Die Königserhebung von Otto dem Großen. Eine Herrscherpersönlichkeit aus Sicht der Ottonen


Hausarbeit, 2017

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Anfänge Ottos des Großen

3. Die Königerhebung Ottos
3.1 Der Realitätsgehalt der Res Saxonicae
3.2 Vergleichende Einblicke der Königserhebung

4. Fazit

1. Einleitung

Quellenspezifisch angesehen ermöglichen uns die aktuell vorhandenen Quellen nur sehr wenig Einsicht in diese Epoche. Basierend auf Schriften, Aufzeichnungen und anderen Dokumenten können sich nur grobe Hypothesen anführen lassen, welche uns eine ungefähre Vorstellung von dem geben können, was einst vorgefallen ist. Aktuell zirkulieren in Fachkreisen verschiedenste Ansichten darüber, inwiefern die Geschehnisse der damaligen Zeit wirklich stattgefunden haben. Die schwierige Quellenlage lässt gegenwärtig noch einen Toleranzrahmen zu, was die Deutung und Interpretation einzelner Dokumente betrifft. Verschiedene Faktoren können hierfür eine Ursache sein. Sei es zum Beispiel die Tatsache, dass während der damaligen Zeit nur sehr wenige Menschen in der Lage gewesen sind, zu schreiben. Für uns heute wichtige Stationen in der Weltgeschichte könnten mittels der Eindrücke verschiedener Zeitzeugen genauer untersucht werden. Des weiteren spielt die enorme Periode eine bedeutsame Rolle, von welcher wir ausgehen müssen. Dieser Aspekt hat viele Quellen unbrauchbar gemacht. Schwer zu entziffernde Dokumente oder gänzlich zerstörte Schriften vereinfachen die Arbeit keineswegs.

In dieser wissenschaftlichen Arbeit befasse ich mich mit der Aachener Königserhebung des Jahres 936 von Otto dem Großen und fokussiere mich hierbei auf die Intention und den Realitätsgehalt des Königsberichts Widukinds. Es gilt zu untersuchen, inwieweit dieser Quelle des einzigen zeitgenössischen Zeugens Glaubwürdigkeit zu schenken ist. Vergleichend dazu möchte ich den frühottonischen Ordo heranziehen und die Quellen kritisch hinterfragen. Ziel der Arbeit ist die Diskussion einschlägiger Literatur, welche unterschiedliche Ansichten gegenüber der Glaubwürdigkeit Widukinds vertreten. Die zentralen Forschungen, auf denen diese Arbeit beruht, sollen hier kurz genannt sein:

2. Die Anfänge Ottos des Großen

Im Jahre 919 war der Sachsenherzog Heinrich I. von dem sterbenden Frankenkönig Konrad I. als Nachfolger empfohlen worden. Widukind erzählt, dass der Franke Konrad, nach einigen vergeblichen Versuchen ihn auszuschalten, eingesehen habe, dass Heinrich der Überlegenere und beste König sei.

„ Nachdem der Vater des Vaterlandes und der gr öß te und beste der K ö nige, Heinrich, gestorben war, w ä hlte sich das ganze Volk der Franken und Sachsen seinen Sohn Otto, der schon von seinem Vater zum K ö nig designiert worden war, zum F ü rsten. Als Ort der allgemeinen Wahlhandlung wurde Aachen festgesetzt. “ 1

Heinrich I. bekommt so das Attribut des Unbesiegbaren zugeschrieben. Damit begann im Ostfränkischen Reich die Herrschaft der Ottonen. Als Heinrich I. selbst auf dem Sterbebett lag, bestimmte er seinen ältesten Sohn Otto zum Nachfolger. Dieser sei noch bedeutender als sein Vater, den vermeintlich „bedeutendsten König aller Könige Europas“2 Die Betonung des Vaters als großen Herrscher ist die Vorarbeit Widukinds auf die Beschreibung des noch bedeutenderen Sohnes Otto.

Eigentlich war Heinrichs Nachfolge mit der karolingischen Tradition geklärt, die besagte, dass das Reich unter den Söhnen aufgeteilt wurde. Heinrich hatte vier Kinder. Einen Sohn (Thankmar), aus seiner ersten Ehe mit Hatheburg, sowie drei Söhne (Otto, Heinrich und Brun) aus zweiter Ehe mit Mathilde. Zu Beginn seines zweiten Buches seiner Sachsengeschichte berichtet Widukind, dass Heinrich bereits vor seinem Tod Otto zum König bestimmte (designavid) und ihn über seine Brüder und das gesamte Volk der Franken und Sachsen stellte (praefecit). Nach Heinrichs Tod wurde Otto von den Großen aus Franken und Sachsen zum König gewählt.3 Heinrich brach somit die Tradition und ernannte Otto zum Alleinerben. Er ließ seine erste Ehe annullieren, wodurch Thankmar keinen Anspruch mehr auf den Thron hatte. Brun schied automatisch als Thronfolger aus, da er Geistlicher war und Heinrich blieb zwar weltlich, ihm wurden aber keinerlei Aufgabengebiete zugesprochen. 929 bzw. 930 holte sich Heinrich persönlich bei den Herzögen die Zustimmung für diese neue Hausordnung, die besagte, dass künftig nur noch ein Sohn die Königswürde erhalten würde, der Älteste.4

Heinrich I. hatte in Otto, seinem ältesten Sohn aus der Ehe mit Mathilde, seinen Nachfolger gesehen und äußerte diesen Wunsch wiederholt kurz bevor er verstarb. Otto wurde jedoch nach dem Tod seines Vaters nicht ohne weiteres König, sondern musste von den Großen seines Reiches gewählt und erhoben werden. Am 7. Oder 8. August 936, ca. 6 Wochen nach Heinrichs Tod trat dies ein. Wenn man bedenkt, dass diese Angelegenheit bereits durch Heinrichs Wunsch geregelt war und ein allgemeines Interesse bestand, die herrscherlose Zeit möglichst kurz zu halten, waren diese 6 Wochen eine bezüglich diesen Aspektes lange Zeitspanne. Die Überlieferung Widukinds von Corvey vermittelt jedoch den Eindruck, dass eine Wahl schnell erfolgt habe.5

Widukind von Corvey beschrieb in seiner „Sachsengeschichte“ Otto den Großen als vorbildlichen Herrscher und Menschen. Er war vor allem ausgezeichnet durch „ seine Fr ö mmigkeit, in seinen Unternehmungen unter allen Sterblichen der best ä ndigste, abgesehen von dem Schrecken, den er durch seine k ö nigliche Strafgewalt verbreitete, immer freudig, gro ß z ü gig im Geben und brauchte wenig Schlaf; [ … ] Er schlug seinen Freunden nichts ab und war ihnen ü bermenschlich treu [ … ] Seine Geistesgaben waren bewundernswert; denn nach dem Tod von K ö nigin Edith lernte er so gut die Buchstaben, die er vorher nicht kannte, da ß er B ü cher die Menge lesen und verstehen konnte. Au ß erdem wu ß te er in der romanischen und slavischen Sprache zu reden; “ 6 Auffällig ist, dass er beinahe nur positive Eigenschaften Ottos I. beschreibt und diesen große Anerkennung und Lob schenkt. Ottos großartigen Fähigkeiten werden hervorgehoben und seine Persönlichkeit idealisiert.

„ [ … ] Auf die Jagd ging er h ä ufig, er liebte das Brettspiel, und mit k ö niglichem Ernst ü bte er sich bisweilen im Reiterspiel. Dazu kam noch der gewaltige K ö rperbau, der die ganze k ö rperliche W ü rde zeigte, das Haupt bedeckt mit ergrauendem Haar, die Augen funkelnd und glei ß end wie ein Blitz, der pl ö tzlich aufleuchtet, das Gesicht r ö tlich und der Bart reichlich niederwallend, entgegen dem alten Brauch. Die Brust war wie mit einer L ö wenm ä hne bedeckt, der Bauch nicht zu dick, der Schritt fr ü her schnell, jetzt gemessener [ … ] “ 7 Es scheint, als würde Widukind von einer Art „göttlichen“ Gestalt sprechen. Sein äußeres Erscheinungsbild fasst Widukind mit höchst positiven Worten zusammen, sodass es beinahe glorifizierend wirkt.

Otto wurde laut Widukind schnell und unkompliziert zum neuen König gewählt. Der Kanoniker Flodoard war ein Geschichtsschreiber in Reims und verfasste ein Annalenwerk, welches eine ganz anders klingende Darstellung darbrachte. Er war äußerst gut über die aktuellen Ereignisse unterrichtet und fertigte seine Berichte zeitnah zu den Geschehnissen an. Widukind hingegen verfasste seine Auffassung erst in der Spätzeit Ottos. Der Fokus Flodoards richtete sich vor allem auf das Westfrankenreich und Lotharingien. Den östlich gelegenen Gebieten des Rheins brachte er nur wenig Interesse entgegen, daher war sein Bericht über einen Streit der Söhne Heinrichs I. und die Herrschaft, bei dem sich Otto durchgesetzt habe, ein aussagekräftiger Beleg für die Bekanntheit und Bedeutung dieser Auseinandersetzung. Dass zumindest Spannungen zwischen den beiden Brüdern herrschten, lässt sich auch aus einem etwas beschönigenden Kommentar Widukinds erkennen. Laut Widukind sei während der Erhebung Ottos zum König der Markgraf Siegfried in Sachsen geblieben, um einen möglichen Angriff der Feinde entgegenzuwirken. Er „ hatte als Erzieher des jungen Heinrich diesen bei sich. “ 8 So harmonisch, wie Widukind es vermitteln will, ist der Übergang der Herrschaft von Heinrich I. auf Otto sicherlich nicht verlaufen, denn seit langem ist die Forschung sich einig, dass der junge Heinrich vorübergehend inhaftiert war.9

Widukind schildert die Zeremonien, mit denen Otto die Nachfolge seines Vaters antreten sollte, sehr ausführlich. Dabei handelt es sich nicht allein um einen Tatsachenbericht, sondern mindestens im gleichen Maße um die Formulierung seiner Vorstellungen einer idealen Königsherrschaft.

3. Die Königserhebung Otto des Großen

„ Und als man dorthin gekommen war, versammelten sich die Herz ö ge und die Ersten der Grafen mit der Schar der vornehmsten Ritter in dem S ä ulenhof, der mit der Basilika Karls des Gro ß en verbunden ist, und setzten den neuen Herrscher auf einen hier aufgestellten Thronsessel; hier huldigten sie ihm, gelobten ihm Treue und versprachen ihm Hilfe gegen alle seine Feinde und machten ihn so nach ihrem Brauch zum K ö nig. “ 10 Diese Stelle belegt, dass Widukind nicht eindeutig von der Wahl Ottos spricht, sondern lediglich die Entscheidung andeutet, die bereits gefallen war. In Aachen war vor allem die formale Anerkennung des neuen Herrschers von Bedeutung. Wahrscheinlich knieten die Großen vor dem neuen Herrscher nieder, legten ihre Hände in seine und schwuren ihm Treue. Der König wurde erhoben und ihm sollten nicht nur Lehnsleute, sondern die mächtigsten weltlichen Adeligen, sowie die hohe Geistlichkeit und ebenso das einfach Volk untertan sein. Diese besondere Stellung des Herrschers in seinem Reich wird in der geistlichen Erhebungszeremonie, die allein Königen zustand, noch deutlicher.11

Der geistliche Akt der Erhebungszeremonie wird von Widukind noch detaillierter dargestellt, als der weltliche Akt. Die Darstellung Widukinds beschreibt, dass Otto beim Betreten der Kirche bereits von den Bischöfen, den Priestern und dem Volk erwartet wurde. Der Erzbischof von Mainz lief ihm entgegen, führte ihn in die Mitte der Kirche und forderte alle Anwesenden auf, der Wahl Ottos zum neuen König zuzustimmen. „ Seht, hier bringe ich euch den von Gott erkorenen und einst vom gro ß m ä chtigen Herrn Heinrich bestimmten, nun aber von allen F ü rsten zum K ö nig gemachten Otto; wenn euch diese Wahl gef ä llt, so bezeugt dies, indem ihr die rechte Hand zum Himmel emporhebt. “ 12 Nachdem die Akklamation vollzogen war, ging der Erzbischof mit Otto hinter den Altar, auf dem die Insignien der königlichen Macht bereitlagen. Nebenbei erwähnt Widukind ebenso, dass Otto mit eng anliegendem Gewand bekleidet war.

[...]


1 Widukind von Corvey, Rerum gestarum Saxonicarum libri tres, ed. Paul Hirsch/Hans Eberhard Lohmann, Hannover 1935, S.63.

2 Widukind von Corvey, Res gestae Saxonicae 1,25.

3 Vgl. Widukind von Corvey, Sachsengeschichte, II. cap.1 (2,1?), S.63.??

4 Vgl. Rogge, Jörg: Die deutschen Könige im Mittelalter: Wahl und Krönung, Darmstadt 2011, S.4-7

5 Vgl. Althoff, Gerd/ Keller, Hagen, Heinrich I. und Otto der Grosse. Neubeginn und karolingisches Erbe, Göttingen/Zürich 1985, S.112 f.

6 Widukind von Corvey, Res gestae Saxionicae, übers. und hrsg. Von Reinhold Schottin, 2.Aufl. Leipzig 1913, S.36 f.

7 Widukind von Corvey, Res gestae Saxonicae, übers. Und hrsg. Von Ekkehart Rotter/Bernd Schneidmüller (Reclams Universal Bibliothek 7699), Stuttgart 2006, S.67.

8 Vgl. ebd.

9 Vgl. Köpke, Rudolf, Jahrbücher der Deutschen Geschichte. Kaiser Otto der Große, vollendet von Ernst Dümmler, Leipzig 1886, S.42.

10 Widukind von Corvey, Rerum gestarum Saxonicarum libri tres, ed. Paul Hirsch/Hans Eberhard Lohmann, Hannover 1935, S.64.

11 Vgl. Widukind von Corvey, Rerum gestarum Saxonicarum libri tres, ed. Paul Hirsch/Hans Eberhard Lohmann, Hannover 1935, S.64 f.

12 Vgl. ebd., S.64 f.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Königserhebung von Otto dem Großen. Eine Herrscherpersönlichkeit aus Sicht der Ottonen
Hochschule
Universität Paderborn
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V420604
ISBN (eBook)
9783668686793
ISBN (Buch)
9783668686809
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
königserhebung, otto, großen, eine, herrscherpersönlichkeit, sicht, ottonen
Arbeit zitieren
Alina Weber (Autor), 2017, Die Königserhebung von Otto dem Großen. Eine Herrscherpersönlichkeit aus Sicht der Ottonen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/420604

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Königserhebung von Otto dem Großen. Eine Herrscherpersönlichkeit aus Sicht der Ottonen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden