In dieser wissenschaftlichen Arbeit befasse ich mich mit der Aachener Königserhebung des Jahres 936 von Otto dem Großen und fokussiere mich hierbei auf die Intention und den Realitätsgehalt des Königsberichts Widukinds. Es gilt zu untersuchen, inwieweit dieser Quelle des einzigen zeitgenössischen Zeugens Glaubwürdigkeit zu schenken ist. Vergleichend dazu möchte ich den frühottonischen Ordo heranziehen und die Quellen kritisch hinterfragen. Ziel der Arbeit ist die Diskussion einschlägiger Literatur, welche unterschiedliche Ansichten gegenüber der Glaubwürdigkeit Widukinds vertreten. Die zentralen Forschungen, auf denen diese Arbeit beruht, sollen hier kurz genannt sein:
Quellenspezifisch angesehen ermöglichen uns die aktuell vorhandenen Quellen nur sehr wenig Einsicht in diese Epoche. Basierend auf Schriften, Aufzeichnungen und anderen Dokumenten können sich nur grobe Hypothesen anführen lassen, welche uns eine ungefähre Vorstellung von dem geben können, was einst vorgefallen ist. Aktuell zirkulieren in Fachkreisen verschiedenste Ansichten darüber, inwiefern die Geschehnisse der damaligen Zeit wirklich stattgefunden haben. Die schwierige Quellenlage lässt gegenwärtig noch einen Toleranzrahmen zu, was die Deutung und Interpretation einzelner Dokumente betrifft. Verschiedene Faktoren können hierfür eine Ursache sein. Sei es zum Beispiel die Tatsache, dass während der damaligen Zeit nur sehr wenige Menschen in der Lage gewesen sind, zu schreiben. Für uns heute wichtige Stationen in der Weltgeschichte könnten mittels der Eindrücke verschiedener Zeitzeugen genauer untersucht werden. Des Weiteren spielt die enorme Periode eine bedeutsame Rolle, von welcher wir ausgehen müssen. Dieser Aspekt hat viele Quellen unbrauchbar gemacht. Schwer zu entziffernde Dokumente oder gänzlich zerstörte Schriften vereinfachen die Arbeit keineswegs.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Anfänge Ottos des Großen
3. Die Königerhebung Ottos
3.1 Der Realitätsgehalt der Res Saxonicae
3.2 Vergleichende Einblicke der Königserhebung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit untersucht die Aachener Königserhebung von Otto dem Großen im Jahr 936, wobei ein besonderer Fokus auf die Glaubwürdigkeit des Königsberichts von Widukind von Corvey gelegt wird. Durch den Vergleich mit dem frühottonischen Ordo und die Einordnung in den zeitgenössischen Kontext der ottonischen Geschichtsschreibung soll geklärt werden, inwieweit Widukinds Darstellung als historisch akkurat anzusehen ist oder ob sie primär als idealisierte Inszenierung der Herrschaft zu werten ist.
- Analyse der Intention und des Realitätsgehalts der Sachsengeschichte Widukinds von Corvey.
- Kritische Gegenüberstellung von Widukinds Bericht mit liturgischen Vorschriften (Ordines).
- Untersuchung der Rolle der Aachener Krönung als legitimitätsstiftendes Ereignis.
- Diskussion über die Bedeutung oraler Traditionen und dynastischer Erwartungshaltungen.
- Einordnung des ottonischen Königtums in den Kontext des karolingischen Erbes.
Auszug aus dem Buch
3. Die Königserhebung Otto des Großen
„Und als man dorthin gekommen war, versammelten sich die Herzöge und die Ersten der Grafen mit der Schar der vornehmsten Ritter in dem Säulenhof, der mit der Basilika Karls des Großen verbunden ist, und setzten den neuen Herrscher auf einen hier aufgestellten Thronsessel; hier huldigten sie ihm, gelobten ihm Treue und versprachen ihm Hilfe gegen alle seine Feinde und machten ihn so nach ihrem Brauch zum König.“10 Diese Stelle belegt, dass Widukind nicht eindeutig von der Wahl Ottos spricht, sondern lediglich die Entscheidung andeutet, die bereits gefallen war. In Aachen war vor allem die formale Anerkennung des neuen Herrschers von Bedeutung. Wahrscheinlich knieten die Großen vor dem neuen Herrscher nieder, legten ihre Hände in seine und schwuren ihm Treue. Der König wurde erhoben und ihm sollten nicht nur Lehnsleute, sondern die mächtigsten weltlichen Adeligen, sowie die hohe Geistlichkeit und ebenso das einfach Volk untertan sein. Diese besondere Stellung des Herrschers in seinem Reich wird in der geistlichen Erhebungszeremonie, die allein Königen zustand, noch deutlicher.11
Der geistliche Akt der Erhebungszeremonie wird von Widukind noch detaillierter dargestellt, als der weltliche Akt. Die Darstellung Widukinds beschreibt, dass Otto beim Betreten der Kirche bereits von den Bischöfen, den Priestern und dem Volk erwartet wurde. Der Erzbischof von Mainz lief ihm entgegen, führte ihn in die Mitte der Kirche und forderte alle Anwesenden auf, der Wahl Ottos zum neuen König zuzustimmen. „Seht, hier bringe ich euch den von Gott erkorenen und einst vom großmächtigen Herrn Heinrich bestimmten, nun aber von allen Fürsten zum König gemachten Otto; wenn euch diese Wahl gefällt, so bezeugt dies, indem ihr die rechte Hand zum Himmel emporhebt.“12 Nachdem die Akklamation vollzogen war, ging der Erzbischof mit Otto hinter den Altar, auf dem die Insignien der königlichen Macht bereitlagen. Nebenbei erwähnt Widukind ebenso, dass Otto mit eng anliegendem Gewand bekleidet war. Dies war üblich für den symbolischen Ausdruck der fränkischen Art und verdeutlichte, dass er ein fränkisches reich beherrschen würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel umreißt die Problematik der schwierigen Quellenlage und definiert die Forschungsfrage, die sich auf die kritische Überprüfung von Widukinds Bericht zur Königserhebung Ottos des Großen konzentriert.
2. Die Anfänge Ottos des Großen: Es wird die Nachfolge Heinrichs I. beschrieben und aufgezeigt, wie Widukind durch die Betonung der Väter-Sohn-Nachfolge die idealisierte Herrschaft Ottos vorbereitete.
3. Die Königerhebung Ottos: Dieses Hauptkapitel detailliert den Ablauf der Zeremonie in Aachen und analysiert Widukinds Schilderung im Hinblick auf formale und symbolische Aspekte.
3.1 Der Realitätsgehalt der Res Saxonicae: Eine methodische Auseinandersetzung mit der Zuverlässigkeit von Widukinds Bericht unter Berücksichtigung von Forschungspositionen zu oraler Tradition und Historiografie des 10. Jahrhunderts.
3.2 Vergleichende Einblicke der Königserhebung: Hier erfolgt ein direkter Vergleich zwischen Widukinds Darstellung und dem frühottonischen Ordo, um Diskrepanzen und liturgische Absichten herauszuarbeiten.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis, dass Widukinds Werk trotz seiner interpretatorischen Freiheit als unverzichtbare Quelle für die ottonische Zeit gilt, auch wenn sie keine exakten Protokolle der Ereignisse liefert.
Schlüsselwörter
Aachener Königserhebung, Otto der Große, Widukind von Corvey, Ottonenzeit, Sachsengeschichte, Res Saxonicae, Königsweihe, Legitimation, Herrscherpersönlichkeit, mittelalterliche Historiografie, Ordo, Gottesgnadentum, Quellenkritik, Heinrich I., Aachener Pfalzkapelle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Darstellung der Königserhebung Otto des Großen im Jahr 936 durch den zeitgenössischen Chronisten Widukind von Corvey.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Analyse des Königsberichts Widukinds, der Vergleich mit liturgischen Ordnungen (Ordines) und die kritische Auseinandersetzung mit der ottonischen Geschichtsschreibung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Glaubwürdigkeit Widukinds als Zeugen der Aachener Königserhebung zu prüfen und den Einfluss von dynastischen Erwartungen auf die Dokumentation historischer Fakten zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es wird eine quellenkritische Analyse durchgeführt, die historische Dokumente vergleicht und in den zeitgenössischen Kontext sowie die aktuelle Forschungsdebatte einordnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der dynastischen Nachfolge, die Analyse der Aachener Erhebungszeremonie (weltlich und geistlich) sowie einen intensiven Vergleich mit dem frühottonischen Ordo.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie ottonische Herrschaft, Königserhebung, Historiografie, Quellenkritik und Aachener Krönung charakterisieren.
Warum wird die Glaubwürdigkeit von Widukind in Frage gestellt?
Da Widukind aus einer „verklärten Retroperspektive“ schrieb und oft an die Erwartungshaltungen des Hofes gebunden war, wird hinterfragt, ob er reale Protokolle wiedergibt oder das Ereignis nach literarischen oder dynastischen Mustern idealisiert.
Welchen Einfluss hatte das Jahr 961 auf die Schilderung des Jahres 936?
Die Forschung vermutet, dass Widukind möglicherweise den Ablauf der Krönung Ottos II. aus dem Jahr 961 auf die frühere Zeremonie von 936 übertrug, da er Details wie das Fehlen von Königin Edgitha in 936 nicht anders erklären konnte.
- Citation du texte
- Alina Weber (Auteur), 2017, Die Königserhebung von Otto dem Großen. Eine Herrscherpersönlichkeit aus Sicht der Ottonen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/420604