckte Zeitung dabei "in jeder Hinsicht übertreffen [können]" (Neuberger 2003: 20). Die gedruckte Zeitung als technisches Einzelmedium hat laut Neuberger aber auch einzigartige Eigenschaften. Sie ist ein leistungsfähiges, weil zeitüberwindendes Speichermedium, dessen Rezeption weder zeitlich noch räumlich gebunden ist. Das technische Potenzial der Zeitung ermöglicht die Vermittlung verbaler und non-verbaler Zeichen in visuell-statischer Form, das heißt auf der Zeitung abgedruckte Texte, Fotos, Grafiken, oder ähnliche Gestaltungselemente (vgl. Neuberger 2003: 22). Die Zeitung speichert also Informationen, indem diese auf ihr gedruckt werden. Der Leser kann durch den Erwerb der Zeitung selbst entscheiden, wann und wo er die Informationen aufnimmt und er braucht keine weiteren Hilfsmittel, um die Informationen aufnehmen zu können, da die Zeitung als sekundäres Medium technische Mittel nur zur Produktion braucht.

2.1.3 Definition des Mediums "Internet"

Das Internet als einzelnes Medium zu beschreiben ist schwierig, da es mit seinen Eigenschaften Bereiche aller anderen Medien berührt und auch teilweise als Plattform zur Verbreitung für andere Medien dient, zum Beispiel für Online-Auftritte von Zeitungen. Das Internet, als technisches Medium betrachtet, hat laut Neuberger ein hervorstechendes Merkmal, das die Möglichkeiten der anderen Medien, sich über das Internet zu verbreiten, begünstigt, nämlich Multioptionalität.

Voraussetzung dafür ist, dass das Internet als tertiäres Medium ein technisches Hilfsmittel, nicht nur bei der Produktion von Informationen, sondern auch bei ihrem Empfang und anschließender Rezeption benötigt, beispielsweise einen Computer oder ein Handy.

Durch sein technisches Potential erlaubt das Internet dadurch "an einem vernetzten Verbreitungsund Empfangsgerät [...] eine Vielzahl unterschiedlicher Kommunikationsarten, wie sie bisher kein anderes Einzelmedium vereinen konnte" (Neuberger 2003: 27).

Neuberger listet folgende technisch realisierbare Kommunikationsmöglichkeiten auf:

- asynchrone und synchrone Kommunikation
– "One-to-one"-, "One-to-many"- und "Many-to-Many"-Kommunikation
– interaktive und selektive Kommunikation
– private und öffentliche Kommunikation
– auditive, visuell-statische und -dynamische Kommunikation

Diese verschiedenen Arten der Kommunikation spielen sich in unterscheidbaren Kommunikationswegen ab, die über verschiedene Werkzeuge innerhalb des Internets aufgebaut werden. E-Mails, Diskussions-Foren, Newsletter, oder Artikel auf Websites sind dafür nur einige Beispiele. Neuberger definiert das Internet mit seinen Eigenschaften als "ein multioptionales Medium für Journalisten und Nutzer, das kaum noch Schranken setzt" (Neuberger 2003: 69).

Die über das Internet verbreiteten Informationen werden über sogenannte Hypertexte dargestellt und zugänglich gemacht. Diese Hypertexte sind mittels der technischen Vermittlung über das Internet im sogenannten "Word Wide Web" auffindbar und miteinander vernetzt. Angelika Storrer erklärt die Verbreitung und Organisation von Informationen mittels des World Wide Web wie folgt:

"Das World Wide Web ist organisiert als Netzwerk von funktional und thematisch zusammengehörigen Teilnetzen, die durch computerisierte Verweise, die Hyperlinks, miteinander verknüpft sind. Die Information wird grob in Rubriken aufgeteilt, aus denen der Leser nach seinen Interessen eine Auswahl trifft. [...] Hypertexte im WWW bestehen nicht aus einer festen Anzahl von Modulen, sondern befinden sich in ständigem Aufund Umbau. Module können relativ unkompliziert aktualisiert und ergänzt werden [...]" (Storrer 2001: 175).

2.1.4 Technisches Potential des Internets

Das Internet hat noch weitere Eigenschaften, die sich teilweise mit denen der Print-Zeitung überlappen, aber sich dennoch in gewissen Aspekten unterscheiden und daher für das Internet neu definiert werden müssen. Diese Eigenschaften sind: Multimedialität, Vernetzung/Hypertextualität, große Speicherkapazität und Archivierung, globale Verbreitung, permanente Aktualisierbarkeit mit minimaler Reaktionszeit, Selektivität, Interaktivität, kostengünstige Produktion und Verbreitung.

Multimedialität

Der, durch das Internet geschaffene, virtuelle Raum des "World Wide Web" besteht aus einer Basis von statischen Websites, auf denen eine Kombination von Text, Foto, Grafik, Video, Animation und Tönen dargestellt werden kann, die von den Nutzern der Website abgerufen werden kann (vgl. Neuberger 2003: 57).

Gerade an diesem Aspekt zeigt sich die potentiell mögliche Verschmelzung von verschiedenen Medien, da beispielsweise Fernsehsender in einer Mediathek im Web ihr Sendeprogramm auf Abruf anbieten können.

Vernetzung/Hypertextualität

Durch die, mit dem Internet als technischer Voraussetzung und dem World Wide Web als strukturgebender Vernetzung, gegebenen Rahmenbedingungen, ist es möglich, Informationen in ein potentiell unendliches Netz an weiteren Informationen anzubinden und mit anderen relevanten Themen zu verknüpfen (vgl. Storrer 2001: 174 f.).

Durch die Eigenschaft der Hypertextualität kann man Informationen in einer nicht-linearen, modularen Form darstellen und diese multimedial gestalten.

Große Speicherkapazität und Archivierung

Anders als beispielsweise bei einer Zeitung, die mit jeder erscheinenden Ausgabe "neu anfängt", bleiben die ins Web eingespeisten Informationen in der Regel enthalten und abrufbar. Durch diese Archivierung stellt das Internet einen riesigen Datenspeicher dar, der auch als Archiv für aktuelle Informationen verwendbar ist.

Durch diese Struktur ermöglicht das Internet, ältere Informationen mit neuen zu verknüpfen, Schwerpunkte zu langfristig relevanten Themen aufzubauen und dadurch Berichte fortlaufend zu ergänzen.

In dieser, sich kontinuierlich erweiternden, Datenbank kann der Nutzer seine Suche nach Informationen in einem Ausmaß selbst bestimmen, die beispielsweise in einer gedruckten Zeitung nicht möglich ist.

Durch den theoretisch unbegrenzten Platz können Informationen, wie zum Beispiel lange Datenkolonnen von Sportergebnissen, Börsenkursen, Veranstaltungshinweisen, etc., die aufgrund des begrenzten Platzes auf der gedruckten Zeitung und wegen notwendiger Aktualisierung eventuell nicht berücksichtigt werden, im Web ohne großen Aufwand mit aufgenommen werden (vgl. Neuberger 2003: 59).

Globale Verbreitung

Das Internet schaltet durch seinen potentiell überall verfügbaren Zugriff eine Beschränkung aus, die der Zeitung immer auferlegt sein wird, und zwar die räumliche Beschränkung. Die notwendige materielle Verbreitung einer Zeitung gestaltet es schwierig und kostenintensiv diese in fremde Märkte zu verbreiten, wohingegen das Internet aufgrund seines elektronischen Informationsangebots potentiell Zugang zu jedem Markt und jedem Leser hat. Die Faktoren, die eine unbegrenzte Verbreitung zumindest einschränken, sind Sprachbarrieren, die den potentiellen Rezipienten an der Informationsaufnahme hindern, und der Faktor der "Nähe" zu bestimmten Themeninteressen, da regionale Themen, je nach Relevanz, eher von regionalen Medienformaten aufgegriffen werden.

Für den Rezipienten bringt die globale Verbreitung der Informationsangebote nur Vorteile, da er mehr Selektionsmöglichkeiten bekommt. Für die Medienanbieter hat es Vorund Nachteile. Einerseits bieten neue Märkte Expansionschancen, andererseits erhöht sich so auch die Konkurrenz (vgl. Neuberger 2003: 60).

Permanente Aktualisierbarkeit mit minimaler Reaktionszeit

Eine gedruckte Zeitung wird anhand bestimmter Zeiten und Arbeitsabläufe produziert, die einen Redaktionsschluss zu einem festgelegten Zeitpunkt notwendig machen. Einmal gedruckt, lassen sich die in ihr enthaltenen Informationen nicht mehr ändern. Durch die über das Internet dauerhaft aufrechterhaltene Verbindung zum Nutzer kann man Informationen innerhalb dieses Mediums zu jedem Zeitpunkt aktualisieren und durch die schnelle Verbreitungsgeschwindigkeit kann man Informationen in annähernd Echtzeit

anbieten, was bei bestimmten Ereignissen, wie zum Beispiel einer Wahl, einen hohen Wert hat. Diese Veränderung des Arbeitsprozesses könnte laut Neuberger Auswirkungen auf die Berichterstattung haben:

"[…] [D]ie permanente Aktualisierung im Internet [könnte] zu einer stärker fragmentierten, faktenorientierten Berichterstattung führen. Möglicherweise wirkt sich die Permanenz auch auf die Darstellungsform "Nachricht" aus, da sich neue Entwicklungen zu einem Thema nur schwer in einem nach Wichtigkeit aufgebauten Artikel ("Inverted pyramid") einarbeiten lassen" (Neuberger 2003: 61).

Interaktivität

Neuberger gibt folgende Definition zu Interaktivität in Bezug auf ein Medium: "Interaktiv ist Kommunikation dann, wenn ein menschliches gegenüber auf eine Anfrage individuell reagiert und sich eine mehr oder weniger lange Kette von Interaktionen ergibt, wobei [...] Relationen zu früheren Relationen zwischen Mitteilungen hergestellt werden. Interaktivität ist das Potential eines Mediums, einen solchen Kommunikationsverlauf möglich zu machen" (Neuberger 2003: 61 f.).

Konkrete Beispiele für Interaktivität zwischen Nutzern sind zum Beispiel Foren, E-Mail- Kommunikation, oder Live-Chats.

Selektivität

Unter Selektion versteht man, dass der Nutzer sich unter zeitlich vorab festgelegten, standardisierten Medienangeboten entscheidet. Gängige Botschaften von Massenmedien werden standardisiert produziert und zur Selektion bereitgestellt.

Beispiele dafür sind Hypertexte, Datenbanken, oder Suchfunktionen. Durch diese vorgegebenen Selektionsmöglichkeiten kann der Nutzer seine Suche nach Informationen ein Stück weit selbst koordinieren (vgl. Neuberger 2003: 62).

Kostengünstige Produktion und Verbreitung

Die Kosten für die technische Infrastruktur und für die Erstellung der Inhalte sind bei Internetangeboten weitgehend unabhängig von der Nutzeranzahl (vgl. Neuberger 2003: 65). Die technische Infrastruktur muss nur einmal angeschafft werden und die eigentliche Produktion der Inhalte muss, bis auf Stromund Internetanbieter-Kosten, nicht finanziert werden.

2.2 Die gedruckte Zeitung heute

Die Zeitung als Medium hat in den letzten Jahrzehnten eine Entwicklung durchgemacht, die ihr optisches Erscheinungsbild und ihre Struktur stark verändert hat. In früheren Zeiten wurde ausschließlich der Schachtelumbruch verwendet, um Artikel auf den Zeitungsseiten abzubilden, also mehrere lange und kurze Beiträge, die auf einer Seite ineinander verschränkt waren. Die Textdarstellung war formal immer gleich, ein typografisch einfacher und fortlaufend in Zeilen oder Spalten gesetzter und inhaltlich in sich geschlossener Text, der von vorne nach hinten gelesen werden konnte (vgl. Schmitz 2001: 210).

In den 70er Jahren wurde zum Blockumbruch gewechselt, der dafür sorgte, dass die Artikel jeweils als Rechteck mit vier Ecken dargestellt wurden. Durch den Wechsel auf diesen modularen Aufbau der Artikel wurde die Form der Zeitung strukturierter und für den Leser übersichtlicher (vgl. Blum, C. & Blum, J.: 20).

Gestalterische Aspekte, die Layout und Design der Zeitung änderten, kamen allerdings erst sehr viel später auf. Eine erste Modernisierungsphase in den 80er Jahren sorgte für die Umgestaltung verschiedener Zeitungen auf dem deutschen Markt mit dem Ziel der Optimierung des Layouts. Damit sollte für bessere Lesbarkeit, bessere Übersicht und leichtere Orientierung des Lesers gesorgt werden. Auch die erhöhte Verwendung von Fotos und Grafiken sollte die visuelle Wahrnehmung der Zeitung verbessern (vgl. Blum, C. & Blum, J.: 26).

In den 90ern gab es eine weitere Phase der Optimierung, in der viele Zeitungen erhebliche Redesigns oder gar komplette Relaunches vorgenommen haben. Diese zweite Phase der Neugestaltung war laut Claudia und Joachim Blum konsequenter und weitreichender als die erste Phase, da die Leserforschung intensiviert wurde und deren Bedürfnisse und Wünsche besser verstanden, beziehungsweise sichtbar gemacht wurden.

Durch diese Neustrukturierung der Zeitungen wurde eine neue Art zur Darstellung und Aufbau von Texten nötig. Textdesign wurde als Neuansatz zur besseren Leserführung verwendet, indem man visuelle Hilfen jenseits der linearen Textblöcke verwendete und zum Beispiel Rubriken, Inhaltsverzeichnisse und ein übersichtlicheres, zur Orientierung beitragendes Layout benutze.

Claudia und Joachim Blum beschreiben es als "Textdesign als Neuansatz der ganzheitlichen Umsetzung inhaltlich-konzeptioneller Instrumente der Leserführung mit den gebotenen gestalterischen Mitteln" (Blum, C. & Blum, J.: 31) Auf visueller Ebene gab es eine Verbesserung durch Farbfotografie, digitale Fototechnik und den Einsatz von Informationsgrafiken.

Auch auf funktionaler Ebene gab es laut Claudia und Joachim Blum einige Veränderungen innerhalb der Zeitung, von denen die wichtigsten hier aufgezählt werden:

- Inhaltlich und formal verbesserte Überschriften-Kombinationen
- Neue Vorspann-Varianten und Vorspann-Optiken
- Navigationshilfen wie: Titelseite mit Schaufensterfunktion, eine gleichbleibende Abfolge der Ressorts, Inhaltsverzeichnis, Anreißer-Meldungen, Farbleitsystem, Querverweis-Systeme, Rubrikenköpfe und Logos
- Auslagerung von Informationen in separate Informationseinheiten, Zerlegung komplexer Themen in unterschiedliche Aspekte und/oder unterschiedliche Darstellungsformen
- Schaffung verschiedener Einstiegspunkte je Seite (vgl. Blum, C. & Blum, J.: 32) Claudia und Joachim Blum geben in ihrem Text "Vom Textmedium zum Multimedium - Deutsche Tageszeitungen im Wandel" fünf Trends, die die Zeitungsentwicklung bis 1998 beschreiben, wobei vier davon für diese Arbeit relevant sind und im Folgenden aufgegriffen und erklärt werden (vgl. Blum, C. & Blum, J.: 36).

1. Die Wissensund Informationsvermittlung entwickelt sich in den Printmedien von der Einkanaligkeit zur Mehrkanaligkeit.

Das bedeutet, dass die angebotenen Informationen nicht mehr nur mit Text, sondern verstärkt auch in Verknüpfung mit Bildern und Grafiken präsentiert werden.

2. Komplexe Formen der Berichterstattung werden durch segmentierte Formen der Berichterstattung abgelöst.

Die angebotenen Informationen werden nicht mehr nur in einem lineargeschriebenen Text, sondern modular präsentiert, wobei verschiedene Darstellungsformen, wie Grafiken, Bilder oder Texte benutzt werden können. Diese einzelnen Module können dabei für sich alleine stehen, oder ein zusammenhängendes Informationspaket bilden.

3. Die Berichterstattung in den Zeitungen wandelt sich vom Informationszum Bedeutungsjournalismus.

Die neueren Medien haben die Zeitung in Bezug auf Aktualität und Geschwindigkeit der Informationsvermittlung überholt, daher konzentriert sich die Zeitung mehr auf die Einordnung, Kommentierung und perspektivische Aufbereitung der Informationen, sozusagen als Komplementärleistung gegenüber den neueren Medien.

4. Zeitungen werden zunehmend nicht mehr für den Durchleser, sondern für den selektiven Leser und den Anleser gestaltet.

Es wird nicht mehr davon ausgegangen, dass ein durchschnittlicher Leser die gesamte Zeitung durchliest, daher wird die Gestaltung dahingehend optimiert, dem Leser das Auffinden der ihn interessierenden Artikel zu erleichtern und durch eine attraktive Aufmachung sein Interesse an den angebotenen Themen zu wecken.

Anhand dieser Entwicklung und der von Claudia und Joachim Blum gegebenen Trends kann man erkennen, dass das Aufkommen der elektronischen Medien, wie Rundfunk, Fernsehen und vor allem dem Internet, die Zeitung zu einer Entwicklung in eine andere Richtung gedrängt hat, um die verlorenen Eigenschaften, die mittlerweile von den anderen Medien besser verkörpert, beziehungsweise ausgeführt werden, mit anderen, neu entwickelten Eigenschaften auszugleichen.

2.3 Die Online-Zeitung

Online-Zeitungen, die mehr sind, als eine bloße Kopie ihres Print-Pendants, werden anders konzipiert und ihre Inhalte werden anders aufbereitet, als in Print-Zeitungen. Das technische Potential des Internets als Trägermedium für Online-Zeitungen stellt die Voraussetzungen dafür zur Verfügung, wie bereits in vorherigen Kapiteln beschrieben.

Gabriele Hooffacker nennt in ihrem Handbuch "Online-Journalismus" die Interaktivität des Nutzers, "der mit Hilfe von Maus und Tastatur das Online-Medium in hohem Maße selbst steuern kann, indem er selbstständig durch die angebotenen Inhalte navigiert" als Hauptunterschied zu den klassischen Medien (Hoofacker 2016: 36).

Bei beiden Medien kann der Leser selbst bestimmen, wann er sie konsumiert. Eine gedruckte Zeitung kann er höchstens umblättern oder weglegen, in einer Online-Zeitung kann er auswählen, anklicken, oder Suchbegriffe eingeben. Zusätzlich zu Textund Bildelementen bekommt der Leser Audio-und Filmelemente angeboten, die zu einem Teil eingeblendet werden, deren Abfolge und Nutzung der Leser aber größtenteils selbst in der Hand hat, anders als in einer gedruckten Zeitung, in der lineare Texte und Bildelemente statisch abgebildet werden (vgl. Hoofacker 2016: 37).

Ulrich Schmitz bezeichnet Online-Zeitungen als "multimediales Labyrinth" (Schmitz 2001: 207), die die zeitungsbezogenen Dimensionen der Kommunikation intensivieren. Online- Zeitungen zeichnen sich seiner Meinung nach durch eine größere Informationsfülle, schnellere Aktualisierung und eine stärkere, non-lineare und modulare Komplexität aus. Er beschreibt die Verfügbarkeit von Informationen in Online-Zeitungen als allgemeiner, aktueller und umfassender.

Durch diese neue Fülle an Informationen, die zusätzlich in verschiedenen Formen dargestellt werden, sieht er den Leser überfordert und hält eine Unterstützung des Lesers durch zielgerichtetes Design der Online-Zeitungen seitens der Produzenten für notwendig. Wie sich bereits in den Print-Zeitungen der Wandel von reiner Text-Darstellung zu Textdesign vollzogen hat, bedarf es seiner Meinung nach eines guten Multimedia-Designs in Online- Zeitungen. "Aus Textdesign in Papierzeitungen wird Multimedia-Design in Online- Zeitungen" (Schmitz 2001: 208).

2.3.1 Aufbau von Online-Zeitungen

Den Aufbau von Online-Zeitungen beschreibt Schmitz als im Grunde ähnlich zu dem von Print-Zeitungen. Der Bildschirm stellt das Pendant zu einer Zeitungsseite dar, die mit möglichst viel Text, in möglichst kleinen Portionen angeboten und mit visuellen Elementen angereichert, gefüllt wird. Dazu kommt noch das Layout und Navigationselemente im Sinne von Text-Design-Strategien, in die die angebotenen Informationsmodule eingebettet sind. Auf der Fläche, die die Seite darstellt bewegt sich zunächst nichts. Der Unterschied besteht darin, dass, im Gegensatz zur fixierten und festgelegt statischen Natur der Print-Seite, alles veränderbar, beweglich und dynamisch ist, da alle angezeigten Elemente aus virtuellen Pixeln bestehen, deren Struktur eine Veränderung erlaubt. Das heißt, dass Artikel auf der Seite verändert oder ausgetauscht werden können und auch das Layout oder die Navigation kann theoretisch verändert werden (vgl. Schmitz 2001: 214).

2.3.2 Orientierung in Online-Zeitungen

Die Orientierung in einer Print-Zeitung wird bereits durch ihren materiellen Aufbau und die begrenzten in ihr enthaltenen Beiträge klar strukturiert. Die einzelnen Zeitungsseiten sind in Rubriken unterteilt und die wichtigsten Themen werden auf der Aufmacher-Seite angekündigt und mit Seitenverweisen versehen. Durch umblättern kann man alle in der Zeitung enthaltenen Informationen finden.

Eine Online-Zeitung wird nicht durch eine materielle Form begrenzt. Das Internet als zur Verbreitung benutztes Medium und der virtuelle Aufbau und die Einbindung der Zeitung im World Wide Web macht ein potentiell unendliches Angebot an Beiträgen möglich. Zudem sind Online-Angebote nicht linear, sondern bestehen aus mehreren Informationsmodulen, Also Dateien verschiedenen Typs, die Informationen jeweils nach ihrem technischen Wesen darstellen, miteinander verknüpft sind.

Aus technischer Sicht gibt es zudem die Einschränkung, dass die für die angebotenen Informationen verfügbare Projektionsfläche durch den Bildschirm der verwendeten Wiedergabegeräte begrenzt ist. Dadurch sind niemals alle Informationen gleichzeitig sichtbar und es ist nicht wie in der Print-Zeitung möglich, immer diagonal von oben nach unten zu lesen (vgl. Hoofacker 2016: 40).

Aufgrund der besonderen Struktur dieses Aufbaus ist es notwendig, die Informationen zu verknüpfen und miteinander in Beziehung zu setzen. In der Print-Zeitung passiert dies auch durch Navigationselemente innerhalb des Textdesigns, Teaser auf der ersten Seite, oder Inhaltsverzeichnisse. In Online-Zeitungen nimmt die Verknüpfung der einzelnen Informationsmodule aber eine ganz andere Dimension an, da das Grundgerüst, auf dem Online-Zeitungen aufgebaut sind, Hypertexte sind und deren Vernetzungen untereinander aufgrund ihrer Bedienung einen für den Leser interaktiven Charakter haben, da er sie nicht fixiert präsentiert bekommt, sondern sie selbst aufrufen, auswählen, oder auf andere Weise sichtbar machen, also selbst entscheiden kann, ob er sie konsumieren möchte. Deshalb lohnt sich ein detaillierter Blick auf den Aufbau von Hypertexten.

2.3.3 Das Fundament der Online-Zeitung: Hypertext

Definition von Hypertexten

Angelika Storrer hat sich in ihrem Beitrag "Textgestaltung fürs World Wide Web" näher mit Hypertexten auseinander gesetzt. Man muss ihrer Meinung nach zunächst zwischen zwei Typen von, für das World Wide Web erstellten, Dokumenten unterscheiden. Der erste Typ ist ein linear organisierter Text, der oft nur das elektronische Pendant eines Printtextes ist, der um Hyperlinks und/oder um semantisches Markup (beispielswiese gefettete Wörter) angereichert ist. Sie nennt diesen Typ einen Online-Text.

Der zweite Typ stellt eine Zusammenstellung von multimedialen Informationsmodulen zu einem Thema dar, die durch Links miteinander verknüpft und für die selektive Lektüre aufbereitet sind. Das ist Storrers Beschreibung für einen Hypertext.

Ein mit semantischen Markierungen und Verlinkungen versehener linearer Online-Text hat laut Storrer einen Mehrwert gegenüber der gedruckten Version, vor allem für die inhaltliche Erschließung, für die elektronische Archivierung und für die Wiederverwertung von Zeitungsbeiträgen. Beide Typen von Texten lassen sich miteinander kombinieren, da Online- Texte als Modul in einem Hypertext eingebaut werden können (vgl. Storrer 2001: 180).

Innerhalb von Hypertexten macht Storrer ebenfalls eine Unterscheidung von zwei verschiedenen Typen, dem geschlossenen und dem offenen Hypertext.

Hypertexte mit einer festen Anzahl von Modulen, die zwar durch Links an das weltweite Netz angebunden sind, in sich aber ein abgeschlossenes, statisches Produkt darstellen, beschreibt sie als geschlossenen Hypertext.

Hypertexte, deren Rubriken und Module sich in ständigem Aufund Umbau befinden und die typischer Weise "offene Enden" haben, an denen auch die Benutzer agieren können (beispielsweise anhand einer Kommentarfunktion unter Artikeln), beschreibt sie als offenen Hypertext.

Die Vorteile eines offenen Hypertextes sind laut Storrer, dass die in ihm enthaltenen Module jeder Zeit aktualisiert werden können und neue Module und Verlinkungen eingebaut werden können. Ein offener Hypertext ist also niemals abgeschlossen, sondern muss weiter gepflegt werden (vgl. Storrer 2001: 181).

Storrer nennt drei besondere Merkmale von offenen Hypertexten, die Online-Zeitungen betreffen.

- Leserbeteiligung: Beispielsweise durch Leserkommentare, Diskussionsforen, E-Mail Kommunikation, oder Abstimmungsoder Bewertungstools können Leser mit den Produzenten der Online-Zeitung kommunizieren.
- Aktualisierung: Es kann theoretisch jederzeit ein neues Informationsmodul erstellt, oder ein bestehendes verändert werden, daher ist eine Online-Zeitung theoretisch auch permanent aktualisierbar.
- Retrospektive Vernetzung: Durch die große Speicherkapazität im Internet und den mit immer neuen Informationen eingespeisten Datenbanken können Beiträge durch eine Vernetzung mit bereits bestehenden Informationen aus diesen Datenbanken mit mehr Tiefe ausgestattet werden. Leser haben Zugang zu diesen Datenbanken (beispielsweise durch Suchfunktionen auf der Website einer Online-Zeitung) und können so effizienter Entwicklungen in der Berichterstattung über einen bestimmten Zeitraum verfolgen. Die Möglichkeit zur externen Vernetzung auf Inhalte fremder Anbieter vertieft diese Möglichkeit (vgl. Storrer 2001: 185).

Die gegebene Struktur von Hypertexten erlaubt es, sich Themen auf anderer Art und Weise zu nähern und über sie zu berichten. Durch den modularen Aufbau wird dem Leser ein Stück weit ermöglicht, sich den Grad an Informationstiefe selbst auszusuchen. Storrer beschreibt dies wie folgt:

"In Hypertexte können thematische Nebengleise und Hintergrundinformationen auf eigene Module ausgelagert und mit der Kerninformation verknüpft werden. Die Kürze der Formulierung muss deshalb nicht einhergehen mit einer Verkürzung der behandelten Inhalte, im Gegenteil: Ein Thema kann in beliebiger Informationstiefe dargeboten werden; nach dem Prinzip "detail on demand" wählt dann jeder Nutzer den Grad der Detailliertheit selbst." (Storrer 2001: 182)

Aufbau von Hypertexten

Die einfachste Hypertext-Struktur besteht aus einer Startseite (Homepage), die auf weitere Unterseiten (Sites) verweist, beziehungsweise mit ihnen verknüpft ist. Von diesen Unterseiten wiederum kann man auf die Startseite zurückkehren, oder auf weitere Unterseiten gelangen. Voraussetzung ist, dass alle Sites miteinander vernetzt sind (vgl. Hoofacker 2016: 41). Der Leser kann von einer Site auf die andere gelangen, indem er auf bestimmte Textoder Bildelemente (Navigationspunkte) klickt, die bei ihrer Aktivierung die mit ihnen verlinkte

Site aufrufen. Diese Art von Verknüpfungen werden als Hyperlinks bezeichnet. Weil nicht nur Textdokumente, sondern auch Videos, Bilder oder andere Dateien verlinkt werden, spricht man auch von Hypermedia (vgl. Hoofacker 2016: 43).

Interne und externe Links

Wenn ein Navigationspunkt zu einem eigenen Dokument innerhalb des Online-Angebotes führt, dann bezeichnet man diesen als internen Link.

Wenn ein Navigationspunkt, oder eine Verlinkung, beispielsweise in einem Text, zu einer fremden Website (beispielsweise einer anderen Online-Zeitung) führt, dann spricht man von einem externen link (vgl. Hoofacker 2016: 44).

Die drei Ebenen von Hypertextstrukturen

Beim Aufbau und der Planung von Hypertexten muss man drei Ebenen voneinander unterscheiden:

- Die Inhaltsebene, bei der die Semantik der Daten und deren mediale Realisierung für den Leser verständlich umgesetzt werden soll.

- Die Präsentationsebene, bei der festgelegt wird, wie die Daten angezeigt werden sollen.

- Die Interaktionsebene, bei der festgelegt wird, welche Interaktionsmöglichkeiten dem Leser mit den Daten zur Verfügung stehen.

(vgl. Storrer 2001: 191)

Die Präsentationsebene:

Über ein konsistentes Design durch ein identifizierendes Logo, Positionierung und Gestaltung der Navigationsleisten und den Aufbau der Homepage und der Unterseiten wird eine Website als eigenständiges, in sich geschlossenes Nachrichtenangebot konstituiert. Das, für jede Zeitung jeweils individuelle, Gestaltungskonzept bildet den Rahmen, innerhalb dessen die einzelnen Informationsmodule dargestellt und verknüpft werden können. (vgl. Storrer 2001: 192) Umfang und Struktur der Berichterstattung, bzw. des Informationsangebotes, sowie die Zugriffsmöglichkeiten auf die einzelnen Informationsmodule müssen dem Besucher erst sichtbar gemacht werden. Die Homepage dient dazu als geeigneter Ausgangspunkt, Orientierungshilfe und als Drehund Angelpunkt beim "Herumstöbern im Informationsangebot" (vgl. Storrer 2001: 193).

Homepages sollten verschiedene Zugriffswege zu den Informationen haben, beispielsweise durch die auf der Homepage angezeigten Artikel und über die einzelnen Rubriken innerhalb der Navigationsleisten.

In den einzelnen Informationsmodulen, beispielsweise in Texten, sollten ebenfalls Orientierungsmarken eingefügt werden, beispielsweise durch eine typografische Hervorhebung von Schlüsselwörtern, um eine schnellere Einordnung des Themas und eine bessere Navigation des Lesers zu für ihn interessanten Informationen zu ermöglichen (vgl. Storrer 2001: 182).

Die Inhaltsebene:

Bei der Inhaltsebene geht es um die Verständlichkeit der Texte, Infografiken, Videos und anderer angezeigter Informationsmodule und hat daher eher etwas mit der inhaltlichen Auseinandersetzung des Themas, der richtigen Recherche und dem stilistischen Aufbau von Texten zu tun und weniger mit Hypertexten an sich.

Das jeweilige Thema hat allerdings Einfluss auf den Aufbau und die Modulkonstellation eines Beitrags, da die Art des Themas bestimmt, welche Module man als Kerninformation darstellt und welche eher im Hintergrund platziert werden. Ein Beispiel dafür wäre ein Video, das im Fokus eines Berichtes steht und ein weiteres Informationsmodul mit Text als zusätzlichen Informationen. Die Art der weiteren Verknüpfung mit anderen Informationen und zeitlichen Abstände eventueller Aktualisierungen hängen auch von der Art des Ereignisverlaufes ab, über den berichtet wird (vgl. Storrer 2001: 192).

Beispiele für verschieden strukturierte Ereignisverläufe wären:

- Ein sich fortlaufend entwickelnder, schematischer Ablauf, wie zum Beispiel ein sportliches Ereignis.
- Ein punktuelles Ereignis.
- Eine Geschichte mit abgeschlossenem Handlungsverlauf, der journalistisch aufbereitet wird.
- Eine Kontroverse, über die diskutiert wird, die nur bedingt zeitliche Fixpunkte hat.

Kontextualisierung im Rahmen des übergreifenden Informationsangebotes

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kontextualisierung. Jeder Bericht, jeder Artikel, beziehungsweise jede Website muss für sich alleine stehen können, da es durch die Struktur des World Wide Webs möglich ist, über andere Eintrittspunkte, als nur die Homepage, auf sie zuzugreifen, beispielsweise über die Suche in Datenbanken oder über eine Suchmaschine, oder über eine Verlinkung.

Die funktionale und thematische Zugehörigkeit zu größeren Informationseinheiten muss also dargestellt werden. Es müssen Wege zum Einstieg auf das übergreifende Informationsangebot bereitgestellt sein (beispielsweise ein Link zur Homepage) und es muss ersichtlich sein, mit welchem übergreifenden Thema die angebotene Information zusammenhängt. Standortsensitive Navigationsleisten, die beispielsweise Rubriken hervorheben, ermöglichen Kontextualisierung (vgl. Storrer 2001: 194).

Link-Kennzeichnung

Bei Verlinkungen in einem laufenden Text kann es leicht zu semantischen Problemen kommen. Die Aktionswörter, die als Link gekennzeichnet sind, haben eine dreifache Funktion. Sie tragen ganz normal zur inhaltlichen Bedeutung des Textes bei. Darüber hinaus sind sie eine Schaltfläche, über die der Leser zum verlinkten Informationsmodul kommt. Dazu kommt, dass sie, mit Hilfe des sie umgebenden Kontextes, dem Leser eine möglichst genaue Vorabinformation über den verlinkten Beitrag geben müssen. Viele Aktionswörter verleiten aber zu falschen Erwartungen, da sie zu vage sind, oder nicht genug Bezug zu dem verlinkten Inhalt haben (vgl. Storrer 2001: 198).

Die Interaktionsebene:

Bei der Interaktionsebene geht es vor allem darum, inwieweit und in welcher Form der Leser auf die einzelnen Informationsmodule zugreifen kann und in welchem Maße er sie steuern kann. Bestimmte Module, wie beispielsweise eingebettete Videos haben eigene Steuerungsoptionen, die der Leser benutzen kann.

Navigationspunkte auf Websites sind anklickbar und führen auf weitere Sites, die entweder einzelne Informationsmodule, oder Sammlungen von solchen enthalten. Der Leser kann dadurch, dass er sich beispielsweise aussuchen kann, auf welche Rubrik er klickt, ein Stück weit selbst entscheiden, welche Informationsmodule er angezeigt bekommt. Innerhalb gewisser Module, beispielsweise auf einer Website, ist es ihm möglich, selbst Informationen hinzuzufügen, oder zu verändern, beispielsweise durch einen Kommentar unter einem Artikel in einem Forum, oder wenn er bei einer Abstimmung mitmacht, die über ein Tool ausgeführt werden kann, das in einem Informationsmodul eingebettet ist (vgl. Storrer 2001: 175).

2.3.4 Probleme bei der Kohärenz und Orientierung in Hypertextstrukturen

Da aufgrund der begrenzten Projektionsfläche auf Bildschirmen eine Auswahl getroffen werden muss, welche Informationen dem Leser als erstes angeboten werden und die mögliche Auswahl aufgrund der enormen vorhandenen, beziehungsweise entstehenden Menge an Informationsmodulen extrem groß ist, können laut Schmitz potentiell große Orientierungsprobleme für den Leser entstehen, viel mehr, als bei Print-Medien (vgl. Schmitz 2001: 212).

Balthas Seibold greift in seinem Buch "Klick-Magnete - Welche Faktoren bei Online- Nachrichten Aufmerksamkeit erzeugen" diese Problematik ebenfalls auf, vor allem in Bezug auf die Überschriften von Artikeln die auf einer Online-Zeitung angeboten werden. Er greift zuerst die zentralen drei Funktionen von Überschriften bei Nachrichten im Allgemeinen auf:

1. Das Thema muss angekündigt werden, der Leser muss also zumindest im Ansatz wissen, was ihn erwartet.

2. Die Überschrift muss einen Reiz erzeugen, der den Leser dazu bewegen soll, das Thema zu lesen.

3. Die Überschrift ist ein formales Mittel zur Gestaltung der Zeitungsseite und zur Abgrenzung des entsprechenden Artikels von anderen Artikeln.

(vgl. Seibold 2002: 42)

Die Überschrift, dient also als verkürzte Ankündigung der Nachricht, soll die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und dadurch eine Schubwirkung auf den folgenden Teil der Nachricht erzielen, indem sie den Leser dazu bringt, den Artikel zu lesen (vgl. Seibold 2002: 43).

Seibold sieht bei Überschriften und generell bei der Präsentation von Artikeln in OnlineZeitungen allerdings Probleme, die durch die neu aufgekommenen Selektionsstrukturen entstehen, die auf den technischen Begebenheiten von Hypertexten beruhen:

"[...]Online-Nachrichten sind Hypertext-Nachrichten. Das heißt, dass die Informationen von großen Startseiten aus gewählt werden. Dies führt zu einem hohen Selektionsbedarf und einer komprimierten Präsentation mit wenig Entscheidungshilfen. Die Überblicksschwierigkeiten werden durch den begrenzten Wahrnehmungsraum des Bildschirms noch verstärkt. Die neuen Selektions-Strukturen führen zu einem zweifachen Spagat: Erstens zwischen Informationsüberflutung und zu komprimierender Präsentation und zweitens zwischen journalistischer Gewichtung und Entscheidungsfreiheit des Rezipienten." (Seibold 2002: 64)

Mit komprimierter Präsentation meint er, dass Artikel mit möglichst kurzen Überschriften, ohne Teaser und kleinen, oder gar keinen visuellen Elementen auf der Seite angeboten werden und der Leser wenig Entscheidungshilfe bei der Entscheidung bekommt, ob er den Artikel öffnen und lesen soll, oder nicht.

Mit Informationsüberflutung meint er, dass Artikel ausführlich präsentiert werden, also mit längeren Überschriften, Teasern und visuellen Elementen. Dadurch wird die Oberfläche, auf der die Artikel angeboten werden, sehr komplex und für den Leser wird es aufgrund der dadurch entstehenden Komplexität des Angebotes schwierig sich zu orientieren (vgl. Seibold 2002: 43).

Mit journalistischer Gewichtung meint er, das von der Relevanz her höher gewichtete Informationen prominentere Präsentationen bekommen, während andere, als weniger relevant gewichtete Informationen komprimiert präsentiert werden. Dadurch ist das Angebot zwar übersichtlicher, aber der Leser bekommt weniger Entscheidungsfreiheit in seiner Selektionsmöglichkeit, weil er einige Informationen leicht findet und andere nicht so leicht (vgl. Seibold 2002: 45).

Seibold leitet daraus folgendes ab:

"[...]Die Folgen aus den neuen Selektions-Strukturen sind relativ wenig Entscheidungshinweise (= starke inhaltliche Komprimierung) und relativ starke Gewichtung auf formaler Ebene. Damit kann eine starke Aufmerksamkeitslenkung durch "formale" Aufmerksamkeitsfaktoren wie Rangplatz und Präsentation erwartet werden: Weiter oben stehende Nachrichten und multimedial auffällige Nachrichten (mit Bildern) bekommen mehr Aufmerksamkeit." (Seibold 2002:64)

Probleme bei der Link-Kennzeichnung, wie bereits in Kapitel "" beschrieben, können ebenfalls zu Problemen bei der Kohärenz führen, da verlinkte Informationsmodule nichts, oder zu wenig mit dem verknüpften Thema zu tun haben und dem Leser die Erschließung der inhaltlichen Zusammenhänge erschwert wird.

Schmitz zieht die Schlussfolgerung, dass "Je umfangreicher und komplexer das hypermediale Angebot ist, desto mehr muss Kohärenzbildung durch visuelles Design unterstützt werden" (Schmitz 2001: 214).

2.3.5 Bilder in Online-Zeitungen

Schmitz bezeichnet die Oberfläche von Online-Zeitungen als "Hypermediale Bildschirmseiten", die "der komplexeste Versuch [sind], möglichst große und vielfältige Informationsmengen auf möglichst übersichtliche, schnelle Weise zugänglich zu machen"(Schmitz 2001: 212).

Visuelle Mittel sollen daher eine Orientierungshilfe für den Leser sein und "sichtbare Hinweise" auf Inhalt und Struktur der angebotenen Informationsmodule geben (Schmitz 2001: 212).

Bilder haben für Schmitz vier Aufgaben in Online-Zeitungen:

- Aufmerksamkeit erzeugen
- Lektüre steuern
- Informieren
- unterhalten

Nach Schmitz Ansicht erscheinen Bilder in Online-Zeitungen in der Regel fast nur in Zeigefunktion und funktionieren, genau wie in gedruckten Zeitungen, nur als plakativer Einstiegspunkt neben den Texten, ohne dass der Textinhalt näher auf das Bild eingeht (vgl. Schmitz 2001: 221).

Aufgrund der technischen Möglichkeiten kommen Bilder in Online-Zeitungen weitaus häufiger vor, als in Print-Zeitungen. Jeder Artikel wird mit einem Bild versehen und auf der Homepage, oder auf einer Unterseite angekündigt.

Schmitz nennt außerdem vier Arten von Text-Bildbeziehungen:

- Diskrepanz: Hierbei lenken Text und Bild voneinander ab.
- Neutralität: Text und Bild stehen gleichgültig nebeneinander und nehmen keinen wirklichen Bezug zueinander.
- Ergänzung: Der Text ergänzt das Bild mit Informationen, oder anders herum.
- Wechselseitige Erhellung: Text und Bild sind eng miteinander verknüpft, erläutern einander und würden ohne einander nicht in dem Sinne funktionieren, die sie als Kombination ergeben. Als Beispiel dafür kann man einen Text nehmen, der sich genau auf das in ihm enthaltene Bild bezieht, es beschreibt und Informationen dazu gibt, die das Bild alleine nicht vermitteln könnte.

Laut Schmitz kommen bei Zeitungen am häufigsten Bilder vor, die entweder neutral oder als Ergänzung zum Text funktionieren. Das Bild dient zur optischen Auflockerung und hält Informationen zum Text bereit (vgl. Schmitz 2001: 228).

2.4 Nachrichtenauswahl

Nachdem die Struktur der Online-Zeitung betrachtet und dargestellt wurde, was die spezifischen Eigenschaften daran sind, muss man sich ebenfalls die inhaltliche Ebene ansehen, also den thematischen Inhalt, der in gedruckten Zeitungen und auf ihren Online- Versionen angeboten wird. Es muss festgestellt werden, anhand welcher Basis Nachrichten ausgewählt werden und ob es Faktoren gibt, die diese Auswahl in Online-Zeitungen beeinflussen

2.4.1 Die Nachrichtenwert-Theorie

In der Nachrichtenforschung wurde zur Untersuchung der Auswahl von Nachrichten die sogenannte Nachrichtenwert-Theorie aufgestellt, die versucht, bestimmte Kriterien festzustellen, sogenannte Nachrichtenwerte, die Einfluss darauf haben, ob Geschehnisse zur Nachricht werden und in den Massenmedien berichtet werden. Diese Nachrichtenwerte sollen also festlegen, ob ein Geschehnis berichtenswert ist, und wenn ja in welchem Umfang darüber berichtet werden soll.

Georg Ruhrmann und Roland Göbbel geben in ihrer Untersuchung "Veränderung der Nachrichtenfaktoren und Auswirkungen auf die journalistische Praxis in Deutschland" einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung des Forschungsfeldes und fassen Trends zur weiteren Entwicklung der Nachrichten und Nachrichtenforschung zusammen.

Der Grundstein der Nachrichtenwert-Theorie ist laut Ruhrmann und Göbbel von Walter Lippmann im Jahr 1922 gelegt worden, der laut den Autoren die These aufgestellt hat, das niemals alle auf der Welt geschehenden Ereignisse von Journalisten wahrgenommen werden können. Ruhrmann und Göbbel entnehmen dieser These, dass die Komplexität der Umwelt es unmöglich macht, durch Nachrichten ein direktes Abbild der Wirklichkeit zu vermitteln. Daraus folgt ein Zwang zur Reduktion der Informationskomplexität und nur ein Bruchteil der täglich auf der Welt passierenden Ereignisse können zur Nachricht werden.

Lippmann führt den Begriff des Nachrichtenwertes ein, der die Publikationswürdigkeit von Ereignissen bestimmen soll, und der sich aus Kombinationen von Merkmalen ergibt, welche den Ereignissen von Journalisten zugerechnet werden.

Die Autoren zählen folgende, von Lippmann gegebene Kriterien auf, die den Nachrichtenwert bestimmen: Ungewöhnlichkeit, Bezug zu bereits eingeführten Themen, zeitliche Begrenzung, Einfachheit, Konsequenzen, Beteiligung einflussreicher oder bekannter Personen sowie die Entfernung des Ereignisortes zum Verbreitungsgebiet des Mediums (vgl. Ruhrmann & Göbbel 2007: 3).

Die europäische Forschungstradition auf diesem Gebiet wurde von Einar Östgaard im Jahr 1965 begründet. Er fasst Nachrichtenfaktoren zu den übergeordneten Kategorien Vereinfachung, Identifikation und Sensationalismus zusammen. Seiner Meinung nach werden Meldungen wahrscheinlicher ausgewählt, wenn sie diesen drei Bedingungen entsprechen. Daher werden einfach aufgebaute Meldungen unübersichtlichen Ereignissen vorgezogen und unübersichtliche Ereignisse werden in vereinfachter Form dargestellt. Des Weiteren besteht laut Östgaard eine Tendenz, bevorzugt vertraute und bekannte Ereignisse zu thematisieren (vgl. Ruhrmann & Göbbel 2007: 5).

Ruhrmann und Göbbel führen auch die Arbeit von Johan Galtung und Mari Holmboe Ruge auf, die in einer im Jahr 1965 erschienen Analyse zu Auslandsberichterstattung ein weiterführendes Konzept über Nachrichtenfaktoren und den Nachrichtenauswahlprozess aufgestellt haben. Galtung und Ruge gehen davon aus, dass Nachrichtenfaktoren sowohl bei der journalistischen Auswahl, als auch im Rezeptionsprozess des Lesers wirksam sind. Sie beschreiben den Nachrichtenauswahlprozess als mehrstufigen Selektionsprozess, bei dem die Nachrichtenfaktoren als Auswahlkriterien zunächst die Wahrnehmung der Journalisten lenken und so das Nachrichtenbild beeinflussen. Der Leser, der aus dem Informationsangebot der Massenmedien eine Auswahl trifft, wird ebenfalls von den Nachrichtenfaktoren bei der Auswahlentscheidung beeinflusst.

Galtung und Ruge definieren zwölf Auswahlkriterien, darunter acht kulturunabhängige und vier, die auf die nordeuropäischen Kulturen bezogen sind:

1. Dauer des Ereignisses
2. Schwellenfaktor
3. Eindeutigkeit
4. Bedeutsamkeit
5. Konsonanz
6. Überraschung
7. Kontinuität
8. Komposition/Variation
9. Betroffenheit von Elite-Nationen
10. Betroffenheit von Elite-Personen
11. Personalisierung
12. Negativismus

(vgl. Ruhrmann & Göbbel 2007: 5)

Galtung und Ruge haben folgende Hypothesen definiert, um ihre Wirkungsweise bei der journalistischen Nachrichtenvermittlung zu überprüfen:

- Nachrichtenfaktoren wirken additiv und komplementär. Demnach ist die Chance für ein Ereignis, zur Nachricht zu werden umso größer, je mehr Nachrichtenfaktoren auf ein Ereignis zutreffen. (Additivitätshypothese)
- Auch sollte das Fehlen oder die zu geringen Ausprägungen von einem oder mehreren Nachrichtenfaktoren dadurch auszugleichen sein, dass das betreffende Ereignis andere Kriterien umso stärker erfüllt. (Komplementaritätshypothese)
- Davon lässt sich die sogenannte Exklusionshypothese ableiten: Wenn auf das Ereignis zu wenige oder gar keine Nachrichtenfaktoren zutreffen, dann wird nicht darüber berichtet.

(vgl. Ruhrmann & Göbbel 2007: 6)

Ruhrmann und Göbbel bilden anhand von mehreren ausgeführten Studien zur Überprüfung der Wirkungsweise von Nachrichtenfaktoren in den deutschen Medien einige Trends zur weiteren Entwicklung der Nachrichten und Nachrichtenforschung heraus. Die für diese Arbeit relevanten sind folgende:

- Die journalistische Nachrichtenauswahl und -produktion ist geprägt durch zunehmende Konkurrenz, die sich in gesteigertem Aktualitätsdruck äußert. Dieser kann bei konstanten oder schwindenden finanziellen, technischen und auch qualifikatorischen Ressourcen zu einem Zwang zur Aktualität führen.
- Das Nachrichtenangebot hat sich aufgrund zunehmender Konkurrenz quantitativ und auch qualitativ vervielfältigt, d.h. Programmlich und inhaltlich-thematisch stark differenziert.
- Die Nachrichtenfaktoren Personalisierung, Konflikt, Gewalt/Aggression, Emotionen und Visualisierung steigern bei vielen, gerade auch den unpolitischen Themen den Beachtungsgrad bzw. Den Nachrichtenwert - dies kann für bestimmte Teilpublika unter bestimmten Voraussetzungen eine bereits vorhandene Depolitisierung verstärken.

(vgl. Ruhrmann & Göbbel 2007: 16)

Die Studien, die sie als Basis für diese Trends ausgewertet haben, sind unter anderem "Die Konstruktion von Realität in den Nachrichtenmedien: Analyse der aktuellen Berichterstattung" und "News structure and people´s awareness" von Winfried Schulz aus dem Jahr 1976 und 1982 und "Nachrichtenwert-Theorie. Formale Struktur und empirischer Gehalt" von Joachim Friedrich Staab aus dem Jahr 1990.

Neben dem Prinzip der Nachrichtenwert-Theorie muss noch eine weitere Theorie betrachtet werden, die sich bereits nachweisbar durch das Medium Internet verändert hat. Dies ist die Theorie des Gatekeepings.

2.4.2 Vom Gatekeeper zum Gatewatcher

Ein wesentlicher Faktor, der bestimmt, welche Nachrichten überhaupt von den Massenmedien verbreitet werden ist das Prinzip des Gatekeepings. Axel Bruns beschreibt die Theorie des Gatekeepings in seinem Beitrag "Vom Gatekeeping zum Gatewatching" als "ein Regime der Kontrolle darüber, welche Inhalte aus den Produktionsprozessen in Druckund Funkmedien an die Öffentlichkeit gelangen" (Bruns 2009: 107).

Er beschreibt zwei metaphorische Tore einer Zeitung. Zum einen den Eingang, der bestimmt, welche Informationen in den Nachrichtenproduktionsprozess der Redaktion eingelassen werden. Aufgrund der beschränkten Menge an Seitenraum, der Zeitungen zur Verfügung steht, muss eine Auswahl der vor diesem Eingang wartenden Informationen getroffen werden. Dabei werden nur die Informationen aufgenommen, die als am meisten relevant für die Konsumenten des Mediums erachtet werden. Die Auswahl unterliegt den bereits beschriebenen Nachrichtenfaktoren. Weitere Beschränkungen, die Einfluss auf diesen Prozess haben, sind organisatorische Strukturen, zum Beispiel die Einteilung der einzelnen Journalisten in Ressorts, die sich nur mit für diese Ressorts relevanten Themen beschäftigen, oder begrenzte Zeit bei der Recherche, oder auch kommerzielle oder politische Interessen des Medienhauses (vgl. Bruns 2009: 108).

Das zweite Tor ist der Ausgang, und beschreibt alle Informationen, die als produzierte Nachrichten in die Öffentlichkeit über das Medium entlassen werden.

Bruns nennt außerdem einen dritten Aspekt, und zwar das Stadium nach der Publikation von Informationen, bei der die Reaktion der Leser, beispielsweise in Form von Leserbriefen durch eine getroffene Auswahl die veröffentlicht wird, selektiert wird.

Das Internet als Medium kann alle drei dieser Vorgänge umgehen. Die technischen Einschränkungen durch begrenzten Platz gibt es im Internet nicht und eine Selektion der generell vorhandenen Informationen wird des Weiteren insofern ineffektiv, dass es durch das Internet eine stark erhöhte Wahrscheinlichkeit gibt, dass die Informationen an anderer Stelle veröffentlicht werden, oder sogar den Weg über den journalistischen Prozess komplett ignorieren und direkt am Ursprung an die Öffentlichkeit gelangen. Leser können ihre Reaktionen auf konsumierte Informationen im Internet beispielsweise durch Kommentare öffentlich machen(vgl. Bruns 2009: 111).

Am meisten ist das Gatekeeping laut Bruns an der Eingangsstufe bedroht, da der Leser alle Informationen über das Internet finden kann, auch wenn eine Online-Zeitung nicht über diese berichtet. Daher kann der Leser Vergleiche treffen und eventuell sogar Schlussfolgerungen daraus ziehen, warum über etwas nicht berichtet wurde, beispielsweise aus Gründen der politischen oder wirtschaftlichen Orientierung(vgl. Bruns 2009: 112).

Bruns nennt als Lösung für dieses Problem, so viele Informationen wie möglich an der Eingangsstufe hineinzulassen, damit diese dann analysiert und bewertet werden können. Der Journalist wird sozusagen vom Schleusenwärter, der nur bestimmte Dinge hindurchlässt, zu einem Bibliothekar, der alles aufnimmt, betrachtet und archiviert.

Bruns beschreibt diesen Wechsel der Strategie als Gatewatching, bei dem man, statt das eigene Tor zu bewachen, andere Tore beobachtet und nach relevanten Informationen Ausschau hält. Man schaut also auch auf andere Nachrichtenproduzenten und beobachtet deren herausgegebenes Material (vgl. Bruns 2009: 113).

Diese neue Form der Informationsbeschaffung hat Einfluss auf die Produktion von Nachrichten. Gatewatcher beobachten, welches Material verfügbar und relevant ist, um es bei Bedarf aufzunehmen und in strukturierte und aktuelle Berichterstattung einfließen zu lassen (vgl. Bruns 2009: 114).

In dieser Form des Nachrichtenproduktionsprozesses wird sich weniger auf komplett abgeschlossene Berichte gesetzt, sondern eher auf eine Vermittlung und Hinweisgabe auf Neuigkeiten, die in anderen Informationsquellen verfügbar sind. Diese Art der Berichterstattung gestaltet sich eher in der Form von Kurzmeldungen, die je nach Ereignisverlauf laufend aktualisiert werden oder in Form von Übersichten mit weiterführenden Links zu einer Reihe von Neuigkeiten (vgl. Bruns 2009: 115).

2.4.3 Der Faktor Klickanreiz

Es gibt einen finanziellen Aspekt, der einen Unterschied in der Nachrichtenauswahl und auch in der Art der Nachrichtendarstellung zwischen einer gedruckten Zeitung und einer OnlineZeitung hervorbringt. Mit diesem finanziellen Aspekt ist die unterschiedliche Generierung von Einnahmen der beiden Medien gemeint.

Eine gedruckte Zeitung wird als Ganzes verkauft. Die Zeitung präsentiert sich als in sich abgeschlossenes Produkt mit einer festen Struktur, die durch ihren Aufbau in Form von Rubriken, ihr Layout und ihren selbst festgelegten Fokus auf gesellschaftliche Themen bestimmt wird, also ob sie eher auf Boulevard-Themen mit viel Unterhaltungsfaktor, oder auf politische, kulturelle und wirtschaftliche Themen mit informationellem Mehrwert ausgerichtet ist.

Beim Kauf einer Zeitung entscheidet sich der Leser für dieses Gesamtpaket und wählt die Zeitung als seine Quelle für "alle Nachrichten des Tages" aus und bewertet die Nachrichtenauswahl der Zeitung durch seinen Kauf somit als für ihn relevant und ausreichend genug.

Dadurch, dass das Geld bereits durch den Kauf der Zeitung eingenommen wird, spielt die inhaltlich interessante Gestaltung der Themen im Sinne des Kaufanreizes, beispielsweise durch anregende Überschriften, oder die Wahl von Aufmerksamkeit erregenden Bildern, im Vergleich zur Online-Zeitung eine eher untergeordnete Rolle. Der Leser hat den Stil und die Präsentationsart der Zeitung, faktisch, reißerisch, oder wie auch immer, bereits als für ihn akzeptabel bewertet. Für gedruckte Zeitungen als Ganzes geht es eher um langfristige Leserbindung durch konsequente Einhaltung der eigenen Standpunkte und des eigenen Stils.

Bei Online-Zeitungen nimmt die, auf den Klickanreiz gezielte, Gestaltung des Nachrichtenangebotes eine ganz andere Rolle ein. Die Inhalte werden in der Regel kostenlos im World Wide Web verfügbar gemacht. Der potentielle Leser kann die Website einer Online-Zeitung besuchen und ihm werden alle produzierten Nachrichtenangebote kostenlos präsentiert.

Die Einnahmequellen im Online-Bereich liegen zu einem großen Teil darin, Werbefläche auf der Website der Online-Zeitung gegen Bezahlung zur Verfügung zu stellen. Um den Wert dieser Werbeplätze möglichst hoch zu setzen, müssen viele Internet-Nutzer dazu animiert werden, die Online-Zeitung zu besuchen und die verschiedenen Seiten der Zeitung, auf denen die Werbung platziert ist, aufzurufen und die angezeigte Werbung dadurch zu konsumieren. Daher müssen die auf der Website angebotenen Inhalte einen möglichst hohen Klickanreiz bieten.

Grundsätzlich gelten für Online-Zeitungen dieselben, aus der Nachrichtenwert-Theorie hervorgehenden, Auswahlkriterien, wie für alle anderen Massenmedien auch, da das Prinzip, nämlich die Vermittlung des relevanten alltäglichen Geschehens, auch für eine Online- Zeitung gilt.

Die, aus der Art der Einnahmen-Generierung entstandene, Notwendigkeit, für Klickanreize zu sorgen, lässt jedoch eine Verschiebung der Gewichtung der Nachrichten in Online-Zeitungen vermuten, sowohl auf der Ebene der generellen Themenauswahl für die reichweitenstarke Hauptprojektionsfläche der Online-Zeitung, also deren Homepage, als auch auf der Meta- Ebene der Präsentation von einzelnen Artikeln, also deren Überschriften und Bebilderung.

Der von Ruhrmann und Göbbel aufgestellte Trend, dass "[d]ie Nachrichtenfaktoren Personalisierung, Konflikt, Gewalt/Aggression, Emotionen und Visualisierung [...] bei vielen, gerade auch den unpolitischen Themen den Beachtungsgrad bzw. Den Nachrichtenwert[...][steigern]"(Ruhrmann & Göbbel 2009: 16), lässt vermuten, dass Nachrichten, die vor allem diese Nachrichtenfaktoren enthalten, in Online-Zeitungen eine stärkere Gewichtung und somit eine prominentere Präsentation erhalten, als andere Nachrichten, da das Interesse der Leser an solchen Nachrichten höher ist und somit mehr Klickanreiz besteht.

In der Metaebene der Präsentation von Nachrichten, als in den Überschriften und der Bebilderung ist in Online-Zeitungen ebenfalls eine Verschiebung in die Richtung von, den Klickanreiz fördernden, Nachrichtenfaktoren zu erkennen. Bei der Formulierung der Überschrift wird der Fokus verstärkt auf diese Faktoren gesetzt und somit der Klickanreiz optimiert. Die, durch Seibold beschriebene, höhere Gewichtung bestimmter Nachrichtenaspekte und die dadurch punktuell hervorgehobene Präsentation auf der Oberfläche der Online-Zeitung, verändert die Funktion und die Machart der Überschriften, da sie nicht mehr, wie von Seibold beschrieben, als eine verkürzte Ankündigung der Nachricht dienen, sondern einen möglichst hohen Klickanreiz für den Leser erzeugen sollen (vgl. Seibold 2002: 43).

[...]

Ende der Leseprobe aus 98 Seiten

Details

Titel
Politische Berichterstattung in Print und Online
Untertitel
Ein Vergleich der Printausgabe und des Online-Auftritts des Kölner Stadt-Anzeigers mit dem thematischen Schwerpunkt auf den Landtagswahlen 2017 in Nordrhein-Westfalen
Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln
Note
2,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
98
Katalognummer
V419698
ISBN (eBook)
9783668683631
ISBN (Buch)
9783668683648
Dateigröße
3569 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Journalismus, Print, Online, Berichterstattung, Zeitung, Politik
Arbeit zitieren
Alexander Mayer (Autor), 2017, Politische Berichterstattung in Print und Online, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/419698

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